Das Frühjahr 2017 steht für mich im Kontext einer kleinen Ausbildungsoffensive, bei der es mir darum geht, bereits Gelerntes gezielt zu wiederholen, zu üben und zu vertiefen. Hierzu habe ich mir drei Themengebiete ausgesucht und mich für entsprechende Kurse zur Fortbildung angemeldet: Orientierung im Gelände (bei der DAV Sektion Heidelberg), Bergrettung (bei DAV Sektion Stuttgart, gemeinsam mit der Bergwacht) und Erste Hilfe. Der Titel dieses Beitrags legt es schon nahe: Den Auftakt machte der Kurs „Erste Hilfe Outdoor“, den ich beim Kreisverband Karlsruhe des Deutschen Roten Kreuz absolvierte.

Der Treffpunkt war unweit eines Sees bei Karlsruhe und das Wetter war uns wohlgesonnen, denn es war zwar zunächst noch kühl, aber trocken. All unsere Übungen fanden nämlich im Freien statt und am Ende des Tages würden wir nicht nur unsere Kenntnisse im Bereich erster Hilfe aufgefrischt, sondern auch einen ausgedehnten Spaziergang hinter uns haben.

Inhaltlich musste der Kurs einen Spagat schaffen. Zum einen umfasst der Begriff Outdoor eine ganze Menge und zum anderen war auch der Kenntnisstand der Teilnehmer sehr unterschiedlich: In unserem Kurs bestand der Großteil der Teilnehmer aus Mountainbikern und Mountainbikeguides. Aber es waren auch Wanderer vertreten, sowie eine Streetstepper Instruktorin (ja, davon hatte auch ich noch nie zuvor etwas gehört…was es mittlerweile alles gibt) und mit einem meiner Tourenpartner und mir eben auch zwei, die im Bereich Bergsteigen, Hochtouren und Klettern zu Hause sind. Ebenso divers war auch der Kenntnisstand, denn während mein letzter Erste Hilfe Kurs zwei Jahre hinter mir lag und ich durch meine Ausbildung und Arbeit recht gut verstehe, wie der menschliche Körper tickt, gab es ebenso Teilnehmer, deren letzter und einziger Kontak mit Ersthilfe mehr als 30 Jahre zurück lag – beim Besuch eines Erse Hilfe Kurses zur Vorlage eines entsprechenden Nachweises beim Führerscheinerwerb.

Um es kurz zu machen: Am Ende des Tages hatten wir nicht viel mehr gemacht, als in einem gewöhnlichen acht Einheiten umfassenden Erste Hilfe Kurs Thema ist. Einziger großer Unterschied: Wir waren an der frischen Luft und haben uns eben im freien in die stabile Seitenlage gebracht, Verbände angelegt, geschient und am Ende auch ein paar Puppen reanimiert. Unmittelbar nach dem Kurs war ich zunächst etwas am Hadern, denn das, was wohl am meisten mit dem Thema Outdoor zu tun hatte, war das Bauen einer Trage aus Jacken:

Erste Hilfe Outdoor
Wir bauen eine improvisierte Trage aus Jacken: Stabile Langhölzer durch die nach innen gesteckten Ärmel der Jacke schieben…
Erste Hilfe Outdoor
… und schon kann es losgehen!

Das bringt mir im Zweifel auf einer Gletschertour natürlich reichlich wenig, denn die Sache steht und fällt natürlich mit den auf einem Gletscher nicht verfügbaren Langhölzern. Nach reiflicher Überlegung kam ich allerdings zu der Feststellung, dass es allerdings vielleicht für den Laien auch gar nicht notwendig ist, viel mehr zu wissen, als in einem „gewöhnlichen“ Erste Hilfe Kurs vermittelt wird: Stabile Seitenlage und Reanimation erfolgen im Freien nach dem gleichen Schema wie in der Stadt, ebenso das Anlegen von Druckverbänden oder das Versorgen von offenen Wunden – was sollte hier anders vermittelt werden?

Letztlich gibt es nur zwei Unterschiede zu sonstigen Situationen, in denen erste Hilfe erforderlich ist: Zum einen ist nicht in jeder Situation damit zu rechnen, dass professionelle Rettungskräfte erreicht werden können, zum anderen sind die zur Verfügung stehenden Mittel meist noch eingeschränkter, als bei Zwischenfällen in der Zivilisation. Umso wichtiger ist es meiner Meinung nach daher, dass die absoluten Grundlagen beherrscht werden. Für alles Weitere kann es gar keine allgemein gültigen Lösungen geben, denn die Situationen können extrem unterschiedlich und individuell sein. Vielmehr muss stets situationsabhängig gehandelt werden – so unbefriedigend das klingen mag. Dazu kommt, wenn man ehrlich ist, dass man im Falle eines Falles auch im Stress und unter dem Druck der Situation genügend damit beschäftigt ist, die Lage zu erfassen und die grundlegende Versorgung sicherzustellen. Wichtig ist folglich nicht, dass man einen Outdoor Erste Hilfe Kurs macht, sondern dass man überhaupt einen Erste Hilfe Kurs macht.

An dieser Stelle daher mein Wunsch: Auch wenn man nicht „outdoor“ unterwegs ist, sollte man regelmäßig die Grundlagen in Erster Hilfe auffrischen. Jedem der meint, dass er dazu keine Zeit habe, sei dabei folgendes gesagt: 80 % (!) der Reanimationen findet nicht bei Fremden statt, sondern bei unmittelbar Bekannten aus dem Kreis von Freunden, Familien und Arbeitskollegen. Wer den Menschen die er liebt im Zweifel also helfen möchte, dem sei regelmäßiges Üben empfohlen – egal ob in einem gewöhnlichen, oder in einem „Outdoor“ Kurs.

Ein paar Infos zum Thema:

  • Der DAV hat einen kleinen Flyer zum Thema Erste Hilfe zusammengestellt. Hierin finden sich alle relevanten Stichworte und letztlich das Spektrum, dass im Zweifel auch weiterhilft. Nicht nur in den Alpen…
  • Es gilt das gleiche wie für alle anderen Ausrüstungsgegenstände: Das Mitführen allein bringt nichts, man muss auch damit umgehen können. Allein vom Mitführen eines Erste Hilfe Sets wurde noch niemandem geholfen.
  • Mittlerweile gibt es zahlreiche Angebote für Erste Hilfe Kurse mit Schwerpunkt Outdoor, sowohl bei den DAV Sektionen, als auch beim DRK und privaten Anbietern. Wer die im DAV Flyer erwähnten Punkte abdeckt und umsetzen kann, der bringt alles mit, was für einen Layien zumutbar ist.
  • Sowohl in der freien Natur, als auch mitten in der Stadt gilt: Man kann nichts verlieren, denn schlimmer als ohne Hilfe kann die Situation nicht werden. Daher hoffe ich, dass im Zweifel jeder den Mut hat, zu helfen. Es wird von keinem Laien eine perfekte Erste Hilfe erwartet, sondern diese muss immer lediglich gemäß den Möglichkeiten und des Kenntnisstands erfolgen. Selbst wer keine Ahnung hat, kann immer noch (professionelle) Hilfe herbeirufen, denn dies ist ihm zumutbar! Wird beim Leisten der Ersten Hilfe etwas versehentlich falscht macht, macht man sich dadurch auch nicht strafbar – wer hingegen gar nicht erst hilft, macht sich hingegen immer strafbar (§323c StGB). Von der moralischen Betrachtung gar nicht zu sprechen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat das in einem Flyer kurz skizziert.

In diesem Sinne

Martin

P.S: Kein Scherz, eine Woche vor dem Kurs musste ich die Sanitäter rufen und jemanden in die stabile Seitenlage bringen, mitten in Heidelberg. Es kann wirklich immer und überall passieren!

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