Echte Hüttenromantik – Klostertaler Umwelthütte

Berge , ,

Den Abschluss der alpinen Saison 2017 bildete eine kleine Tour in die Silvretta, wo ich mit Elena nach unserer Tour über die Nagelfluhkette im Frühsommer noch einmal gemeinsam in die Berge kam und wir außerdem bei bestem herbstlichem Wetter noch einmal etwas echte Hüttenromantik genießen konnte. Das gibt es nämlich noch durchaus in der stark erschlossenen Silvretta, denn unser Ziel, die Klostertaler Umwelthütte, ist eine herrlich gemütliche Selbstversorgerhütte, welche im Gegensatz zu den benachbarten hotelartigen Anlagen der Heidelberger Hütte oder der Jamtalhütte noch den echten rustikalen Charme besitzt, den man eigentlich in einer Alpenvereinshütte sucht. Dies wurde durch den Verein Mountain Wilderness e.V. dadurch gewürdigt, dass die Klostertaler Umwelthütte in das kleine Büchlein Wilde Hütten – 20 einzigartige Bergrefugien ohne Duschen oder WLAN aufgenommen wurde – völlig zu recht, wie ich finde.

Einmal mehr ging es die Windungen der Silvretta Hochalpenstraße hinauf, welche durch lange Stangen zur Markierung der Fahrbahn bei Schnee schon für den Winter vorbereitet wurde. Gemütlich fuhren wir durch die prächtig herbstlich gefärbte Landschaft hinauf zur Bieler Höhe, wo die Reste des ersten Schnees, die tolle Färbung und die Ruhe eine tolle herbstliche Stimmung zauberten.

Die Silvretta Hochalpenstraße in herbstlicher Kulisse.
Ein wenig Schnee im Hintergrund und viele Brauntöne sorgten für herbstliche Stimmung.
Am Stausee der Silvretta kann es an schönen Sommertagen schon sehr hektisch zugehen, doch wir hatten Glück und die herbstliche Landschaft für uns alleine.

Wir marschierten auf der Ostseite des Stausees in Richtung Wiesbadener Hütte und bogen am Ende des Stausees nach Westen ins Klostertal ab – die Westseite des Stausees war wegen Sprengarbeiten gesperrt worden. Gemütlich stiegen wir durch die klare und frische Luft das Tal hinauf und hatten dies völlig für uns allein. Kein Mensch weit und breit. Im Sommer zieht es meist zahlreiche Tagesgäste zur Wiesbadener Hütte, oder es herrscht viel Andrang auf der Runde rund um den Stausee, aber trotz des genialen Wetters war weit und breit niemand zu sehen.

Am oberen Ende des Stausees und damit an der Gabelung von Ochsen- und Klostertal. Die markante Erhebung im Hintergrund ist der Vermuntkopf, der Hausberg der Wiesbadener Hütte.
Das Ziel in Sicht: Die Klostertaler Umwelthütte
Ein Brunnen vor der Tür der Klostertaler Umwelthütte sorgt für eine üppige Frischwasserversorgung.

Auf der Hütte angekommen galt mein Augenmerk dem Holzofen, denn die Hütte war ausgekühlt und wir merkten, dass wir eben im Herbst und nicht im Hochsommer unterwegs waren. Rund zwei Wochen vor uns wurde Brennholz  zur Hütte geliefert und diese damit auf die Wintersaison vorbereitet, so dass im Keller genug Holz lag und meine schlimmste Befürchtung, kein Brennholz, nicht wahr wurde. Das Anheizen war kein Problem und mit jedem Grad, dass die Hütte wärmer wurde, nahm die ursprüngliche und rustikale (im besten Sinne!) Gemütlichkeit weiter zu.

Aufenthaltsraumund Küche der Klostertaler Umwelthütte. Beide holzvertäfelten Räume sid nur zugänglich, wenn man einen AV Schlüssel besitzt. Spontane Besucher ohne Schlüssel müssen mit dem kargen (= unbeheizten) Vorraum vorliebnehmen.
Schlafraum der Klostertaler Umwelthütte.

Dank des Ofens und vor allen Dingen des Brunnens war das Abendessen kein Problem, denn ich hatte im Vorfeld Kaspressknödel vorbereitet und tiefgefroren in den Rucksack gepackt. Nun konnte ich auf dem Feuer sehr einfach eine Suppe erhitzen und darin die Knödel erwärmen. Dazu gab es literweise heißen Kräutertee und ein gemütlicher Hüttenabend in der Nähe des wärmenden Ofens war perfekt.

Stillleben.
Kaspressknödelsuppe auf der Klostertaler Umwelthütte – besser geht es nicht mehr!
Ein gutes Buch und die Beine am warmen Ofen hochlegen, was will man mehr?

Unsere Schlafplätze auf der Hütte hatten wir im Vorfeld online reserviert und laut Buchungsystem waren wir die einzigen Gäste, doch es hätte natürlich auch spontane Besucher geben können und so waren wir gespannt, ob wir wirklich die einzigen Gäste bleiben würden. Doch wie schon zuvor das Klostertal beim Zustieg hatten wir auch die Hütte für uns allein.

Am nächsten morgen wachten wir in der nun leider wieder etwas ausgekühlten Hütte auf, tranken unseren in der Thermoskanne vorbereiteten Tee zum Frühstück und starteten zu einer kleinen Tour über den Klostertale Gletscher.

Zurück an der Hütten packten wir unsere Sachen, räumten auf der Hütte noch einmal gründlich auf und stiegen durch das herbstliche Klostertal hinab zur Bieler Höhe. Es herrschte etwas mehr Betrieb, die Bergwacht besuchte ebenfalls die Klostertaler Umwelthütte und ein paar Angler versuchten ihr Glück am See. Aber alles in allem natürlich kein Vergleich zum Sommer.

Blick nach Norden aus dem Klostertal hinaus.
Es lag in der Luft, dass der Winter Einzug halten würde – man konnte es irgendwie fühlen. Durch die Farben, das Licht und die Wolken.
Der Silvretta Stausee, im Hintergrund die Vallüla.

Am nächsten morgen, wir waren schon längst wieder zurück in der Kurpfalz, war der angekündigte Schnee gekommen. Auf der Webcam konnten trotz des Nebels sehen, dass einige Zentimeter gefallen und liegen geblieben waren.

Ab und an beschreiben Menschen Momente, in denen sie eins mit der Natur sind. Obwohl ich sehr viel draußen bin, sei es in den Bergen oder im Odenwald beim Laufen, konnte ich nie ganz nachvollziehen, was sie damit meinen. Dieses mal jedoch konnte ich spüren, dass das Jahr in den Bergen zu Ende gehen und der Winter kommen würde – am Licht, an den Farben, der Temperatur, der Frische. Vielleicht ist es das, was manch einer meint, wenn er eins mit der Natur ist.

Für mich endete mit dieser Tour die Saison 2017. Aus Heidelberg sind es eben ein paar Kilometer bis in die Alpen und wenn man regelmäßig an den Wochenende diesen Weg auf sich nimmt, schlaucht das einfach noch zusätzlich zu eigentlichen Tour. Der kommende Winter ist daher für mich Zeit etwas zur Ruhe zukommen, die Beine hochzulegen und neue Pläne zu machen. Mein Dank an dieser Stelle geht an alle, mit denen ich auch in diesem Jahr unterwegs sein durfte und die die Touren unvergesslich gemacht haben.

In diesem Sinne

Martin

 

P.S: Infos zur Klostertaler Umwelthütte habe ich an dieser Stelle schon zusammengetragen.

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