Futschölbach

Heidelberger Hütte – Jamtalhütte – Wiesbadener Hütte

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Der Wegebau brachte mich im August in die Silvretta und da ich eben schon einmal vor Ort in den Bergen war, beschloss ich noch eine kleine Hochtour dranzuhängen. Ziel war es mich mit meinen Seilschaftspartnern auf der Wiesbadener Hütte zu treffen und daher machte ich mich zunächst von der Heidelberger Hütte zur Jamtalhütte auf, um dann am nächsten Tag von dort aus zur Wiesbadener Hütte zu gelangen. Im Vorfeld hatte ich überlegt alles an einem Tag zu machen, mich dann aber doch dazu entschlossen alles auf zwei Tage aufzuteilen, was sich im Nachhinein als sehr entspannt herausstellte.

Von der Heidelberger Hütte zur Jamtalhütte

Von der Heidelberger Hütte aus startete ich dem Weg 302 folgend ins südliche Fimbatal, um zum Kronenjoch zu gelangen. Theoretisch gäbe es auch noch die Option über das Zahnjoch ins Jamtal zu gelangen, doch der Weg kreuzt extrem steinschlaggefährdetes Gebiet und daher ist der Übergang gesperrt und wartet darauf, von der DAV Sektion Heidelberg in den nächsten Jahren neu angelegt zu werden, um den kürzesten Übergang zur Jamtalhütte wieder herzustellen. Die Variante über das Kronenjoch hat den Vorteil, dass ich noch einen kleinen aber feinen Aussichtsberg, den Grenzeckkopf oder auch Piz Faschalba mitnehmen konnte. Hierzu machte ich also zunächst Richtung p.2547 im hinteren Fimbatal auf und musste feststellen, dass das nächtliche Gewitter für solch starke Niederschläge gesorgt hatte, dass eigentlich ein neuerlicher Wegebaueinsatz angebracht gewesen wäre. Aber allein und ohne Werkzeug war nichts auszurichten und so stieg ich weiter zum Kronenjoch (2974 m) und von dort aus weiter auf dem breiten Rücken der Bischofspitze (3028 m) letztlich hinüber zum Grenzeckkopf (3047 m), bei dem man lediglich die letzten zehn Höhenmeter im ersten Grad klettern zurücklegen muss.

Grenzeckkopf
Übersicht vom Grenzeckkopf Richtung Norden (Bildmitte) blickend. Man erkennt im linken Bildbereich den Futschölpass, in der Mitte die markante Krone – nicht zu verwechseln mit der Breiten Krone, rechts im Bild.
Grenzeckkopf
Im Hintergrund in der Bildmitte sieht man das Fluchthorn, davor die Krone. Unterhalb der Krone liegt das Kronenjoch und man sieht den Bergrücken, der zum Standort, dem Grenzeckkopf, oder Piz Faschalba, führt. Die kleine Spitze auf dem Bergrücken ist die Bischofspitze – so klein, dass man quasi an ihr vorbei geht, ohne sie zu bemerken.
Grenzeckkopf
Blick vom Grenzeckkopf nach Westen auf den Augstenberg und den Piz Futschöl mit seinem Hängegletscher, dem Valdret Futschöl. Über den zunächst breiten Rücken im Bildvordergrund erreicht man den Futschölpass.

Vom Grenzeckkopf stieg ich nach Westen zum Futschölpass hinab ab. Hierbei geht man zunächst auf einem breiten Rücken und erst im letzten Drittel kommt leichte Kraxelei hinzu. Alles in allem sehr abwechslungsreich und nur zu empfehlen, wenn man gerne ein wenig mit den Händen zupackt ohne gleich zu klettern! In Richtung Finanzerstein zeigt sich dann langsam die angekündigte Sonne…

Augstenberg
Nach dem Abstieg vom Futschölpass in Richtung Jamtalhütte.

… und später entdeckte ich am Wegesrand echtes Edelweiß, neben zahlreichen anderen Pflanzen, die ich leider nicht zu bestimmen vermochte. Nachstehend ein paar Impressionen der dortigen Flora, die jeden Botaniker vor Ort erfreuen dürfte!

Edelweiß im östlichen Jamtal
Edelweiß!

Blumen im östlichen Jamtal 06-finanzerstein Blumen im östlichen Jamtal Blumen im östlichen Jamtal Blumen im östlichen Jamtal Blumen im östlichen Jamtal Blumen im östlichen Jamtal

Der Futschölbach weitete sich noch einmal kurz vor der Jamtalhütte und noch vor Erreichen der Hütte kam ich zu dem Schluss, dass der Übergang von der Heidelberger Hütte zur Jamtalhütte (oder auch umgekehrt natürlich) unter Mitnahme von Grenzeckkopf und Futschölpass eine wirklich schöne und abwechslungsreiche Tour ist!

Futschölbach
Am Futschölbach mit Blick zurück Richtung Futschölpass (Bildmitte).
Jamtalhütte
Die Jamtalhütte im Blick. Dahinter, leicht rechts der Bildmitte die Getschnerscharte als eisfreier Übergang zur Wiesbadener Hütte, den ich am nächsten Tag wählte.

Als ich die Jamtalhütte erreichte staunte ich nicht schlecht. Gigantisch groß ist sie und bietet 180 Betten; beim Betreten öffnen sich die Schiebetüren automatisch, es gibt WLAN, Duschen, kleine Zimmer, Seminarräume und sogar eine Möglichkeit zur Kletterei in der Hütte. Als die Jamtalhütte in der großen Lawinenkatastrophe von 1999 zerstört und im Nachhinein wieder neu aufgebaut wurde, war klotzen statt kleckern die Devise. Mittlerweile dient die Hütte als alpiner Ausbildungsstütztpunkt und in der unmittelbaren Umgebung findet man vom Übungsklettergarten bis zum Klettersteig eigentlich alles mögliche, um sicherzustellen, dass die Hütte auch stets ausreichend voll ist.

Nach einer erholsamen Nacht – zu dritt im Zwölbettzimmer – war am nächsten Tag die Wiesbadener Hütte das Ziel. Da ich alleinunterwegs war, wählte ich die Getschnerscharte und das Bieltal als Übergang. Wer über die sich zurückbildenden Gletscher gehen möchte, der kann auch Alternativen wählen. Zum Beispiel über den Jamtalferner (in Verbindung mit einer der Jamtalspitzen oder der Dreiländerspitze), über die Tiroler Schare oder die Totenfeldscharte.

Der Weg zur Getschnerscharte hingegen ist auch allein gut machbar. Kurz hinter der Jamtalhütte beginnt der direkte Anstieg, zunächst auf einem sehr engen Pfad mit sehr viel Vegetation. Da es in der Nacht geregnet hatte, waren die Pflanzen sehr nass und langsam stieg die Feuchtigkeit empor. Es war unfassbar schwül und feucht, doch was mir zur Last wurde, erfreute andere, wie zum Beispiel die Alpensalamander, die ich auf dem Weg sah.

Alpensalamander
Ein Alpensalamander auf dem Weg von der Jamtalhütte zur Getschnerscharte

Nach etwa der Hälfte der Höhenmeter ging die Vegetation zurück. War es zuvor nass und schwül, war es jetzt windig und kalt. Weiter ging es nach oben und dann fing es kurz vor der Scharte auh noch kräftig zu regnen an. Allerdings nur für wenige Minuten, denn dann war der Regen vorbei und ich stand im Nebel auf der Getschnerscharte.

Getschnerscharte
Nebel auf der Getschnerscharte

Der Nebel irritierte mich etwas, denn im vergiffenen Alpenvereinsführer zur Silvretta steht geschrieben, dass man den Weg durch das Bieltal im Nordwesten nach dem Abstieg von der Getschnerscharte nur bei gute Sicht machen sollte. Doch zunächst galt es im Nordwesten der Scharte abzusteigen und das war leichter als gedacht, denn statt der Reste eines Gletschers und einem großen Firnfeld gab es fast ausschließlich Fels. Die Klimaerwärmung hatte ganze arbeit geleistet und wo früher mal noch etwas Eis und Schnee lag, war nichts mehr zu sehen. Wenige Schritte machte ich auf Schneeresten, aber ansonsten konnte ich ohne Kontakt zu Eis und Schnee in Richtung Bieltal absteigen, wo sich dann der Nebel lichtete.

Bieltal
Nach dem Abstieg von der Getschnerscharte ins Bieltal lichtete sich glücklicherweise der Nebel.

Zunächst war die Wegfindung kein Problem, doch irgendwann galt es ins hintere Bieltal nach Süden abzubiegen und die Sache wurde kompliziert. An mehreren Stellen wurde auf den Weg nach Süden verwiesen, aber nach zwei oder drei Steinmännern konnte ich keine Markierung mehr finden. Die Sicht war aber wieder gut und entsprechend ging ich dann querfeldein, meinem Instinkt und der Karte folgend. Meine einzige Sorge war es, dass ich die Brücke zur Querung des Bieltalbachs nicht finden würde, aber da das Wetter stabil angekündigt war, probierte ich mich einfach darin aus, völlig frei durch das Gelände zu gehen.

Bieltal
Im südlichen Bieltal. Leicht geschwungene Landschaft, nur zum Bieltalbach hin mit einer abstürzenden Geländekante.
Bieltal
Im Bieltal dürfen Kühe sich frei bewegen und man sollte aufpassen, wo man hintritt…

Irgendwann entdeckte ich dann auch wieder Markierungen und konnte problemlos den Bieltalbach über die dafür vorgesehene Brücke queren. Im Anschluss ging es in Serpentinen hinauf zum Radsattel, von wo aus ich erstmals Piz Buin und Silvrettaspitze sehen konnte.

Piz Buin
Vom Radsattel aus bekommt man ein herrliches Bild auf den kleinen und großen Piz Buin (Bildmitte), sowie das Silvrettahorn (in den Wolken rechts davon). In der Mitte der Ochsentaler Gletscher, der leider auch immer kleiner wird.
Piz Buin
Der Ochsentaler Gletscher. Im Vordergrund der Weg zur Wiesbadener Hütte, welceh nicht sichtbar hinter der Geländekante liegt.

An der Wiesbadener Hütte angekommen legte ich erst einmal die Beine hoch und wartete auf der Sonnenterasse auf meine Seilschaftspartner, welche von der Bieler Höhe aus zur Wiesbadener Hütte aufstiegen.

Einige Infos zur Tour:

  • Kartenmaterial findet man digital bei https://map.geo.admin.ch (auch für den österreichischen Teil in 1:25 000) oder aber auf Papier in der AV Karte 26 (1:25 000).
  • Alle Hütten sind im Internet zu finden: Heidelberger Hütte, Jamtalhütte und Wiesbadener Hütte. Informationen zur Heidelberger Hütte gab es schon im letzten Beitrag, zur Jamtalhütte kann ich noch beitragen: Warme Duschen für 2 EUR/3 Minuten, perfekter Mobilfunkempfang und sehr launige Hüttenwirtin. Bei der Wiesbadener Hütte gibt es keinerlei Empfang, eineinhalb Minuten warmes Wasser zum Duschen für ein Euro und ein sympathisches Team. Der weltbeste Kaiserschmarrn kommt aus der Küche der Wiesbadener Hütte und steht im Übrigen was die Größe angeht den umliegenden 3000ern in nichts nach.
  • Beim Übergang von der Heidelberger Hütte zur Jamtalhütte sind lediglich die letzten zehn Meter des Grenzeckkopf in leichter Kletterei (I. Grad UIAA), ebenso kurze Passagen beim Abstieg zum Futschölpass. Natürlich kann man auch direkt vom Kronenjoch zur Jamtalhütte absteigen, aber das macht sicherlich weniger Spaß. Alles in allem dauert die Tour bei wirklichgemütlichem Steigen etwa 5 Stunden.
  • Wer über die Getschnerscharte will, muss auf der Jamtalseite an wenigen Stellen vor der Scharte etwas kraxeln, ansonsten alles gut machbar – zunächst als Wanderpfad, später als Steig durch den Fels, stellenweise hat es auch mal ein Drahtseil zur Versicherung. Auf der zum Bieltal gelegenen Seite der Scharte wartet im Sommer je nach Zeitpunkt kaum bis kein Schnee oder Firn mehr. Alles in allem auch für diese Tour bei normaler Geschwindigkeit etwa 5 Stunden.

In diesem Sinne

Martin

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