Drei Tage Granit – Klettern im Schwarzwald

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Das gute Wetter des Vatertagswochenendes nutzten wir für einen Kurztrip in den Schwarzwald, wo wir in drei Tagen am Granit der Hornberger Platte, des Mühlefels, der Ruine Falkenstein und des Grafensprungs kletterten. An unserem ersten Tag ging es nach Hornberg, das an der Mündung des Reichenbachtals in das Gutachtal im mittleren Schwarzwald liegt. Dort bezogen wir Quartier in zwei sehr günstigen Zimmern und machten uns auf, um den Rest des Tages an der Hornberger Platte zu klettern.

Hornberger Platte

Die Hornberger Platte wurde erst vor wenigen Jahren eingerichtet und noch immer kommen neue Routen dazu. Ein Topo hatten wir nur bedingt, denn das frei erhältliche Update hierzu bei Panico ist mittlerweile schon wieder veraltet, da neue Routen dazukamen. Auch im gedruckten Schwarzwald Rock 2.0 Führer finden sich in zweiter Auflage keine Topos zur Hornberger Platte, allerdings findet man auf der Seite des Verlages ein PDF mit den einigen Routen. Auch dieser Darstellung fehlen allerdings die neusten Routen. Doch auch das ist kein Problem: Wer ohne Plan und Topo anreist kommt dennoch auf seine Kosten, denn am Anfang des kurzen Zustiegs findet man an einer Tafel mit Hinweisen auch ein aktuelleres Topo abgedruckt. Da findet man nicht ganz den letzten Stand, aber genug, um sich zu orientieren und auszuwählen.

Der Name Hornberger Platte ist bei der Kletterei natürlich Programm, denn der Großteil der in den unteren und mittleren Schwierigkeitsgraden (derzeit rund 30 Routen bis 6+ UIAA) anzutreffenden Routen läuft entlang der riesigen Platte, die sich oberhalb des Hornberger Schwimmbads befindet. Dabei fühlt man sich ein wenig wie an einem Parabolspiegel kletternd, denn die Wand ist im unteren Bereich sehr geneigt und steilt erst zum Ende hin auf. Alle Routen sind recht lang, bei manch einer Route reicht ein 60 m Seil nicht mehr zum Abseilen aus und es gibt auch Routen, die in zwei Seillängen aufgeteilt werden können. Um am Fels Freude zu haben, sollte man sich mit Plattenkletterei anfreunden können: Gute Balance, gut stehen und mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad immer kleiner Leisten für die Finger. Dank der wahnsinnigen Reibung des Granits kann man ausprobieren, was man alles doch nocht wider Erwarten treten kann.

Hornberger Platte
Stand in der Mitte der Hornberger Platte. Es gibt an einigen Stellen, so auch hier zu sehen, Fixseile, die vom oberen Bereich der Platte bis nach unten reichen. Da ich aber zumindest am mittleren Fixseil Schäden entdecken konnte, die auch den Mantel betrafen, würde ich dringend davon abraten, diese fragwürdigen Seile zu verwenden – egal wozu. Warum diese dort hängen erschließt sich mir ohnehin nicht.
Hornberger Platte
Die Hornberger Platte ist massiv übersichert – ohne exakte Daten erhoben zu haben, würde ich schätzen, dass sich im Schnitt der Abstand zwischen  zwei Haken auf unter 2 m  beläuft. In der hier abgebildeten und noch nicht verzeichneten und bewerteten Route findet man 14 Haken auf deutlich unter 30 m Seillänge.
Hornberger Platte
Am rechten Rand der Hornberger Platte hat man die Möglichkeit eine Route mit drei Seillängen zu klettern. Der Abstieg durch das Gestrüpp ist nervig, der Schwierigkeitsgrad etwas zu hoch angegeben und eigentlich sind die letzten beiden Längen nicht richtig lohnend, aber in Seilschaft zu klettern macht immer Spaß und hier kann man es gut üben. Außerdem bekommt man einen schönen Blick auf die Hornberger Platte.
Hornberger Platte
Aussicht vom höchsten Punkt der Hornberger Platte, über die Route Wir machen den Weg frei zu erreichen.
Mühlefels

Am zweiten Tag unseres Klettertrips in den Schwarzwald besuchten wir den Mühlefels. Wir verwendeten den gedruckten Kletterführer Schwarzwald Rock 2.0 und taten uns mit dem Zustieg etwas schwer, fanden letztlich aber einen herrlich verlassenen Felsen vor. Zumindest der Wandfuß und der untere Bereich des Felsens war zu Beginn des Tages vor der Sonne geschützt und so konnten wir zunächst vor der größten Hitze geschützt klettern.

Zustieg zum Mühlefels
Zustieg zum Mühlefels, zunächst über die leider von Motorradfahrer sehr stark frequentierte Straße.
Der Mühlefels – am rechten Pfeiler steilt sich der sehr lohnende (nicht zuletzt wegen des Wandbuchs!) Tischeneckerweg (7 UIAA) auf.

Die Kletterei würde ich letztlich etwas mit gemischten Gefühlen betrachten. Zum einen haben einige der leichten Routen einen etwas botanischen Einschlag, zum anderen empfand ich die Bewertung der Routen als etwas gewürfelt – teilweise waren leichte Routen überraschend schwer und schwerere Routen leichter als gedacht. Der Tischeneckerweg ist sicherlich einer der Paraderouten am Mühlefels.

Dieser Schlinge kann man sicherlich nicht mehr vertrauen. Entsprechend habe ich mir gedacht, dass ich das gute Stück wieder aus der Natur entfernen könne, doch es ist mittlerweile eine sehr feste Verbindung mit dem Fels eingegangen – zumindest zu fest, um sie ohne Sturz zu entfernen.
Der Blick über den Schwarzwald – eigentlich egal von welchem Felsen: Immer wieder schön!
Am oberen Ende des Mühlefels
Der Mühlefels ist im oberen Bereich stellenweise ganz gut bewachsen.
Wer die prähistorische Schlinge begutachten will, der sollte den Rottweiler Weg begehen.
Lohnende Kletterei im Tischeneckerweg, bei der man im Einstieg auch mal mit Aufliegern konfrontiert wird.
Herrliche Kletterei an kompaktem Fels.
Wer den Tischeneckerweg begeht, findet ein kleines Wandbuch vor – allein das ist für mich ja immer Motivation, in eine Route einzusteigen.
Ruine Falkenstein

Der zweite Fels am zweiten Tag war die Ruine Falkenstein. Zunächst sei an dieser Stelle vor den Angaben zum Zustieg im Kletterführer Schwarzwald Rock 2.0 gewarnt – diese passen  nämlich überhaupt nicht. Es findet sich eine kleine Skizze im Büchlein, auf der Bach, Straße und Parkplatz verzeichnet sind, sowie eine Brücke, aber leider sind diese Angaben nicht aufeinander abgestimmt. Wer es einfach mag: Von Schramberg auf der L175 nach Süden Richtung Tennebronn und rund 500 m nach verlassen Schrambergs findet man auf der linken Seite einen Parkplatz bei 48°12’40.7″N 8°22’50.6″E. Die Straße überqueren, dem kleinen Pfad in den Wald nach oben folgen und hinter einer Bank einfach weiter, bis man unter dem Fels steht. Die Angaben zum Parkplatz im Büchlein kann man leider komplett in die Tonne treten.

Ruine Falkenstein
Leicht mediteran wirkte die Ruine Falkenstein, wohl wegen der Kiefern und auch wegen der Hitze, die wir hatten.
Granit
Auch das ist Granit: Runde und glatte Formen, keine eckigen Blcöke und Riegel.
Plattenkletterei
Einer der Sektoren an der Ruine Falkenstein bietet feinste Plattenkletterei.
Liebevolle Beschilderung der Kletterrouten, dazu noch eine sehr üppige Absicherung. Hier hat sich jemand Mühe gemacht.
Der Namensgeber des Klettergebiets, die Ruine Falkenstein, thront hoch über dem Felsen.
Typischer Ausblick in den Schwarzwald, auch von der Ruine Falkenstein aus.
Irgendwie leicht mediteran angehaucht, das Klettern in der Sonne.

Die Kletterei an der Ruine Falkenstein bietet für jeden Geschmack etwas: Steil, platt, glatt, leicht, schwer. Alles gut abgesicher und bei guter Felsqualität. Das hat sich rumgesprochen, zumal man auch eine gute Auswahl hat.

Grafensprung

Am dritten und letzten Tag beendeten wir unseren Kletterausflug am Grafensprung im nördlichen Schwarzwald. Hier hätten wir uns den Zustieg erneut etwas einfacher gestalten könne, denn uns war nicht klar, dass der Zustieg zum unteren (für uns interessanteren, weil schattigeren) Sektor über den Zustieg für den oberen Sektor zwar machbar, aber sehr unangenehm ist. Wer mag sollte den unteren Sektor direkt über die Straße betreten, die 10 m daneben vorbei führt.

In unmittelbarer Nähe zum Fels (hinter einer Straße) fließt die Murg.
Der Grafensprungliegt unterhalb von Schloss Eberstein und auf dem obersten Stück Fels findet sich ein kleiner Ausblickspavillion, unter welchem einige der Routen des oberen Sektors endeten.
Kaum zu Erkennen, der Pavillon auf dem Grafensprung.

Der Grafensprung hat zwei Sektoren, einen oberen und einen unteren, wobei der untere im Schatten liegt und wir am oberen nicht einmal versuchten zu klettern. Im unteren Bereich finden sich Routen bis in den oberen 7. Grad (UIAA), wobei diese sehr eng beieinander liegen und man die Routen durchaus etwas schwerer oder leichter klettern kann. Im Kletterführer Schwarzwald Rock 2.0 passt hier die  Zählweise der Routen nicht, hier muss man aufpassen, sonst wird aus 6- schnell 7+. Ansonsten gut gesicherte Kletterei, entgegenkommend bewertet und wirklich kurzweilig. Im Übrigen: Wer wissen will, warum der Felsen Grafensprung heißt, der sollte kurz bei der Wikipedia vorbeischauen.

Einige Infos

  • An der Hornberger Platte kann eigentlich ganzjährig geklettert werden, nur wegen einer Veranstaltung in unmittelbarer Nähe gibt es in der Regel Anfang Mai eine kurze Sperrung (welche auf dem Felsinfoportal des DAV fälschlicherweise als Sperrung aus Naturschutzgründen geführt wird).
  • Der Fels an der Hornberger Platte ist nicht immer ganz fest, man sollte einen Helm tragen!
  • Alle Felsen, mit der beschriebenen Ausnahme der Hornberger Platte, findet man im Kletterführer Schwarzwald Rock 2.0 von Lobo Plus. Wahrscheinlich hatten wir Pech, aber wie oben erwähnt hatten wir mit einigen Ungenauigkeiten zu kämpfen, was bei einer zweiten Auflage etwas schade ist. Panico hat den Schwarzwald in einen nördlichen und südlichen Teil zerlegt. Um also wie im Lobo Plus Führer den gesamten Schwarzwald abzudecken, muss man beinahe den doppelten Preis berappen – ob sich das lohnt kann ich allerdings leider nicht beurteilen, da ich nicht den Panico Führer genutzt habe.
  • Für den Grafensprung gibt das Felsinfosystem des DAV Porphyr als Gestein an – könnte aber doch eher Granit sein.
  • Privatzimmer Krauth in Hornberg – 3 Zimmer mit je zwei Betten, Bad und Aufenthaltsraum. Sehr günstig, sauber, mit großzügigem Frühstück und ideal, wenn man ohnehin den ganzen Tag am Fels ist. Gaststätte in unmittelbarer Nähe, einige Felsen unweit. Ideal für ein verlängertes Wochenende.

In diesem Sinne

Martin

 

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