Vielleicht wären wir besser zu Hause geblieben, denn auf dem Weg zum Klausenpass in der Schweiz stellten wir rasch fest, dass wir von der Arbeitswoche sehr geschafft und entsprechend müde waren. Aber da wir doch keine richtigen Couch Potatoes sind, saßen wir eben dennoch im Auto in Richtung Glarner Alpen. Unser Ziel war Urnerboden, genauer gesagt die Talstation der Seilbahn zwischen Urnerboden und Fisetenpass. Ja, richtig gelesen, Seilbahn. Für zwei zusätzliche Stunden Aufstieg zur Claridenhütte reichte es an Motivation doch nicht mehr, vor allen Dingen weil wir damit rechnen mussten am nächsten Tag bei Regen ohnehin lieber die Bahn für den Abstieg nehmen zu wollen. Natürlich würde es am Ende trocken bleiben, aber der Mensch ist Meister darin, durch Ausreden sein Verhalten vor sich und anderen zu rechtfertigen…

Der Klausenpass bei bestem Wetter. Teilweise etwas eng auf der Straße, mit zahlreichen Motorradfahrern, Fahrradfahrern, Autofahrern und freilaufenden Kühen, aber immer mit tollem Ausblick.
Blick auf den Clariden, linke Bildmitte.

Nachdem wir das Auto kostenlos an der Talstation parkten, brachte uns die Bahn binnen zehn Minuten vom Urnerboden auf 1372 mH zum Fisetenpass auf 2036 mH, wo die eigentliche Wanderung zur Claridenhütte begann. In einem weiten Bogen gingen wir um das Quellgebiet des Fisetenbachs, dabei zunächst wenige Höhenmeter verlierend, um auf der gegenüberliegenden Seite dann rund 200 Höhenmeter zu gewinnen.

Der Weg führt vom Fisetenpass im Halbrund um das Quellgebiet des Fisetenbachs und im Anschluss um den Rotstock herum.
Der Weg führt vom Fisetenpass im Halbrund um das Quellgebiet des Fisetenbachs und im Anschluss um den Rotstock herum.
Über die Malorschulter hinweg führte der Weg in einem zweiten Bogen zur Claridenhütte, oberhalb und nördlich des Walenbachs.
Sattes Grün der Wiesen vor schroffem Fels – der Weg zur Claridenhütte besticht durch viele Blumen am Wegesrand und einen stets tollen Ausblick.

Nach etwas weniger als drei Stunden erreichten wir die Claridenhütte, die etwas südliche auf einer Anhöhe des Gletscherchopfs sitzt und von welcher aus man einen herrlichen Blick in Richtung Bocktschingel, Clariden, aber auch auf den massiven Stock des Tödi hat.

Die Claridenhütte besteht aus einem gemauerten Teil, sowie einem etwas neueren Anbau und kombiniert gelungen Vergangenheit und Moderne.
Die steinernen Fassaden schweizer Hütten sind für mich immer wieder ein Blickfang und passen wunderbar in die Berglandschaft.
Alles sauber und aufgeräumt, dabei durch das viele Holz auch sehr gemütlich.

Am nächsten Morgen änderten wir unseren Plan etwas ab und aus der ursprünglich angedachten Hochtour wurde unter Berücksichtigung unserer immer noch großen Müdigkeit eine Wanderung zum Claridenfirn. Mit dem nun völlig entspannten Programm konnten wir die Bergwelt um uns herum auch richtig genießen und wir folgten dem markierten Weg Richtung Westen, dabei mit tollem Blick über die Claridenhütte hinweg.

 

Die Sonne bricht durch die Wolken, ganz klein kann man die Claridenhütte erkennen.
Auf dem Weg von der Claridenhütte zum Claridenfirn.

Nach dem Erreichen des Claridenfirns machten wir in einen großzügigen Bogen nach Süden, vobei am Gletschwersee, der still und leise vor uns lag. Wir hatten die herrliche Landschaft ganz für uns allein und konnten in aller Ruhe den Ausblick und die Umgebung genießen.

Über die Claridenhütte und den Weg des Zustiegs stiegen wir zurück zum Fisentenpass ab, denn die Option über das Gemsfairenjoch hatten wir schlichtweg übersehen. Vielleicht beim nächsten mal, wobei auch hier der Gletscherrückgang den Übergang vom Eis zum Fels erschwert hat. Alles in allem hatten wir eine schöne Wanderung in herrlicher Natur und mit der Claridenhütte eine gemütliche Unterkunft, die man aufgrund der zahlreichen Kinder vor Ort auch Familien (mit Bergerfahrung!) empfehlen kann.

Infos zur Tour im Überblick:

  • Mit der Seilbahn vom Urnerboden zum Fisetenpass erkauft man sich für 12 CHF beziehugsweise 18 CHF (einfach/retour) eine Abkürzung von etwas mehr als zwei Stunden auf dem Weg zur Claridenhütte.
  • Die Claridenhütte ist gemütlich, hat eine gute Küche und ein guter Ausgangspunkt für Bocktschingel, Clariden oder eben auch eine Runde zum Claridenfirn. Zahlreiche Familien waren vor Ort, wobei man natürlich alpine Erfahrung mit Kindern mitbringen muss.
  • Kartenmaterial gibt es wie immer bei der Schweiz online unter http://map.geo.admin.ch oder man nimmt die Schweizer Landeskarten 1173 Linthal (für den Anfang des Zustiegs) und 1193 Tödi im Maßstab 1:25 000

In diesem Sinne

Martin

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