Nachdem ich 2016 und 2017 Gefallen beim alpinen Wegebau rund um die Heidelberger Hütte gefunden hatte, konnte ich am letzten Apriltag im Schriesheimer Steinbruch das nächste Level angehen, denn dort durfte ich der AG Klettern und Naturschutz im Odenwald e.V. dabei helfen den neuen Zustieg von der ersten zur zweiten Ebene des Steinbruchs zu bauen. Nach dem Aufstellen einer Sauna auf der Heidelberger Hütte war für mich durch die DAV Sektion Heidelberg und ihren Pächter ohnehin eine Linie übschritten, so dass ein weiteres gemeinnütziges Engangement rund um die Hütte für mich nicht mehr infrage kam. Entsprechend groß war meine Freude, dass ich nun für die AG Klettern und Naturschutz im Odenwald in ähnlicher Sache quasi unmittelbar vor meiner Haustür aktiv werden konnte.

Für alle nicht ortskundigen: Der Schriesheimer Steinbruch besteht aus vier Wandstufen in denen geklettert werden darf, wobei die Zugänge zu den einzelnen Wandstufen aus Vorgaben des Regierungspräsidiums heraus einzig und alleine über die Wandstufen selbst und nicht von außen um den Steinbruch herum erfolgen dürften. Der alte Zugang zur zweiten Ebene über den kurzen Klettersteig hatte jedoch eine Reihe grundlegender Probleme, die angegangen werden mussten: Das Stahlseil war gebrochen, entsprechend nicht mehr sicher und hatte stellenweise mehrere offene Einzeldrähte, welche für Stichverletzungen beim Zugreifen sorgten. Außerdem kam es regelmäßig zu Staus, wenn zum Beispiel Kletterer schnell in die oberen Wandstufen gelangen, Familien aber erste Übungen im Klettersteiggehen machen wollten.

Um diese Probleme anzugehen hatte die AG Klettern und Naturschutz sich überlegt, im linken Bereich des zentralen Wandteils eine sehr kurze und direkte Zustiegshilfe anzulegen, die es den Kletterern erlauben soll schnell die Wandstufe zu wechseln, sowie parallel dazu den alten Kletterstei zu sanieren und zu verlängern, um Klettersteiggehern ein Übungsgelände bieten zu können. Diese beiden Schritte stellen jedoch einen ziemlich großen Aufwand dar, so dass zunächst nur der erste Teil, nämlich der Bau der Zustiegshilfe mit anschließender Demontage des alten Klettersteigs erfolgte. Der zweite Teil, die Neuanlage des alten Klettersteigs, wird erst in der zweiten Jahreshälfte 2018 erfolgen.

An dieser Stelle möchte ich kurz einen Einblick in das geben, was umgesetzt wurde. Aus zweierlei Gründen: Zum einen möchte ich die Gelegenheit nutzen und über die neuen Gegebenheiten informieren, zum anderen möchte ich so jedem die Möglichkeit geben, sich ein Bild davon zu machen, welchen Aufwand es bedeutet, ein Klettergebiet zu erhalten und zu betreuen. Es gibt nämlich leider einige Zeitgenossen, die Klettergebiete mit Kletterhallen verwechseln. Doch dazu später mehr und zunächst einmal zum Ablauf und dem neuen Zustieg.

Nach dem Transport aller Ausrüstung in den Steinbruch wurde die neu angedachte Linie von oben und unten inspiziert und geprüft, um den Verlauf der Steighilfe festzulegen. Hierbei war vor allen Dingen die Gesteinsqualität entscheident. Im Anschluss wurde von oben ein Fixseil installiert, um die Gesteinsqualität mit einem Hammer durch Abklopfen zu überprüfen und anschließend Gestrüpp und Geröll zu entfernen.

Zusätzlich zum Fixseil für die Arbeiter wurde auch noch ein Fixseil für die Schlagbohrmaschine eingerichtet. Ohne Benzin und Bohrer bringt diese es auf 11,5 kg Gewicht und ist damit natürlich ohne Unterstützung nicht zu bedienen. Damit waren dann alle Vorarbeiten erledigt und die Löcher der Halterungen des Stahlseils wurden von oben hängend von unten nach oben nacheinander eingebohrt.

Einbohren der Halterungen des Stahlseils, hängend an einem Fixseil mit fixierter Schlagbohrmaschine von oben nach unten.
Schweres Gerät – der Benzingetriebene Schlagbohrer wiegt ohne Benzin oder Bohrer 11,5 kg und kann nicht mehr einfach nur mit einer oder zwei Händen bedient werden.

 

Am Bohren – es war ziemlich unbequem, denn ich war um 90 ° zum Bohrloch verdreht, aber natürlich machte es riesigen Spaß mit dem Ungetüm von Schlagbohrmaschine ein Loch in den Fels zu treiben.

Nachdem alle Löcher der Halterungen für das Stahlseil gebohrt waren, wurden die Halterungen eingeklebt. Nach dem Aushärten wurde das Stahlseil von oben nach unten montiert und am Ende auf die passende Länge gekürzt. Mittlerweile kann ich aus Erfahrung sagen: Auch Stahlseile können krangeln – und es ist nicht ganz so einfach, diese aufzuschießen, um die Krangel zu entfernen…

Nach der Montage des Seils bohrten wir die Löcher der Trittstifte ein. Dies erfolgte Tritt für Tritt von unten nach oben, denn so konnten wir die aus unserer Sicht beste Position der Tritte im Gesamtverlauf ermitteln. Mit dem Einkleben und Aushärten der Tritte war die neue Zustiegshilfe um kurz nach 21 Uhr bei einbrechender Dunkelheit gerade noch fertig geworden. Insgesamt waren sechs Personen mit dem Bau für rund 55-60 Personenstunden beschäftigt. Eine ganze Menge Arbeit also für deutlich weniger als zehn Meter Zustiegshilfe – so viel Arbeit, dass am Ende des Tages noch immer einiges zu tun und nicht alles geschafft war: Der alte Steig zur zweiten Ebene wurde erst am Folgetag demontiert…

Das Stahlseil, sowie das Provisorium wurden aus dem alten Steig entfernt.
Ein Hinweis zeigt den Weg zum neuen Steig, damit nicht versehentlich an alter Stelle abgeklettert wird.

… und der Weg zum Einstieg der Zustiegshilfe ist immer noch etwas lose und muss noch verbessert werden. Aber die ersten Kletterer konnten den neuen Zustieg schon nutzen:

Die ersten Nutzer der neuen Zustiegshilfe

Er befindet sich rechts in die Ecke zwischen den Routen Alpinistenweg (5)/Superlutz (7+) und Wet Dreams (je nach Ausführung 8+/9- bis 9). Im aktuellen (derzeit vergriffenen) Odenwald Kletterführer von Panico wird an der Stelle der Zustiegshilfe tatsächlich eine Route, der Kurze Kamin (5+, clean) geführt, wobei man aufgrund des üppigen Bewuchses davon ausgehen kann, dass diese „Route“ seit Jahren nicht mehr geklettert wurde. Davon abgesehen, dass der Klettersteig eigentlich sofort beim Betreten des Steinbruchs ins Auge fällt, wurden auch noch Schilder angebracht, so dass nichts mehr schief gehen und der Zustieg nicht mehr verfehlt werden kann. Im Herbst wird, wenn alles zeitlich passt, die Neuanlage des alten Kletetrsteigs erfolgen, so dass bis dahin alle Klettersteiggeher mit der verkürzten Variante vorlieb nehmen müssen.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal kurz eine Anmerkung in eigener Sache loswerden, welche einzig und allein meine persönliche Meinung darstellt und nicht in Verbindung mit der AG Klettern und Naturschutz steht: Es gab eine Menge böser Emails bezüglich der Zustiegshilfe zwischen dritter und vierter Ebene (Bilder dieser Treppe gibt es hier). Diese sei zu schwer und man könne es den Kletternden nicht zumuten diese mit Gepäck zu gehen. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass bei Gelegenheit noch weitere Tritte montiert werden, aber es brennt mir unter den Nägeln an dieser Stelle loszuwerden, dass sich das Klettern am Fels vom Hallenklettern bezüglich der an den Kletternden gestellten Ansprüche deutlich unterscheidet – und man im Zweifel eben nicht alles tun kann was man möchte. Dabei geht es nicht um den Klettergrad den man beherrscht – auch ich klettere nicht sonderlich schwer und jeder kann so leicht klettern wie er möchte – aber wer es nicht schafft den Steig zwischen dritter und vierte Ebene zu erklimmern, der sollte überlegen, ob er grundsätzlich am Fels richtig ist, denn keine der Routen ist so einfach wie dieser Steig mit durchgehendem Stahlseil als Sicherung und Griff, sowie mit riesigen künstlichen Trittbügeln. Mir persönlich scheint es der aktuelle Zeitgeist zu sein, dass nie der eigene Anspruch oder die Erwartung an sich selbst in Frage gestellt wird, sondern immer nur ein Anspruch und eine Erwartung nach außen formuliert wird. Zwei schöne Zitate von Paul Preuß fallen mir hierzu ein, die ich an dieser Stelle – ohne mich hier und jetzt in weiteren Ausführungen verlieren zu wollen – kurz ins Gedächtnis rufen möchte:

Das Können ist des Dürfens Maß.

In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.

In diesem Sinne,

Martin

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