Wissen – Überleben in der Gletscherspalte

Vor kurzem bin ich bei anderweitiger Recherche über einen interessanten Fall gestoplert: 2013 berichteten Peter Paal und Kollegen in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet vom Spaltensturz eines 70jährigen, der auf etwa 3000 Metern Höhe in den österreichischen Alpen rund zehn Meter tief in eine Gletscherspalte gefallen war. Dies kam nicht sehr überraschend, denn er querte alleine, ohne Seil, Eispickel oder Steigeisen einen Gletscher. Verwunderlich ist hingegen die Tatsache, dass er nach sechs Tagen in einer Spalte sitzend noch lebend gerettet werden konnte.  Nach seinem Sturz hatte er keinen Mobilfunkempfang und musste in der Spalte kauern, einzig von einer dünnen Rettungsdecke,

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Wissen – Von schmierigen Griffen in Kletterhallen

Jeder kennt schmierige Griffe in Kletterhallen, doch ein vor etwas mehr als einem Jahr von Bräuer et al. unter der Überschrift Microbial Sequencing Analyses Suggest the Presence of a Fecal Veneer on Indoor Climbing Wall Holds in der Zeitschrift Current Microbiology veröffentlichter Artikel lässt den Ausdruck „schmieriger Griff“ unter einem ganz neuen Gesichtspunkt erscheinen. Der Titel legt es schon nahe, eine Gruppe von Wissenschaftlern hat Klettergriffe in Kletterhallen bezüglich ihrer mikrobiellen Flora untersucht und dabei unter anderem festgestellt, dass sich unter den Keimen auf der Oberfläche von Klettergriffen auch eine ganze Menge Keime befinden, die man gewöhnlich in Fäkalien findet.

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Bergliteratur: Ralf-Peter Märtin – Nanga Parbat. Wahrheit und Wahn des Alpinismus

Es gibt Berge, anhand derer Geschichte man auch die Geschichte des Bergsteigens erzählen kann. Zu diesen Bergen zählt der Nanga Parbat, der mit 8125 m Höhe der neunthöchste Berg der Erde ist und dessen Grate und vor allen Dingen Wände immer wieder Einzug in die Geschichtsbücher des Alpinismus fanden. Dass Ralf-Peter Märtin diesem Berg ein Buch widmet liegt auf der Hand und glücklicherweise ist er auch ein Autor, der es versteht nicht nur die Geschichte eines Berges zu erzählen, sondern gleichzeitig immer wieder auszuholen und die Geschichte des Bergsteigens gleich mit zu erzählen. Worum geht es? Ralf-Peter Märtin erzählt in

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Wissen – Verletzungen beim Klettern I

Anfang dieses Jahres erschein unter dem Titel Injury Trends in Rock Climbers: Evaluation of a Case Series of 911 Injuries Between 2009 and 2012 eine Arbeit von Volker Schöffl et al., die sich mit den typischen Verletzungen beim Klettern beschäftigt. Schöffl ist, gemeinsam mit Thomas Hochholzer, Autor des Buches So weit die Hände greifen…: Sportklettern/Verletzungen und Prophylaxe und leitet als Chirurg, Unfallchirurg, Orthopäde und Sportmediziner am Bamberger Klinikum die Sektionen Sportorthopädie, Sporttraumatologie, Sportmedizin und Chirurgie der oberen Extremitäten. Das erklärt auch, dass der Großteil der 836 Patienten, die in der Studie 2009 – 2012 erfasst wurden, aus Deutschlands größtem Klettergebiet, dem

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Bergliteratur: Ueli Steck – 8000+ Aufbruch in die Todeszone

Ueli Steck wurde den meisten wohl durch seine unglaublich schnelle Solobesteigung der Heckmair-Route der Eiger Nordwand bekannt, für die er 2008 lediglich 2:47:33 h:mm:ss benötigte (Der Rekord wurde mittlerweile durch Dani Arnold mit 2:28 h:mm unterboten). Im Anschluss daran durchstieg er in Rekordzeit auch noch die Grandes Jorasses Nordwand (2008, 2:21:26 h:mm:ss über die Alexis Variante der Colton/McIntyre), sowie die Matterhorn Nordwand (2009, 1:56:40 h:mm:ss über die Schmid-Route). Diese Begehungen waren Fokus seines Buches Speed: Die drei großen Nordwände der Alpen in Rekordzeit, das er ebenso wie 8000+ Aufbruch in die Todeszone unter Mitwirkung von Karin Steinbach schrieb. Während sich

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Wissen – Von Verletzungsvorbeugung durch Krafttraining und Hierarchien in der Seilschaft

Seit längerem liegen zwei wissenschaftliche Arbeiten auf meinem Schreibtisch, die ich nach dem Lesen für so interessant hielt, dass ich sie an dieser Stelle kurz vorstellen möchte. Dabei geht es in der ersten Arbeit um den Einfluss von Stretching, Krafttraining und propriozeptivem Training auf akute Sportverletzungen und Verletzungen durch Überlastungen. Die zweite Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss von Hierarchien auf den Erfolg und Misserfolg bei Expeditionen. Während die erste Arbeit wohl für alle aktiven Menschen im Allgemeinen und für mich derzeit im Speziellen interessant ist, ist die zweite spannend zu lesen und soll auch etwas zum eigenen Nachdenken anregen.

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Alexander Hubers Vortrag „Im Licht der Berge“

Am vergangenen Donnerstag war Alexander Huber zu Gast in Heidelberg, um dort seinen Vortrag „Im Licht der Berge“ zu halten. Keine Frage, das wollte ich mir nicht entgehen lassen und so ging es nicht nur mir, denn die Stadthalle war gut besucht. Zu seiner Person muss man nicht viel sagen, denn er zählt, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Thomas, zu den bekanntesten Kletterern der Welt. Der breiten Öffentlichkeit wurden Sie durch den im Jahr 2007 veröffentlichten Film „Am Limit“, in dem die beiden versuchen die Route The Nose am El Capitan im Yosemite Valley in einer neuen Bestzeit zu klettern.

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Bergliteratur: Simone Moro – In Eiseskälte: Die Achttausender im Winter

Mit dem Film Cold erreichte Simone Moro im Zuge der European Outdoor Film Tour 2011/2012 größere Bekanntheit, denn in diesem packenden Kurzfilm (18 Minuten) wird gezeigt, wie er mit Denis Urubko und Cory Richards erstmals im Winter bei Temperaturen von deutlich weniger als -40 °C den Gipfel des Gasherbrum II auf 8043 m Höhe besteigt. Nicht erst mit dieser Begehung hat sich Simone Moro einen Namen als Wineralpinist gemacht, denn er ist der erste Mensch, der drei Achttausendern im Winter bestiegen hat*. Im Jahr 2013 wurde Simone Moro dann einer noch größeren Öffentlichkeit bekannt, als es am Mount Everest gemeinsam mit Uli

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Bergliteratur: Kurt Diemberger – K2 – Traum und Schicksal

Kurt Diemberger ist neben dem an der Chogolisa (7668 m) verunglückten Hermann Buhl der einzige Mensch, der es geschafft hat zwei Erstbesteigungen an Achttausendern zu absolvieren: 1957 bestieg er erstmals (und gemeinsam mit Hermann Buhl) den Broad Peak (8051 m), drei Jahre später den Dhaulagiri (8167 m). Für sein alpinistisches Lebenswerk wurde Diemberger im Jahr 2013 mit dem Bergsteigerpreis des Piolet d’Or geehrt und daher war ich extrem gespannt, was Kurt Diemberger in seinem Buch K2 – Traum und Schicksal zu erzählen hat, denn es gilt mittlerweile als Klassiker der Alpinliteratur. Worum geht es? Kurt Diemberger beschreibt die Expedition zum Gipfel des

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Bergliteratur: Lincoln Hall – Totgesagt

Lincoln Hall war ein australischer Bergsteiger, der unter anderem die Annapurna II (7963m), den K2 (8611 m) und den Makalu (8481m)  bestiegen hat. Diesen Besteigungen verdankt er seine Bekanntheit allerdings nicht, sondern viel mehr seiner im Grunde zunächst wenig spektakulären Begehung des Mount Everest (8848 m) als Dokumentarfilmer im Rahmen einer kommerziellen Expedition. Dort bekommt er auf dem Abstieg jedoch ein Höhenhirnödem und es wurde angenommen, dass er es nicht mehr lebend vom Berg schaffen würde. Wie durch ein Wunder und nur mit sehr fühl Glück konnte er nach einer Nacht am Limit dessen was der menschliche Körper auszuhalten vermag dennoch

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