Anfang Oktober fand der alljährliche GELITA Trail Marathon statt und da mich spätestens mit unserem Umzug nach Handschuhsheim das Trail-Fieber gepackt hat und ich sehr viele Läufe auf den Trails von Michelsberg, Heiligenberg und Weißem Stein absolviert hatte, lag es auf der Hand an alte läuferische Zeiten anzuknüpfen und mich beim GELITA Trail Marathon 2020 anzumelden. Zunächst war ich für den Half-Trail gemeldet, der mit 30 km und rund 1000 mH auch schon eine richtige Herausforderung gewesen wäre, aber letztlich entschloss ich mich rund einen Monat vor Veranstaltungsbeginn dann doch noch für das Upgrade und meldete mich auf die Marathondistanz mit rund 1500 mH um. Auch wenn ich bis 2010 zahlreiche Halbmarathonläufe absolviert hatte, ein Marathon war es zuvor noch nie gewesen und so sollte der GELITA Trail Marathon mein erster Marathon werden.

Für die 30 km war ich noch sehr guter Dinge gewesen, aber für die Marathondistanz fehlten mir bedingt durch den kurzfristigen Wechsel eigentlich die wichtigen langen Läufe, so dass ich gespannt war, ob meine im Wesentlichen aus Höhenmetern bestehende Vorbereitung (bis Oktober etwas mehr als 45 000 Höhenmeter auf den Trails von Heidelberg, rund 75 000 wenn man die Höhenmeter von Berg-, Hoch- und Gravelbiketouren noch mitrechnet) dafür reichen würde?

Der 6- Oktober sollte die Antwort liefern. Den Sommer über, und auch noch im September, war das Wetter weitgehend sehr gut gewesen, aber pünktlich zum Start des GELITA Trail Marathons kam der erste herbstliche Regen, verbunden mit Rückgang der Temperaturen. Und mit pünktlich meine ich übrigens 10:50 Uhr, also zehn Minuten vor dem Start. Es sollte an diesem Tag nur einmal regnen, nämlich durchgehend bis zum nächsten morgen und damit war klar, dass es eine ziemlich nasse und matschige Angelegenheit werden würde.

Der Startschuss erfolgte pünktlich und langsam begann das Feld sich in Bewegung zu setzen. Vor dem Start hielt ich es noch für eine gute Idee, mich hinter der Startaufstellung in einem Hauseingang dem einsetzenden Regen zu entziehen, aber nun war das natürlich ein Nachteil, denn entsprechend war ich recht weit hinten in der Startaufstellung. Doch das Feld begann sich rasch auseinander zu ziehen, da es nach nur etwa einem Kilometer die Hirschgasse steil hinauf Richtung Philosophenweg ging und die ersten begannen zu gehen, statt zu laufen. Das Feld wurde also rechtzeitig dünner, bevor die richtig schmalen Trails der Strecke warteten.

Mental hatte ich mir die Strecke gut eingeteilt, was auch deshalb recht leicht machbar war, da ich einen Großteil der Strecke sehr gut kannte:

  • Erster Abschnitt war in Gedanken der Aufstieg vom Philosophenweg über das Fuchsrondell hinauf zur Thingstätte. Kurz nach dem Start, nicht zu schnell angehen, sollte kein Problem sein.
  • Danach bergab zur ersten Verpflegungs- und Wechselzone. Dort würde ich dann auch erstmals sehen, ob ich vor der Staffel meiner Arbeitskollegen liegen würde.
  • Mein im Geiste dritter Abschnitt ging von der Wechselzone im Mühltal hinauf zum Weißen Stein, erneut mit Verfplegungszone. Bis hierhin alles Heimspiel, weil wirklich oft in der Vergangenheit gelaufen (wenn auch nicht immer in der gleichen Richtung).
  • Die lange Gerade bis zur zweiten Wechselzone am Langen Kirschbaum war der nächste im Kopf zurechtgelegte Abschnitt. Dort gab es erneut Verpflegung, eventuell dem Arbeitskollegen kurz winken.
  • Für den Abschnitt danach, hinunter vom Langen Kirschbaum zur Bahnhof bei Schlierbach und der dritten Wechselzone, ignorierte ich im Kopf einfach die beiden Gegenanstiege. Das nahm ich billigend in Kauf.
  • Der Abschnitt zwischen dritter Wechselzone bei Schlierbach und Königstuhl war im Kopf der letzte Abschnitt des Marathons, denn ich war mir sicher, dass ich es bis zum Einstieg der gnadenlos steilen Himmelsleiter mit den über 850 zu absolvierenden Stufen schaffen sollte – und spekulierte darauf, dass spätestens dann einfach ein nicht minder gnadenlos verbissener Ehrgeiz einsetzen würde.
  • Würde ich den Königstuhl, mein eigentliches Ziel im Geiste erreichen, dann musste ich ja noch nach Hause kommen. Also stellte ich mir den Abstieg hinunter vom Königstuhl, trotz anfangs verblocktem Gelände und einem kurzen Gegenanstieg als eine Art Epilog vor. Der Marathon war damit in meiner Vorstellung nur rund 36 km lang und das hörte sich doch machbar an…

Doch zurück zum Lauf. Nach dem Anstieg zum Philosophenweg hatte ich mich mit dem Regen arrangiert und fand auch gut in meinen Rhythmus. Es folgte der Weg hinauf zur Thingstätte und in der ersten Wechselzone feuerte mich nicht nur meine Frau an, sondern ich lag auch vor der Staffel der Kollegen. Alles super bis dahin und dann ging es weiter auf den wohl schönsten Abschnitt der Strecke, denn zwischen Mühltal und Weißem Stein war es hier teilweise so neblig, dass man kaum 50 m weit sehen konnte. Voll im Flow ging es über die Steigungen durch den mystischen Nebelwald und später hinauf zur Verpflegungsstation am Weißen Stein.

Auch der Weg weiter zum Langen Kirschbaum war im dichten Nebel toll zu laufen, insbesondere war es aber schön am Langen Kirschbaum erneut die Kollegen zu sehen und zu erfahren, dass ich beim ersten Wechsel vier Minuten vorne lag.

Die Abwärtspassage vom Langen Kirschbaum hinab zum Kloster Stift Neuburg überraschte mit zwei extrem rutschigen Stellen. Hier war über mehr als 50 m der Boden so matschig, dass man teilweise knöcheltief im Schlamm versinken konnte. Abrutschen wäre möglich und vielleicht auch schneller gewesen. Aber weil es immer noch beständig regnete, wusch sich spätestens im offenen Gelände zwischen Stift Neuburg und Bahnhof Schlierbach alles recht rasch auch wieder von den ohnehin spätestens jetzt völlig durchnässten Schuhen.

Zwischen Bahnhof Schlierbach und Himmelsleiter war es dann steiler als gedacht und die Staffel der Arbeitskollegen holte mich ein, aber am Einstieg der Himmelsleiter war mir dann klar, dass es mit dem Marathon eigentlich klappen sollte und ich konnte die Treppen erklimmen. Oben angekommen war mir dann wie in den Überlegungen vor dem Lauf antizipiert klar, dass es jetzt „nur“ noch darum ging alles nach Hause zu bringen. Auch der leichte und kurze Gegenanstieg fiel mit dieser Einstellung weniger schwer als gedacht.

Im Schlossgarten angekommen realisierte ich, dass ich mein avisiertes Ziel von 4:15 h:mm bis 4:30 h:mm erreichen könnte, wenn nun nichts mehr dazwischen kommen. Also hieß es Beine in die Hand nehmen und ohne Unfall weiter ins Tal hasten.

Beim Überschreiten der Ziellinie bleib die Uhr dann für mich bei 4:28:53 h:mm:ss stehen. Das entspricht Platz 34 von 258 Finishern (13. Perzentil, nachstehendes Histogramm mit Daten von http://www.marathon-ergebnis.de).

Interessant zu wissen wäre noch die Zahl der Starter, beziehungsweise Abbrecher gewesen, denn es waren auf der (vielleicht gar nicht aktualisierten?) Teilnehmerliste im Netz wenige Tage zuvor noch 371 Gemeldete über die Distanz zu finden. Die Abbrecherquote bei den Bedingungen hätte mich durchaus interessiert.

Mit meinem Ergebnis war ich auf jeden Fall insgesamt rund um zufrieden und hatte hinter dem Ziel ein großes Lächeln im Gesicht, verbunden mit einer kleinen Glücksträne, die jedoch rasch vom immer noch anhaltenden Regen rasch wieder abgewaschen wurde. Getragen von der wieder entdeckten Freude am Laufen und der Herausforderung der für mich neu entdeckten Distanz habe ich mich sechs Tage nach dem Gelita Trail Marathon beim Dämmermarathon Mannheim angemeldet. Klettern wird damit absehbar wohl etwas hinten anstehen müssen, da es einen anderen Fokus geben wird.

Wichtig ist es mir noch, mich an dieser Stelle ganz herzlich bei den Organisatoren, vor allen Dingen aber bei den zahlreichen Freiwlligen zu bedanken, denn ohne diese wäre das nicht möglich gewesen und mit dem Dauerregen waren die Bedingungen für sie sicherlich härter als für die Läufer. Es gab an etlichen Stellen mitten im Wald einsam im Regen ausharrende Helfer, nur um sicherzustellen, dass sich niemand verlaufen konnte. Auch an den Verpflegungsstellen waren zahlreiche Helfer bei widrigen Bedingungen beschäftigt. Dieser Einsatz verdient meinen Respekt, vielen Dank!

In diesem Sinne,
Martin

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