Rund um den Oeschinensee beim von der Kurpfalz aus gut erreichbaren Kandersteg in der Schweiz gibt es einige schöne Berge, die es sich lohnt zu besteigen: Doldenhorn mit Galletgrat, Oeschinenhorn, Blüemlisalphorn und auch das Fründenhorn, welchem wir uns annahmen.

Vom Oeschinensee zur Fründenhütte

Unser Auto parkten wir beim Parkplatz an der Gondelseilbahn zum Oeschinensee, jedoch entschieden wir uns aufgrund des recht happigen Preises für die Bahn und der nur wenigen Höhenmeter, welche wir uns dadurch sparen würden, dazu den Fußweg zu nehmen und auf die Bahn zu verzichten. 20 CHF für 400 Höhenmeter waren für den Schwaben in mir zu viel und nach etwa einer Dreiviertelstunde waren wir auch schon am Oeschinensee, welcher zwar malerisch vor uns lag, aber wo auch recht großer Andrang herrschte – Bergseeidylle ist anders, zumindest am westlichen Ufer.

Wir ließen den Oeschinensee wortwörtlich links liegen und marschierten an seiner Südseite an ihm vorbei, dabei zunächst nur wenig an Höhe gewinnend, aber ab dem südlichsten Punkt des Sees begann es steiler zu werden und so ging es ab dort permanent und mäßig steil das kleine Steiglein nach oben zur Fründenhütte. Das Wetter war dabei sehr gut, denn es gab immer wieder Wolken, die über uns Schatten spendeten und eine tolle Atmosphäre über dem See zauberten.

An der Hütte angekommen wurden wir Zeuge, wie die REGA am Doldenhorn einen Einsatz hatte. So richtig viel erkennen konnten wir allerdings nicht, denn die Wolken versperrten die Sicht. Umso beeindruckender also die Arbeit des Rettungsteams, welches am Ende die Bergsteiger, die sich mutmaßlich verstiegen hatten, wohlbehalten zurück zur Hütte brachte. Was genau passiert war bekamen wir nicht mit, aber die Geretteten verbrachten nach ihrer Bergung noch eine Nacht auf der voll ausgebuchten und super gemütlichen Fründenhütte.

Auf der Fründenhütte fühlten wir uns auf Anhieb wohl: Wir wurden mit einem heißen Glas Tee begrüßt, der Kuchen schmeckte sehr gut und das Team war ebenso sehr nett und freundlich. Abends gab es ein reichhaltiges Abendessen und einmal mehr zeigte sich, dass es keinerlei Schnickschnack, wie etwa eine Sauna, in den Bergen braucht, um dort eine gute Zeit zu verleben. Je reduzierter das Angebot ist, desto mehr kommen andere Dinge, wie zum Beispiel die Herzlichkeit der Wirtsleute und der Abstand zum Alltag, zur Geltung.

Fründenhorn Normalweg

Der Großteil der Hüttengäste übernachtete zum Wandern um den Oeschinensee, sehr wenige hingegen gingen den Galletgrat an und ein paar machten die Überschreitung vom Oeschinenhorn zum Blüemlisalphorn hin oder gingen, wie wir, das Fründenhorn an. Beim Frühstück um 4:30 Uhr saßen wir gemeinsam mit einer dreiköpfigen Familie am Tisch, welche ebenfalls das Fründenhorn angehen wollte. Als wir aufbrachen und meinten, dass wir uns dann ja am Gipfel wiedersehen würden, meinten die drei, dass sie wohl erst oben sein würden, wenn wir schon wieder im Tal wären. Wir lachten, meinten, dass wir sicherlich nicht die schnellsten seien und verabschiedeten uns – mussten aber später immer wieder an ihre Worte denken.

Nach einer kurzen Querung des aperen Fründengletschers, für den wir aufgrund des viele Steinschutts keine Steigeisen brauchten, fanden wir uns mit zwei anderen Zweierseilschaften am Einstieg im Fels am Fuß der Nordwestflanke unterhalb des Nordwestgrats wieder. Die erste Seilschaft ließ uns direkt passieren und so kamen wir rasch durch den ersten mit recht viel Eisen versehenen Abschnitt. Es wäre ohne die zahlreichen Trittstifte sicherlich etwas bergsteigerischer, wohl aber auch etwas schwerer gewesen.

Im Zickzack zog der Normalweg im Anschluss in weiten Bögen durch die Felswand, welche zunächst aus großzügigen Platten, bald aber aus zahlreichen Bändern mit viel Schutt bestand. Wir mussten beim Steigen aufpassen, denn durch den Zickzack waren wir ja stets über den anderen Seilschaften unter uns, gleichzeitig aber gab es aber auch eine ganze Menge loser Steine und Geröll, die wir nicht lostreten wollten. Alles in allem war die Gesteinsqualität wenig lohnend, jedoch auch nicht katastrophal schlecht. Im Karwendel bröselt es mehr…

Am Vorabend hatte der Hüttenwirt meine Frage nach dem Vorhandensein von Markierungen oder Steigspuren nicht ganz ohne Häme mit „… es ist kein Wanderweg…“ abgetan, aber es gab doch einige verblasste rote und teilweise auch gelbe Markierungen, sowie zahlreiche Steigeisenspuren, die uns sicher den Weg wiesen. Der Hüttenwirt meinte, er würde der Tour wegen der Orientierung auch ein ZS attestieren, aber diese Meinung konnten wir nicht teilen (auch sieht die SAC Hochtourenskala das nicht als Haupt-, sondernlediglich als Hilfskriterium vor). Die vielleicht größte technische Schwierigkeit auf dem Weg nach oben war ein kurzer kaminähnlicher Abschnitt von vielleicht fünf Metern und nach etwas weniger als den eigentlich für den ganzen Weg bis zum Gipfel veranschlagten drei Stunden standen wir am Einstieg des Gipfeleisfelds, rund 250-300 m unterhalb des Gipfels.

Wir schätzten die Steilheit auf etwa 40 ° ab, hier und da vielleicht etwas mehr oder weniger, und überlegten unsere Optionen, denn zum freien Gehen war es uns für die Steilheit zu lang, zur Standplatzsicherung hingegen nicht steil genug. Da wir ausreichend Zeit hatten, entschlossen wir uns zum Gehen am gleitenden Seil, jeweils mit Eisschrauben und Tibloc zwischengesichert, sowie mit Standplätzen wenn nötig dazwischen, um das Material einzusammeln und erneut beginnen zu können. Das hatten wir in der Form auch noch nicht auf Tour, sondern immer nur im Kurs genutzt und wir waren vor allen Dingen gespannt, wie flüssig und effektiv das klappen würde.

Bei dieser Technik ist ganz klar, dass man sich am schnellsten bewegen kann, wenn man ausreichend Material dabeihat, um möglichst weit am gleitenden Seil gehen zu können, ohne Stände bauen zu müssen, um erneut Material aufzunehmen. Da wir zwar einiges, aber auch nicht richtig viel dabeihatten, benötigten wir etwa eineinhalb Stunden gemütlichen Steigens für das Feld und waren nach insgesamt 4:15 h:mm bei bestem Wetter auf dem Gipfel des Fründenhorns.

Abstieg über das Eisfeld

Nach kurzer Gipfelrast ginge es zurück zum Eisfeld, wo wir uns für eine andere Taktik im Abstieg entschlossen, die für mich im Nachhinein ein sehr effektiver Kompromiss zwischen Sicherung und Geschwindigkeit darstellte: Vom Standplatz aus sicherte einer von uns die beiden anderen an kurzer Seilweiche über eine komplette Seillänge beim Hinabgehen, bis diese wiederum einen Stand bauten und ihn beim Hinabgehen sichern konnten. Am Stand angekommen ging es dann „überschlagend“ einfach weiter, jedoch dann wieder zu zweit mit Seilweiche. Natürlich hätte der jeweils von oben Nachsteigende so noch einen weiten Abflug hinlegen können, aber die Methode verhindert effektiv Seilschafts- oder Einzelabstürze und war zugleich richtig flott, denn zu zweit sind die Schrauben schnell ins Eis gedreht und die Stände somit schnell gebaut. Insgesamt hätte man an diesem Abstieg merken können, dass wir seit Jahren gemeinsam in die Berge gehen, denn wir musste kaum über das für uns doch zuvor noch nicht angewandte Vorgehen reden, dennoch aber griff alles Hand in Hand und wir waren herrlich eingespielt.

Als wir unten am Eisfeld ankamen und in den Fels wechselten, passierten wir die Familie, welche beim Frühstück mit uns am Tisch saß. Wir grüßten uns kurz und jeder unserer Seilschaft schielte kurz auf die Uhr. Wir hatten es zu diesem Zeitpunkt nicht komplett durchgerechnet, aber wir wussten, dass es wohl spät für die Familie werden würde.

Auf dem Weg des Aufstiegs hinab Richtung Gletscher absteigend schlossen wir zu einer Schweizer Seilschaft auf und seilten gemeinsam an deren Abseilpiste ab. Insgesamt seilten wir über den ganzen Abstieg verteilt fünf- oder sechsmal ab, wobei es sicherlich auch ohne, dann vielleicht aber nicht ganz ohne größere Anstrengungen gegangen wäre. Von oben kommend gibt es eigentlich an jeder potentiell etwas schwereren Stelle einen Haken zum Abseilen.

Zurück an der Hütte stellten wir fest, dass wir hinter uns eine Tour mit eher mäßigem Fels, aber einem schönen Abschnitt im Eis hatten. Die von uns gewählte Methode war eine gute Übung und hatte viel Spaß gemacht, so dass wir zufrieden waren. Beim Blick nach oben konnten wir das Fründenhorn erstmals ohne Wolken sehen…

… und bildeten uns ein, am Fels des Gipfels drei sich bewegende Punkte auf dem Grat ausmachen zu können. Sollte die Familie für das Eisfeld im Aufstieg tatsächlich so lange benötigt haben, wie wir für den kompletten Abstieg? Mit dem was sie beim Frühstück gesagt hatten, hatten sie am Ende recht behalten. Hätten wir, als wir sie passierten, vielleicht sagen müssen, dass es etwas spät für einen weiteren Aufstieg war?

Wir stiegen hinab zum Oeschinensee, welchen wir nach rund zwei Stunden erreichten. Beim Blick zurück glaubten wir alle, dass wir mitten im Eisfeld drei sich im Abstieg befindliche Punkte ausmachen konnten. Wir beobachteten das Eisfeld ein wenig, fürchteten aber, dass die Familie tatsächlich erst die Hälfte des Abstiegs im Eisfeld passiert haben könnte.

Als wir im Kopf rechneten, wann mit einer Ankunft der Familie auf der Hütte zu rechnen sei, stellten wir fest, dass sie realistisch geschätzt wohl erst gegen 22 Uhr nachts in Dunkelheit ankommen würden. Hätten wir vielleicht doch etwas sagen sollen, oder gar müssen? Diese Frage beschäftigte uns noch lange während der Fahrt nach Hause, wo wir noch vor 22 Uhr ankamen…

Infos zur Tour

  • Parken an der Talstation der Bahn zum Oeschinensee kostet 5 CHF pro Tag. Die Bahnfahrt kostet einfach 20 CHF und mit Rückfahrtticket 28 CHF – in Relation zu den 400 Höhenmetern die man sich erspart allerdings ein eher schlechter und daher nicht empfehlenswerter Deal.
  • Die Fründenhütte ist eine wunderbare SAC Hütte, mit tollen Wirtsleuten, gutem Essen und unfassbarem Blick über den Oeschinensee, welche selbst über sich schreibt: Wir haben keinen Viertausender und auch keinen international klingenden Namen zu bieten. Trotzdem finden Alpinisten ansprechende Routen in den Schwierigkeitsgraden WS wie Normalaufsteig aufs Fründenhorn bis SS wie Ostgrat aufs Doldenhorn. Es gibt auch einsame lohnende Routen. Wer hat schon die Blüemlisalp von Westen her bestiegen?
  • Bei maps.geo.admin.ch gibt es digitales Kartenmaterial, außerdem findet man auf der Schweizer Landeskarte 1248 Mürren im Maßstab 1:25 000 alles was man benötigt. Der Beginn der Tour befindet sich noch zu einem ganz kleinen Teil auf Karte 1247 Adelboden.
  • Da Fründenhorn macht man sicherlich besser zu Beginn der Saison, wenn noch fester Trittfirn auf dem Eisfeld liegt. Dann kann man sehr schnell und einfach durch den Firn zum Gipfel stapfen und auf Sicherungen eher verzichten. Wer spät in der Saison geht hat natürlich viele Optionen bei Bedarf zu sichern, oder aber diverse Techniken zu üben. Eines sei an dieser Stelle allerdings gesagt (auch weil wir es sahen): Kurzes Seil ist an dieser Stelle keine geeignete Sicherungsvariante.
  • Bei Niederschlag und Nässe kann ich von der Tour nur abraten: Der Fels ist über weite Teile unter dem Gebrösel recht glatt und plattig, so dass die Tour dann eher kein Vergnügen wäre.
  • Je nach Verhältnissen würde ich die Schwierigkeiten der Tour im Bereich WS bis ZS- ansiedeln: Mit Trittfirn statt Eis eher einfacher (Stichwort „gelegentlich Standplatzsicherung“ der SAC Hochtourenskala), bei Nässe auf den glatten Felsplatten sicher eher schwerer.

In diesem Sinne

Martin

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