Klettern in der Pfalz und im Odenwald

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Die Wettervorhersage meinte es gut mit uns: Für das ab dem Vatertag beginnende verlängerte Wochenende waren warme Temperaturen ohne Niederschläge angekündigt und dieses perfekte Kletterwetter nutzten wir, um in der Pfalz zu klettern. Irgendwie hatte ich es seit meinem Umzug nach Heidelberg vor etwa zwei Jahren noch nicht so richtig in die Pfalz geschafft – zu viel gab es in der unmittelbaren Nähe Heidelbergs zu unternehmen. Immerhin war ich vor einem Jahr schon einmal im Steinbruch in Gimmeldingen, aber mit dem was man unter Klettern in der Pfalz eigentlich versteht hat Gimmeldingen nicht viel gemeinsam: In der Pfalz klettert man an schlecht oder gar nicht gesichertem natürlichen Sandstein, der meist in Form kleiner Türme daherkommen, wohingegen man in Gimmeldingen in einem sehr gut abgesicherten Steinbruch klettert. Dazu kommt, dass die wenigen festen Sicherungspunkte in der Pfalz nicht Haken, sondern Ringe sind.

Da die Saison allerdings noch nicht allzu alt war und sowohl bei mir, als erschreckenderweise auch beim Großteil meiner Kletterpartner das Alter mittlerweile an diversen Knochen und Bändern genagt hat, entschieden wir uns dazu in Gimmeldingen gemütlich und gut gesichert zu starten, bevor wir in den darauffolgenden Tagen in die eigentliche Pfalz aufbrachen.

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Auch in diesem Jahr ein Traum und ein absolutes Highlight: Fissura Calzonata (6+), die wohl auffälligste Linie in Gimmeldingen.
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Zwischen Faust- und beinahe Körperriss bietet die Fissura Calzonata alles, was was Herz begehrt.

Der Andrang war bei bestem Wetter am Vatertag erwartungsgemäß groß, aber wie in wahrscheinlich den meisten Gebieten nahm der Ansturm mit dem Schwierigkeitsgrad ab und in den meisten Routen ab dem 6. Grad war es problemlos möglich ohne Wartezeiten zu klettern.

Am frühen Abend verließen wir Gimmeldingen und machten uns auf zum Bärenbrunner Hof. Über den Bärenbrunner Hof hatte ich gehört, dass er das pfälzer Pendant zum Campingplatz Eichler im Frankenjura sein soll. Meine Erwartungen waren hoch, denn auch wenn ich es seit meinem Wegzug aus Würzburg nicht mehr so oft zu Martha Eichler schaffe – ein großer Fan des fränkischen Kultcampingplatzes für Kletterer bin ich auf jeden Fall (siehe auch hier).

In der Pfalz wurde ich allerdings etwas enttäsucht: Zwar gibt es im Gegensatz zu Franken einen Hof, der in seinem Lokal hervorragende pfälzer Spezialitäten serviert, aber der Campingplatz besteht aus einer leicht abschüssigen und unebenen Wiese am Waldrand, sowie einem Plumpsklo. Waschgelegenheiten, Dusche oder ähnliches sind Fehlanzeige. Einzig im Innehof des etwa 300 m entfernt liegenden Hofs findet man einen Brunnen, an dem man Trinkwasser pumpen kann. Immerhin, der Anteil an Kletterern auf dem Campingplatz war wie in Franken bei nahezu 100 %.

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Der Bärenbrunner Hof: Gutes Essen, aber der etwa 300 m entfernte Zeltplatz ist nicht mehr als ein Platz mit Zelten.

Den ersten Tag starteten wir am Sternfelsen, der vom Bärenbrunner Hof etwa 10 Minuten zu Fuß entfernt ist.

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Typisch Pfalz: Ein Turm, der sich über die Bäume hinweg erhebt und aus herrlich griffigem roten Buntsandstein besteht – der Sternfelsen.
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Der Sternfelsen und im Hintergrund der Ausblick auf die Hügel des Pfälzer Waldes. Die Pfalz punktet mit einem herrlichen Panorama, das man von den vielen Türmchen hat.
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In der ersten Seillänge des Theoweg (4+). Die Route hat zu Recht drei Sterne im Führer bekommen. Selbst die zweite Seillänge, die aus einem kurzen und klettertechnisch wenig herausforderndem Quergang besteht, überrascht, denn das ganze Panorama über den Pfälzer Wald eröffnet sich vor einem, wenn man zum zweiten Stand gelangt.
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Typisch Pfalz: Spärliche Absicherung. Hier ein Keil und ein Friend in der ersten Seillänge des Theoweg. Wer in der Pfalz klettert, sollte ein gutes Sortiment an Keilen und Klemmgeräten besitzen, vor allen Dingen auch in den mittleren und großen Größen. Außerdem sollte man immer ein paar Schlingen parat halten, um ein durch die Seilführung bedingtes Verrutschen der selbstgelegten Sicherungen zu verhindern.
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Geschafft – am ersten Stand! Am unteren Bildrand (und auf obigem Bild noch besser zu erkennen) übrigens für den Sandstein typische Waben im Fels.
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Viele der Türmchen haben Seillängen über 30 m oder auch Mehrseillängentouren. Ein 70 m Seil oder auch Halbseile sind immer wieder praktisch.

Das Klettern in der Pfalz ist durch die meist komplett selbst anzubringende mobile Sicherung gefühlt deutlich intensiver – zumindest uns erging es durch die Bank so. Aber es macht eine unheimliche Freude und das Gesamterlebnis ist einfach phänomenal, wenn man über den Bäumen richtig viel Luft unter dem Hintern spürt! Der Vorteil liegt auch darin, dass an den Felsen – so zumindest mein Eindruck – etwas weniger los ist, als wenn üppige Absicherungen vorhanden wären. Im Frankenjura wäre ein solches Prachtexemplar von Felsturm mit zahlreichen auch einfachen Routen quasi dauerhaft von Topropes gesäumt, gerade weil in unmittelbarer Nähe zu einem Zeltplatz. Doch in der Pfalz hatten wir unsere Ruhe, nur ab und an verirrten sich weitere Seilschaften zu uns.

Am nächsten Tag kletterten wir noch am Büttelfels. Dort war schon mehr los, weil es insgesamt viel mehr (leichte) Routen gab und ein Veranstalter von Outdoor- und Erlebnisaktivitäten einmal mehr demonstrierte, wie wenig beim Klettern trotz großer Fehler eigentlich im Schnitt passiert: Etwa eine halbe Stunde lang wurde den Klettereinsteigern das Sichern mit HMS erklärt und im Anschluss wurde für den Rest des Tages in den fest okkupierten Topropes fleißig alles falsch gemacht, was man so falsch machen kann: Die Teilnehmer sicherten mit deutlich zu großem Abstand zur Wand, zu großem Gewichtsunterschied und gerne auch mit Pinzettengriff. Meist wurde die Bremshand direkt neben dem HMS platziert, so dass im Falle eines Sturzes die Finger mit Sicherheit eingeklemmt worden wären. Außerdem wurden wir Zeuge, wie ein Familienvater sein etwa drei- bis vierjähriges Kind im Nachstieg auf den Grat des Büttelfelsen zog. Unter Tränen kam es oben an und wurde sodann vom Vater getröstet, der das Kind ungesichert unmittelbar am Abgrund auf seinen Armen schaukelte.

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Der Büttelfels – ein großes Routenangebot, aber auch viele Kletterer am Fels.
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Im Führer mit drei Sternen bewertet: Südwand zum Ostgrat (5+). Wie im Führer erwähnt eine tolle Tour, um das Legen mobiler Sicherungen zu üben.
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Ausstieg der Südwand zum Ostgrat. Die Pfälzer Kletterer haben eine strenge Ethik, doch an der Route kann man erkennen, dass sie es nicht immer so genau nahmen: Im Einstieg finden sich Spuren von Stufen, die in den weichen Sandstein geschlagen wurden.

Wie durch ein Wunder kam niemand am Fels zu Schaden. Sehr zu empfehlen ist übrigens die Kleine Südwand (5-), die man unbedingt zum höchsten Punkt hin verlängern sollte. Nicht schwer, aber fantastisch luftig und mit tollen Ausblick!

Den letzten Tag verbrachten wir aus Rückreisegründen übrigens nicht mehr in der Pfalz, sondern im Odenwald – am Hohenstein bei Reichenbach, um genau zu sein. Über die Kletterei dort hatte ich schon einmal berichtet und wie von mir erwartet war dort im Gegensatz zu den Gebieten rund um Heidelberg quasi nichts los. Man bekommt leichte Kletterei, die weitgehend selbst abzusichern ist, aber dafür hat man nicht das Gedränge und dank der Bäume auch nicht die große Hitze, wie zum Beispiel in Schriesheim. Ein guter Abschluss!

An dieser Stelle ein paar Tipps für das Klettern in der Pfalz:

  • Wer es puristisch mag kann für 3 EUR/Nacht auf dem Zeltplatz des Bärenbrunner Hofs übernachten. Einfach das Zelt aufschlagen (VW Busse, Wohnmobile, etc. sind nicht erlaubt!) und am nächsten morgen werden um etwa 8:30 Uhr 3 EUR pro Person und Nacht eingesammelt. Trinkwasser kann im Innenhof des 300 m entfernten Bärenbrunner Hofs gepumpt werden, gebrauchtes Wasser kann im spartanischen Plumpsklo zurückgegeben werden. Für 11,90 EUR gibt im Hof selbst ein üppiges Frühstücksbuffet (Achtung – muss man später alles beim Klettern die Wand hoch schleppen) und ein Hofladen, sowie ein erstaunlich gut sortierter Outdoorladen sind ebenfalls vor Ort. Achja: Das Essen wird immer frisch zubereitet – Wartezeiten von einer Stunde sollte man einkalkulieren und sind die Regel!
  • Wir hatten den Topoführer Pfalz von Panico im Gepäck. Nicht ganz alle Felsen haben Topos, aber der Führer deckt alles ab, was man in den schier endlosen Wäldern zwischen Landau, Pirmasens und der französischen Grenze finden kann. Der dicke Wälzer kostet beinahe 40 EUR. Für Gimmeldingen habe ich an dieser Stelle bereits die verfügbaren Topoführer erwähnt, für den Hohenstein hier.
  • Grundsätzlich gilt für die Pfalz: Alles einpacken, was man hat. Insbesondere ein gutes Sortiment an Keilen und Klemmgeräten, denn im Regelfall sind alle Sicherungen selbst zu setzen. Der gefühlte Großteil der Kletterei spielt sich im 6. und 7. Grad ab, wobei sich in den Routen ab dem 7. Grad meist mehr Sicherungen finden und ganz kritischen Punkte entschärft sind. Allerdings ist auch dann noch eine gute Moral nötig, denn die Abstände sind öfters recht weit. Halbseile sind übrigens auch öfters recht praktisch, denn dann kann man bequem und ohne großes Überlegen auch von den vielen Türmchen abseilen, die höher als 30 m sind. Kleiner Tipp am Rande: Man sollte sich nicht nur viel Metall an die Hüfte hängen, man sollte auch damit umgehen können. Dazu zählt definitiv auch Ordnung am Gurt, denn wenn man eine mobile Sicherung legen möchte sollte man nicht erst eine Materialschlaufe nach der anderen absuchen müssen, um den Keil der Wahl zu fiinden.
  • Informationen zu Sperrungen und zur in der Pfalz hochgehaltenen Kletterethik findet man bei der Vereinigung der Pfäler Kletterer.

In diesem Sinne

Martin

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