Zugegeben: Beim Stichwort „Junggesellenabschied“ denkt man eher an Saufgelage und Bauchläden, als an Wanderungen im Gebirge. Aber dass es auch anders und sehr zivilisiert geht, zeigten wir Anfang Juli, als wir zu einem gemeinsamen Bergwochenende ins Karwendel aufbrachen, um dort zur Pfeishütte aufzusteigen und dort zu nächtigen.

Es war der Wunsch des Bräutigams gewesen, ins Gebirge aufzubrechen und da ich als einziger unserer Gruppe schon einmal auf einer Hütte gewesen war, wurde auch mir die Aufgabe zuteil das Wochenende etwas zu planen. Meine Wahl fiel dabei aus mehreren Gründen auf die Pfeishütte, auf welcher ich schon mehrfach war: Zum einen ist diese wirklich gemütlich, das Essen reichlich und sehr gut (insbesondere der hausgemachte Schokoladennussaufstrich) und zum anderen habe ich mich auf der gemütlichen Hütte mit ihrem vielen Holz im Innenraum einfach immer willkommen gefühlt. Dazu kommt, dass es rund um die Hütte zahlreiche Möglichkeiten gibt, flexibel auf das Wetter zu reagieren und dennoch eine abwechslungsreiche Tour zu unternehmen.

Der Wetterbericht lies im Vorfeld nichts Gutes erwarten und als wir unser Auto unweit der Hungerburgbahn parkten bekamen wir beim Anziehen der Rucksäcke noch eine ordentliche Ladung Regen ab. Erst als wir tatsächlich losmarschierten hörte es auf, wobei es im Tagesverlauf aber immer wieder zu ganz kurzen Nieselregenphasen kam.

Wir marschierten von der Hungerburg aus zunächst zur Arzler Alm und von dort aus direkt zum Fuß der Arzler Reiße. Ab dort ging es steil in zahlreichen Kehren einem kleinen Weg durch das Geröll folgend nach oben.

Mit jedem Meter den wir nach oben stiegen wurde es etwas kühler und als wir schließlich die Arzler Scharte erreichten war es richtig frisch geworden, weshalb die Vorfreude auf die warme Gaststube stetig zunahm.

Wir erreichten die Hütte rechtzeitig vor dem Abendessen und wurden herzlich begrüßt, bevor es für jeden eine große Portion Abendessen zur Stärkung gab.

Am nächsten Morgen starteten wir nach dem Frühstück (mit dem eingangs erwähnten hervorragenden hausgemachten Schokoladennussbrotaufstrich) Richtung Mandlscharte und gingen weiter dem Goetheweg folgend zur Mühlkarscharte.

Von der Mühlkarscharte aus stiegen wir zunächst über einen Grasrücken, später dann durch leicht kraxeliges Gestein (höchstens I UIAA) zur Gleirschspitze auf, um nach einer ausgiebigen Gipfelrast zum Gleirschjöchl abzusteigen.

Auch die Hafelekarspitze nahmen wir noch mit, bevor wir auf dem Weg ins Tal unseren Plan änderten. Ursprünglich war der Weg zu Fuß angedacht, aber plötzlich machten die Wolken dicht und dann war der Ruf der Nordkettenbahn doch sehr verlockend…

Zurück im Tal blickten wir bei einem Kaffee noch einmal gemeinsam auf ein schönes Bergwochenende zurück, bei welchem sich nicht nur gezeigt hatte, dass man einen Junggesellenabschied auch ohne Exzess, sondern einfach in guter Gesellschaft verbringen kann, sondern auch, dass ein Aufstieg zu einer Hütte bei kühlen und teilweise nassen Verhältnissen vielleicht etwas ungemütlich sein kann, die Ankunft in der Hütte dann aber umso schöner ist.

Ein paar Infos zur Runde:

  • Wer es digital mag, findet bei opentopomap.org eine gute Karte zur Planung, für unterwegs empfiehglt sich die AV Karte 5/2 Karwendel Mitte.
  • Wer auf der Pfeishütte übernachten will, sollte rechtzeitig reservieren, denn sie ist einfach super und entsprechend frequentiert: Urgemütlich, mit gutem Essen und tollem Team. Was will man mehr?
  • Direkt bei der Hungerburgbahn/Talstation der Nordkettenbahn kann man höchstens ein Tagesticket lösen, jedoch nicht mehrere Tage parken. Wer das tun will, sollte es ungefähr 500 m westlich bergab an der Höhenstraße auf dem dortigen Parkplatz versuchen. 7 EUR kostet der Tag von 9 – 19 Uhr – und der Automat akzeptiert nur Münzen. Wer Zeit und Muße hat, kann auch mit einer App bezahlen. Hierzu gibt es einen QR Code am Automaten.
  • Rund 5 Stunden kann man, inklusive Pausen, bei sehr gemütlichem Aufstiegstempo von der Hungerburg zur Pfeishütte über die Arzler Alm kalkulieren.

In diesem Sinne,
Martin

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.