Schneehorn

Überschreitung Wildstrubel, Schneehorn und Kleines Schneehorn

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Eine einfache Hochtour für ein verlängertes Wochenende war gesucht, denn unsere Seilschaft würde aus drei Geübten und zwei absoluten Novizen bestehen. Die Kriterien für die Auswahl waren daher recht klar: Keine schweren Felspassagen und nach Möglichkeit ein spaltenarmer und nicht sonderlich steiler Gletscher. Recht schnell stand der Wildstrubel im Raum und Ende Juli war es dann soweit und wir konnten aufbrechen.

Ursprünglich war angedacht von Iffigenalp (1500 m) zur Wildstrubelhütte (2793 m) aufzusteigen, um am Folgetag über den Glacier de la Plaine Morte und das Schneejoch (3019 m) das Schneehorn (auch: Schneehore, 3177 m) und das Kleine Schneehorn (auch: Chlis Schneehore, 3146 m) zu überschreiten. Im Anschluss sollte der Abstieg zur Lämmerenhütte (2502 m) erfolgen, um am nächsten Tag von dort aus über den Mittelgipfel (3244 m) zum Wildstrubel (3244 m) zu gelangen und nach Zelg über die Simmenfälle abzusteigen. Wie so oft kam es am Ende natürlich ein bisschen anders, als eigentlich geplant.

Am staureichsten Wochenende des Sommers 2016, so zumindest diverse Zeitungen und Onlineportale, fuhren wir gemeinsam in die Schweiz und erreichten unser Ziel mit etwa einer Stunde Verspätung. Mit zwei Autos unterwegs parkten wir ein Auto für die Rückfahrt an den Simmenfälle und fuhren mit dem zweiten Auto zur Iffigenalp, wo wir uns rasch abmarschbereit machte.

Iffigenalp
Alles gepackt?! Rucksackparade vor Abmarsch zur Wildstrubelhütte.

Für den Aufstieg von der Iffigenalp zur Wildstrubelhütte sind etwa vier Stunden zu veranschlagen. Der Weg führt stetig nach oben, nie richtig steil, aber eben dennoch stetig. Zunächst auf Wurzelwegen über die Baumgrenze hinweg und rasch über einen steinigen Steig  vorbei an Wasserfällen und immer mit gutem Ausblick.

Wildstrubel
Starke Kontraste: Auf festem Steiglein ging es durch brüchigen Schiefer unterhalb der Wildstrubelhütte.
Wildstrubel
Rund 300 Höhenmeter unterhalb der Wildstrubelhütte finden sich wunderschöne Schmelzwasserseen. Im Hintergrund, links im Bild, der Tierbergsattel, den überwinden muss, wer ohne Gletscherkontakt von der Wildstrubelhütte zum Wildstrubel gelangen will.
Wildstrubel
Unfassbar schöne Schmezlwasserseen auf dem Weg.
Wildstrubel
Auf den letzten Metern zur Wildstrubelhütte mussten wir mehrfach kleine Schneefelder queren. Die Niederschläge von Mitte/Anfang Juli waren noch nicht abgeschmolzen.

Die Wildstrubelhütte begeisterte moch auf Anhieb: 2005 wurde angebaut und erneuert. Entstanden ist eine moderne Hütte im Stil klassischer Hütten: viel lokales Gestein wurde verbaut, viel Holz, kein luxoriöser Schnickschnack, immer noch klassische Bettenlager, aber das alles sehr ansprechend und wirklich eine wunderbar gelungene Verbindung aus Tradition und Moderne.

Kurz nach unserer Ankunft zogen langsam die Wolken zu und wir konnten uns nach rund 1200 mH Zustieg bei großzügiger und typischer Hüttenkost (Spaghetti…) stärken. Außerdem kontrollierten wir erneut den Wetterbericht und mussten feststellen, dass der DAV Wetterbericht des ZAMG für unseren dritten Tag, der uns von der Lämmerenhütte über Mittelgipfel und Wildstrubel hinab ins Tal hätte führen sollen, eine Gewitterwahrscheinlichkeit von 65 % für den frühen Vormittag vorhersagte.

Wildstrubel
Unweit der Wildstrubelhütte, kurz unterhalb des Gipfels des Weisshorns (auch: Wisshore) sitzt das Milität und hat sich eine schöne Seilbahn gebaut. Zur Versorgung der Hütte wird diese genutzt – zum Befördern Gehfauler hingegen nicht.

Da es uns etwas riskant erschien, bei solch einer Gewitterwahrscheinlichkeit über einen der höchsten Punkte weit und breit zu marschieren, planten wir die komplette Tour um und entschlossen uns dazu, zwei Tage auf der Wildstrubelhütte zu verbringen und am nächsten Tag  über den Glacier de la Plaine Morte und das Schneejoch das Schneehornund das Kleine Schneehorn hin zum Wildstrubel zu überschreiten, um am Ende über den Glacier de la Plaine Morte erneut zurück zur Wildstrubelhütte zu gelangen.

Wildstrubelhütte
Bevor die Sonne unterging, klarte es noch einmal kurz auf und wir konnten einen phantastischen Sonnenuntergang beobachten.

Am zweiten Tag standen wir früh auf, frühstückten rasch und machten uns startbereit. Das Wetter sah hervorragend aus und der Sonnenaufgang war ein Traum.

Wildstrubelhütte
Kurz nach Sonnenaufgang herrliches Licht beim Blick von der Wildstrubelhütte.

Wir starteten Richtung Weisshornlücke, von wo aus es normalerweise noch auf Fels hinab zum Glacier de la Plaine Morte geht. Doch aufgrund der Niederschläge im Vorfeld konnten wir schon in der Lücke in die Gamaschen und Steigeisen steigen, bevor wir uns vor dem Betreten des Glacier de la Plaine Morte anseilten.

Rohrbachstein
Der Rohrbachstein von der Weisshornlücke aus gesehen im Morgenlicht.
Weisshornlücke
Blick von der Weisshornlücke aus in Richtung Nordwesten.
Weisshornlücke
Von der Weisshornlücke Richtung Pointe de Vatseret blickend. Der Glacier de la Plaine Morte liegt „links um die Ecke“.
Glacier de la Plaine Morte
Kurz vor betreten des Glacier de la Plaine Morte. Unser Weg führte uns links haltend über den Gletscher vorbei an den kleinen Seen in der Mitte zum Schnee
Topo / Karte Wildstrubel
Kleine Illustration mit dem Verlauf unserer Runde.

Der Weg über den Gletscher zur zum Schneejoch hinaufführenden Rinne ist lang und nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir das andere Ende des Gletschers unterhalb des Schneejochs. Dort legten wir eine kleine Pause ein und stapften hinauf zum Joch, das wir in sanften Kehren problemlos erreichten.

Glacier de la Plaine Morte
Auf dem Glacier de la Plaine Morte, kurz nach der Weisshornlücke. Direkt in der Bildmitte erhebt sich der Wildstrubel, rechts daneben zieh sich der Kamm, den wir zu überschreiten gedachten.
Glacier de la Plaine Morte
Blick vom Glacier de la Plaine Morte in Richtung Süden.
Glacier de la Plaine Morte
Auf dem Glacier de la Plaine Morte, kurz vor erreichen des südöstlichen Endes mit Blick über die Lücke bei P.2807.
Schneejoch
Unterhalb des Schneejoch, mit Blick auf das südöstliche Ende des Glacier de la Plaine Morte.
Schneejoch
Das Panorama vom Schneejoch in Richtung Westen. Die weiße Rampe in der Bildmitte zeigt die Flanke hoch zum Schneehorn.

Im Schneejoch angekommen orientierten wir uns nach Nordwesten und marschierten auf dem breiten Gratrücken in Richtung Schneehorn. Der Großteil des Rückens ist breit und es geht sich überraschend bequem auf dem Schotter des verwitterten Schiefers, doch an zwei Stellen mussten wir aufpassen. An einer Stelle mussten wir tief in die westliche Flanke ausweichen und dann erneut diagonal zum Grat aufsteigen. Hier gilt es vorsichtig zu steigen, denn der Schiefer hat in der Flanke viel Schotter hinterlassen und das Gelände ist richtig brüchig. Außerdem gibt es kurz vor dem Gipfel noch eine kleine aber ausgesetzte Stelle im I. Grad. Der Weg vom Schneehorn zum Kleinen Schneehorn hingegen ist ein Klacks und während wir diesen zurücklegten konnten wir am Horizont sehen, dass das Wetter nicht halten würde – dunkle Wolken brauten sich am Himmel zusammen.

Schneehorn
Vom Kleinen Schneehorn nach Norden blickend. Am Ende des Grates der Wildstrubel. Dahinter schwere Quellwolken, die nichts Gutes ankündigten.
Schneehorn
Vom Kleinen Schneehorn zum Wildstrubel kann man bequem spazieren. Einzig der letzte Anstieg führt durch steilen Schutt, oder aber durch ein steiles Schneefeld, südlich unterhalb des Wildstrubelgipfels.
Schneehorn
Blick unterhalb des Gipfelaufschwungs zum Wildstrubel zurück nach Süden auf das Schneehorn und das Kleine Schneehorn.

Wir zogen das Tempo etwas an und die letzten Meter des Südgrates am Wildstrubel waren die steilsten Meter der Tour. Der Wind frischte schon bedenklich auf und wir erreichten alleine das ansonsten sicherlich gut bevölkerte Gipfelkreuz des Wildstrubels.

Wildstrubel
Am Ziel – der Wildstrubel. Nach Südosten blickend sah der Himmel sogar noch ganz gut aus.

Wir stiegen nach Westen zum Glacier de la Plaine Morte ab und kurz vor dem Ende setzte auch schon der Regen ein. Ein Abstieg im brüchigen Schieferschotter macht bei starkem Regen sicherlich keine Lust und ich war froh, dass es uns erst recht spät erwischt.

Wildstrubel
Zurück vom Wildstrubel zur Wildstrubelhütte.

Insgesamt hielt sich der Regen in Grenzen und wir erreichten nach einer langen Tour geschafft aber mit drei überschrittenen Dreitausendern im Gepäck die Wildstrubelhütte, wo es kurz nach unserer Ankunft eine deftiges Abendessen gab. Die Tour kann ich alles in allem nur empfehlen, allerdings sollte man beachten, dass diese mit rund 17 km Gehstrecke und etwas über 1100 Höhenmeter durchaus fordernd ist – vor allen Dingen, weil man mehr als die Hälfte auf dem Glacier de la Plaine Morte zurücklegen muss.

Einige Infos zur Tour:

  • Bei der Iffigenalp kann man umsonst parken, die Straße ab Lenk ist allerdings eine Einbahnstraße, in die nur einmal pro Stunde aus einer der beiden Richtungen eingefahren werden darf. Siehe auch hier.
  • Die Runde hat rund 17 km Strecke und etwas mehr als 1100 Höhenmeter. Wir waren weder schnell noch langsam und insgesamt 11 Stunden unterwegs, wobei hier viel Luft nach oben ist.
  • Man kann den Wildstrubel von der Wildstrubelhütte (mit deutlich mehr Höhenmetern) auch eisfrei erreichen: Abstieg von der Wildstrubelhütte zu den Rawilseen, weiter zum Tierbergsattel und hinab nördlich des Rezligletscherseelis zu P.2252. Von dort aus kann man den Wildstrubel von Nordwesten aus erklimmen.
  • Der Glacier de la Plaine Morte gilt als äußerst harmlos und wir konnten keine einzige Spalte ausmachen – was nicht heißen soll, dass es dort wirklich keine Spalten gibt. Ich werde mich hüten und behaupten, dass ein Seil nicht nötig sei! Nachtrag 30.03.2017 – auch wenn man oft keine Spalten erkennen kann, hat der Gletscher es durchaus in sich, wie der Tagesanzeiger berichtet
  • Ohne die Überschreitung der Schneehörner (auch als Schneehore/Chli Schneehore verzeichnet) sicherlich ideal als Anfängertour, weil konditionell nicht zu fordernd, einfach in der Orientierung und weder im Fels noch im Eis technisch schwierig – aber mit extrem viel tollem Panorama!
  • Kartenmaterial findet man wie immer in der Schweiz digital an dieser Stelle: map.geo.admin.ch. Wer traditionelle Karten möchte, benötigt für den Zustieg die Schweizer Landeskarte 1266 Lenk und für die Tour 1267 Gemmi.

In diesem Sinne

Martin

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