Es ist müßig an dieser Stelle über Politik und die Unzulänglichkeiten in der Bekämpfung der Sars-CoV2 Pandemie zu schreiben, aber de facto trug auch dies dazu bei, dass ich mir in den ersten Monaten des Jahres 2021 kaum vorstellen konnte Ideen für Bikepackingabenteuer oder ähnliches zu entwickeln, nur um sie kurz danach aufgrund von kurzfristigen Einschränkungen wieder enttäuscht vergessen zu können. Entsprechend verbrachte ich viel Zeit mit langen Läufen und kam dann irgendwann immerhin auf die Idee, einen richtig, richtig langen Lauf anzugehen, um wenigstens ein habwegs motivierendes Ziel zu haben.

Nachdem ich im Oktober 2020 im Pfälzerwald erstmals auf einer Ultradistanz unterwegs war, setzte ich es mir zum Ziel über den Neckartalradweg von Heidelberg zu Freunden nach Heilbronn zu laufen. Die Distanz klang mit 100 km zeitgleich übertrieben, überheblich und motivierend, aber die Strecke war aus meiner Sicht perfekt gewählt, denn mit zahlreichen Bahnhöfen für einen Abbruch, nur wenigen Höhenmetern, guter Beschilderung und gut zu laufendem Bodenbelag war sie für das Vorhaben ideal und mir zudem auch noch vom Fahrrad bekannt.

Die Vorbereitung lief im Grunde gut und die zahlreichen langen Läufe in der winterlichen Dunkelheit und Tristesse konnte ich mir in der Tat mit dem heheren Ziel vor Augen etwas schönreden. Im April war es dann aber soweit und an einem überraschend kühlen Samstag ertestete ich mir meine Freigabe: Der obligatorische naso-pharyngeale Schnelltest auf Sars-CoV2 fiel negativ aus und ich hatte keine Ausreden mehr.

No excuses…

Als ich startete verkündete das Thermometer 3 °C und über das Handschuhsheimer Feld ging es hinaus an den Neckar, dort am Schloss vorbei nach Osten. Direkt vom Start weg viel mir dabei allerdings negativ auf, dass trotz sehr kontrollierten Tempos mein Puls gegenüber dem anvisierten Bereich deutlich zu schnell war. Zunächst erklärte ich mir dies mit den kühlen Temperaturen und ließ mich nicht weiter beirren, aber nach 10 km kam ich dann doch langsam ins Grübeln, was wohl los sei…

Ab Kilometer 20 hatte ich dann Gewissheit darüber, dass es es kein guter Tag werden würde und bei km 30 fühlten sich die Beine schon so an, wie nach meinem Lauf in der Pfalz. 30 km war eine Distanz, die im Training oft gefallen ist, so dass klar war, dass etwas nicht stimmte.

Die Marathondistanz absolvierte ich noch mehr schlecht als recht, aber bei Kilometer 50, mitten in Neckargerach und damit nur 500 m neben dem nächsten Bahnhof, sah ich dann ein, dass es keinen Sinn hatte. Meine Gang war nicht mehr sonderlich ansehnlich, nicht mehr halbwegs effizient und an weitere 50 km war nicht zu denken, so dass ich beschloss dem Versuch ein Ende zu setzen und zum Bahnhof zu wandern – allerdings nicht zu dem in Neckargerach, sondern zum Bahnhof in Mosbach-Neckarelz. 15 km bei bestem Wetter an der frischen Luft, gibt Schlimmeres.

Spätestens im Zug sitzend hätte ich enttäuscht sein können, denn 50 % des Ziels erreicht zu haben war natürlich mehr als nur eine Niederlage und vom eigentlichen Ziel weit entfernt. Später würde ich zu Hause in meinen gut dokumentierten Daten zwar feststellen, dass mein Puls von Anfang an zu hoch war, aber eine Begründung dafür würde ich auch dort nicht finden. Vielleicht hatte ich zum Laufen einfach nur einen schlechten Tag erwischt, aber letztlich interessierte es mich im Zug und auch zu Hause gar nicht so sehr, denn ich hatte trotz allem einen tollen Tag, der mich völlig aus dem Corona-Wahnsinn der letzten Monate herausgeholt hatte und der sich so herrlich nach großem Abenteuer anfühlte – obwohl ich letztlich quasi vor der Haustür und nur flott spazieren war.

In diese Sinne,
Martin

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