Glücklicherweise treffen mich die derzeit geltenden Einschränkungen zur Bekämpfung der sich weltweit ausbreitenden Coronaviren SARS-CoV-2 und der dazugehörigen Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) bisher nicht in der Härte, wie sie andere Menschen bereits getroffen haben, so dass ich mich derzeit glücklich schätzen kann. Einzig die sportlichen Höhepunkte der ersten Jahreshälfte musste ich bisher beinahe komplett aus dem Kalender streichen: Weder der SRH Dämmermarathon in Mannheim, noch die Alb Extrem werden in diesem Jahr stattfinden. Auch Felsen und Berge sind momentan tabu, aber immerhin ist Individualsport wie Laufen oder Fahrradfahren unter Befolgung der aktuellen Empfehlungen und Regulationen, sowie unter Schutz der Mitmenschen derzeit noch möglich – auch wenn es hierzu die ein oder andere kritische, wenngleich vielleicht auch eher theoretische und weniger praktisch relevante Überlegung gibt.

Für den Ostersamstag hatte ich mir seit langem mal wieder eine größere Runde mit dem Fahrrad vorgenommen. Als Motivation und kleine „Story“ für den inneren Schweinehund hatte ich mir überlegt, an einem Tag zu drei verschiedenen großen Flüssen zu fahren, nämlich zu Neckar, Main und Rhein. Dabei würde ich auch drei Bundesländer bereisen: Baden-Württemberg, Bayern und Hessen.

In Heidelberg wohnend war klar, dass der Neckar den Anfang machen würde. Was den Rest der Strecke anging hatte ich einen schnellen Blick auf outdooractive.com geworfen, grob gesehen, dass die Strecke von den von hier aus jeweils nächsten und gut anfahrbaren Punkten an den Flüssen etwa 200 km lang sein müsste, und bin dann auch schon losgefahren. Den Rest erledigt ich unterwegs per maps.google.de und weil derzeit mit wenig Verkehr auf den Bundesstraßen zu rechnen war, wählte ich aus Bequemlichkeit heraus viel Asphalt.

Zunächst aber ging es auf dem Neckartalwadweg entlang des Neckars Richtung Osten. Bis nach Neckarsteinach auf Asphalt entlang der Straße, aber dann bis Hirschorn auf geschotterten Wegen.

Bei Hirschhorn wechselte ich die Neckarseite erneut und fuhr kurz vor Eberbach auf der B45 in steter Steigung ansteigend hinauf nach Beerfelden. Alternativ hierzu könnte man den sicherlich reizvolleren Hessischen Fernradweg R4 nehmen, aber dazu hätte ich mich ja vorbereiten müssen…

Ab Beerfelden ging es zunächst bergab, vorbei am Himbächelviadukt bei Hetzbach weiter nach Michelstadt, wo ich beim Gasthaus zur Goldenen Schwalbe erstmal Energie für den nächsten Abschnitt tankte.

Hinter Michelstadt gab es eine kleinen Verhauer auf dem Weg nach Bad König, allerdings fand ich rasch wieder auf den wirklich schönen Radweg zwischen den beiden Städten zurück und konnte so den Anstieg zum höchsten Punkt des Tages (was ich zu diesem Zeitpunkt aber mangels Vorbereitung nicht wusste) angehen – den Anstieg von Bad König hinauf nach Vielbrunn. Allerdings bog ich kurz vor Vielbrunn nach Norden ab, um Vorbei am dortigen Flugplatz und den ehemaligen Limes querend nach Laudenbach abzufahren.

In Laudenbach angekommen machte ich kurz zwei Fotos vom Main und fuhr vorbei an Klingenberg am Main weiter Richtung Wört am Main, immer die Weinberge auf der gegenüberliegenden Uferseite im Blick. Ab Wörth am Main ging es zurück in den Odenwald, zunächst bis Seckmauern und dann auf dem dort ausgeschilderten Radweg hoch auf ein Plateau und weiter nach Höchst.

In Höchst angekommen entschied ich mich dazu wieder die Bundesstraße und nicht mehr den Fahrradweg zu nutzen. Es war nur wenig los auf den Bundesstraßen und der Radweg von Lützel-Wiebelsbach nach Höchst kam mir recht indirekt und umständlich vor, so dass ich mir ein besseres Vorankommen gegen schlechteren Ausblick erkaufte. Mein nächstes Ziel war Brensbach, ein weiterer Anstieg, bevor es beinahe in der Ebene weiter nach Reichelsheim ging. Dort konnte ich wegen einer Umleitung jedoch nicht direkt weiter nach Fürth, sondern machte eine Schleife über Lindenfels und Kolmbach. Das wäre auch kürzer gegangen, aber der Ausblick lohnte den Umweg.

Von Fürth ging es weiter nach Heppenheim, wo es einen erneuten Boxenstopp gab, bevor es hinüber nach Lorsch vorbei am weltberühmten Kloster hinüber nach Bürstadt ging – nach viel Asphalt zuvor nun auf herrlich griffigem Schotter im Wald sübdwestlich von Lorsch! Dieser ist durch unendlich viele kleine Schotterwege durchzogen, aber dennoch lies sich mit der Beschilderung arbeiten und rasch war ich in Bürstadt, wo ich weiter nach Süden Richtung Lampertheim abbog und durch zahlreiche Anbaufelder von Spargel und Rollrasen bis zum Altrhein fuhr.

Am Altrhein musste ich erstmal den Schlauch meines Hinterreifens wechseln, denn die Klammer eines Bürotackers hatte sich durch meinen Mantel gebohrt. Nach zwanzig Minuten war der Boxenstopp allerdings schon beendet und es ging über Sandhofen und Waldhof hinenein nach Mannheim, um dann den Neckar entlang nach Ladenburg und über Dossenheim zurück nach Hause zu fahren.

Zwar war die 225 km lange Runde mit beinahe 1600 mH durch den weitgehenden Verzicht auf Planung sehr bundesstraßenlastig, dennoch hatte ich viel Spaß dabei und es gibt im Odenwald wirklich viel tolle Landschaft zu sehen. Durchaus anstrengende Anstiege, schöne Plateaus und gerade jetzt viele blühende Bäume und Wiesen. Beinahe alle Teile der Runde lassen sich übrigens auch auf Radwegen fahren. Dann zwar ebenso meist auf Asphalt, aber eben nicht mehr auf Bundesstraßen. Das bringt natürlich auch ein paar Kilometer extra mit sich, weil die Wege nicht immer direkt sind, aber dafür hat man an Tagen ohne Reisebeschränkungen sicherlich weniger Autos im Nacken, als auf den Bundesstraßen. Die Radwege sind übrigens meist gut beschildert, wenn nicht immer klar wird, in welche Richtung einer der grünen Pfeile führt.

Hier findet sich ein um Verhauer und Pausen bereinigter Track, sowie nachstehend noch eine kleine Kartenansicht.

In diesem Sinne,
Martin

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