Weniger ist mehr – Klettern in der Pfalz

Klettern , , ,

Da die Klettermöglichkeiten des Odenwalds in Hülle und Fülle direkt vor der Haustür liegen, war ich bisher nur einmal „richtig“ in der Pfalz klettern. „Richtig“ bezieht sich dabei auf die typisch pfälzer Kletterei an schlecht bis gar nicht abgesicherten naürlichen Massiven und Türmen. Zwar war ich schon mehrmals in Gimmeldingen, aber der gut gesicherte Steinbruch dort zählt höchstens für Geographen, nicht aber für Kletterer so richtig zur Pfalz.

Die spärliche Absicherung sollte man wie ich übrigens finde nicht verteufeln oder schlecht heißen, denn gerade in Deutschland ist die Kletterei unheimlich abwechslungsreich und jedes Gebiet hat seine Eigenheiten und einen ganz individuellen Charakter. Wem es in der Pfalz zu schlecht abgesichert ist, der sollte nicht meckern, sondern entweder das Legen mobiler Sicherungen lernen, oder einfach in ein anderes Gebiet fahren. Ganz unweit, in den Nordvogesen zum Beispiel, findet man quasi das gleiche Gestein, aber mit deutlich mehr Haken.

Auch ich gebe zu, dass mir nicht immer nach mobilen Sicherungen zumute ist, aber an Pfingsten war dies der Fall. Dabei passten wir im Vorfeld unsere Erwartungen an den Fels etwas an: Lieber etwas leichter, dafür aber (fast) clean und mit mobiler Sicherung. Die ganze Ausrüstung will ja auch genutzt werden!

Zunächst waren wir etwas überrascht, denn der Lauterschwaner Rappenfels war zumindest nordwestseitig noch feucht. In Heidelberg war es in der Nacht zuvor trocken geblieben, doch in der Pfalz hatte es wohl Niederschläge gegeben. So wichen wir auf die schon abgetrocknete Südseite aus und begannen zu klettern – mit der Ausnahme eines Solokletterers als einzige Seilschaft am Fels, was wohl auch daran lag, dass der Fels erst ein paar Tage zuvor freigegeben wurde. Zuvor war er aus naturschutzgründen noch gesperrt gewesen.

Nach den ersten Routen zog ein kleiner kurzer Regenschauer über uns her, den wir in einem der Kamine trocken überstanden. Danach waren wir aufgrund der nun dichter werdenden Wolkendecke etwas vorsichtig, konnten aber noch etwas weiterklettern. Erst als es plötzlich auffrischte zogen wir uns zurück und trafen damit eine goldrichtige Entscheidung, denn kurze Zeit später im trockenen Auto sitzend konnten wir auf dem Rückweg sehen, wie der Regenguss die Feuerwehr auf Trapp hielt. Keller mussten ausgepumpt werden und mehrere Straßen wurden gesperrt, weil diese nicht mehr befahrbar waren. Glück gehabt…

Einige Tipps zur Kletterei in der Pfalz:

  • Die Sperrliste der Pfälzer Kletterer informiert, welche Felsen zeitlich begrenzt nicht beklettert werden dürfen. Bitte daran halten.
  • Ebenso wichtig: In der Pfalz gilt Magnesiaverbot. In den hohen Schwierigkeitsgraden wird es gelegentlich an Einzelstellen (!) nich geduldet, aber sein regulärer Einsatz setzt dem Sandstein zu und sollte daher unterlassen werden. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass man am Sandstein kein Magnesia benötigt.
  • Panico bietet einen Topoführer für die Pfalz, in dem allerdings nicht zu jedem Fels ein Topo existiert.
  • Immer gut: Auf dem Rückweg in einem der zahlreichen Weingüter noch ein paar Flaschen Wein mitnehmen – für Regentage!

In diesem Sinne

Martin

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