Weil am vergangenen Sonntag das Wetter sehr gut war, fuhren wir mit dem Rad von Heidelberg aus nach Ziegelhausen, um dort am Sandstein ein wenig zu klettern. Zunächst war nur wenig los, aber nach kurzer Zeit ging es dann hoch her am Wandfuß, denn relativ schnell kamen viele Kletterer hinzu und es wurde voll.

Dabei fiel mir auf, dass die Umgangsformen doch etwas zu wünschen ließen: Während ich am Abseilen war, was wirklich nicht lange dauerte, wurde meine Frau von Mitgliedern ein und der selben Seilschaft gleich mehrfach gefragt, ob sie danach endlich einsteigen könnten. Kaum war ich auf dem Boden angekommen und hatte das Seil abgezogen, wurde das Revier auch schon markiert und demonstrativ der Seilsack an den Einstieg gelegt, aber erst danach damit begonnen Gurt und Expresssets anzulegen. Guter Erziehung sieht anders aus.

Außerdem war auffällig, dass fast jeder Kletterer mit Chalk (im Übrigen: Magnesia – und nicht Magnesium!) am Sandstein unterwegs war – ein absolutes Unding. Chalk schadet dem Sandstein und sorgt dafür, dass dort wo früher ordentlich Reibung war, irgendwann nur noch ein glatter, schwarzer Fleck bleibt. Nachzulesen zum Beispiel in der DAV Panorama 3/2018 oder auch bei Chalkviech.de (mit einem interessanten Bild aus einem Panico Topo-Führer). Es gibt also einen guten Grund, warum Kletterer darauf verzichten sollten Chalk am Sandstein zu nutzen – sie zerstören mit Reibung des Gesteins gerade den Reiz, den das Klettern daran ausmacht.

Zunächst hatte ich den ersten Kletterer mit Chalk noch angesprochen, doch als ich dann sah, dass beinahe jeder Chalk benutzte, war ich sowohl fassungs- als auch ahnungslos – hätte ich jeden einzelnen ansprechen sollen?

Der DAV hat schon seit einiger Zeit die Kampagne Draußen ist anders am Laufen (siehe auch hier), denn aufgrund der steigenden Zahl an Kletterhallen nimmt auch die Zahl der Felskletterer zu. Entsprechend steigt der Druck auf die Klettergebiete und mittlerweile gibt es sogar einen Kletterschein Outdoor, der die Unterschiede zwischen Halle und Fels vermittelt (hier gibt es eine Zusammenfassung der Bascis).

Dabei reicht es eigentlich umsichtig und mit gesuindem Menschenverstand gegenüber Mitmenschen und Natur agieren. Unabhängig von den Bemühungen des DAV daher an dieser Stelle meine vier Bitten an alle Kletterer:

  1. Achtet die Vorgaben zum Naturschutz, zum Beispiel zu Sperrzeiten, gesperrten Routen oder Zustieg und nehmt euren Müll mit. In geschützten Gebieten sind offene Feuer und Übernachtungen tabu. Werden diese Punkte nicht beachtet, drohen Sperrungen von Klettergebieten durch die zuständigen Behörden – das will niemand und ist einfach nur ärgerlich, weil einfach zu vermeiden.
  2. Toprope nur an eigenen Karabinern und Abseilen statt Ablassen. Schont das Material am Fels und es muss weniger ehrenamtliche Arbeit auf die Instandhaltung verwendet werden. Außerdem ist letzteres immer eine gute Übung.
  3. Kein Chalk am Sandstein, es sei denn ihr seid in der Pfalz oberhalb des achten Grads.
  4. Wenn an den Routen großer Andrang herrscht, muss man eben auch mal warten. Das mag ärgerlich sein, aber am Fels hat man in der Regel nicht wie in der Halle zahlreiche Routen in allen Graden zur Auswahl. Immer ruhig bleiben, schließlich will jeder Spaß am Klettern haben – und wer panisch in der Wand hängt wird nicht schneller fertig, wenn von unten Druck gemacht wird.

In diesem Sinne,
Martin

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