„Jetzt wird es ernst.“ Mit diesen Worten wurden wir am Asselstein von zwei Wanderern begrüßt, während wir uns das riesige Schiff aus Stein von unten anschauten, um uns zu orientieren. Damit würden sie recht behalten, denn das Klettern an der beinahe 60 m hohen und ebenso breiten, aber mit 10 m nur relativ schmalen Wand aus Bundsandstein ist quasi der Inbegriff des Kletterns in der Pfalz: ein freistehendes Massiv, sehr wenig Absicherung, Ringe statt Haken, viele Risse durch die man sich winden muss und dazu ganz viel tollkühne Historie zeichnen einen der bekanntesten Felsen der Pfalz aus, der schon von weitem sichtbar auf einer Anhöhe bei Annweiler am Trifels thront.

Ziel unseres Ausflugs waren die klassischen Linien und entsprechend starteten wir bei überraschend kühlen Temperaturen und teilweise ziemlich dunklen Wolken in den Normalweg, wo mir beim Erreichen des Stands in der zweiten Seillänge eine kühle Prise und leichter Nieselregen entgegenkam.

Nach dem ersten Abseilen besserte sich das Wetter und es wurde leicht bewölkt aber heiter. Ideal zum Klettern und im Laufe des Tages waren wir noch mehrfach auf dem Gipfel, vor allem aber beeindruckt von dem, was vor mehr als hundert Jahren in der Pfalz geklettert wurde. Sicherlich ist heutige Sportkletterei um ein Vielfaches schwerer, aber führt man sich die damaligen Sicherungsmöglichkeiten (und Kletterschuhe!) vor Augen, so wirkt modernes Sportklettern wie ein Witz: Die Pfalz hat noch heute einen hohen Anspruch an den Vorsteiger, denn man muss mit mobilen Sicherungen souverän umgehen können, doch damals, ganz ohne Friends oder Tricams, hatte das Klettern eine ganz andere Dimension. Auf der anderen Seite war das Fehlen von Friends und anderen mobilen Sicherungsgeräten auch nicht so schlimm, denn vernünftige Gurte und Seile gab es ja ohnehin nicht…

Die ersten Menschen waren übrigens bereits am 3. Juni 1860 auf dem Asselstein, allerdings mit Hilfe von Holzleitern und Baumstämmen. Der Normalweg wurde einige Jahre später, 1909, erstbegangen.

Den Klettertag wollten wir in der Kletterhütte noch bei pfälzer Spezialitäten ausklingen lassen, doch leider waren wir etwas zu spät dran und die Küche war bereits geschlossen. Aber das war nicht schlimm, denn auf dem Rückweg entdeckten wir so den gemütlichen Garten des Weinguts Siener:

Ein absolut genialer Klettertag in der Pfalz ging damit für uns zu Ende. Mehr Pfalz geht nicht: Sandstein, Asselstein, klassische tollkühne Routen, unangenehme Schulterrisse, schlechte Absicherung, tolles Panorama und zum Abschluss Bratwurst, Leberknödel, Saumagen und Kraut.

Ein paar kleine Tipps:

  • Der Asselstein kann gesperrt sein. Die Pfälzer Kletterer weisen auf ihrer Webseite auf alle aktuellen Sperrungen hin.
  • Der Zustieg dauert keine zehn Minuten, dabei darauf achten, dass der Parkplatz direkt an der Kletterhütte den Gästen dort vorbehalten ist und sich auf der anderen Straßenseite ausreichend Platz für Kletterer findet.
  • A propos Kletterhütte: Sie befindet sich auf dem kurzen Zustieg zum Asselstein und die Küche hat bis 18 Uhr geöffnet, eine Stunde kürzer als der Ausschank. Auch für Mountainbiker im Pfälzer Wald ein gutes Ziel.
  • Panico bietet einen Topoführer für die Pfalz an. Es findet sich nicht immer zu jedem Fels ein Topo, aber auf jeden Fall sind alle Routen beschrieben.
  • Tricams von Camp sind übrigens ein Geheimtipp für die Pfalz. Man kann sie nämlich ideal in kleine Taschen legen, immer dann, wenn ein Friend zu weit horizontal aus der Tasche stehen würde. Für diesen Hinweis floß übrigens kein Geld, ich war nur wirklich sehr angetan.
  • Das Weingut Siener in Birkweiler hat einen schön angelegten Garten und bietet gute und günstige Küche. Falls es mal wieder länger dauert und die Kletterhütte schon geschlossen hat ene gute Alternative.

In diesem Sinne
Martin

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