Grenze Fuorcla Val Gronda

Wegebau rund um die Heidelberger Hütte

Berge , , , , ,

Mitte August machte sich eine kleine Truppe von 12 Freiwilligen der DAV Sektion Heidelberg in die Silvretta auf, um dort das Wegenetz rund um die Heidelberger Hütte instand zu setzen und auszubessern. Auch ich war Teil des Trupps, der bunt zusammengestellt war und zum Großteil, mit wenigen Ausnahmen, aus Freiwilligen mit mehr als fünf Jahrzenten Lebenserfahrung bestand.

In einer Vorbesprechung hatten wir mehr über die zu erledigenden Arbeiten rund um die Heidelberger Hütte erfahren: Erster Schwerpunkt würde das Errichten eines Übergangs vom Wanderweg 302 zur Fuorcla Davo Dieu/Lais sein. Hier würden wir zwei kleine Brücken/Stege bauen, um es den Wanderern zu ermöglichen trockenen Fußes über die teilweise doch recht großen Bäche zu kommen. Außerdem sollten ein paar kleine Drainagen entlang des Weges 302 errichtet werden, um der Erosion infolge abfließenden Wassers Einhalt zu gebieten. Ein weiterer Schwerpunkt war der Weg vom Zeblasjoch über die Fuorcla Val Gronda zur Heidelberger Hütte. Hier galt es ebenso Erosionen einzudämmen, Drainagen zu legen, das Grenzschild zwischen der Schweiz und Österreich aufzurichten und viele andere Kleinigkeiten zu erledigen. Für den dritten Einsatztag waren dann verschiedene kleine Maßnahmen auf den Wegen rund um die Hütte geplant.

Der Aufstieg zur Heidelberger Hütte war für uns sehr leicht, denn dank mehrerer Sondergenehmigungen durften wir mit dem Sektionsbus bis zur Heidelberger Hütte fahren. Das war sehr angenehm, hatten wir doch noch einiges an schwerem Gerät zum Wegebau im Gepäck. Auf der Fahrt durch das Fimbatal ging es durch den Skizirkus von Ischgl, für mich als Nichtskifahrer ein erschreckendes Bild, welche Unmengen an Liften, Schneekanonen und anderen Dingen hier in die Landschaft gebaut wurden.

Etwas überrascht war ich auch von der Heidelberger Hütte, die ich zuvor auch noch nicht gesehen hatte. Mehr als 150 Gästen kann sie Platz bieten und bietet allerlei Komfort. Normalerweise brauche ich keine Duschen und nur wenig Annehmlichkeiten auf den Hütten, aber wenn man zum Arbeiten in die Berge zieht, freut man sich am Ende des Tages doch über eine heiße Dusche.

Heidelberger Hütte
Die Heidelberger Hütte im Fimbatal der Silvretta.
Heidelberger Hütte
Von der Heidelberger Hütte in Richtung Norden das Fimbatal entlang blickend.
Brückenbau für den Weg zur Fuorcla Davo Dieu

Nach einem ausgiebigen Frühstück legten wir uns das Werkzeug – Schaufeln, Spitzhacken, Stemmeisen und diversen Kleinkram – zurecht, teilten uns kurz auf und rasch brachen wir mit insgesamt vier etwas mehr als vier Meter langen Holzbalken im Gepäck Richtung Fuorcla Davo Dieu auf.

Wegebau Fuorcla Davo Dieu
Mit viel Gepäck war ich schon öfters in den Bergen, aber mit Holzbalken und Spitzhacke noch nie.
Wegebau Fuorcla Davo Dieu
Langsam kam unser kleiner Bautrupp voran. Glücklicherweise ist der Weg zu p.2547 im Nordosten der Fuorcla Davo Dieu nicht steil, sondern steigt nur mäßig an.
Wegebau Fuorcla Davo Dieu
Insgesamt mussten vier Holzbalken in Richtung Fuorcla Davo Dieu geschafft werden.

P.2547 im Nordwesten der Fuorcla Davo Dieu, im südlichen Fimbatal, erreichten wir nach etwa 2,5 Stunden. Nach einiger Diskussion stand irgendwann auch fest, an welcher Stelle genau der Übergang entstehen sollten und so legten wir die Balken ab, um erstmalig Maß zu nehmen.

Wegebau um Fimbatal
Hier sollte der Übergang entstehen: In zwei Stegen sollte es über den Bach gehen, so dass man zukünftig auch bei stärkerem Niederschlag nicht durch die Bäche des südlichen Fimbatals waten muss, um die Fuorcla Davo Dieu zu erreichen.

Ziel war es, mit zwei Stegen einen Abschnitt zu überbrücken, der nach stärkeren Niederschlägen aufgrund der großen Wassermassen nur schwerlich trockenen Fußes zu passieren sein kann. Wir richteten im ersten Schritt also den Bach etwas her, sprich wir sorgten für ein solides Steinfundament, das unsere Balken tragen sollte. Außerdem versuchten wir den Lauf des Baches so zu gestalten, dass er unser Fundament nicht unterspülen würde.

Wegebau
Beim Wegebau muss man mit dem zurechtkommen, was vorhanden ist. Viele schwere Steine bewegten wir, um ein halbwegs tragfähiges und sicher verbautes Fundament für unsere Stege zu erhalten.
Wegebau
Größere Steine im Bachbett mussten weichen, damit sich zukünftig im Bereich unserer Stege nichts stauen würde. Außerdem sorgten wir dafür, dass unsere Fundamente nicht oder zumindest nicht so stark unterspült werden würden.

Nachdem die Balken für den ersten Steg sicher verankert waren, machte ich mich mit dem jüngsten Teilnehmer der Gruppe zurück zur Heidelberger Hütte auf, von wo aus noch einige zuvor zurechtgeschnittene Trittleisten ins Fimbatal zu unserer Baustelle getragen werden mussten. Nach rund 1,75 Stunden waren wir mitsamt der Tritte zurück und diese konnten dann auf den Balken befestigt werden, so dass unser Übergang perfekt war:

Brücke im südlichen Fimbatal
Unser Übergang im südlichen Fimbatal mit Blick nach Norden. Trockenen Fußes kann man nun den Bach queren, auch wenn der Wasserstand etwas höher sein sollte.
Brücke im südlichen Fimbatal
Steinmänner weisen den Weg zur Fuorcla Davo Dieu. Sehr schöne sieht man die Befestigung des Steges auf der linken Seite. Alle (!) dort erkennbaren Steine wurden von uns angehäuft, das Bachbett etwas begradigt und die Balken so geschützt.

Das gemeinsame Bauen der Brücke trug dazu bei, dass wir von Anfang an eine gute Stimmung in unserem Wegebauteam hatten. Gemeinsam etwas schaffen, durch Anstrengungen gehen – eigentlich könnte man durch solche Team bildende Maßnahmen den ganzen Alpenraum in stand halten…

Den Rückweg nutzten wir, um den Weg 302 noch stellenweise auszubessern. Hier und da setzten wir Drainagen in den Weg, um einen besseren Wasserabfluss zu gewährleisten, oder wir sammelten Steine, um breitere Pfützen einfacher passierbar zu machen.

Drainage
Drainage im Wanderweg – da man alles was man nutzen möchte mühsam zum Einsatzort transportieren muss, setzt man eben ein, was man am Wegesrand so finden kann. Meistens nur Steine.
Drainage
Kleine Ausbesserungsarbeiten mit einfachen Mitteln. Jeder Stein muss erst gesucht und bewegt werden.
Grenzerfahrungen

Der zweite Tag führte uns zur Fuorcla Val Gronda. Auf dem Weg dorthin zeigte sich schon der erste Verschleiß in unserer Gruppe, denn zwei Mitstreiter ließen wir auf halber Strecke wegen gesundheitlicher Probleme zurück. Sie begannen damit, kleinere Arbeiten am Weg zu verrichten und sich zurück Richtung Heidelberger Hütte zu arbeiten, während der Rest sich aufteilen würde: Ein Hälfte marschierte zum Zeblasjoch, während die zweite Hälfte die Aufgabe bekam, das Grenzschild auf der Fuorcla Val Gronda neu zu errichten. Dieses hatte nämlich Schaden genommen, denn es war etwas schräg…

Fuorcla Val Gronda
Das Grenzschild der Fuorcla Val Gronda

Aus der Ferne sah das Problem gar nicht so groß aus: Loch etwas vergrößern, Schild wieder in den Boden stecken und alles wäre wieder in Ordnung. In der Praxis gestaltete sich alles allerdings etwas komplizierter, denn das Fundament des Schilds war unfassbar massiv und schwer – mir roher Gewalt war praktisch nichts auszurichten, das Schild lies sich nicht bewegen:

Grenze Fuorcla Val Gronda
Vergeblich – das Fundament des Grenzschilds war unfassbar schwer und massiv. Selbst beim Anspringen und Klammern, Hängen und Schaukeln bewegte sich das Schild kein bisschen.

Unsere Taktik sah vor, dass wir das Loch vergrößern und dann das Schild hinein rutschen lassen würden. Also fingen wir an zu graben und stellten uns vor allen Dingen die Frage, was mit dem Schild passiert gewesen war, dass es samt Fundament dermaßen aus dem Boden bewegt werden konnte..?

Unsere Taktik ging auf und nach einigen Stunden war das Grenzschild erneut solide im Boden befestigt.

Grenze Fuorcla Val Gronda
Wieder Standfest –  das Schild der Grenze an der Fuorcla Val Gronda
Erosionsschutz unterhalb des Zeblasjoch

Am letzten Tag wurde unser Wegebauteam in mehrere Kleingruppen geteilt und ich wurde zum Einsatz unterhalb des Zeblasjochs abkommandiert. Wir fuhren mit dem DAV Bus, mehrerer Sondergenehmigungen sei Dank, zur Talstation der Seilbahn zum Piz Val Gronda. Die Seilbahn befand sich gerade in der Sommerrevision und wir stiegen wie schon in den Tagen zuvor mit ungewöhnlichem Gepäck zum Einsatzort.

Zeblasjoch
Auf dem Weg zum Einsatz am Zeblasjoch.

Dort wurde schon am Vortag etwas gewerkelt, doch es gab immer noch einen über 50 m langen Abschnitt im Hang, der zerfurcht war. Ziel des Einsatzes war es, zum einen zu versuchen die Erosion zu stoppen, zum anderen den Weg so einzurichten, dass es statt mehrerer Varianten künftig nur noch einen erkennbaren Weg gab.

Zeblasjoch
Tief graben sich die Wege durch die Nutzung in den Boden ein.
Zeblasjoch
Mehrere teilweise tiefe Furchen unterhalb des Zeblasjoch. Hier treffen Biker und Wanderer aufeinander und es bilden sich mehrere parallele Varianten. Dumm nur, dass der Boden der Erosion schutzlos ausgeliefert ist, sobald er ohne Vegetation ist.

Am Zeblasjoch zeigte sich auf rund 50 m kondensiert einer der großen zukünftigen Konflikte des Alpenraums, nämlich der zwischen Wanderern und Mountainbikern. Wir hatten nie darüber im Wegebauteam gesprochen, aber wir versuchten stets in allen Abschnitten eine Lösung zu finden, die allen Anspüchen gerecht werden sollte. Am Tag zuvor, zwischen Fuorcla Val Gronda und Heidelberger Hütte, setzten wir zum Beispiel alle Drainagen so, dass sie auch den Belastungen durch Mountainbiker standhalten würden. Da der Weg stark frequentiert war, gab es keinen Mangel an Testfahrern, die über unsere frisch gebauten Drainagen fahren und uns so aufzeigen konnten, was wir verbessern mussten.

Unterhalb des Zeblasjoch war die Situation allerdings etwas komplizierter, denn es galt nicht einzelnen Stellen auszubessern, sondern wir mussten versuchen großflächig zu arbeiten. Das war leichter gesagt als getan, denn abgesehen von einigen umliegenden Steinen und unseren Hacken und Pickeln gab es kein Material. Wir begannen also zunächst damit, die Rinnen und Furchen zu begutachten und versuchten Teile der Furchen und Rinnen zu „Wegen“ auszubauen, sprich so herzurichten, dass künftig Wanderer und Mountainbiker jeweils nur einen Weg wählen würde – und nicht dutzende Varianten parallel. Alles, was uns als „Nebenader“ erschien, versuchten wir mit Steinen aufzufüllen (Stichwort Erosionsschutz) und die Seitenwege versuchten wir als solche erkennbar zu machen. Alles leichter gesagt als getan.

Wegebau
Auffüllen der Rinnen zum Schutz vor weiterer Erosion und um die Befahrung durch Biker zu verhindern – für diese gab es eine paralelle Alternative
Wegebau
Zwei Wege führen durch den zerfurchten Bereich, einer links, einer rechts. Die Wege in der Mitte versuchten wir so zu gestalten, dass diese zukünftig nicht mehr genutzt werden würden – ob dies so ersichtlich ist, wird sich zeigen.
Wegebau
Als Weg erkennbar?! Um die Massen durch den zerfurchten Bereich zu führen, versuchten wir den Weg zu markieren und kleine Stufen zu bauen.

Das Problem bei den Arbeiten war jedoch, dass es unheimlich schwierig ist den zu nutzenden Weg mit einfachen Mitteln zu kennzeichnen. Wir nutzten zum Beispiel die Steine sowohl um den Weg durch zuschütten vor Erosion zu schützen, als auch um Stufen zur Wegführung zu bauen – doch kann man den Unterschied erkennen? Außerdem konnte an der ein oder anderen Stelle durchaus der Eindruck entstehen, dass wir etwas gegen Mountainbiker gehabt hätten, denn vom Zeblasjoch kommend kann durchaus der Eindruck entstehen, der Weg wurde zugeschüttet, um den Radlern das Fahren unmöglich zu machen – dabei war es nur unser Ziel sie auf eine der vielen Varianten zu lotsen.

Wegebau
Dieses Bild ergibt sich, wenn man mit dem MTB vom Zeblasjoch kommt. Man könnte den Eindruck gewinnen, wir hätten den Weg für die Mountainbiker verbaut, denn große Steine blockieren den geraden Weg. Wer rechts fährt kommt problemlos zum Ziel, doch kann man dies erkennen, oder bekommt man das Gefühl, es wurden Steine in den Weg gelegt, um den Weg für Mountainbiker unnützbar zu machen?
Wegebau
Rechts, links, geradeaus? Wie führt man Wanderer am besten durch Gelände mit mehreren Alternativen?! Die Steine in der zweiten Rinne von links wurden gelegt, um die Rinne vor weiterer Erosion zu schützen. Aber ob sich dieser Beweggrund jedem erschließt?
Wegebau
Liegen die Steine zum Schutz vor Erosion und blockiern den Weg, oder liegen sie als Stufen in der Rinne, um den Weg leichter passierbar zu machen? Der Wegebau mit einfachen Mitteln hat seine eigenen Probleme.

Wir versuchten unser bestes, doch am Ende war alles ein wenig vergebene Liebesmüh, denn beim Beobachten des ein oder anderen Testwanderers oder Testbikers konnten wir schnell erkennen, dass wir zwar einde Idee hatten, wie die Menschen die Wege nutzen sollten, diese aber nicht immer so zu erkennen war. Es ist einfach sehr schwer mit nur wenigen und einfachen Mitteln (= Steinen) den Mountainbiker oder Wanderer zu lenken, insbesondere wenn an manchen Stellen die Erosion gleich mehrere Varianten des Weges in Form von Rinnen und Furchen bietet.

Irgendwann endete aber auch der dritte Tag des Wegebaus rund um die Heidelberger Hütte für das Jahr 2016 und ich hoffe, dass wir einen kleinen Teil dazu beitragen konnte, dass der Alpenraum weiterhin gut erschlossen bleibt. Sowohl für Wanderer, als auf für Mountainbiker.

Wanderer, Mountainbiker- ein Interessenskonflikt ohne Ende

A propos: An dieser Stelle ein kurzer Kommentar zum Konflikt zwischen Wanderern und Mountainbikern, denn während des Ausbesserns der Wege, dem Transport von Holz und Werkzeug oder dem Bewegen diverser Unmengen an Steinen hatte ich genügen Zeit darüber nachzudenken. Um es gleich vorweg zu nehmen: Jede unserer Anstrengungen war ohne Absprache oder Diskussion so angelegt, dass nach Möglichkeit das Ergebnis immer von beiden Gruppen genutzt werden kann, sprich sowohl Wanderer, als auch Mountainbiker hatten wir im Kopf, wenn wir die Wege ausbesserten. Ob uns das immer so gelang ist vielleicht an einzelnen Stellen eine andere Frage, aber der Absicht nach waren wir alle stets der Überzeugung, dass sowohl Wanderern, als auch Mountainbiker die Wege nutzen können sollten. Während wir an den Wegen arbeiteten, hatte ich genügend Zeit beide Nutzergruppen zu beobachten und nachstehend das Bild, das ich gewinnen konnte.

Zunächst einmal zu den Mountainbikern. Hier zeichnet sich ganz klar ab, dass zukünftig deutlich mehr Mountainbiker in die Berge kommen werden, denn dank E-Bikes schaffen es künftig immer mehr Menschen die Steigungen der Alpen zu nehmen. Wanderer regen sich hier gerne auf, denn der gängige Tenor ist der, dass Mountainbiker die empfindlichen Wege der Alpen zerstören. Hierzu kann ich nur sagen, dass die Natur in den Alpen sehr empfindlich ist und der Boden chancenlos der Erosion ausgesetzt ist, sobald er keine Vegetaion mehr trägt. Entsprechend sorgt grundsätzlich jede Nutzung der Wanderwege dafür, dass diese zerstört werden – egal ob durch Mountainbiker, oder aber durch Wanderer. Ein einfaches und nachvollziehbares Beispiel: Über eine Wiese wird ein Wanderweg angelegt, zunächst einfach nur durch Markierung mit Holzpflöcken. Durch die Nutzung, das Gehen/Fahren von Markierung zu Markierung, entsteht ein kleiner Trampelpfad und das Gras wird geschädigt. Zunächst kann das Gras die Schädigung kompensieren; übersteigt die Nutzung dauerhaft jedoch die Regenerationsfähigkeit und wird die Grasnarbe so langfristig geschädigt, wächst kein Gras mehr. Dadurch halten keine Wurzeln den Boden mehr zusammen und die Erosion trägt langsam aber sicher zur Zerstörung des Weges bei. Das „Zerstören“ des Weges ist also nichts anderes als die Abnutzung des Weges – und diese ist zunächst einmal völlig unabhängig davon, ob Mountainbiker oder Wanderer den Weg nutzen. Nutzung heißt immer auch Abnutzung!

Auf der einen Seite ist der pauschale Vorwurf, Mountainbiker zerstören die Wanderwege, wie oben erläutert sicherlich nicht gerechtfertigt, auf der anderen Seite hingegen müssen sich Mountainbiker dennoch Kritik gefallen lassen, denn die Abnutzung der Wege, das „Zerstören“ der Wege, ist unmittelbar von der Fahrtechnik abhängig. Gerade in steileren Passagen, zum Beispiel östlich des Piz Davo Sassè zur Heidelberger Hütte hinab, neigen vor allen Dingen ungeübte Mountainbiker dazu, mit blockierenden Rädern zu bremsen und so durch steile Abschnitte zu fahren. Die Konsequenzen sind klar und leicht zu erkennen: Das Rad, meist vor allen Dingen das Rückrad, wird blockierend über den Boden gezogen, meist noch stark mit Gewicht belastet und entsprechend stark sind Druck und Zug auf den Boden – Material wird abgertragen. So werden in der Tat die Wege zerstört, weil mehr als notwendig abgenutzt. Das Problem ist bekannt und jeder vernünftige und vor allen Dingen gute Mountainbiker weiß auch das Problem durch angepasstes Fahren zu verhindern. In der Theorie also kein wirkliches Problem, aber wie sieht es in der Praxis aus?

Während der Arbeiten am zweiten Tag hatte ich die Möglichkeit zahlreichen Mountainbikern beim Befahren des Weges von der Fuorcla Val Gronda zuschauen zu können. Die Heidelberger Hütte ist fest in der Hand der Mountainbiker und bietet mehr als 150 Menschen ein Dach über dem Kopf, wobei ein sehr großer Anteil der Übernachtungsgäste mit dem Mountainbike zur Hütte kommt. Durch die Erschließung des Fimbatals mit zahlreichen Seilbahnen kommen zum Beispiel sehr viele Mountianbiker mit der die Seilbahn zum Paliner Kopf (ansonsten wäre der Ebike-Akku ja schon nach dem ersten Anstieg leer) und anschließend über das Zeblasjoch und die Furocla Val Gronda ins südliche Fimbatal, wo sie entweder auf der Heidelberger Hütte übernachten oder aber über den Fimberpass weiter ins Val Chöglias fahren – die Heidelberger Hütte und die sie umgebenden Wege sind Teile einer Variante zur Überquerung der Apen mit dem Mountainbike. Entsprechend konnte ich nicht nur ein paar einzelnen Mountainbikern zuschauen, sondern sicherlich weit mehr als 100 Mountainbiker fuhren ans uns an diesem Tag vorbei über die Wege, die wir auszubessern versuchten. Dabei musste ich feststellen, dass der Großteil der Mountaibiker nicht dazu in der Lage ist, die steilen Passagen so zu fahren, dass kein Blockieren der Räder über längere Abschnitte notwendig war.

Natürlich waren die Mountainbiker dem Gelände zwar „gewachsen“ – wenn man damit meint, dass sie den Weg fahren konnten, ohne selbst Schaden zu nehmen. Aber in guter, sprich vor allen Dingen nachhaltiger Technik, konnte nur ein kleiner Teil der Mountainbiker den Weg befahren. Hier liegt aus meiner Sicht eher das Problem: Es ist kein Problem, dass Mountainbiker Wanderwege nutzen, aber es ist ein Problem, wenn sie dies mit unzureichender Technik tun.

In der Zukunft, so meine Einschätzung, wird sich dies noch etwas verstärken, denn dank Ebikes werden zukünftig noch mehr Menschen in den Bergen mountainbiken wollen, die eigentlich hierzu nicht das notwendige Know-How mitbringen: Mit dem Ebike ist niemand unterwegs, der viel Mountainbike fährt und entsprechend die Möglichkeit hat, sich eine gute Technik zu eigen zu machen. Für eine gute Technik muss man viel fahren und wer viel fährt benötigt kein Ebike. Natürlich ist es kein Problem, wenn auf den breiten Forst- oder Schotterstraßen der Täler zahlreiche Mountainbiker (elektrisch unterstützt) unterwegs sind, aber sobald es auf Trails und Wanderwege geht, ist eine gute Technik nicht nur notwendig, um das Gelände zu beherrschen, sondern auch um es zu schonen. Hier sollte nur fahren, wer dazu auch in der Lage ist und die Technik beherrscht.

Beim Wandern ergibt sich das Problem unzureichender Technik nicht, denn jeder lernt von Kindesbeinen an einen Fuß vor den anderen zu setzen. Während dem Wegebau habe ich mir aber auch die Zeit genommen die Wanderer zu beobachten, teilweise auch anzusprechen. Wanderer sind nicht frei von Fehlern, auch ihr Verhalten regt zum Nachdenken an. Am öftesten konnte ich zwei Probleme beobachten: Abschneiden oder neben dem Weg laufen.

Abschneiden kennt jeder und der DAV stellt gerne mal Schilder auf: „Abschneider zerstören die Vegetation. Bitte auf den Wegen bleiben.“ Wie oben beispielhaft erläutert ist dies auch leicht nachzuvollziehen. Am häufigsten kann man abgekürzte Wege in den Serpentinen steilerer Passagen oder in der Nähe von Weggabelungen entdecken. Hier wird oftmals abgekürzt und so bilden sich an manchen Kehren oder Weggabelungen zahlreiche alternative Furchen und Rinnen. Das muss nicht sein – ebensowenig wie das Gehen neben dem Weg. Darauf angesprochene Wanderer reagierten alle mit den gleichen Ausreden: „Wir laufen lieber nebeneinander, um uns zu unterhalten“, „Auf dem Gras ist es angenehmer zu gehen“ oder „Das Gras ist weicher, das ist besser für die Gelenke“. Mag alles sein, aber es ist eben nicht gut für das Gras.

Andere Vorbehalte der Wanderer gegenüber Mountainbikern, etwa rücksichtsloses Fahrverhalten, konnte ich hingegen nicht beobachten. Sowohl Wanderer mussten Mountainbikern aus dem Weg gehen, als auch umgekehrt. Im Übrigen: Wanderer und Mountainbiker sind nicht die einzigen Interessensgruppen in den Alpen. Neben den Naturschutzverbänden gibt es vor allen Dingen noch die Bewirtschaftung der Alpen, welche sich ganz erheblich auf die „Zerstörung“ (oder Abnutzung, wie ich es lieber nenne) der Bergwege auswirkt. Der Bio-Alpenkäse oder das Bio-Alpenrindfleisch sorgen auch für Spuren in der Landschaft, vor allen Dingen auch neben den Wegen!

Kuh auf Wanderweg
Eine Kuh auf einem Wanderweg. Bei der Diskussion um die Nutzung der Wanderwege wird immer von Mountainbikern und Wanderern gesprochen – aber auch andere Interessensgruppen sorgen für Abnutzung der Wege und für Erosion. Auch die Bewirtschaftung der Alpen bleibt nicht ohne Folgen.

Mein persönlicher Wunsch an dieser Stelle ist, dass jeder die Wege nutzt – und zwar möglichst so, dass die Abnutzung minimal ist. Für Mountainbiker mag dies bedeuten, dass sie an ihrer Technik arbeiten müssen, für Wanderer vor allen Dingen, dass sie nicht abkürzen oder neben den Wegen laufen. Die Alpen gelten nicht umsonst als erschlossen, ein dichtes Wegenetz überzieht sie. Das einrichten von weiteren Wegen, um Mountainbiker und Wanderer zu trennen, halte ich für überzogen.

Wer zur Heidelberger Hütte oder ins Fimbatal möchte, für den hier ein paar kurze Informationen.

  • Die Heidelberger Hütte ist Teil der Silvretta-Runde von Ischgl nach Partenen. Einen Flyer zur Strecke gibt es hier. Ebenso ist sie Teil einer Variante des Alpencross (oder auch Transalp) Oberstdorf – Riva mit dem Mountainbike. Der Übergang (zu Fuß) über das Zahnjoch zur Jamtalhütte ist kürzer als über das Kronenjoch, derzeit allerdings wegen der starken Steinschlaggefahr nicht empfohlen und gesperrt. Steht leider nicht im Flyer zur Silvretta-Runde. Eventuell legt die DAV Sektion Heidelberg in einem der kommenden Jahren den Weg erneut und gegen Steinschlag gesichert an, aber derzeit sollte man definitiv nicht über das Zahnjoch gehen!
  • Den Aufstieg zur Heidelberger Hütte durch das Fimbatal kann man durch die Seilbahn abkürzen, als schöner gilt allerdings der Aufstieg über das Lareintal und das Ritzenjoch. Wer 80 EUR in die Hand nimmt kommt mit dem Hüttentaxi von Ischgl bis zur Hütte, jedoch nur zu bestimmten Uhrzeiten.
  • Auf der Heidelberger Hütte gibt es diversen Komfort: Duschen (kaltes Wasser umsonst, heißes Wasser für 2 EUR/3 min), WLAN (10 EUR/24 h) und vor der Tür auf Höhe des Zauntores auch minimalen Handyempfang.
  • Der Wegebau, in der Regel ja die Instandhaltung und weniger die Neuanlage, läuft zum allergrößtenteil ehrenamtlich. Helfer werden bei quasi jeder Sektion mit zu betreuendem Gebiet in den Alpen gesucht und ich kann es wirklich jedem nur empfehlen, da man sich zum einen mit den Wegen in den Alpen ganz anders auseinandersetzt, zum andern da man eine Menge Spaß bei der Arbeit in der freien Natur hat.

In diesem Sinne

Martin

3 thoughts on “Wegebau rund um die Heidelberger Hütte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.