Am Ende der Welt – Engelberger Rotstock

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Der Terminkalender war zwar sehr gut gefüllt, aber dennoch mussten wir das gute Wetter nutzen und fuhren ans Ende der Welt, das zu unserem Erstaunen mitten in der Zentralschweiz bei Engelberg liegt. Gar nicht so weit weg also.

Wer hätte es gedacht, das Ende der Welt liegt mitten in der Schweiz, nur 15 Gehminuten hinter Horbis bei Engelberg.

Unser Ziel lag sogar noch hinter dem Ende der Welt, denn wir wollten zur Rugghubelhütte aufsteigen, um von dort aus am folgenden Tag auf den Engelberger Rotstock zu steigen.

Von rund 1130 m über Meereshöhe stiegen wir zunächst im schattigen Wald in Richtung Ried auf. Für die zweite Tageshälfte war eine gewisse Niederschlags- und Gewitterwahrscheinlichkeit angekündigt, weshalb wir von Anfang an die schon früh stark quellenden Wolken im Blick hatten. Allerdings zeigten die zahlreichen Gleitschirmflieger über uns an, dass das Wetter zunächst stabil sein würde.

Blick Richtung Titlis beim Aufstieg Richtung Ried.
Eine Bauernregel besagt, dass das Wetter schlecht wird, wenn die Schwalben tief fliegen. So ähnlich gilt das bestimmt auch bei Gleitschirmfliegern – und weil diese trotz zahlreicher Quellwolken noch hoch flogen, gingen wir davon aus, dass das Wetter halten würde. Stimmte am Ende auch.
Ziegen unweit der Rigidalstaffel

Zwischen Ried und Rigidalstaffel querte unser Weg einige Weideflächen von Kühen – für mich die wahre Todeszone der Berge, denn nachdem mich im letzten Jahr in der Silvretta eine Kuh auf die Hörner genommen hatte, hat mein Vertrauen zu den Tieren nicht gerade zugenommen. Aber wir gingen betont gelassen und dieses Mal ging alles gut.

Immer wieder auf dem Weg hörten und sahen wir Murmeltiere.

Von der Rigidalstaffel aus führte der Weg mit nur wenig Steigung in das Plateau oberhalb dem „End der Welt“ und langsam hüllten uns die Wolken ein, bevor wir den Schlussaufschwung zur Rugghubelhütte nahmen.

Qie Quellwolken zogen immer wieder zu.
Unweit der Rugghubelhütte gibt es einige interessante Wände, die zum Klettern einladen.

Nach rund 3,5 Stunden Zustieg mit etwas weniger als 12oo Höhenmetern kamen wir auf der Rugghubelhütte an, wo wir uns mit hervorragenden Nussschnecken belohnten. Wirklich die besten, die ich je in meinem Leben gegessen hatte: Saftig und nicht trocken, süß aber nicht zu sehr und richtig schön nussig. Dazu natürlich eine heiße Schokolade – eine Traumkombination.

Die weltbesten Nussschnecken auf der Rugghubelhütte!

Nach etwas Niederschlag am Abend begann der folgende Tag mit wolkenlosem Himmel und nach einem angenehm späten Frühstücken brachen wir in Richtung Rotgrätli auf. Dank der großen Schneemengen im Winter 2017/2018 stapften wir im Schnee, doch es gab eine Spur, der wir zunächst folgten.

Blick zurück knapp hinter der Rugghubelhütte in deren Richtung.
Der Grosse Sätelistock am Vormittag.

Auch oberhalb der Rugghubelhütte waren wir nicht ganz alleine, denn wo immer die Schneedecke schon etwas zurückgewichen war, beobachteten uns Murmeltiere.

Überall Murmeltiere rund um die Rugghubelhütte.
Es lag noch einiges an Schnee im Becken südwestlich des Engelberger Rotstocks.

Vor Erreichen des Rotgrätlis querten wir den Felsriegel nach rechts Richtung Osten und marschierten in Richtung Engelberger Lücke. Ein weg war nicht erkennbar, aber der Schnee war griffig genug, um auch in den steileren Abschnitten voran zu kommen. Ab der Engelberger Lücke jedoch war der Aufbau des Engelberger Rotstocks schneefrei und wir konnten nach rund 2:15 h:mm den Gipfel erreichen – mit herrlichem Blick auf die Umgebung.

Gipfelblick vom Engelberger Rotstock. Man erkennt, wie viel Schnee in diesem Jahr noch liegt.
Im unteren mittleren Bildteil das Joch das Rotgrätli, über welches man auch vom Grosstal aus zusteigen kann.
Blick über den Vierwaldstättersee Richtung Zürich (so in etwa) in das, was in der Schweiz „Flachland“ ist.
Der Titlis als einer der bekannten Berge der Region.
Das obligatorische Gipfelfoto.

Nach Abstieg zurück zur Engelberger Lücke querten wir auf einem Felsband unterhalb des Aufbaus Richtung Rotgrätli, wo wir uns zunächst entlang des Westgrats orientierten, bevor wir über eines der Schneefelder „abfuhren“.

Wenn man zwischen Engelberger Lücke und Rotgrätli quert, muss man auch mal mit den Händen an den Berg packen.
Dank des Schnees konnten wir schnell absteigen und zurück zur Rugghubelhütte gelangen.

Zurück an der Rugghubelhütte nahmen wir direkt den Abstieg hinab nach Horbis, den wir schon für den Aufstieg verwendet hatten und beendeten unsere Bergtour beim Gasthaus „End der Welt“ mit Rivella und Eiscafé. Alles in allem eine landschaftlich tolle Tour und durch den vielen Schnee mit noch mehr Abwechslung bei Bergwandern.

Ein paar Informationen:

  • Die Rugghubelhütte ist sauber und gepflegt, bietet mehr als üppige Verpflegung und vor allen Dingen hervorragende selbstgebackene Kuchen, süße Stückchen und anderes Gebäck. Außerdem eignet sie sich sehr gut für Familien – zumindest den vielen Familien und Kindern nach zu urteilen.
  • Zur Rugghubelhütte benötigten wir von Horbis aus 3,5 h, von dort aus zum Gipfel weitere 2,25 h, wobei man ohne Schnee etwa eine halbe Stunde schneller ist (laut Beschilderung).
  • Kartenmaterial findet man digital in perfekter Qualität bei map.geo.admin.ch und wer es lieber gedruckt mag greift zur Schweizer Kandeskarte 1191 Engelberg im Maßstab 1:25 000.
  • Wer früh im Jahr unterwegs ist, sollte beim Queren von Schneefeldern aufpassen. Kein Hexenwerk, alpin.de erklärt wie es geht.

In diesem Sinne

Martin

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