Aufgrund der in Österreich und in der Schweiz steigenden Infektionszahlen mussten wir in diesem Jahr viele Bergtouren absagen und es erschein uns auch Anfang Oktober nicht sinnvoll einen Wochenendtrip in die Alpen zu machen. Es liegt in der Natur der Sache, dass es auf den Hütten eng zu geht und manchmal macht es eben Sinn Dinge auch dann nicht zu tun, obwohl man sie eigentlich tun dürfte. Das ist letztlich gemeint, wenn von Eigenverantwortung gesprochen wird.

Als Alternative entschieden wir uns für ein kleines Gravel Bikepacking Adventure im Odenwald. Da mein Bedarf an Übernachtungen im Wald für dieses Jahr seit Mai gedeckt war, wählten wir die Deluxe Variante des Bikepackings: Statt Biwak oder Zelt gab es ein Hotel, denn was viele nicht wissen: Echtes Bikepacking setzt keine kalten und nassen Nächte im Wald, sondern lediglich unförmige Packsäcke An der Sattelstütze voraus…

Unser Plan war einfach und bestand darin, mit dem Zug nach Eberbach zu fahren, um von dort aus über möglichst viel Schotter, neudeutsch eben Gravel, nach Amorbach zu radeln. Dort würden wir im drei Sterne superior Hotel übernachten, um am Tag danach zurück nach Heidelberg zu fahren, ebenfalls, nach Möglichkeit, auf Waldwegen.

Nach dem wir ausgeschlafen und uns bei einem üppigen Frühstück gestärkt hatten, brachte uns die S-Bahn von Heidelberg aus rasch nach Eberbach. Der Start war damit ebenfalls schon einmal deluxe. Vom Bahnhof in Eberbach aus rollten wir ins Ittertal und weiter entlang des Kanals der die Ittertalsperre entwässert Richtung Gaimühle. Dort wechselten wir ins Reisenbachtal, entschieden uns jedoch dazu den Anstieg hoch nach Reisenbach auf Asphalt zu bewältigen. Die Strecke von Gaimühle nach Reisenbach steigt konstant, ist malerisch schön und es gab nur wenig Verkehr – was will man mehr?

Den Weg nach Reisenbach, sowie den Turm auf der Hardt kannte ich bereits, denn die Hardt ist die vierthöchste Erhebung im Odenwald und daher hatte ich sie vor etwa einem Jahr besucht, als wir die acht höchsten Punkte des Odenwalds mit dem Rad abfuhren.

Hinter Reisenbach hatte ich ein paar zusätzliche Kurven im Wald eingeplant, aber eigentlich war unser nächstes Zwischnziel Mudau – nur eben nicht auf dem direkten Weg. Die Waldwege waren schön, aber recht rasch merkten wir an der ein oder anderen Stelle dann doch, dass es gute Gründe gab, warum sich outdooractive.com bei der Planung am PC teilweise weigerte die von mir angedachten Wege einzuzeichnen: Sie waren mitunter ganz schön zugewachsen. Aber es sollte ja auch ein kleines Abenteuer sein und daher erfreuten wir uns am tollen herbstlichen Licht und der Tatsache, dass wir im menschenleeren Wald ganz weit weg von allem waren – zumindest gefühlt.

Mudau erreichten wir irgendwann tatsächlich und weil man auf Gravel bekanntlich nicht so schnell vorwärts kommt, schon gar nicht, wenn eine Grasnarbe auf dem Gravel wächst, legten wir eine kleine Kuchenpause in einem Café ein.

Mit Käsekuchen und Linzertorte im Bauch ging es nun nach einer weiteren Schleife durch den Wald, erneut über zumindest für kurze Strecken abenteuerlichen Bodenbelag, hinab nach Amorbach. Allerdings fuhren wir nicht über die Landstraße, sondern im Wald seitlich der Talkante. Das war absolut genial, denn dort lag einfach perfekter Schotter und wir konnten es bis hinab zum Hotel bei leichtem Gefälle rollen lassen, nur hier und da unterbrochen von Momenten, in denen wir kurz anhielten, um die herbstliche Sonne,die sich durch den Wald brach, am späten Nachmittag zu genießen.

Von Amorbach sahen wir zwar nicht richtig viel, aber wir waren positiv vom kleinen Städtchen mitten im Odenwald überrascht. Eine schöne Klosteranlage mitten im Kern, viele kleine alte Häuser und alles umgeben von den herrlichen Hängen des Odenwalds, auf welchen sich schon langsam und ganz leicht die Bäume zu färben begannen. Auch von unsere Unterkunft, Emich’s Hotel, waren wir aufgrund der schönen, modernen Zimmer, des guten Essens und vor allen Dingen wegen des guten und freundlichen Services ebenso positiv angetan. Das schreibe ich übrigens aus freien Stücken, ohne Werbevertrag oder ähnliches, und kann mir sehr gut vorstellen erneut bei einer Tour mit dem Rad oder auch zu anderer Gelegenheit dort zu übernachten. Amorbach liegt gut, um den Odenwald wandernd oder mit dem Rad zu erkunden. Das ist übrigens schon länger bekannt, denn schließlich wurde die Klosteranlage mitten in den Odenwald gebaut, um diesen zu erschließen.

Am nächsten Tag starteten wir nach Westen Richtung Boxbrunn, am Anfang noch auf offener Flur über die Apfelallee und dann im Wald. Die Sonne ließ sich zunächst noch blicken, aber im Wald war es wirklich herbstlich kühl und klar.

Der Weg durch den Wald hoch nach Boxbrunn war sehr angenehm zu fahren, weil der Anstieg sehr gleichmäßig und der Schotter sehr fein war. Ab Boxbrunn aber begann dann wieder der eher abenteuerliche Teil bis nach Würzberg und weiter Richtung Bullau, denn erneut hatte ich einige zusätzliche Schlenker im Wald eingebaut, verbunden mit abwechslungsreichen Untergründen.

Zum Mittag hin zog sich der Himmel dann etwas zu und bei Bullau änderten wir unseren Plan, denn wir waren ganz ordentlich durchgefroren und noch nicht so richtig weit gekommen. Daher rauschten wir über den Asphalt hinab nach Erbach, um uns dort zu stärken und dann weiter zu planen.

Nach einer heißen Kürbissuppe mit viel zu viel Curry war unser neuer Plan gefasst und wir wollten über Beerfelden weiter nach Hirschhorn am Neckar radeln, um von dort aus mit der S-Bahn zurück nach Hause zu fahren.

Es ging zunächst auf dem Radweg vorbei am Himbächel-Viadukt Richtung Beerfelden und ab dort fuhren wir dem Radweg nach Hirschhorn, wobei dieser uns sehr überraschte, denn er führte nicht über das Finkenbachtal nach Hirschhorn, sondern über die Wälder des Hochplateaus östlich davon. So bekamen wir bis Hirschhorn noch eine ganze Menge Gravel unter die Räder.

Hirschhorn selbst empfanden wir übrigens auch als ganz hübsches Odenwälder Städtchen, mit viel Fachwerk und einem kleinen Schloss, von welchem aus man einen schönen Blick über das Neckartal hat.

Am Bahnhof in Hirschhorn endete dann unsere Dreamteam Bikepacking Gravel Adventure Odenwald Deluxe Tour, wobei der Name wirklich Programm war: Meine Frau und ich als Dreamteam, Bikepacking wegen der unförmigen Taschen an den Sattelstützen, viel Gravel mit allein am zweiten Tag knapp über 1000 Höhenmetern auf 70 km Distanz, teilweise abenteuerliche Waldwege für das Adventure, den Odenwald als Kulisse und mit der Nutzung der S-Bahn und der Übernachtung in Emich’s Hotel auch etwas de luxe…

In diesem Sinne,
Martin

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