Die Silvretta verbinde ich mit zahlreichen schönen Erinnerungen, denn dort war ich schon mehrfach auf tollen Touren gewesen und auch meine Hochtourenausbildung hatte ich vor einigen Jahre auf der Wiesbadener Hütte absolviert, so dass ich durchaus sagen kann, dass dort der Grundstein für zahlreiche Bergtouren gelegt wurde. Kein Wunder also, dass unsere Wahl auf die Silvretta fiel, als wir im September ein wunderschönes Herbstwochenende mit Freunden verbringen wollten, die zuvor noch nicht (viel) im (Hoch-) Gebirge unterwegs gewesen waren. Mit der Klostertaler Umwelthütte, der meiner Meinung nach schönsten Hütte in der Silvretta und eine meiner Lieblingshütten insgesamt, gibt es in der Silvretta außerdem die perfekte Möglichkeit Abstand vom Alltag zu nehmen.

Aufstieg im Klostertal

Wir parkten auf der Bielerhöhe und orientierten uns am Silvretta-Stausee. Vor zwei Jahren war zwischen Partenen und der Bielerhöhe noch alles eine einzige Baustelle des Obervermuntwerks II, aber von dieser technischen Meisterleistung ist nun nichts mehr zu sehen, denn alles ist zurückgebaut – bald auch die derzeit noch weithin sichtbare Druckleitung des Obervermuntwerks I zwichen Silvretta-Stausee und Vermuntsee.

Gemütlich stiegen wir in rund 2 Stunden auf der westlichen Seite des Sees ins Kostertal und konnten dabei die Sonne genießen. Auch nach Ankunft an der Klostertaler Umwelthütte hatten wir noch Glück und konnten bevor wir sie betraten die letzten Strahlen der kräftigen Herbstsonne noch recht lange genießen.

25 Jahre Klostertaler Umwelthütte

Kurz bevor die Sonne verschwand kam dann der beim Betreten von unbewarteten oder unbewirteten stets spannende Moment, denn man weiß nie, in welchem Zustand die vorherigen Gäste die Hütter hinterlassen hatten. Wir wussten, dass die Hütte in der Nacht zuvor komplett ausgebucht war und nach dem Öffnen der Tür schwante mir Böses, denn das erste was wir hinter der Tür erkennen konnten waren mehre Kästen mit Alkoholika – und die meisten Flaschen waren leer.

Im Vorraum (vor dem abgeschlossenen Alpenvereinsraum) blätterte ich zunächst im Hüttenbuch und darin fand sich auch die Erklärung: In der Nacht zuvor gab es 45 Übernachtugnen (man beachte: die Hütte hat offiziell 15 Plätze), denn die Klosertaler Umwelthütte feierte 25jährigen Geburtstag.

Entgegen der anfänglichen Befürchtungen war alles in hervorragendem Zustand und wir konnten uns nicht nur an neuen Toilettendeckeln, sondern auch an frisch bezogenen Matratzen erfreuen.

Wir verbrachten einen gemütlichen Abend in der Hütte und bekamen zu später Stunde noch Besuch, bevor es relativ früh ins Bett ging.

Abstieg im Kromertal

Am Sonntag startete ich erstmal in der Früh damit Wasser vom Brunnen zu holen und erschrack beim Verlassen der Hütte sehr, denn plötzlich sah ich mich vier bewaffneten Männern mit großen Gewehren gegenüber. Jäger wollten die frühen Stunden nutzen und waren mit dem Auto zur Hütte gefahren. Sie machten sich jedoch rasch auf, um ihr Glück zu versuchen und nach dem ich durch den Schreck wach war, konnte ich mich ums Frühstück kümmern.

Wir starteten den Tag und blickten vor der Tür direkt auf den Weg zum Litznersattel gegenüber der Hütte, über den wir ins Kromertal gelangen wollten. Wir stiegen hinab zum Klostertaler Bach und überquerten diesen, bevor wir den schön zu wandernden schmalen Weg in Richtung Litznersattel aufstiegen.

Nach dem Litznersattel stiegen wir in Richtung Kromertal hinab. In der Klostertaler Umwelthütte hingen noch zwei Alpenvereinskarten aus dem Jahr 2007, mit Gletscherstand nachgeführt im Jahr 2005. Darin verzeichnet findet sich noch der Litznergletscher auf der Seite des Kromertals. Doch 14 Jahre später war von diesem nichts mehr übrig.

Zur kleinen Stärkung zwischendurch hatten wir uns die Saarbrücker Hütte ausgeguckt, welche wirklich schön mit toll verschindelter Fassade und tollem Ausblick über dem Vermuntsee thront.

Wir stärkten uns etwas auf der Saarbrücker Hütte, welche wir am letzten Tag ihrer Sommersaison besuchten. Im Anschluss ging es hinab und über die Tschifernella zurück zur Bieler Höhe. Erneut auf schmalem Pfad und ganz allein.

Die Runde vom Silvretta-Stausee zur Klostertaler Umwelthütte, mit dortiger Übernachtung und Weiterweg zur Saarbrücker Hütte, sowie dem Rückweg zum Ausgangspunkt über die Tschifernella mag keine großen Herausforderungen haben und man kann sie auch an einem Tag absolvieren, aber die Tour ist eine hervorragende Genusstour, weitgehend in eher stillen Bereichen der Silvretta und eine perfekte Tour um Freunden zu zeigen, warum man die Berge so mag und wie schön es ist, sich auf die einfachen Dinge ohne Schnickschnack (wie zum Beispiel eine Sauna auf der Heidelberger Hütte) zurückzubeziehen.

Alle relevanten Infos habe ich an dieser Stelle bei meinem ersten Besuch der Klostertaler Umwelthütte bereits zusammengestellt.

In diesem Sinne,
Martin

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