Irgendwie hätten wir es uns ja denken können, dass schon einmal jemand auf die Idee gekommen war: Nachdem wir zu Hause am Rechner eine schöne Runde entlang der Burgställe, Burgruinen, Burgen und Schlösser an der Bergstraße geplant hatten, fiel uns dann beim Fahren immer wieder ein Schild mit weißer Burg auf blauem Grund auf, welches, wie wir dann zurück zu Hause nachlesen konnten, den Burgensteig Bergstraße markiert. Eigentlich für Wanderer gedacht, eignet er sich allerdings hervorragend auch für Touren mit dem Mountain- oder besser noch Gravelbike.

Gestartet waren wir an einem schönen Oktobertag in Heidelberg, genauer gesagt in Handschuhsheim, wo wir gleich die erste Burg des Tages aus Versehen wortwörtlich links liegen ließen und versehentlich vergasen. Vorbei an der Tiefburg in Handschuhsheim fuhren wir im Wald Richtung Mühltal weiter nach Norden. Unser erstes Ziel war der Burgstall Mauersechseck. Von einem Burgstsall spricht man dann, wenn noch weniger als von einer Burgruine erhalten ist – und das Mauersechseck erfüllt dies vollkommen, denn wir hatten unsere Schwierigkeiten im Waldboden die Reste auszumachen. Doch wir hielten uns nicht lange auf und fuhren weiter, zur Kronenburg. Ebenfalls ein Burgstall, aber immerhin noch so viel Bausubstanz erhalten, dass wir uns sicher waren an der richtigen Stelle zu sein.

Unser drittes Etappenziel war die Schauenburg, nordöstliche von Dossenheim. Über mehrere Jahrhunderte hinweg haben die Dossenheimer Bürger Steine von dieser Burg entwendet und als Baumaterial für Häuser in Dossenheim verwendet, doch sie haben noch genügend übriggelassen, um einen hervorragenden Blick über Dossenheim und die Rheinebene zu ermöglichen. Der Blick war dabei sehr ähnlich zum Ausblick von unserem Ziel Nummer vier, der Strahlenburg über Schriesheim.

Nach der Strahlenburg steuerten wir zunächst keine Burg an. Stattdessen fuhren wir zur Spatschlucht und dem 136 m langen Wilhelmstollen kurz davor. Im Kopf hatten wir schon damit geliebäugelt in einer der nächsten Runden mit dem Gravelbike ein paar der zahlreichen alten Bergwerke anzufahren und daher stellte die Spatschlucht quasi eine Art Vorschau dar, bevor wir zu den Resten der Burg Nummer fünf fuhren, der Hirschburg. südöstlich von Leutershausen. Von der Burg selbst war, abgesehen von einem umgekippten Rest einer Mauer, nicht mehr viel erhalten, aber es gab zwei nette Sitzgelegenheiten und damit für uns die Gelegenheit zu einer kleinen Pause.

Frisch gestärkt verließen wir den Wald und fuhren in den Ortskern von Leutershausen, zu Schloss Wiser, Burg (oder eben Schloss) Nummer sechs. Bis hierhin hatten wir im Wald wunderbaren Gravel vorgefunden, sowie diverse kleine und größere Anstiege und auch ein paar kleinere Trails, insbesondere um die Spatschlucht herum. Ab Leutershausen aber ging es zunächst auf fester Oberfläche weiter, bevor wir auf dem Weg nach Weinheim zur Burg Windeck (Burg Nummer sieben) bei Hohensachsen erneut im Wald verschwanden. Bei Burgwindeck bestiegen wir (gegen Gebühr von 0,50 EUR, für Kinder 0,20 EUR) den Burgturm und konnten schon Burg Nummer sieben entdecken: Die Wachenburg. Es dauerte nicht lang, bis wir sie auch erreichten, wobei wir gemischte Gefühle hatten. Zahlreiche Wappen zeugten schon am Eingang von den Burschenschaften, die sich hier regelmäßig versammeln und von anderer Gelegenheit wusste ich auch, dass es in den Räumlichkeiten im Inneren der Burg ebenso diverse unübersehbare Zeichen davon gibt, dass sich an dieser Stätte regelmäßig nationalsozialistische Ewiggestrige treffen. Zum Zeitpunkt unseres kurzen Besuchs verstärkte ein im Hauptgebäude übendes Orchester diesen Eindruck noch und wir rechneten jederzeit mit dem Einmarsch der Wehrmacht.

Burg Nummer acht war sicherlich die am mühseligsten zu erreichende Burg: Nach der Wachenburg fuhren wir in der Rheinebene auf Radwegen nach Heppenheim, mussten den steilen Aufstieg hinauf zur Starkenburg allerdings ordentlich Strecke über holpriges Kopfsteinpflaster machen. Belohnt wurden wir für diese Mühen mit einem tollen Blick über Heppenheim, wobei wir auch schon die ersten dunklen Wolken am Horizont erkennen konnten.

Die zweite Belohnung nach dem Fernblick war sehr guter (aber leider etwas zu heißer) Hipster-Cappuccino bei Red Code Coffee Roasters. Allerdings nutzen die dunklen Wolken unsere Pause aus und wir beschlossen ob des einsetzenden Regens den Rückweg anzutreten. Über Lorsch erreichten wir die Schotterwege des Walds zwischen Lorsch und Mannheim, einem wunderbaren Revier für schnelle Fahrten über flachen Gravel: In flottem Tempo ging es Richtung Karlsstern nach Mannheim, durch ein Gelände, welches früher militärisch genutzt wurde (Stichwort Panzerwald) und über welches ich noch etwas mehr nachlesen muss, um mehr über dessen Geschichte zu erfahren.  

Von Mannheim aus ging es für mich dann auf dem gut ausgeschilderten Radweg zurück nach Heidelberg. Hinter uns lag eine sehr abwechslungsreiche Runde, welche aufgrund des großen Anteils an Schotter und den zahlreichen Abfahrten und Anstiegen im Wald insgesamt recht anspruchsvoll ist.

Nachstehend ein nach der Fahrt korrigierter Track, wobei man sich für den Weg von Heidelberg nach Norden auch über weite Teile einfach am blau-weißen Zeichen des Burgensteigs orientieren kann.

Einige Infos zur Runde:

  • Eine Liste aller Burgställe, Ruinen, Burgen und Schlösser des Odenwalds findet man bei Wikipedia.
  • Die Burgen des westlichen Teils entlang der Bergstraße verbindet wie erwähnt der Burgensteig Bergstraße. Sicherlich auch zu Fuß ein Highlight und zumindest im südlichen Teil sehr gut mit dem Gravelbike zu bewerkstelligen.

In diesem Sinne,
Martin

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