Eigentlich hatten wir während unseres Aufenthalts um Südwesten Frankreichs vier Tage in den Pyrenäen eingeplant, aber an die Wetterbedingungen angepasst kürzten wir unsere Tour im Vallé de Gaube im östlichen Teil des Parc National des Pyrenées zum Petit Vignemale um einen Tag ab. Ausgangspunkt unserer Tour war die Pont d’Espagne bei Cauterets in der Nähe von Lourdes. Die Pont d’Espagne, die spanische Brücke, spannt einen Bogen über den Zusammenfluss von Gave de Marcadau und Gave de Gaube, wo es von Frankreich nach Spanien geht (und natürlich auch umgekehrt). Wir gingen in Richtung Wasserfälle und fanden uns nach wenigen Metern bei der Talstation der Télésiège de Gaube wieder, einer kurzen Seilbahn. Viel schöner wäre es gewesen, den weiter östlich gelegenen Weg hinein ins Vallé de Gaube Richtung Lac de Gaube zu nehmen, doch diesen hoben wir uns für den Rückweg auf. Um es gleich vorweg zu nehmen: Es finden sich mehr Bilder vom Rückweg als vom Hinweg, was der besonders schönen Stimmung auf dem Rückweg geschuldet war.

Von der Pont d’Espagne zum Refuge des Oulettes de Gaube


Zu Fuß stiegen wir hinauf Richtung Bergstation der Seilbahn, um dann Richtung Lac de Gaube zu gehen. Parallel zum See, dessen türkisblau wir mit der Kamera nicht so richtig zu fassen im Stande waren, marschierten wir an dessen westlichem Ufer in Richtung Cabane du Pinet. Bis zum See, an dessen Nordufer es auch etwas Gastronomie gab, war noch recht viel los, aber je weiter wir in das Tal vordrangen, desto weniger Menschen waren unterwegs.


Das Ziel unseres ersten Tages, das Refuge des Oulette de Gaube konnten wir bis ganz kurz vor der Ankunft nicht sehen. Es lag dicht hinter einem großen Felsriegel versteckt und zeigte sich erst auf den letzten Metern. Kurz vor Ankunft begann es leicht zu regnen, aber natürlich nur so lange, wie wir brauchten um die Regenjacken anzuziehen. Nach fünf Minuten konnten wir uns erneut umziehen, nur wenige hundert Meter vor der zu diesem Zeitpunkt noch nicht sichtbaren Hütte.

Erstmals zu Gast in den Pyrenäen – das Refuge des Oulettes de Gaube

Auf das Refuge des Oulettes de Gaube war ich mehr als gespannt gewesen, denn es war für mich ja insgesamt die erste Reise in die Pyrenäen und auch die erste Hütte außerhalb der Alpen. Zunächst aber war alles wie gewohnt: Ein Raum für die Schuhe, mit dem DAV Ausweis im Gegenrecht Rabatt und ein kleines, sauberes aber enges Zimmer, in dem in zwei Stockbetten sechs Schlafplätze untergebracht waren. Die Hütte war eigentlich auch nicht sehr gemütlich, es gab viele Fliesen und wenig Holz, doch rasch erkannten wir den Unterschied zu den AV oder SAC Hütten: Die Preise. Die Flasche Rotwein lag bei 9 EUR, die heiße Schokolade bei 2,50, Bier gab es ab 3 EUR, für etwas mehr auch Craftbier und auch die Übernachtung mit Halbpension war mit 40 EUR überraschend preiswert. Dabei gab es neben Apperetif und Suppe zur Vorspeise noch einen Salat, eine Hauptspeise, Käse und im Anschluss noch ein Dessert. Achja, Trinkwasser gab es umsonst zu allem dazu.

Neben den Preisen gab es aber noch zwei feine Unterschiede zu den Alpenhütten, die sich auch am nächsten Tag in der nächsten Hütte bestätigten: Die Stimmung ist deutlich offener und herzlicher. Das liegt natürlich zum einen am günstigeren Alkohol, aber auch daran, dass in den Pyrenäen viel gewandert und wird und Bergsteigen weniger präsent ist. Entsprechend weniger „harte Kerle“ sitzen stumm in den Stuben und versuchen sich gegenseitig durch möglichst abgeklärtes Verhalten zu beeindrucken. Außerdem auffällig: Sehr viele Wanderer sind mit Zelt unterwegs und um die Hütten darf gezeltet werden, wobei es in den Hütten dedizierte Küchen für die Selbstversorger gab. Das fanden wir so auf beiden von uns besuchten Hütten vor, aber im Gespräch ergab sich mit den Pyrenäenkennern, dass dies wohl insgesamt in den Pyrenäen so üblich sei.
Nach üppigem Abendessen, gewohnt mäßiger Hüttennacht mit schnarchenden Amerikanern im Zimmer und einem eher spartanischen Frühstück im Stile einer SAC Hütte starteten wir am nächsten Tag Richtung Hourquette d’Ossoue. Ziel unserer Tagesetappe war das Refuge Bayssellance, wobei wir zuvor dem Petit VIgnemale noch einen kurzen Besuch abstatten wollten. Eigentlich war geplant über den Sentier d’Arraillé und Sentier de Labas zum Refuge Bayssellance zu gelangen und den Petit Vignemale am nächsten Tag anzugehen, aber der Wetterbericht sah nur ein kurzes trockenes Wetterfenster vor.

Zum Petit Vignemale

Der erste Teil des Weges führte in Serpentinen hinauf zu den Lacs d’Arraillé, wobei der Weg teilweise mehr einem kleinen Bach als einem Weg glich. Es folgte eine lange Querung zur Hourquette d’Ossue und dichte Wolken schoben sich immer wieder über das Massiv des Vignemale.

Am Sattel Hourquette d’Ossue angekommen waren wir von Wolken umgeben und stiegen langsam den Steig zum Gipfel des Petit Vignemale empor, um im Nebel an dessen Gipfel anzukommen. Erst bei einer kurzen Vesperpause klarte der Himmel ein wenig auf und gab uns die Gelegenheit ein paar Fotos zu machen.

Refuge Bayssellance

Nach der Gipfelrast gelangten wir rasch hinab zum Refuge Bayssellance, wo wir zunächst noch gutes Wetter hatten, bevor es sich rasch verdunkelte und auch kräftig zu hageln begann.


Das Refuge Bayssellance entsprach im Wesentlichen dem Refuge des Oulettes de Gaube, sowohl was Herzlichkeit, Preise und Freundlichkeit gegenüber Selbtsversorgern anging. Das Essen war ebenso sehr gut und wir hatten an unserem großen und internationalen Tisch einen wirklich schönen Hüttenabend, an dem wir mit Katalanen, Franzosen, Engländern und Australiern gemeinsam den Tag ausklingen lassen konnten.

Am nächsten Tag starteten wir den Rückweg an, über den Sattel Hourquette d’Ossue hinunter zum Refuge des Oulette de Gaube und weiter am Lac de Gaube vorbei zurück zur Pont d’Espagne, dieses Mal jedoch den vom nördlichen Seeufer aus den östlichen Weg nehmend – welcher uns durch einen wunderschönen und verwunschenen Wald führte.


Zurück am Ausgangspunkt lagen drei wunderbare Tage in den Pyrenäen hinter uns, in bester Gesellschaft und mit wunderschöner Stimmung auf den beiden Hütten. Zugegeben, es waren nur zwei Hütten, aber dennoch habe ich die Pyrenäen aufgrund dieser positiven Erfahrung in mein Herz geschlossen – und im Übrigen hat sich einmal mehr bewahrheitet, dass der Reiz schlichter Hütten in der Stimmung und der Einfachheit liegt und Dinge wie zum Beispiel eine Saune auf einer Hütte völlig überflüssig sind.
Wer besseres Wetter mitbringt und etwas früher am Ausgangspunkt ist, dem sei an dieser Stelle noch empfohlen von der Pon d’Espagne aus in das Vallée du Marcadau aufzubrechen, um dann über den Col d’Arratille kurz nach Spanien überzutreten und so von Westen zum Refuge des Oulettes de Gaube zu gelangen – so erhält man eine noch abwechslungsreichere Rundtour. Das hatten wir ursprünglich auch so angedacht, aber aus zeitlichen/witterungsbedingten Gründen klappte es nicht.

Einige Infos zur Tour:

  • Parken bei der Pont d’Espagne kostet knapp unter 9 EUR, wobei es egal ist, ob für zwei Tage oder länger.
  • Kartenmaterial gibt es digital an dieser Stelle https://www.geoportail.gouv.fr/donnees/carte-ign , sowie konventionell auf der IGN Carte 1647 OT Vignemale im Maßstab 1:25 000.
  • Zum Refuge des Oulettes de Gaube brauchten wir drei Stunden, von dort zum Sattel Hourquette d‘Ossue etwa zwei Stunden, zum Gipfel des Petit Vignemale vom Sattel aus etwa eine halbe Stunde und eine dreiviertel Stunde von dort aus bis hinunter zum Refuge Bayssellance. Der komplette Rückweg dauerte viereinhalb Stunden, alles weder schnell noch langsam.
  • Alle Wege sind mit maximal T2, der kurze Abstecher zum Petit Vignemale mit maximal T3 auf der SAC Wanderskala zu bewerten.

In diesem Sinne
Martin

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