Schesaplana – über Leibersteig und Mannheimer Hütte

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Wie sehr die Bedingungen den Charakter einer Tour prägen können, konnten wir Mitte Juli bei unserer Tour zur Schesaplana feststellen. Unser Plan sah die Anreise nach Brand in Vorarlberg vor, von wo aus wir über die Oberzalimhütte und den Leibersteig zur Mannheimer Hütte aufsteigen wollten, um am nächsten Tag über den Brandner Gletscher zur Schesaplana zu gelangen. Der Abstieg war über die Totalp- und Douglasshütte zurück nach Brand geplant.

Aufstieg zur Mannheimer Hütte – Leibersteig oder doch Straußsteig?

Der Wetterbericht war uns wohlgesonnen: Nach fast einer Woche mit Neuschnee in den Höhenlagen des Rätikons hatten wir zwei Tage mit perfekter Prognose und stiegen zur Oberzalimhütte auf. Der Weg dorthin ist ein einfach zu gehender geschotterter Weg und die Orientierung fällt leicht, denn alles ist bestens ausgeschildert. Unterwegs findet man zahlreiche tolle Pflanzen der alpinen Flora (insbesondere Türkenbund und Knabenkraut) und der Blick zurück eröffnete uns ein grandioses Panorama.

Schesaplana
Der Blick zurück von der Oberzalimhütte ins Tal nach Brand.

Kurz hinter der Oberzalimhütte stand der interessanteste Teil des Zustiegs zur Mannheimer Hütte an: Der Leibersteig. Interessant vor allen Dingen deshalb, weil er dank des Neuschnees im oberen Bereich und ab der zweiten Hälfte schneebedeckt war.

Der Leibersteig verbindet die Oberzalimhütte mit der Mannheimer Hütte - und war in unserem Fall sehr gut von Neuschnee bedeckt.
Der Leibersteig verbindet die Oberzalimhütte mit der Mannheimer Hütte – und war in unserem Fall sehr gut vom Neuschnee bedeckt. Der Steig führt durch die Flanke im Bild.

Anfangs hatte ich mich über den Neuschnee im Vorfeld gefreut, denn er stellte sicher, dass wir den Brandner Gletscher ohne Steigeisen queren können würden – aber vor dem eingeschneiten Leibersteig stehend wäre mir etwas weniger Schnee lieber gewesen, denn ich konnte den Steig im oberen Bereich nicht ansatzweise erkennen. An der Abzweigung zum Alternativen Zustieg, dem Weg über die Spusagangscharte, den Straußsteig und über den Panüler, beobachteten wir vor uns eine größere Gruppe am Eintieg zum Leibersteig und wir entschieden uns, den alternativen Weg über den Straußsteig versuchen zu wollen. Die nächste größere Gruppe näherte sich und wir machten uns auf den Weg in Richtung Spusagangscharte.

An der Scharte angekommen stellten wir fest, dass der Weg über den Straußsteig nicht besser aussah. Da er über den Panüler führte, war er noch weiter als der Leibersteig und wir entschieden uns rasch, unser Glück lieber am Leibersteig zu versuchen – in der Erwartung, dass die größere Gruppe die vor uns eingestiegen war uns begenen würde, falls der Leibersteig nicht machbar wäre.

Spusagangscharte
Die Spusagangscharte – links in den Wolken die Flanke zum Panüler.
Spusagangscharte
Abstieg von der Spusagangscharte zurück in Richtung Oberzalimhütte.

Ingesamt kostete uns der Ausflug zur Spusagangscharte etwa 1, 5 Stunden und brachte uns rund 250 Bonushöhenmeter. Als wir am Einstieg zum Leibersteig standen konnten wir die größere Gruppe im oberen Schneefeld erkennen und wir entschlossen uns dazu, einzusteigen.

Der Anfang war einfach, denn dort lag noch kein Schnee, aber nach etwa der Hälfte betraten wir den Neuschnee. Zunächst mussten wir etwas aufpassen, denn die Schneeauflage war nur dünn, aber jedem Meter den wir nach oben stiegen wurde die Schneeauflage dicker und wir konnten durch den weichen und nassen Schnee aufsteigen.

Leibersteig
Im oberen Bereich des Leibersteigs hatten wir eine dicke und nasse Neuschneeauflage. Immerhin war duch die größere Gruppe vor uns gut gespurt.

Das Steigen machte zunehmend Spaß und rund 100 Höhenmeter unter dem Ausstieg des Steigs schlossen wir zur größeren Gruppe vor uns auf, die insgesamt ziemlich schlecht durch den oberen verschneiten Teil gekommen war. Unser Dank an dieser Stelle für die Spurarbeit, denn diese machte die Wegfindung für uns sehr einfach – von den Markierungen und Stahlseilen war im oberen Teil nämlich fast nichts zu sehen gewesen. Insgesamt dauerte unser Aufstieg ab Brand trotz Schnee 5 h, dazu kamen noch etwa 1,5 Stunden für unseren Ausflug zur Spusagangscharte.

Auf der Mannheimer Hütte angekommen stellten wir rasch fest, dass einiges los war. Das Radler zur Belohnung für das Stapfen durch den Schnee schmeckte besonders gut und wir wurden mit phänomenalen Blicken über die um uns liegende Bergwelt belohnt.

Schesaplana
Der Mond ist aufgegangen – und steht über der Schesaplana, die man von der Mannheimer Hütte aus gut sehen kann.
Schesaplana
Es war einiges los in der Mannheimer Hütte, doch trotz großem Durst der Gäste blieb es später im Matratzenlager recht ruhig.
Schesaplana
Auf der Westseite der Hütte lag noch viel vom Schnee der vergangenen Tage auf der Terasse.
Schesaplana
Sonnenuntergang von der Mannheimer Hütte aus.
Schesaplana
Kurz vor dem Untergang der Sonne strahlt die Schesaplana. Am rechten Bildrand der Bradner Gletscher, den wir am nächsten Tag querten.
Von der Mannheimer Hütte zur Schesaplana

Am zweiten Tag hatten wir Glück und konnten uns in die lange Schlange beim Frühstück weit vorne einreihen. Wir verließen entsprechend früh die Mannheimer Hütte (nach unserem Frühstück standen immer noch Menschen in der Schlange) und waren zunächst von einer Dreierseilschaft ein gutes Stück vor uns abgesehen allein auf dem Brandner Gletscher in Richtung Schesaplana unterwegs.

Schesaplana
Aufbruch am zweiten Tag Richtung Schesaplana.
Schesaplana
Nach Nordosten konnten wir sowohl unter die Wolken blicken als auch darüber. Phänomenal.
Schesaplana
Morgendlicher Blick auf unser Gipfelziel. Immer wieder zogen Wolken über den Gipfelbereich, doch wir hatten Glück und immer wieder gute Aussicht.

Über den Brandner Gletscher ging es nur etwa einen Kilometer lang und schon erreichten wir problemlos den Rücken der Schafsköpfe. Dank griffiger Schneeauflage machte das Queren Spaß und rasch näherten wir uns dem Schesaplanasattel.

asd
Einer der Gründe, warum die Tour so beliebt ist: Sie ist leicht und bietet bei guter Sicht einen tollen Ausblick.
Schesaplana
In Richtung Schesaplanasattel, eine Spur war schon vorhanden, der Schnee griffig und es passte einfach alle.s

Vom Sattel aus erreicht man den Gipfel der Schesaplana in etwas mehr als 250 Höhenmetern. Wir konnten auch hier der Spur folgen und unmittelbar mit Erreichen des Gipfels zogen auch die letzten Wolken weg und wir hatten klare Sicht.

Schesaplana
Mit mäßiger Steigung ging es vom Schesaplanasattel auf in Richtung Gipfel.
Schesaplana
Am Sattel standen wir noch in den Wolken, aber es klarte rechtzeitig auf.
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Hinter uns die Wolken, die kurz vorher noch den Gipfelbereich verdeckten. Am linken Bildrand der Schesaplanasattel.
Schesaplana
Erreicht, das Gipfelkreuz der Schesaplana. Wir hatten Glück und den Gipfel zunächst für uns, aber es kamen rasch die nächsten. An einem guten Tag finden sich sicherlich mehr als hundert Gipfelbesucher auf der Schesaplana wieder.
Schesaplana
Rechts neben uns der von uns gewählte Abstieg Richtung Totalphütte, erneut durch ein Schneefeld. Normalerweise kann man den Gipfel ohne Schneeberührung machen.

Nach einer großzügigen Pause starteten wir den Abstieg zur Totalphütte, von wo aus wir nach einer kleinen Stärkung weiter in Richtung Douglasshütte abstiegen. Über den Bösen Tritt ging es hinab zur Talstation der Lünersee Bergbahn und dort trafen wir dann auf ein Pärchen, welches wir am Abend zuvor auf der Mannheimer Hütte kennengelernt hatten, denn es saß bei uns am Tisch. Diese nahmen uns im VW Bus zurück nach Brand, was uns einen langweiligen Hatscher am Ende unserer Tour ersparte.

Alles in allem war die Tour mehr als gelungen, was vor allen Dingen auch am Neuschnee lag. Klar, dieser machte den Leibersteig deutlich schwerer als üblich, daber dafür wurde aus der Wandertour, welche die Gipfelbesteigung der Schesaplana normalerweise ist, fast schon so etwas wie eine kleine Hochtour. Zumindest bei mir kamen beim Stapfen im Schnee Hochtourengefühle auf.

Einige Infos zur Tour

  • Eine kurze Beschreibung und gute Übersicht zur Tour findet sich bei Outdooractive.
  • Digitales Kartenmaterial findet man bei https://map.geo.admin.ch – ohnehin die beste Seite, wenn es um Karten und Tourenplanung geht. Leider nur mit Kartenmaterial für die Schweiz, aber die Schesaplana liegt an der Grenze und man kann alles ab Brand drucken und laminieren.
  • Wer auf Papier steht, nimmt die Schweizer Landeskarte 1156 im Maßstab 1:25 000 mit.
  • Der Brandner Gletscher gilt als spaltenfrei, die Gletscherausrüstung wird von praktisch allen Gipfelaspiranten zu Hause gelassen. Die Entscheidung muss jedoch jeder selbst treffen.
  • Je nach Ausaperung kann es dennoch notwendig werden, Steigeisen einzupacken. Hier einfach kurz vor dem Tourenstart beim Wirt der Mannheimer Hütte  anrufen.
  • Die Mannheimer Hütte bietet sich als Stützpunkt an. Würde ja gerne etwas zum Leibersteig schreiben, aber dafür habe ich zu wenig von ihm gesehen, denn er war in der zweiten Hälfte schneebedeckt. Für die erste Hälfte braucht sollte man schwindelfrei und trittfest sein, aber man brauch noch keine Hände zum Vorankommen.
  • Die Schesaplana und die Mannheimer Hütte von oben – bei sommerlichen Bedingungen

In diesem Sinne

Martin

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