So selten wie in diesem Jahr war ich schon lange nicht mehr in den Bergen und die Ursache dafür ist offensichtlich: Covid-19. Zwar mag es derzeit möglich sein, Alpenhütten zu besuchen, aber Platz ist dort traditionell ein rares Gut und auch wenn es ist derzeit ebenso möglich ist, in einem mehr oder eher minder auf Abstand umgerüsteten Massenlager zu übernachten, steht auf einem anderen Blatt, ob das wirklich eine gute Idee ist und sein muss. Bei meinem einzigen Ausflug des Jahres 2020 in die Schweiz hatte ich als es abends in der gemütlichen Stube wie üblich eng wurde durchaus auch gemischte Gefühle. Dazu kommt momentan erschwerend hinzu, dass mehr noch als ohnehin in den letzten Jahren die Menschenmassen in die Berge drängen und die Autobahnen bis zum Anschlag voll sind. In den letzten Jahren stand ich einfach zunehmend mehr im Stau und mittlerweile würde ich sogar sagen, dass es eher die Regel, als die Ausnahme ist im Stau zu stehen. Mit Bus und Bahn anzureisen ist leider nur in den seltendsten Fällen eine Alternative – zu teuer, zu unzuverlässig, zu umständlich und auch nicht nah genug an die Ausgangsorte führend. Mehrfach hatte ich das in den letzten zehn Jahren probier und weiß, dass es leider nicht mehr ist, als eine nette Idee des Alpenvereins.

Doch lange Rede, kurzer Sinn: Vor dem Hintergrund von Corona und zu erwartend hohem Verkehrsaufkommen haben wir alle weiteren geplanten Bergtouren 2020 aus dem Kalender gestrichen und Anfang September ging es nicht in die Schweiz, sondern in die Pfalz. Das Wetter war bestens und wir hatten uns dazu entschlossen die vierte Etappe des Pfälzer Weinsteigs zu laufen, von Deidesheim nach Neustadt an der Weinstraße. Auf uns warteten 20 km mit 640 mH und vor allen Dingen der Möglichkeit auf dem Weinbiethaus eine Stärkung einzunehmen.

Die vierte Etappe des Pfälzer Weinsteigs kann man landschaftlich ganz grob in drei Abschnitte einteilen, zumindest kommt es mir im Nachhinein so vor: Der erste Abschnitt führte von Deidesheim aus unterhalb der Aufschwünge des Pfälzer Walds durch die Weinberge, oder entlang der Grenze zwischen Weinbergen und Wald. Das Bild war geprägt vom Blick über die Rebstöcke und immer wenn es kurz in den Wald ging, war dieser licht, mit sandigen Böden, Kiefern, Pinien und Esskastanien.

Die Weinlese hatte in diesem Jahr unglaublich früh begonnen, aber noch blieb das große Treiben zwischen den Reben aus, denn die meisten Winzer versuchten wohl noch die letzten Sonnenstrahlen mitzunehmen. Viel Sonne zum Ende, kühle Nächte und kein Niederschlag, das ist eine ganz gute Kombination. Wobei Winzer ja immer über das Wetter nörgeln und auch dies möglicherweise nicht gut ist…

Nach Königsbach, wo wir ein kurzes Picknick hatten, wanderten wir tiefer in den Pfälzer Wald hinein. Dabei wechselte das Landschaftsbild komplett und bis zum Erreichen des Weinbiethauses hatten wir dunklere Wälder, mit deutlich mehr Buchen und weniger mediteraner Erscheinung als zuvor.

Der Anstieg zum Weinbiethaus war moderat und oben erwarteten uns typisch pfälzer Spezialitäten (Weinschorle, Saumagen und alles drum herum). Auch wenn wir nicht in der Schweiz waren, ein wenig fühlten wir uns auf der Sonnenterrasse des Weinbiethauses bei tollem Blick über die Rebstöcke unterhalb des Weinbiets doch an alpine Hüttengemütlichkeit erinnert…

Das Weinbiethaus markierte nach 12 km den Beginn des letzten Abschnitts, auf dem der Wald einmal mehr ein ganz anderes Gesicht zeigte. Erneut lichter, aber mit viel an Heidelandschaften erinnerndem Bewuchs im Unterholz. Bis nach Neustadt ging es nun bergab, was nach den deftigen pfälzer Speisen auch ganz gut war…

In Neustadt an der Weinstraße angekommen fiel es uns einfach, ein Fazit zu ziehen: Die vierte Etappe des Pfälzer Weinsteigs war eine wunderschöne, abwechslungsreiche Tour, auf welcher wir eine richtig gute Zeit verlebt hatten. Das alles ohne große Verkehrsstaus oder nervige verpasste Züge bei der An- oder Rückreise. Vielleicht sollte ich auch in Zukunft etwas weniger in die Berge fahren und meine Mitgliedschaft beim Deutschen Alpenverein durch eine Mitgliedschaft beim Pfälzerwald-Verein oder Odenwaldklub ersetzen…

Ein paar wenige Infos zur Tour:

  • Die Strecke des Pfälzer Weinsteigs findet man hier, die von uns gewählte vierte Etappe findet sich zum Beispiel hier. Knappe 20 km mit rund 640 mH galt es auf dem von uns gewählten Abschnitt zu absolvieren. Der Weg war mehr als gut ausgeschildert, eine Karte in Papierform bekommt man hier.
  • Im Gegensatz zu Bergtouren kann man sowohl Deidesheim, als auch Neustadt an der Weinstraße problemlos mit dem Zug erreichen.
  • Das Weinbiethaus bietet sich zur Stärkung an. Alle die erstmals in der Pfalz zu Gast sind seien gewarnt: Die traditionelle Pfälzer Weinschorle hat 0,5 l Volumen und davon sind mindestens 0,45 l Wein…

In diesem Sinne,
Martin

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