Das perfekte Osterwetter wollte genutzt werden und auch wenn ich im letzten halben Jahr aus zahlreichen Gründen nur sehr unregelmäßig zum Klettern kam, hatten wir uns einen Tag am Battert, sowie einen Tag in der Pfalz als Programm ausgesucht. Beides Klettergebiete, welche berühmt berüchtigt für ihre Absicherung sind und damit natürlich das ideale Terrain, um mit wenig Form an nur wenigen Haken oder Ringen zu klettern…

Unseren Klettertag am Battert starteten wir dank Anreise über Karlsruhe gemütlich mit einem hervorragenden Cappucchino bei Espresso Tostino, bevor wir nur wenig später am Parkplatz in Ebersteinburg zu unserem großen Erstaunen feststellten, dass dort kaum Autos parkten: Trotz bestem Wetter und Feiertag war erstaunlich wenig am Battert los und so konnten wir uns zum Beispiel dem Bockgrat widmen, einem absoluten Battert-Klassiker im vierten Grat, bei dem man sogar den ein oder anderen Haken finden, vor allen Dingen aber in zwei langen Seillängen viel Luft unter sich spüren kann.

Die sicherlich interessantese Kletterei des Tages war allerdings der Schusterkamin, welcher laut Führer nur wenig begangen wird – aus gutem Grund, denn es handelt sich dabei um klassischen Type Two Fun: Man muss sich winden, drehen, stemmen, schieben und in wirklich klassischer Kaminkletteri Meter um Meter nach oben bewegen. Dabei waren wir zu dritt unterwegs, was den großen Vorteil hatte, dass wir am Doppelseil zu zweit zeitgleich nachsteigen und uns über die unbequemen Züge austauschen konnten. Nachstieg zu zweit macht am Doppelstrang wirklich Spaß, weil man plötzlich nicht mehr alleine, sondern gut unterhalten ist! Allerdings sollte man natürlich vorsichtig treten – Stichwort Steinschlag – und auch trotz des geselligen Aspekts stets aufmerksam sein.

Am zweiten Oster-Klettertag fand ich mich rasch erneut in einem Kamin wieder. Dieses Mal am Höllenfelsen in der Pfalz – tief im Pfälzer Wald, tief in einem schmalen Kamin. Der Ausblick nach oben versprach nichts Gutes und weit über meinem letzten vielleicht eher mäßig gesetzten Friend, so richtig konnte ich mich nicht mehr erinnern, stellte ich fest, dass ich zwar nicht mehr richtig fallen, dafür aber auch nicht mehr richtig klettern konnte: Zu eng war der Spalt, durch den ich mich in der Verlängerung des Eckanstiegs hätte zwingen müssen.

Mit 4+ E1 ist der Kamin bewertet, durch den ich mich letztlich nicht zwängen (zwingen?) konnte: Mein Kopf war nicht frei – und zwar im doppelten Sinne. Zum einen waren die Möglichkeiten zum Absichern der cleanen Route sehr überschaubar, zum anderen blieb ich an einer Stelle mit dem Helm stecken und konnte den Kopf nicht mehr drehen. Vielleicht hätte ich es weiter außen versuchen müssen? Nach mehreren Versuchen verließ mich letztlich der Mut und ich trat den Rückzug an. Ohne Haken, ohne gute Fixpunkte oder Möglichkeiten etwas zu legen gar nicht so einfach, doch weil der Einstieg zum Kamin in einem Fenster durch den Berg lag, seilte ich auf der Gegenseite durch das riesige Fenster hindurch ab.

Letztlich durchstieg mein Kletterpartner die Route dann nach mir, das Hemd zerschlissen, die Ellenbogen zerkratzt und auch am Rest des Körpers ordentlich geschunden. Dabei blieb er zweimal stecken, bevor am anderen Ende erneut das Licht erblickte. Er holte mich nach, aber ich musste recht weit ausweichen – sein direkter Weg war mir einfach zu eng. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich wegen Klaustrophobie eine Route nicht klettern, Sachen gibt es…

Etwas später waren wir erneut auf dem Gipfel und verwigten uns mit einem Gedicht im Wandbuch, weches spontan auf dem Gipfel stehend entstand. Wer den Text wissen möchte, dem empfehle ich den Kamin über dem Eckanstieg ans Route…

Im Anschluss kletterten wir dann doch etwas mehr in der Sonne, mussten aber zum Ende des Tages noch einmal in den Kamin, denn ein Friend hatte sich beim Durchzwängen zuvor vom Gurt gelöst und wollte geborgen werden. Allerdings entschieden wir uns für eine Bergung von oben und seilten uns in den Fuß des Kamins ab…

Am Ende der zwei Tage hatten wir eine Menge Spaß und vor allen Dingen mit den beiden Kaminen eine Menge kuriose Klettermeter, die man so auch nicht überall findet. Aber die Kamine passten ganz gut zu Ostern, denn nach der Dunkelheit darin und dem Durchstieg fühlt man sich beim Ausstieg wie neugeboren…

Ganz knappe Infos zu den Gebieten:

  • Als Topoführer für den Battert kommen der Schwarzwald Rock 2.0 des Lobo-Verlags, sowie der Schwarzwald Nord Führer aus dem Hause Panico infrage. Wer die Bergwacht vor Ort unterstützen will, der holt sich den Kletterführer Nord Spezial.
  • Es kommt am Battert teilweise zu Sperrungen wegen Vogelbrut. Typischerweise betroffen ist die Badener Wand. Problematisch ist dies allerdings nicht, denn am Battert gibt es eine Unmenge an Routen aller Grade zum Ausweichen. Also bitte entsprechend verantwortlich klettern.
  • Panico hat den bis vor kurzem vergriffenen Kletterführer für die Pfalz neu aufgelegt. Darin findet man auch den Höllenfelsen, samt des wirklich schmalen Kamins in der Verlängerung des Eckanstiegs. Allerdings gibt es nicht zu jedem Fels ein Topo.
  • Sperrungen in der Pfalz findet man hier, auch diese bitte bachten.

In diesem Sinne,
Martin

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