Warum in der Ferne schweifen, wenn doch das Gute so nahe liegt? Zum Beginn zweier schöner herbstlicher Wochen im September standen wir vor der Qual der Wahl: Noch einmal in die Berge, oder doch etwas mit dem Fahrrad vor Ort machen? In diesem Jahr waren die Fahrten in die Berge leider durch den vielen Verkehr ziemlich zäh und nervig gewesen, so dass wir uns letztlich dazu entschlossen hatten etwas vor Ort mit dem Fahrrad zu machen. Außerdem wollte das neu erstandene Gravelbike ja auch ein wenig genutzt werden.

Ideen gab es einige, aber in einem Telefonat zu Wochenbeginn einigten wir uns letztlich darauf, dass wir versuchen wollten von Heidelberg aus zu den drei höchsten Bergen des Odenwalds zu fahren. Im Laufe der Woche wurden aus den Top drei dann die Top acht und so starteten wir am Samstag sehr früh von Heidelberg, beziehungsweise Mannheim aus, um uns in Schriesheim zu treffen.

Stiefelhöhe, Hardberg und Tromm

Unser erstes Ziel war die Stiefelhöhe, mit 584 m Höhe der fünfthöchste Berg des Odenwalds. Diese nerreichten wir von Schriesheim aus dem Fahrradweg nach Weinheim folgend und von dort aus ins Gorxheimer Tal abbiegend. Bei Unter-Absteinach legten wir die letzten teilweise überraschend steilen Meter im Wald zurück und erreichten dann eine kleiner und recht unscheinbare Markierung, die den höchsten Punkt markierte. Wir hielten uns nicht lange auf und fuhren über schotterige Waldwege weiter nach Norden, um dort rasch den Hardberg zu erreichen, die dritthöchste Erhebung des Odenwalds. Von dort aus ging es rasch hinab an einem buddhistischen Kloster vorbei nach Siedelsbrunn und weiter über die Kreidacher Höhe nach Stallenkandel. Ja, richtig gelsen. Buddhistisches Kloster.

Teils über Asphalt, teils über Schotter fuhren wir weiter zur Tromm, die auf Platz sechs der Liste mit den höchsten Hügeln des Odenwalds liegt. Auch wenn wir nun schon den dritten Berg erreicht hatten, gab es bisher leider keine große Aussicht, denn auch auf die Tromm liegt mitten im Wald und der Ireneturm ist leider gesperrt.

Neunkircher Höhe

Mit der Aussicht mussten wir uns etwas gedulden, denn bis zum ersten Berg mit Aussicht und dem mit 605 m Höhe zweithöchsten Punkt der Tour, der Neunkircher Höhe, galt es knapp über 20 Kilometer zu radeln. Wir näherten uns der Neunkircher Höhe von Gadernheim aus dem Westen über eine wirklich schön im Wald gelgene Rampe und waren höchst erfreut, dass wir (für den Preis von einem Euro) den Kaiserturm besteigen konnte, der eine kleine Gaststätte beherbergt und eine tolle Aussicht erlaubt.

Bis zum nächsten Höhepunkt würde es mehr als 70 km dauern: Über Laudenau nahmen wir eine herrliche Abfahrt hinab nach Reichelsheim, wo wir kurz in einer Eisdiele paiserten, bevor es weiter ins Mossautal ging. Völlig überrascht waren wir dabei vom Morsberg, denn der offiziell ausgeschilderte Radweg führte uns über eine unfassbar steile Schotterpiste, welche uns einige Schweistropfen kostete. Aber auch für diese Mühen wurden wir letztlich in Form einer langen Abfahrt belohnt, welche uns vorbei am Marbach Stausee nach Hetzbach führte – wo wir vom Anblick des Himbächl Viadukts überrascht wurden. Es war weder das erste, noch das letzte Mal des Tages, an dem uns der Odenwald überraschte.

Nach Beerfelden mussten wir etwas klettern, legten dort aber im Ortskern an einem Supermarkt eine Mittagspause zur Stärkung ein, bevor wir ins Tal des Sensbach wechselten, erneut mit einer schönen Abfahrt.

Salzlackenkopf, Hart und Markgrafenwald

Erst ab Antonslust mussten wir wieder kräftig in die Pedale treten, aber hinauf nach Reisenbach lies es sich sehr angenehm bei konstanter Steigung fahren. Wir bogen nach Westen ab, um im Wald zum Salzlackenkopf zu gelangen, einem völlig unspektakulären und nicht weiter erkennbaren oder markierten Berg mitten im Wald, Platz 8 in der Liste der höchsten Punkte des Odenwalds. Weiter ging es zum Hart, Platz sechs der höchsten Berge. Ob der Salzlackenkopf unweit des Hart wirklich als eigenständiger „Berg“ des Odenwalds gelten kann, darf bestritten werden.

Deutlich spannender hingegen war der Markgrafenwald, der vorletzte Berg unserer Tour und vierthöchste Berg des Odenwalds. Auch dieser Berg ist nur eine nicht weiter markierte Anhöhe im Wald, aber die Tatsache, dass er in einem Wildgehege liegt und wir unmittelbar in seiner Nähe auf Wildschweine stießen, sorgte für etwas Spannung. Entsprechend flott verließen wir also den Wald wieder und machten uns zu unserem letzten Ziel auf, dem Katzenbuckel.

Katzenbuckel

Von Mülben aus fuhren wir nach Waldkatzenbach, um mit dem Katzenbuckel das große Finale anzutreten, denn die letzten Meter zum höchsten Berg des Odenwalds waren steil und steinig. Auch hier gab es eine kleine Überraschung, denn eine Skischanze hätte zumindest ich im Odenwald nicht vermutet. Aber zumindest in der Vergangenheit scheint die höchste Erhebung weit und breit berühmt für ihr kaltes Klima gewesen zu sein.

Vom 18 m hohen Turm auf dem Katzenbuckel aus konnten wir das warme Licht der herbstlichen Sonne noch kurz genießen, bevor wir uns Gedanken zum Rückweg machen mussten, denn wir mussten damit rechnen, unsere Runde nicht mehr im Hellen abschließen zu können.

Vom Katzenbuckel aus fuhren wir in rasanter Fahrt hinab nach Eberbach und von dort aus wegen der einbrechenden Dunkelheit über die Bundesstraße mit durchgehend viel Platz auf dem Seitenstreifen weiter zurück nach Heidelberg.

Natürlich kann man sich über die Definition der „höchsten Berge“ streiten, aber die Runde mit rund 190 km und 2900 mH zu den acht höchsten Bergen des Odenwalds war wirklich schön und abwechslungsreich zu fahren. Wo sonst in Deutschland findet man buddhistische Klöster und Skisprungschanzen so nah beieinander? Auch fahrerisch war die Strecke abwechslungsreich. Schöne Anstiege zur Neunkircher Höhe und nach Reisenbach hinauf, tolle Abfahrten und sowohl viel Asphalt um gut Strecke machen zu können, als auch einiges an Schotter, um Spaß zu haben. Nachstehend zur Übersicht eine Karte, der sich darin befindliche korrigierte Track ist auch bei gpsies.com hinterlegt.

In diesem Sinne,
Martin

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