In den Bergen kommt es öfters anders als man denkt und auch uns erging es so, denn aus dem was wir als leichte, beziehungsweise kurze Hochtour angedacht hatten, wurde letztlich eine alpine Wanderung. Zwar eine sehr abwechslungsreiche, aber eben beinahe ohne Gletscher. Doch der Reihe nach.

Die Tourenplanung gestaltete sich aufgrund verschiedener logistischer Anforderungen gar nicht so einfach, aber letztlich entdeckte ich auf der Homepage der Martinsmadhütte des SAC die Beschreibung des Normalwegs zum Glarner Vorab. Die Tour wurde als leicht bewertet und man solle den Gletscher am Vorab “ nur mit der nötigen Ausrüstung und mit Vorsicht“ begehen. Also fuhren wir nach Elm und parkten das Auto an der Talstation der Tschinglenbahn, um zu Fuß durch die wirklich schöne Tschinglenschlucht aufzusteigen.

Allerdings muss man zur Schlucht und generell zum Tal des Tschinglenbachs, sowie auch später zur Tour selbst sagen, dass sie nicht mehr ganz naturbelassen ist, denn mitten durch das Gebiet führen zwei Starkstromtrassen. Auf der Karte fällt das gar nicht so auf, im echten Leben schon eher. Darüber kann man sich nun aufregen, aber auch den Schweizern muss man zugestehen, dass sie gerne überall im Land Strom hätten und das eben auch dazu führen kann, dass mal ein Stromkabel über einen Gebirgsrücken gezogen werden muss.

Martinsmadhütte

Nach rund zweieinhalb Stunden waren wir auf der Hütte und wurden überaus herzlich von den Hüttenwarten Theres und Gerri, sowie ihrem Helfer begrüßt. Dabei kamen wir ins Gespräch und uns war sofort klar, dass wir tatsächlich auf der herzlichsten Hütte angekommen waren, auf der wir jemals waren. Wir fühlten uns wirklich willkommen und erfuhren dann von Geri auch sofort, dass wir Pickel, Steigeisen und Seil für den Vorab nicht brauchen würden: Zu sehr hatte der Klimawandel in den vergangenen Jahren am Vorabgletscher genagt.

Mittagshorn

Unsere Stimmung verschlechterte sich durch diesen Umstand nicht. Das zusätzliche Gewicht im Gepäck verbuchten wir unter „Trainingsbelastung“ und starteten nach kurzer Stärkung mit hausgemachtem (hüttengemachtem) Eistee, um am gleichen Nachmittag noch das Mittagshorn zu erreichen. Dieses ist eine einfache Wanderung, wobei wir beim Start schon erkennen konnten, dass es eventuell nicht ganz reichen würde, um noch trocken zurück zur Hütte zu gelangen.

Direkt hinter der Hütte ging es einem leichten Pfad folgend hinauf zum Mittagshorn, welches wir nach etwas weniger als einer Stunden erreichten. Gerade waren wir dabei ein paar Fotos von den grimmigen Wolken zu schießen, da hörten wir aus ihrer Richtung auch schon ein dunkles Donnergrollen.

Rasch machten wir uns auf den Weg zurück, aber das schlechte Wetter war leider schneller: Bis zur Martinsmadhütte benötigten wir zwar nur 25 Minuten, aber in den letzten fünf Minuten erwischte es uns dann eben doch und so wurden wir ganz gut geduscht. Belohnt wurden wir allerdings mit gutem Essen und einem schönen Sonnenuntergang.

Glarner Vorab

Am nächsten Tag brachen wir frühzeitig auf, um den Glarner Vorab zu besteigen. Dabei wussten wir, dass wie schon am Tag zuvor für den Nachmittag schlechtes Wetter Niederschläge und eine nicht zu unterschätzende Gewittergefahr angekündigt waren.

Der Weg zum Glarner Vorab ist sehr gut blau-weiß markiert und führt von der Martinsmadhütte aus über einen kleinen Felsriegel, bevor es durch das Schwarze Wändli geht. In dieser Felsstufe helfen einige Stahlketten auf das sich dahinter befindliche Plateau, was angesichts des bröseligen, brüchigen und auch leicht rutschigen Schiefers das Steigen ganz angenehm macht. Oberhalb des Schwarzen Wändli gilt es eine glatte Kalkrampe zu erklimmen, bevor man die Reste des Vorabgletschers queren muss. Oder man umgeht sie einfach, denn mittlerweile ist auch das problemlos möglich. Nach dem Vorabgletscher kann man in recht gerader Linie und den Markierungen folgend durch grobes Blockwerk zum Gipfel gelangen.

Wir hatten gute Bedingungen und konnten den Gipfel problemlos erreichen, allerdings war uns auch klar, dass der glatt polierte Kalk der Rampe, sowie insbesondere der Schiefer des Schwarzen Wändlis bei Nässe zumindest stellenweise höchst unangenehm werden könnten. Daher verbrachten wir auch nur wenig Zeit auf dem Gipfel und drehten rasch um, um den Abstieg in Angriff zu nehmen.

Dieses Mal gelangten wir trocken zur Hütte, stärkten uns und wurden auf dem Abstieg auch nur kurz von etwas Regen erwischt, auch wenn sich der Bergrücken oberhalb der Martinsmadhütte in dichte Wolken hüllten. Doch der Regen zog rasch vorbei und so konnten wir kurz vor den Tschinglen sogar an einer Brücke anhalten, um uns dort im kalten Gebirgswasser unterhalb einer Brücke ins Wasser zu stürzen und frisch zu machen.

Am Parkplatz angekommen resümierten wir, dass wir zwar keinen Gletscher mehr auf der Tour hatten, aber ansonsten eigentlich alles wirklich gut gepasst hat: Auf der Hütte gab es ein herzliches Team mit gutem und reichhaltigen Essen, die Tour zum Vorab war zwar ohne Eis, aber dafürt dennoch abwechslugsreich und das Wetter hatte auch weitgehend gepasst. Was will man mehr?

Ein paar Eckdaten zur Tour:

  • Die Martinsmadhütte befindet sich im Kanton Glarus und man braucht von Elm aus 2,5 Stunden, um sie zu Fuß zu erreichen. Unter Zuhilfenahme der Tschinglenbahn kann man sich rund eine Stunde sparen.
  • Zum Mittagshorn braucht man rund eine Stunde; der Weg ist dabei einfach (T3) und gut markiert.
  • Möchte man zum Glarner Vorab, so braucht man keine Gletscherausrüstung (mehr). Einzig ein Helm schadet beim Aufstieg durch das Schwarze Wändli nicht. Dabei sollte man auch an den Eisenketten zupacken können, insbesondere beim Abstieg. Schwindelfreiheit ist ebenso gefordert und bei Nässe sollte man sich auf deutlich erschwerte Bedingungen einstellen.
  • Bei gutem Wetter mit ausreichend Zeit empfiehlt sich die Überschreitung hin zum Panixerpass, um dann hinab nach Elm abzusteigen.
  • Von der Martinsmadhütte aus benötigt man rund 3 h bis zum Gipfel des Glarner Vorab, retour etwa 2.
  • Ein Kletterklassiker an der Hütte ist der Gletscherhorn Ostgrat (bis etwa IV). Wer auch im Bereich des sechsten und siebten Franzosengrats zu Hause ist, der kann zum Laaxer Stöckli oder Piz Grisch aufbrechen. Mehr Informationen bietet der Kletterführer Glarnerland.
  • Kartenmaterial findet man digital wie immer bei map.geo.admin.ch oder gedruckt auf den Landeskarten 1174 Elm und 1194 Flims.

In diesem Sinne,
Martin

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