Die Planung eines Bergwochenendes zu Pfingsten gestaltete sich leider deutlich schwerer als gedacht, denn zwischen Winter- und Sommersaison waren noch viele Hütten geschlossen und die Altschneesituation trug auch nicht zur Verbesserung unserer Optionen bei. Also beschlossen wir nach Innsbruck zu fahren, um dort zunächst einen schönen Tag in der Stadt zu verleben und am nächsten Tag über den Absamer Klettersteig zur Bettelwurfhütte aufzusteigen. Die lokalen Verhältnisse würden uns dann zeigen, ob am Folgetag noch eine Besteigung des Großen Bettelwurfs möglich wäre.

Innsbruck beeindruckt durch seine Nähe zur Nordkette des Karwendels, egal wo man steht sieht man im Hintergrund die Kulisse der Berge. Zwar liegt die Nordkette nördlich von Innsbruck, aber sie ist die südlichste alle Karwendelketten. Nach einem schönen Abend in der Stadt und einer angenehmen Nacht im Stage 12 brachen wir von Absam aus ins Halltal auf. Zunächst folgten wir dem Halltalbach bis zum Bettelwurfeck und suchten uns von dort aus zunächst dem Wegweiser und dann den Markierungen folgend den Zustieg zum Klettersteig.

Die Beschilderung war nicht ganz eindeutig gewesen: Am Elektrizitätswerk wurde auf den Normalweg 222 zur Bettelwurfhütte verwiesen, einen Hinweis auf den Absamer Klettersteig findet man dort jedoch nicht, sondern erst fünfhundert Meter weiter, wenn man dem Weg 222 nicht folgt. Ein Wegweiser bei einem kleinen Parkplatz weist an, eine derzeit gesperrte Brücke zu queren, um zum Klettersteig zu gelangen. Das taten wir auch, aber erst nach unserem Abstieg verstanden wir, dass es auch möglich gewesen wäre am Elektrizitätswerk zunächst dem Weg 222 zu folgen, um dann von dort aus die Gamsgufel tief auf dem Wanderweg querend zum Einstieg zu gelangen. Aber da war es schon zu spät.

Nachdem wir im Fußbereich des Klettersteigs die ersten Klettersteiggeher sahen, konnten wir den eigentlichen Einstieg rasch ausmachen und stiegen in den ersten kurzen Abschnitt ein.

Der Absamer Klettersteig kann in drei Abschnitte geteilt werden. Einen ersten sehr kurzen mit Schwierigkeiten bis B, danach einen sehr langen Abschnitt bis C, sowie kurz vor dem Ende noch einmal ein kurzes Stück bis C. Dabei liegt die Schlüsselstelle, eine glatte aber mit Tritthilfen versehene senkrechte Platte, unmittelbar beim Beginn des mittleren und langen Abschnitts. Schafft man diese nicht, oder nur mit Müh und Not, kann man auch umdrehen und sicher über den Weg 222 zur Bettelwurfhütte gelangen.

Wir stiegen in bester Kulisse durch den Absamer Klettersteig, welcher insgesamt mit nur sehr wenigen Trittbügeln und ähnlichem Metall daherkommt und sich beinahe immer am Fels orientiert. Dabei ist dieser von überraschend guter Qualität und nur wenig brüchig – zumindest für Karwendelverhältnisse, auch wenn man natürlich trotzdem sehr auf loses Gestein aufpassen muss.

Der Weg führte im unteren Bereich durch abwechslungsreiche Abschnitte, meist etwas querend, ab und an aber auch wieder aufsteilend. Aufpassen sollte man beim Queren einer kleinen Schlucht (oder vielmehr: Schotterrinne), denn dort herrscht erhöhte Steinschlaggefahr. Wer möchte kann die Rinne auf einer Doppel-Seilbrücke queren, aber auch ohne diese ist eine Querung möglich, wenn auch ein paar wenige Meter ohne Stahlseil.

Zum Ende hin änderte der Steig seinen Charakter und es wurd plattig. Allerdings war der Kalk sehr griffig und wir konnten sehr gut und problemlos auf Reibung aufsteigen.

Nach dem kurzen oberen Abschnitt und dem Ausstieg standen uns noch rund 400 weitere Höhenmeter bevor, welche uns von der Bettelwurfhütte trennten. Hier mussten wir einige Schneefelder in Latschen queren. Alles kein Problem, aber uns wurde klar, dass wir am nächsten Tag nicht auf den Großen Bettelwurf steigen würden, denn es gab noch eine ganze Menge Schnee in den Lagen oberhalb der Bettelwurfhütte.

Auf der Hütte angekommen stärkten wir uns erstmal mit leckerem Zwetschgenkuchen und konnten den Spätnachmittag auf der Sonnenterasse genießen, auch wenn immer wieder ein paar Wolken die Sonne abdeckten.

Für die Bettelwurfhütte war es das erste Wochenende der Saison 2019 und wir wurden vom herzlichen Hüttenteam bestens versorgt, bevor wir am nächsten Tag früh über den Weg 222 abstiegen. Ein weiterer Aufstieg zu einem der von der Hütte aus erreichbaren Gipfel erschein uns ob des vielen Schnees nicht sinnvoll und so stiegen wir ab, während die letzten dunklen Wolken des frühen morgens grollend über uns hinwegzogen.

Im Abstieg querten wir zügig eine steinschlaggefährdete Passage unterhalb einer Felswand und konnten in einem Schotterkars einige Gemsen entdecken, bevor wir den Talgrund erreichten und vom Bettelwurfeck zurück zum Parkplatz gelangten. Alles in allem eine wirklich abwechslungsreiche und gelungene Runde – angefangen vom sehr schön angelegten Absamer Klettersteig, über das tolle Panorama bis hin zur guten Zeit auf der Bettelwrufhütte.

Ein paar Infos zur Tour:

  • Innsbruck kann man gut mit dem Zug erreichen, die Buslinie 502 bringt einen in 41 Minuten für 3,80 EUR vom Hauptbahnhof zum Parkplatz (Haltestelle Absam Walderstraße). Oder man fährt mit dem Auto zum Parkplatz, auf welchem man umsonst parken kann.
  • Der Klettersteig ist bei bergsteigen.com sehr gut beschrieben. Das Topo beinhaltet alles Details, um zu jedem Zeitpunkt genau zu wissen, wo man sich befindet.
  • Auch wenn der Klettersteig maximal an Einzelstellen Schwierigkeit C erreicht und sich der Großteil des Weges nur im Bereich A bis B abspielt, sollte man ihn nicht unter- und sich selbst nicht überschätzen: Nicht ganz 600 Höhenmeter gilt es alleine im Klettersteig zu bewältigen, der Zustieg bringt zusätzlich beinahe 400 Höhenmeter mit und auch vom Ausstieg bis zur Bettelwurfhütte sind es erneut beinahe 400 Höhenmeter. Vor allen Dingen sind die letzten 400 Höhenmeter Aufstieg auch dann zu absolvieren, wenn man eigentlich absteigen möchte, denn erst ab der Bettelwurfhütte gibt es wieder Abstiegsmöglichkeiten.
  • Für den Aufstieg brauchten wir insgesamt rund 5,5 Stunden, für den Abstieg 2,5 Stunden. Geht natürlich auch alles an einem Tag, oder eben mit Aufenthalt auf der Bettelwurfhütte. Von dort aus kann man auch weitere Touren anschließen, zum Beispiel auf den Großen oder Kleinen Bettelwurf oder über die Pfeishütte hinüber zum Solsteinhaus und weiter zur Nördlinger Hütte – dem Karwendel Höhenweg folgend, nur eben rückwärts.

In diesem Sinne,
Martin

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