Seit meinem ersten Make Your Own Gear (MYOG) Projekt, einem Biwaksack, ist etwas Zeit vergangenen und vor einigen Wochen hatte ich irgendwie Lust bekommen, meine Nähmaschine mal wieder auszupacken. Mein Ziel war eine leichte Windjacke, auch Windstopper oder Windbreaker genannt. Wie auch schon beim ersten MYOG Vorhaben hatte ich ein paar Vorüberlegungen angestellt, bezüglich der für mich wichtigen Anforderungen:

  • Das Material sollte zwar winddicht, aber möglichst atmungsaktiv sein – das Gewicht spielte eine untergeordnete Rolle. Dieses Kriterium führte dazu, dass ich mich nicht für das leichteste in Frage kommende Material, sondern für PTX Endurance entschied. Die Haptik sprach übrigens ebenso für PTX Endurance.
  • Einen durchgehenden und an beiden Enden zu öffnenden Reißverschluss sollte die Jacke haben. Dies hat den Vorteil, dass man im Zweifel über den geöffneten Reissverschluss für ausreichend Ventilation sorgen kann. Außerdem kann man die Jacke auch bequem über einem Kletter- oder Hochtourengurt tragen, wenn man den Reißverschluss an beiden Enden unabhängig öffnen kann.
  • Der Schnitt sollte lang sein, denn so kann ich die Jacke auch bequem im unteren Bereich unter dem Gurt tragen, ohne, dass sie bei jeder Bewegung nach oben aus dem Gurt gezogen wird.
  • Eine Kapuze sollte ebenso an die Jacke.
  • Der Schnitt sollte Körperbetont sein, um bei starkem Wind nicht zu sehr zu flattern.

Die Wahl des Materials fiel mir noch recht leicht, immerhin kann man sich bei Extremtextil Stoffmuster zuschicken lassen. Schwerer hingegen war die Entscheidung bezüglich eines Schnittmusters. Zwischenzeitlich hatte ich nämlich schlechte Erfahrungen damit gemacht, mir selbst ein Schnittmuster zu erstellen, so dass ich mich am Ende für ein kommerziell erhältliches Muster entschied. Meine Wahl fiel auf ein Schnittmuster von Pattydoo, nämlich auf das Raglanshirt „Tom“. Das Schnittmuster erlaubt mehrere Varianten, nämlich eine kurz- und eine langärmlige, sowie mit und ohne Kapuze. Die Kapuzenjacke „Jordan“ wäre vielleicht die cleverere Alternative gewesen, aber im Nachhinein ist man ja immer schlauer. Mich überzeugte die Annahme, dass ein Langarmshirt sicherlich einen körperbetonteren Schnitt als eine Kapuzenjacke haben müsse und so war eine Entscheidung getroffen – den Reißverschluss würde ich schon irgendwie eingenäht bekommen. In wenigen Sekunden hatte ich für wenig Geld ein PDF Dokument mit Schnittmuster erhalten, dessen 56 Seiten ich ausdrucken musste, um mit Schere und Klebeband ohne großen Aufwand die Einzelteile für mein Schnittmuster zu erstellen.

Die einzelnen Teile des Schnittmusters, die man erhält, in dem man nach der einfachen Anleitung die einzelnen DIN A4 Seiten gemäß der Markierungen zusammenklebt. Rechts sieht man die Vorlage für die Kapuze, links die für den Ärmel und oben und unten die Teie für Vorder- und Rückseite.

Mit den Vorlagen für die einzelnen Stoffteile machte ich mich daran, diese auf den Stoff zu übertragen, die Stoffteile auszuschneiden und schon konnte ich die Einzelteile gemäß der Anleitung des Schnittmusters Stück für Stück zusammennähen. Wer jetzt Bilder oder gar eine Anleitung zum Nähen erwartet, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen, denn als absoluter Laie maße ich es mir nicht an, anderen zu erklären, wie man das macht. Hierzu empfehle ich den guten alten VHS Kurs, oder den mordernen Ersatz für den VHS Kurs (Youtube).

Nachdem ich die beiden Einzelteile der Kapuze verbunden hatte, konnte ich schon die Form erahnen.
Langsam aber sicher nahm die Jacke Formen an.

Die Schwierigkeiten beim Zusammennähen liegen vor allen Dingen im glatten Material, bei dem man immer höllisch darauf aufpassen muss, dass es korrekt aufeinander zu liegen kommt. Insbesondere bei runden Nähten und Kurven ist dies schwer. Außerdem muss man als Laie sehr darauf aufpassen, dass alles korrekt zueinander liegt, sprich rechts auf rechts, oder links auf links. Man sollte sich auch stets bewusst machen, wann welcher Schritt zu erfolgen hat, denn wenn man einmal etwas geschnitten oder genäht hat, ist es ab oder verbunden. Besonders beim Einsetzen des Reißverschlusses, sowie bei den Abschlüssen der Ärmel und Kapuze sollte man hier aufpassen. Als Laie musste ich immer wieder improvisieren – hier kann man sich natürlich etwas die Arbeit erleichtern, in dem man auf möglichst viele Dinge wie Reißverschluss oder Kapuze verzichtet – was allerdings zu Lasten der Funktionalität geht.

Am Ende hatte ich nach einigen Stunden Arbeit, es dürften vom Erstellen des Schnittmusters bis zur finalen Jacke so etwa zehn bis zwölf gewesen sein, tatsächlich eine funktionsfähige Jacke in Händen.

Ende gut, alles gut: Die fertige leichte Windjacke aus atmungsaktivem Gewebe mit Reißverschluss, fixierbarer Kapuze und allem, was mir vorschwebte.

Alles in allem bringt die Jacke 180 g auf die Waage, was sicherlich optimierbar ist, jedoch zu Lasten der Funktionalität. Beinahe alle Nähte klebte ich zum Schluss mit Seamtape ab, was zum einen die Stabilität erhöht, zum anderen auch die Nähte noch einmal sichert. Das bringt natürlich Gewicht mit sich. Das machen auch die per Kletterverschluss verstellbaren Abschlüsse der Ärmel, sowie der schwere Reißverschluss und der Tunnelzug der Kapuze, mit Kordel und Tankas.

Der eingenähte Reißverschluss im Brustbereich. Winddicht und wasserabweisend.
Beinahe alle Nähte habe ich mit Seamtape abgedeckt. Das macht alles absolut winddicht, erhöht aber auch Stabilität und Gewicht.
Der an beiden Enden zu öffnende Reißverschluss bringt Flexibilität, weil auch über dem Klettergurt unten offen und oben geschlossen tragbar.

Die Kapuze ist recht weit geworden, passt aber dafür auch noch über den Helm und über einen Tunnelzug im vorderen „Saum“ kann man die Kapuze auch fixieren. In die Kapuze kann man die komplette Jacke auch bequem stopfen. Der Schnitt ist tatsächlich körperbetont geworden, am Ende hätte Brustbereich etwas sein können. Hier hätte es vielleicht doch Sinn gemacht, das andere Schnittmuster der Sweatjacke zu verwenden. Die Länge ist am Ende auch etwas länger geworden als gedacht, was aber beim Tragen unter dem Gurt richtig praktisch ist.

Auch wenn der Praxistest noch aussteht, bin ich alles in allem zufrieden. Natürlich hätte ich mir auch einfach eine ultraleichte High-End-Jacke kaufen können (und es kann gut sein, dass ich das  zum Vergleich noch machen werde), aber es ist schon etwas anderes, wenn man mit den eigenen Händen eine Outdoorjacke zusammennäht. Mein Beruf hat wenige Aspekte, in denen ich handfest das Ergebnis meiner Arbeit sehen kann. Da ist das Nähen der Jacke schon etwas anderes, wenn Stück um Stück etwas Neues entsteht. Außerdem  merkt man schnell, wie schwierig es eigentlich sein kann eine Jacke zu nähen (oder auch nicht, wenn man nähen kann). Zumindest ich betrachte die Nähte und Applikationen meiner nächsten gekauften Jacke mit anderen Augen…

In diesem Sinne

Martin

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