Das Bishorn mag über den Normalweg einer der leichtesten Viertausender der Alpen sein, aber es ist sicherlich einer der ehrlichsten: Vom Ausgangsort Zinal kommend hat man rund 1600 Höhenmeter bis zur Cabane de Tracuit (3256 m) vor sich, danach noch weitere 900 Höhenmeter bis zum Gipfel des Bishorns (4153 m) – und keinen einzigen dieser Meter kann man durch Zuhilfenahme einer Bahn abkürzen: Jeder Höhenmeter will erarbeitet werden.

An einem Samstag im Juli fuhren wir zu fünft nach Zinal und von Heidelberg aus war die Anreise lang, so dass sich irgendwann zunehmend abzeichnete, dass wir den mit 4,5 – 5 Stunden angegebenen Zustieg eventuell nicht mehr rechtzeitig vor dem Abendessen abschließen würden. Mit diesem Wissen im Hinterkopf parkten das Auto am südlichen Ausgang des Dorfes (2’614’568, 1’108’928), wo wir es im Gegensatz zum Zentrum sogar umsonst abstellen durften und stiegen von dort aus zur Abzweigung des Hüttenzustiegs am Ortsrand (2’615’088, 1’108’830). Bereits diese ersten Meter in Zinal ging es bergauf und auch für den Rest des Tages würde es nur in eine Richtung gehen – nach oben.

Das Val d’Anniviers schließt im Süden von Zinal mit einigen beeindruckenden Viertausendern, wobei sich diese zunächst in Wolken gehüllt nicht zeigen wollten. Die erste Hälfte unseres Zustiegs war es unangenehm schwühl und warm, aber als wir auf etwa 2500 mH waren begann es rasch abzukühlen und es fielen auch ein paar Regentropfen. Entsprechend hielten wir uns nicht lange auf und konnten zu unserer Überraschung nach rund vier Stunden noch rechtzeitig zum Abendessen die Cabane de Tracuit erreichen.

Diablon des Dames

Für unseren zweiten Tag hatten wir uns ein eher selten begangenes Ziel ausgesucht, die Diablon de Dames. Zum einen wollten wir so an einem Montag, statt einem Sonntag, auf das Bishorn steigen und vielleicht etwas der Masse entkommen, zum anderen handelte es sich hierbei im kompletten Gegensatz zum Weg auf das Bishorn um eine reine Felstour. So kam deutlich mehr Abwechslung in unser verlängertes Bergwochenden.

Wir starteten recht spät, frühstückten erst um 7 Uhr und marschierten zurück zum Col de Tracuit. Ab dort gab es keine Markierungen mehr und wir waren auf uns gestellt. Einzig ein junger Mitarbeiter des Hüttenteams gab uns ein paar spärliche Angaben und hier und da würden wir später zu unserer Überraschung doch noch ein paar sehr vereinzelte Steinmännchen finden.

Bis zum Einstieg orientierten wir uns eher auf der östlichen Seite, wechselten dann aber rasch in die westliche Flanke. Dort ging es durch loses Kristalin nach oben, immer wieder unterbrochen von einfachen Kraxelstellen, bei denen wir jedoch sehr aufpassen mussten, dass es nicht zu Steinschlag kam.

Die einzelnen Passagen des Aufstiegs waren nicht schwer, aber es wurde rasch klar, dass die Wegfindung die größte Herausforderung darstellte. Vieles war möglich, aber welche Richtung die einfachste Linie darstellte, erforderte ein gewisses Maß an alpiner Intuition und der Fähigkeit die vor uns liegenden Abschnitte gut einschätzen zu können.

Wir erreichten den Vorgipfel (3405 m) und ab dort ging es leicht und direkt entlang des Grats zum Hauptgipfel, wo wir eine Rast einlegten. Eigentlich hatten wir damit geliebäugelt noch Les Diablons anzuhängen, aber es zeigten sich doch recht früh westlich von uns erste Quellwolken, weshab wir nach der Stärkung umdrehten. Ein Abstieg bei schlechter Sicht wäre in der Flanke sicherlich unangenehm geworden.

Nach rund 4,5 Stunden waren wir zurück an der Cabane de Tracuit. Die Wolken hatten die Les Diablons und die Diablon des Dames am Ende dann letztlich doch nicht wie am Vortag eingehüllt, so dass auch noch später ein Abstieg bei guter Sicht möglich gewesen wäre. Aber wie heißt es so schön: „Better save than sorry“ und so verbrachten wir den Nachmittag auf der Hütte, wo wir die teuerste Portion Rösti unseres Lebens aßen: Was drei Röstis hätten sein sollen, war am Ende eine etwas größere Pfanne – für 66 CHF. Mahlzeit.

Bishorn

Am Montag stand uns der nach dem Aufstieg zur Hütte vermeintlich anstrengendste Tag bevor: Aufstieg zum Bishorn, mit rund 900 zu absolvierenden Höhenmetern, sowie Abstieg zurück ins Tal mit rund 2500 Höhenmetern. Abgerundet würde das ganze durch eine mehrstündige Fahrt zurück nach Heidelberg werden…

Wir starteten im Gegensatz zum Vortag etwas früher, denn Frühstück gibt es für alle Bishorn-Aspiranten um 5 Uhr. Das ist immerhin drei Stunden nach dem Frühstück für die Weißhorn Nordgrat Anwärter, für die Westalpen aber eigentlich ein immer noch recht angenehm spätes Frühstück. Um kurz nach halb sechs begannen wir mit dem Aufstieg und querten als eine der letzten die Cabane de Tracuit verlassenden Seilschaften den Turtmanngletscher.

Recht direkt nahmen wir den Kurs auf die Spitze der vom Gipfel des Bishorns wegziehenden Felsrippe und umrundeten diese in weitem Bogen, um anschließend in dem Hang aufzusteigen, der in die Scharte zwischen die zwei Gipfel des Bishorns führt: Östlich liegt der Ostgipfel (Pointe Burnaby, 4135 m), westlich der Hauptgipfel mit 4151 m (die Angaben schwanken hier etwas, aber das spielt eigentlich keine Rolle und passt ja auch zu einem Gipfel aus Schnee und Eis).

Zwar warem wir als eine der letzten Seilschaften gestartet, aber wir waren nicht die letzten, die auf dem Gipfel standen. In ruhigem und gleichförmigen Schritt stiegen wir langsam immer weiter empor und überholten dabei eine Seilschaft nach der anderen. Rund drei Stunden benötigten wir zum Gipfel, bei bestem Wetter und guten Bedingungen.

Den Abstieg zurück zur Hütte bewerkstelligten wir in etwas weniger als 1,5 Stunden. An der Cabane de Tracuit hielten wir kurz zur Mittagspause an, packten alles, erfrischten uns und stiegen danach in 2,75 Stunden hinab nach Zinal, wo wir an einem ruhigen Nebenarm der La Navisence uns noch erfrischten, bevor es inmehreren Stunden zurück in die Kurpfalz ging.

Infos zur Tour:

  • Die Cabane de Tracuit ist der Ausgangsort für Besteigungen des Bishorns. Auch für Schweizer Verhältnisse ist sie recht teuer (80 CHF/Nacht bei Halbpension – und wer tatsächlich duschen will, zahlt 10 CHF für zwei Minuten).
  • Die Diablon des Dames kann recht direkt am Grat entlang bestiegen werden (II UIAA), oder aber auch in der westlichen Flanke (I UIAA). Die Flanke mag leichter erscheinen, setzt aber gute Orientierung in weglosem Gelände ohne Markierungen und vorsichtiges Treten in losem Gestein voraus.
  • Zum Bishorn geht es auf dem Normalweg im Schwierigkeitsgrad L+ (F+). Das man allerdings 900 Höhenmeter bis auf 4151 mH zu absolvieren hat, sollte man dennoch im Hinterkopf behalten. Der Turtmanngletscher ist recht zahm, wobei die Spur zum Bishorn sehr direkt und damit durch ein Spaltenfeld gelegt wurde. Das hätte man in einem südlichen Bogen etwas schöner umgehen können. Alleine würde ich den Gletscher trotz der recht übersichtlichen Spalten dennoch nicht queren, auch im oberen Bereich findet man immer wieder Spalten im steilen Gelände.
  • Man kann das Bishorn auch mit dem Mountainbike besteigen und abfahren. Als wir auf der Cabane de Tracuit ankamen, standen auch zwei Räder im Schuhraum.
  • Zur Planung perfekt, wie immer in der Schweiz, ist maps.geo.admin.ch. Ideal dort natürlich die Funktion zum direkten Kartendruck. Wer auf Schweizer Landeskarten steht nimmt Blatt 1327 „Evolène“« und Blatt 1328 Randa“ (beides 1:25 000).

In diesem Sinne,
Martin

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