Sauna auf der Heidelberger Hütte - 1

Vom Wegebau zur Gretchenfrage

Berge ,

Wie schon im Jahr 2016 war ich auch im August dieses Jahres erneut in der Silvretta, um dort ehrenamtlich mit der DAV Sektion Heidelberg das Wegenetz rund um die Heidelberger Hütte instand zu halten, auszubessern und teilweise sogar etwas neu zu gestalten. Entsprechend könnte eigentlich an dieser Stelle nun ein kurzer Beitrag zu den durchgeführten Arbeiten stehen, doch gleich zu Beginn der Arbeiten gab es ein Ereignis, dass mich in der Zeit danach intensiv beschäftigt hat und mir auch immer noch zu denken gibt: Als wir am ersten Einsatztag aufbrachen, bekam die Heidelberger Hütte eine Sauna angeliefert.

Sauna auf der Heidelberger Hütte - 1
Hier wird er angeliefert, der Stein des Anstoßes: Die Heidelberger Hütte bekommt eine Sauna.
Noch nicht ganz die finale Position, aber so in etwa wird es bleiben: Die Fasssauna der Heidelberger Hütte.

Egal ob in der Mitgliederzeitschrift des DAV, Panorama, in anderen Zeitschriften oder in Foren und ähnlichem im WWW, schon seit längerem wird diskutiert, wie viel Luxus man in den Bergen braucht und ab wann man nicht mehr von einer Hütte, sondern von einem Berghotel sprechen sollte. Mit der Installation der Sauna auf der Heidelberger Hütte war diese Frage für mich plötzlich sehr präsent, denn für mich war damit eine Linie überschritten.

Nach meiner Rückkehr setzte ich mich per Email mit dem Vorsitzenden der Sektion in Verbindung und wir wechselten einige teils hitzige Zeilen. Die Idee der Sauna kam nicht von der Sektion, sondern sie kam vom Hüttenwirt, der sie auch aus eigenen Mitteln umgesetzt hat. In der Tat war es sogar so, dass der Vorstand nicht darüber informiert war, was der Hüttenwirt für Pläne hegte. Doch der Vorsitzende zeigte sich begeistert von der Idee und verteidigte diese: Zur Steigerung der Attraktivität sei dies eine gute Idee, insbesondere im Winter nach einer Skitour. Mit der Bodenalpe in unmittelbarer Nähe gäbe es starke Konkurrenz und da man eine Menge Geld in die Sanierung der Hütte steckt…

Die DAV Sektion Heidelberg investiert kräftig in die Heidelberger Hütte.

… müsse sich dies schließlich irgendwann amortisieren. Sicherlich, aus rein ökonomischer Sicht waren die vertretenen Standpunkte nachvollziehbar, aber vielleicht tue ich mich genau damit schwer: Der DAV ist ein gemeinnütziger Verein und hat nicht den Zweck, Kapital zu erwirtschaften. Bau und Erhalt von Hütten sind in den Satzungen des DAV nicht etwa Zweck des Vereins (§2), sondern lediglich Mittel zur Erreichung desselben (§3). Es scheint mir daher falsch, wenn mit dem Totschlagargument „ohne das Geld wäre alles andere nicht möglich“ in einen ökonomischen Wettbewerb eingestiegen wird, der nur noch einem Selbstzweck folgt. Dies ist insbesondere irrsinnig, weil in unmittelbarer Nähe zur Heidelberger Hütte, in Ischgl, sehr gut gesehen werden kann, wozu dies führt: Wo früher ein Dorf in den Bergen war, stehen nun zahlreiche Bettenburgen im Wettbewerb um Skifahrer, die in jedem Jahr zu neuen abstrusen Mitteln greifen müssen, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Als Ergebnis steht eine hässlich verbaute und austauschbare Stadt im Tal, welche ihren Charakter verloren hat. Genau dies droht auch den Hütten, wenn sie versuchen einen Wettbewerb um die Bergtouristen zu bestreiten: Charakter und  Zweck gehen verloren, im Kampf um Übernachtungszahlen wird dem Anspruch der Touristen nachgegeben.

Für mich steht fest, dass dies mein letzter Aufenthalt auf der Heidelberger Hütte war – und sicherlich auch mein letzter Einsatz im Wegebau rund um diese Hütte. Es bleibt die Frage, was ich um diesem Irrsinn entgegen zu arbeiten tun kann und möchte. Diese Frage wird mich allerdings wohl noch eine Weile beschäftigen…

In diesem Sinne

Martin

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