Edelrid Ohm

Saisonauftakt 2017 und Edelrid Ohm am Fels

Klettern , , , , , ,

Endlich konnte auch ich in die Klettersaison 2017 starten. In diesem Jahr habe ich es tatsächlich bereits auf sage und schreibe sechs Wochen Trainingsausfall durch Verletzungen und Krankheit gebracht – das muss man innerhalb der ersten 16 Wochen auch erst einmal schaffen! Doch am vergangenen Sonntag nahm die Zwangspause ein Ende und wir läuteten im Steinbruch in Schriesheim (mit deutlicher Verspätung) den Start in die Saison ein.

Den Anfang machten wir dabei mit einer Art Workshop, bei dem meine Tourenpartner und ich gemeinsam allerlei Techniken aus dem Bereich Klettern und vor allen Dingen Hochtouren wiederholten und übten. Wir starteten mit einfachen Dingen wie verschiedenen Knoten und steigerten uns langsam: Wir bauten Stände, diskutierten verschiedene Lösungen hierzu und weil es zunächst recht kalt war, prusikten wir auch rund 15 m zur nächsten Wandstufe. Höhepunkt waren sicherlich die Spaltenbergungen, wobei uns der Abgrund von Ebene zwei zu Eben eins als Spalte diente – alle Kletterer um uns herum hielten uns sicherlich für völlig durchgeknallt.

Einer unserer Gruppe brachte auch das Edelrid Ohm mit, welches ich damit zum ersten mal in Händen hielt. Das Gerät dient dazu sehr große Gewichtsunterschiede zwischen Kletterer und Sicherndem auszugleichen. Der Hersteller schreibt hierzu:

Das Ohm von EDELRID ist die Lösung für das größte Problem von Seilschaften mit großem Gewichtsunterschied zwischen den Kletterern: Gefahr für den schweren Vorsteiger durch schwer kontrollierbare Stürze, Gefahr für den leichteren Sicherer durch unsanftes Anschlagen an die Wand.

Das Ohm, mit 120 EUR nicht gerade ein Schnäppchen, ging im letzten halben Jahr durch die Klettermedien und natürlich konnten wir nicht anders, als es einem kleinen Test am Fels zu unterziehen. Da das alles sehr spontan war, war natürlich keine wissenschaftlich solide Studie möglich, denn wir konnten keine Distanzen oder andere relevante Parameter und Größen erfassen oder messen (zum Beispiel Fangstoß, Sturzweite). Daher sind die nachstehenden Zeilen nicht wirklich als Test zu verstehen, sondern eher unter der Rubrik Erfahrungsbericht zu verbuchen. Wichtig ist nur zu erwähnen, dass die Route leicht schräg war und wir alle Stürze mit und ohne Ohm bei gleichen Bedingungen durchführten. Mit 60 kg zu 73 kg lag ich übrigens beinahe 22 % über dem Gewicht des Sichernden, der mich mit einem Grigri 2 sicherte.

Das Edelrid Ohm, die derzeit wohl populärste Lösung des Problems von großen Gewichtsunterschieden zwischen Sicherndem und Kletterer.

Der erste Eindruck des Ohm war dabei positiv, die Bedienung ist denkbar einfach und durch die Markierung auf dem Gerät kann man es nur schwerlich falsch einlegen. Bei schrägem Routenverlauf muss man allerdings aufpassen, dass das Ohm nicht versehentlich beim Clippen der nächsten Exe blockiert – so erging es mir nämlich. Nachdem ich meinen Ausgangspunkt, ein kleines Felsband, erreicht hatte, nahm ich Maß und für die zu vergleichenden Stürze etwa 1,80 m Schlappseil – der Sichernde gab kein Schlappseil. Auf den nächsten beiden Abbildungen sieht man auf den linken Bildern jeweils die etwa 1,80 m, die ich für die beiden dargestellten Stürzen als Schlappseil nahm. Das erste Bild zeigt den Sturz ohne, das zweite den Sturz mit Ohm.

Ohne Ohm: Das Schlappseil wurde abgemessen (links) und nach dem Sturz wurde der Sichernde deutlich erkennbar in die Höhe gezogen. Die letzte Exe war unmittelbar neben der linken Hand. Zum Vergleich mit dem Sturz mit Ohm in der nächsten Abbildung sind beim Sturz die beiden Haken markiert (rechts).
Mit Ohm: Erneut wurde vergleichbar Schlappseil abgemessen (links) und nach dem Sturz wurde der Sichernde nicht nach oben gerissen. Auch hier war die letzte Exe numittelbar auf Höhe der letzten Hand. Die Sturzweite war deutlich verringert (erneut sind die beiden Haken aus der ersten Abbildung markiert).

Das Ohm tat, was es sollte – der Sichernden wurde weniger nach oben gezogen, der Sturz deutlich verkürzt. Aus Sicht des Sichernden ging dies mit einem Gefühl von Kontrollverlust einher, denn schließlich bremst das Ohm sofort ab, wenn der Stürzende das Gerät nach oben zieht – egal, ob der Sichernde das in diesem Ausmaß möchte oder nicht. Entsprechend hart waren für mich die Stürze mit Ohm. Diese beiden Nachteile stehen natürlich in keiner Relation zum Sicherheitsgewinn, den das Gerät bei großen Gewichtsunterschieden bringt. Aufpassen muss man allerdings, wenn komplexe Sicherungssituationen gegeben sind: Zum Beispiel wenn ein harter (= kurzer) Sturz vermieden werden muss, weil Vorsprünge oder ähnliches den Sturzraum beschränken. Oder wenn in Überhängen gesichert wird.

Der Abbau des Ohm ist übrigens kein Problem, wenn man das Seil entlasten kann. Hierzu kann man sich mit einer Exe oder Schlinge im Gurt behelfen.

Es hatte mich übrigens einige Versuche gekostet, bis ich beherzt ins Seil stürzen konnte, aber alles in allem hatten wir eine Menge Spaß beim Ausprobieren des Ohm und natürlich auch beim Üben diverser alpiner Techniken. Im Anschluss kletterten wir auch noch ein wenig, bevor wir zunächst beim Abstieg nach Schriesheim den Blick über die Rheinebene…

Beim Abstieg vom Steinbruch hinunter nach Schriesheim hatten wir einen tollen Blick über die Rheinebene.

… und im Anschluss die Spareribs bei Hakim genießen konnten – besser kann man einen Tag an einem der Felsen rund um Heidelberg nicht ausklingen lassen!

Ideale Stärkung nach einem Tag an einem Fels rund um Heidelberg: Spareribs von Hakim!

An dieser Stelle noch ein kurzer Hinweis: Die Zustiegshilfen des Schriesheimer Steinbruchs, manch einer nennt sie auch Klettersteig, müssen erneuert und saniert werden. Die Arbeitsgemeinschaft Klettern und Naturschutz im Odenwald e.V. sucht hierzu noch Helfer!

In diesem Sinne

Martin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.