Staufner Haus

Überschreitung der Nagelfluhkette

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Mitte Juni fanden wir uns im Allgäu wieder, wo unser Ziel die Überschreitung der Nagelfluhkette war. Die Überschreitung der Nagelfluhkette kann man durchaus an einem Tag machen, doch für uns kam aus logistischen Gründen eine Art Zweitagesvariante in Frage, wobei wir noch jeweils einen Tag für die An- und Abreise hatten. Eile statt Weile war das Motto und wir stellten unser Auto an der Talstation der Hochgratbahn bei Oberstaufen ab.

Erster Tag – Von der Talstation Hochgratbahn über das Ehrenschwanger Tal zur Alpe Mittelberg

Am gut gefüllten Parkplatz stellten wir das Auto ab und orientierten uns Richtung Osten, um an der Simatsgundalpe vorbei der Weißach zu folgen. Kurz hinter der Alpe verschwanden wir im Wald und da die Temperaturen recht hoch waren, kam uns der Schatten sehr gelegen. Obwohl das Tal eigentlich landschaftlich schön war, war der Weg nur bedingt einladend, denn bis zur Alpe Mittelberg gab es fast durchgehend Asphalt oder Fahrtwege. Der Weg ist gut geeignet für Fahrradfahrer (mit oder ohne Motor), aber als Wanderer gibt es durchaus schönere Wege.

Ehrenschwanger Tal, entlang der Weißach
Das Ehrenschwanger Tal entlang der Weißach ist eigentlich sehr schön, jedoch ist der Weg, teils asphaltiert und oft geschotterter Fahrweg, eher für Radfahrer geeignet.

Nach knapp über 500 Höhenmetern Aufstieg erreichten wir nach etwa 2,5 h und beinahe 11 km unser Ziel, die Alpe Mittelberg. Zwölf Betten in einem 8er Lager, sowie zwei Doppelzimmer und eine Dusche bietet die Sennalpe, sowie alles, was man auf einer Sennalpe erwartet: Frische Milch, glückliche Kühe, Schweine, Hühner und Ziegen.

Wenn man irgendwo glückliche Kühe suchen wollte, dann auf der Sennalpe Mittelberg: Morgens und abends werden die Absperrungen der Weiden um die Alpe geöffnet und die Tiere laufen langsam aber zielstrebig (und freiwillig) in den Stall, gehen in Position und lassen sich melken. Im Anschluss geht es wieder zurück zur Weide, wo die Tiere tagein tagaus stehen, wenn sie eben nicht gerade gemolken werden. Auch wir durften beim Melken mithelfen und das Ergebnis unmittelbar danach probieren – einfach purer Genuss!

Zweiter Tag – Gipfelreigen zwischen Alpe Mittelberg und Staufner Haus

Gestärkt von frischer Milch marschierten wir Richtung Alpe Gund, oberhalb der Sennalpe Mittelberg und stiegen an dieser vorbei zur Einsattelung östlich des Stuibens auf. Spätestens dort kann man erkennen, warum die Nagelfluhkette Nagelfluhkette heißt: Nämlich wegen des Gesteins!

Alpe Gund
Südlich der Alpen Gund ging es zur Einsattelung östlich des Stuibens.
Nagelfluh
Nomen est omen: Nagelfluh. Sieht aus wie Waschbeton, entstand aber völlig natürlich.
Nagelfluh
Freistehender Nagelfluh. Etwas bizarr wirkt das Gestein schon…

Nagelfluh sieht aus wie Waschbeton, doch letztlich handelt es sich um ein natürliches Konglomeratgestein, bei dem ein Bindemittel die einzelnen groben Gesteinsbrocken zusammenhält. Der Name kommt, so habe ich es irgendwie im Kopf, wohl daher, dass das Gestein Nagelköpfen ähnlich sieht. Leider kann ich mich aber nicht mehr an die Quelle erinnern.

Doch zurück zur Wanderung: Nach der Einsattelung ging es durch den Nagelfluh hindurch hoch auf den Stuiben, den ersten Gipfel des Tages. Dieser erste kurze Abschnitt hat leichte Kraxeleinlagen, ist allerdings weder schwer, noch exponiert. Im Anschluss ging es auf einem leichten Wanderweg weiter nach Westen, über den Sedererstuiben (Gipfel zwei) und Buralpkopf (Gipfel drei) hinüber zum Rindalphorn (Gipfel vier), wo wir weiter im Westen in die Wolken blickten.

Nagelfluhkette
Ein leichter Wanderweg schlängelt sich über die Nagelfluhkette.
Nagelfluhkette
Im Hintergrund immer wieder zu sehen: Die Schichtungen der Nagelfluhkette.
Nagelfluhkette
Zunächst war es leicht bedeckt, was uns etwas Schatten spendete, aber dann zogen doch ein paar Wolken auf.

Der Weg war in der Regel sehr leicht und angenehm zu gehen, einzig zum Rindalphorn hin wird es kurz einmal steil. Etwas zäh sind allerdings die Abstiege, denn der Weg ist oft sehr durch Erosionsrinnen zerfurcht und unangenehm zu gehen. Letztlich erreichten wir trockenen Fußes den Hochgrat (Gipfel fünf), wo wir allerdings in einer Wolke saßen und keine Aussicht mehr hatten.

Hochgrat
Das Gipfelkreuz des Hochgrat, für uns leider in einer Wolke und mit entsprechend wenig Aussicht.

Beim Abstieg zum Staufner Haus hatten wir Glück, denn es klarte auf und wir bekamen doch noch ein kleines Panorama zu sehen. Nach knapp unter 1200 Höhenmetern im Auf- und weiteren 900 Höhenmetern im Abstieg erreichten wir nach 5,5 Stunden und 13 km das Staufner Haus und genoßen den Rest des Tages auf der Sonnenterasse.

Dritter Tag – Vom Staufner Haus zum Berggasthof Hochbühl

Am dritten Tag rechneten wir fest mit einem kräftigen Sommergewitter, denn schon früh am Morgen war es diesig und schwühl. Wir verließen das Staufner Haus nach Westen und überquerten den Seelekopf (Gipfel sechs), um weiter zum Hohenfluhalpkopf („Gipfel“ sieben) zu gelangen. Der Weg auf der Nagelfluhkette westlich des Staufner Haus war deutlich abwechslungsreicher als am Tag zuvor, meist vor der Sonne geschützt durch Bäume und ab und an auch mal mit einem kurzen aber leichten Steig.

Wir erreichten rasch den Eineguntkopf (oder auch Rohnehöhe, Gipfel acht), stiegen von dort aus hinüber zum Falken (Gipfel neun) und weil das Wetter stabil aussah, hängten wir auch noch den Hochhäderich (auch Hoher Häderich, Gipfel zehn) an. Hierbei muss man sagen, dass der Anstieg zu selbigem sehr viel Spaß macht, allerdings entlang eines felsigen Steigs durch den Nagelfluh erfolgt. Trittsicherheit wird vorausgesetzt!

Das Berggasthaus Hochhäderich befindet sich kurz unterhalb des Gipfels und bietet natürlich wie alle Alpen frische Milch an.
Das Gipfelkreuz des Hochhäderich, irgendwie auf dem Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich.
Ausblick von der Nagelfluhkette nach Norden. In etwa in der Bildmitte kann man den Berggasthof Hochbühl erkennen, das Ziel unserer Tagesetappe.
Das Gipfelbuch des Hochhäderich versteckt sich in dieser Schublade – so etwas hatte ich zuvor auch noch nirgends gesehen!

Beim Berggasthaus Hochhäderich stärkten wir uns kurz mit etwas frischer Milch (Allgäu ohne Milch oder Käse ist wie Pommes ohne Mayonnaise) und stiegen hinab an den Häderichmooren vorbei und wieder kurz hinauf zum Berggasthof Hochbühl. Von dort hatten wir noch einmal einen schönen Blick auf all die Gipfel der vergangenen zwei Tage und konnten auf der Sonnenterasse sitzen und auf das Gewitter warten…

Nagelfluhkette
Die Nagelfluhkette vor dem Gewitter…
Nagelfluhkette
… und während des Gewitters.
Das Panorama der Nagelfluhkette vom Berggasthof Hochbühl aus gesehen. Die Gipfelnamen passen so hoffentlich, wer auf Nummer sicher gehen will, schaut bitte bei peakfinder.org vorbei.

Vom Staufner Haus zum Berggasthof Hochbühl bringt knapp über 550 Höhenmeter im Auf- und fast tausend Höhenmeter im Abstieg mit sich. Das alles ght in etwa 4,5 Stunden mit etwas mehr als 10 km.

Vierter Tag – Vom Berggasthof Hochbühl zur Talstation der Hochgratbahn

Wir starteten mit starker Bewölkung und ein kleiner Regenguss machte uns den Abschied etwas leichter. Beinaher 400 Höhenmeter mussten wir ins Tal, um nach einer Stunde und 5 km wieder zurück am Auto zu sein.

Die Nagelfluhkettenüberschreitung kann ich jedem ans Herz legen, der eine schöne und aussichtsreiche, aber nicht allzu schwere Wanderung machen möchte. Durch die zahlreichen Alpen, sowie Berggasthöfe und Hütten gibt es einige Möglichkeiten die Runde zu gestalten, ganz nach Anforderungen an Logistik und Ablauf. Keiner der Gipfel ist sehr hoch oder schwer, aber man sollte sich bewusst sein, dass man permanent bergauf und bergab geht – entsprechend sammelt man rasch einige Höhenmeter und sollte sich selbst gut einschätzen können. Wer sich nicht sicher ist, der kann sich unter Umständen mit der Bergwandercard des DAV einige kritische Fragen stellen, um sich selbst besser einschätzen zu können. Einige Infos zur Runde:

  • Die Alpenvereinskarte Bayrische Alpen BY1 1:25 000 Allgäuer Voralpen West (Nagelfluhkette, Hörnergruppe) ist der richtige Begleiter, um den Überblick zu behalten.
  • Es gibt zahlreiche Alpen, allerdings haben die meisten eirgendwann in der Woche einen Ruhetag. Hier im Vorfeld informieren.
  • Für Familien ist die Alpe Mittelberg sicherlich ein lohnendes Ziel, denn am Ende gibt es für die Kinder zahlreiche Tiere und für die Eltern eine ordentliche Brotzeit.
  • Wer das Staufner Haus mit einplanen möchte, der muss rechtzeitig reservieren, denn die Hütte ist dank der Hochgratbahn sehr einfach zu erreichen. Reservieren geht mittlerweile auch sehr bequem über das neue Reservierungssystem des DAV. Unbedingt den Kaiserschmarrn probieren!
  • Der Berggasthof Hochbühl ist von Oberstaufen aus mit dem Bus erreichbar und richtet sich eher an Familien, als an Wanderer, denen es auch etwas spartanischer ausreicht. Das ab 2017 verfügbare Selbstversorgerhaus des Berggasthof Hochbühl in unmittelbarer Nähe macht einen sehr gemütlichen Eindruck, wenn man sich etwas länger einquartieren und das Haus als Ausgangspunkt für verschiedene Wanderungen nutzen will.

In diesem Sinne

Martin

 

 

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