Es ist schon ein bisschen her, aber um den Winter in diesem Jahr etwas zu verkürzen ging es zwei Wochen vor Ostern nach Teneriffa. Die Idee war es, eine ausgewogene Balance zwischen Entspannung und Urlaub auf der einen Seite, aber auch etwas Natur- und Outdoorerlebnis auf der anderen Seite zu finden. Nach der mittlerweile doch schon etwas zurückliegenden Rückreise kann ich sagen, dass uns das vorzüglich gelungen ist – und möchte an dieser Stelle ein paar Eindrücke von einer Insel teilen, die ich mir abwechslungsreicher nicht vorstellen könnte!

Der erste Teil unserer Reise führte uns in den Nordwesten Teneriffas, nach El Guincho. Nach der Ankunft im Süden merkten wie schnell, wir abwechslungsreich die Insel allein in Puncto Vegetaion ist: Im Süden findet sich ein karges, wüstenhaftes Bild mit vielen Steinen und wenig Grün – im Norden das komplette Gegenteil mit üppiger Vegetation. So waren wir im äußerst kleinen und ländlichen Hotel El Patio mitten in einer Bananenplantage auch sehr gut und in sattem Grün eingebettet untergebracht. Die Plantage liegt auch direkt am Meer und leicht versteckt findet sich eine romantische Bucht für tolle Sonnenuntergänge.

Blick auf Garachicho, unweit des Hotel El Patios.
Blick auf Garachicho, unweit des Hotel El Patios.
Garachico
Die Sonne geht glühend unter und La Palma ist am Horizont zu erkennen.
Im Hintergrund La Palma.
La Palma in der untergehenden Sonne. Die kleine Bucht bei El Guincho lädt zu einem romatischen Picknick ein. Wer möchte (und kann!) findet an den Felsen der Bucht Lapas – kleine wie Muscheln aussehende Napfschnecken, die wie Austern roh, oder aber mit Kräutern gegart gegessen werden können.
Blick auf Garachico und den Roque de Garachico
Die Sonne geht unter – rechts im Meer der Roque der Garachico.

Um den Urlaub etwas aktiv zu gestalten hatten wir ein paar kleine Tageswanderungen eingeplant und die erste führte uns zur wohl berühmtesten Schlucht Teneriffas, der Mascaschlucht. Diese führt von etwa 650 – 700 m über dem Meer hinab bis auf Meereshöhe und in der Regel wird diese nur in einer Richtung begangen, nämlich bergabwärts. Am Ende lässt sich die große Masse je nach Geldbeutel mit einer Kombination aus Schiff und Bus oder Schiff und Taxi zurück zum Ausgangspunkt bringen.

Tief eingeschnitten zieht sich die Mascaschlucht durch zahlreiche Windungen hinab bis ans Meer. Wild und eindrucksvoll, leider muss man aber mit etwas Verkehr rechnen.
Tief eingeschnitten zieht sich die Mascaschlucht durch zahlreiche Windungen hinab bis ans Meer. Wild und eindrucksvoll, leider muss man aber mit etwas Verkehr rechnen.

Der Zufall wollte es, dass wir recht spät zur Wanderung starteten und dies war auch ganz gut so, denn damit trafen wir nur im letzten Drittel auf größere Gruppen, die sich in teilweise erstaunlich schlechtem Zustand das Tal nach unten Richtung Meer quälten (was wir dort teilweise sahen kann man leider wirklich nicht anders nennen). Jedem der die Tour gehen möchte sei es angeraten, recht spät am Tag zu starten, denn dann hat man das Tal weitgehend für sich. So war es auch auf unserem Rückweg, denn wir fuhren natürlich nicht mit dem Schiff zurück, sondern wanderten auch wieder bergauf. Dabei hatten wir die Schlucht dann komplett für uns alleine und das war natürlich dann ein sehr schönes Erlebnis. Im Übrigen sollte man als geübter Alpinist die Angaben in Reiseführern nicht mit Angaben in Tourenführern vergleichen: Laut Reiseführer dauert die Wanderung vom Ausgangspunkt zum Meer etwa 3,5 – 4 Stunden – wir hatten eine reine Gehzeit von 4,25 Stunden. Allerdings für Hin- und Rückweg zusammen.

Ausgewaschenes Gestein am Fuß der Mascaschlucht.
Ausgewaschenes Gestein am Fuß der Mascaschlucht.
Felshühner in der Mascaschlucht.
Felshühner in der Mascaschlucht.

Auch wenn es ruhigere Touren auf den Kanaren gibt, lohnend ist die Wanderung allemal, denn Vegetation und Gestein sind wirklich abwechslungsreich unter hinte jeder Kurve gibt es etwas Neues zu entdecken.

Im ersten Teil unserer Reise stand zu Beginn auch direkt eine Besteigung des Teide an, der mit 3718 m als höchster Berg Spaniens gilt. Technisch ist die Besteigung nicht sonderlich schwer, denn man kann den Berg erwandern. Administrativ kann es jedoch eine kleine Herausforderung werden, denn man braucht eine Genehmigung, um auf den Berg zu steigen. Bis auf etwa 3550 m kann man bequem mit der Seilbahn fahren (oder eben auch zu Fuß aufsteigen), aber für die restlichen Höhenmeter benötigt man eine Erlaubnis. Zwischen 9 und 17 Uhr gibt es Zeitfenster von jeweils zwei Stunden, für die der Gipfelbereich bestiegen werden darf. Auch wir hatten eine Genehmigung dabei, doch vom genauen Ablauf kann ich nicht berichten, denn letztlich kam alles ganz anders.

Bei unserer Fahrt in den Nationalpark zum Parkplatz auf etwa 2300 mH fiel uns schon aus der Ferne auf, dass auf der Nordseite des Teide noch einiges an Schnee lag. In den beiden Tagen zuvor verdeckten Wolken die Sicht, aber nun war gut zu erkennen, dass wir auf jeden Fall Kontakt mit Schnee haben würden.

Schne auf der Nordseite des Teide.
Schne auf der Nordseite des Teide.

Ab etwa 1700 – 1800 m Höhe lagen auf der Nordseite immer wieder am Straßenrand vereinzelt kleine Schneereste, die zunehmend größer und mehr wurden. Insgesamt war das Bild schon sehr kontrastreich: Vom Himmel brannte die Sonne, aber am Boden lag noch Schnee. Dazu stellten wir auf der Hochebene des Nationalparks fest, dass auf der Südseite deutlich weniger Schnee lag.

asd
Die nördlichen Flanken des Teide waren gut in Schnee eingepackt…
asd
… wohingegen auf der ebenen Hochfläche im Süden keine Spur von Schnee zu sehen war.

Anfangs gab es noch einen gut erkennbaren Wanderweg, aber die ersten Schneefelder streckten sich schon über den Weg, bis es etwa hundert Meter nach dem Start nur noch im Schnee weiter ging.

Zu Beginn gab es noch einen Weg, aber das änderte sich rasch
Zu Beginn gab es noch einen Weg, aber das änderte sich rasch.
Die übliche Routine beim Beginn einer Tour in den Bergen: Höhenmesser kalibrieren und Uhr starten.
Die übliche Routine beim Beginn einer Tour in den Bergen: Höhenmesser kalibrieren und Uhr starten.
AS
Blick zum astronomischen Observatorium Teneriffas.
Zu Beginn der Wanderung, Blick nach Norden auf das offene Meer.
Zu Beginn der Wanderung, Blick nach Norden auf das offene Meer. Am linken Bildrand noch zu erkennen: Der geschotterte Wanderweg.
Gut zu erkennen, dass auf der nördlichen Hochfläche – im Gegensatz zum südlichen Pendant – noch einiges an Schnee lag.
Irgendwann
Von oben brutzelt die Sonne, von unten kühlt der Schnee, der daruch natürlich unheimlich sulzig wurde.

Durch die Sonne war der Schnee stark aufgeweicht und wir mussten schon sehr schmunzeln, als wir die Beschilderung sahen, die ausdrücklich davor warnte den Weg zu verlassen, denn es müsste noch vereinzelt mit Schnee oder Eis gerechnet werden…

asd
Leichter gesagt als getan. Immerhin hat der Teide insgesamt zwar durchaus steile Passagen, aber man muss sich nicht wirklich am (nicht erkennbaren) Weg orientieren, denn durch den sulzigen Schnee führte jeder Schritt nach oben.
asd
„You could find patches of ice and snow“. So so…

Ab der Montana Blanca (etwa 2750 m) führte eine Rinne mit konstanter Steigung hoch zum Refugio de Altavista. Am Teide ist alles reguliert und auch für die Hütte gelten strenge Regeln: Man kann sich frühzeitig dort einen Schlafplatz reservieren, der dann direkt auch zur Besteigung des Gipfels berechtigt. Allerdings darf man auf der Hütte nur eine einzige Nacht verbringen. Eigentlich hatten wir uns auf einen Kaffee auf der Hütte gefreut, aber zu unserer Überraschung war die Hütte geschlossen und weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Zwei Deutsche, die wir in der Rinne überholten, waren seit Stunden die einzigen Menschen, die wir auf dem Berg gesehen hatten. Zugegegeben, durch den sulzigen Schnee war das Steigen extrem anstrengend, aber ansonsten waren die Bedingungen hervorragend: Klare Sicht und stabiles Wetter – so ganz klar war uns nicht, warum niemand sonst am Berg war. Anstrengend, aber doch sehr lohnend! Ohne Kaffee ging es weiter in Richtung Gipfel, die letzten Höhenmeter flacher werdend, aber immer noch in sulzigem Schnee.

Über der Altavistahütte, die letzten Meter hinauf zum finalen Gipfelaufschwung.
Über der Altavistahütte, die letzten Meter hinauf zum finalen Gipfelaufschwung.
asd
Blick nach Westen, kurz oberhalb der Altavistahütte. Am Horizont zu erkennen die Nachbarinseln Gran Canaria und Fuerteventura.

Auf etwa 3560 m erreichten wir den Fuß des Gipfelaufschwungs und fanden uns westlich auf Höhe der Bergstation wieder. Irgendwie hatten wir damit gerechnet, dass ein Zaun den weiteren Weg versperrt und wir unsere Besteigungsgenehmigung hätten vorzeigen müssen – aber davon war nichts zu sehen. Für uns war aber der Moment gekommen unseren Plan noch einmal zu überdenken: Da wir keine große Lust auf einen Abstieg durch die sulzige Rinne hatten (immerhin waren wir ja im Urlaub!), liebäugelten wir damit, die Bahn zu nehmen – im Urlaub muss man ja nicht immer prinzipientreu sein und kann am Berg auch mal die Bahn nutzen. Dazu kam, dass meine Schuhe komplett durchnässt waren und ich meine Zehen weder spürte, noch beugen konnte. Zwei Jahre hatten Sie mir treue Dienste erwiesen, aber ihre Zeit war gekommen und da ich oft auch nicht zimperlich mit ihnen war, wunderte es mich nicht, dass nun nach zwei Jahren die Außerdienststellung kurz bevor stand.

Wir entschlossen uns dazu auf die letzten 160 Höhenmeter zu verzichten und nach einer ausgiebigen Pause gingen wir zur Bergstation, wo kurz nach unserer Ankunft auch schon die letzte Bahn ins Tal wartete. Am Ausgang der Bergstation zum Gipfel hin konnten wir eine Art Kontrollstelle erkennen, aber diese war nicht besetzt. Wir waren etwas irrtiert, denn auf unserem Weg hätte jeder ohne Kontrolle den Gipfel erreichen können.

Erst drei Tage später erfuhren wir auf La Gomera, warum alles ein wenig anders war: Der Teide war offiziell gesperrt gewesen. Daher war die Altavistahütte auch geschlossen und es fanden keinerlei Kontrollen statt. Entsprechend kann ich auch nicht darüber berichten, wie normalerweise das Procedere am Teide bezüglich der Kontrollen ist.

Nach etwa einer Viertelstunde fanden wir uns auf rund 2350 m Höhe wieder. Wer die letzte Bahn zur Talstation nehmen möchte, dem sei übrigens gesagt, dass diese „etwa  um 16:45 Uhr, ab und an auch früher“ fährt.

asd
Blick von der Talstation der Seilbahn zum Teide, aufgenommen bei unserem Rückweg. Kaum zu glauben, dass wir kurz zuvor teilweise bis zu den Knien im Schnee steckten.

Zurück am Auto fuhren wir die kurvige Straße zurück nach El Guincho und hatten dabei das große Glück, dass wir wirklich traumhaftes Wetter gehabt hatten: Ja, es war durch die Hitze extrem sulzig und daher sehr anstrengend zu steigen gewesen, aber dafür konnten wir jetzt auf dem Rückweg über ein Wolkenmeer blicken…

Wolkenmeer am Teide.
Wolkenmeer am Teide. Hier der Blick nach Nordwesten. Unbeschreiblich.

Teide Teide Teide TeideEintauchen in die Wolken. War es über den Wolken noch sonnig, so war es darunter grau. Aber genau hierin liegt der Grund, warum es auf Teneriffas Norden grün und nicht so wüstenhaft wie im Süden ist: Auf der Nordseite stauen sich am Teide spätnachmittags häufig auf einer Höhe von etwa 800 - 1400 m die Wolken und bringen Feuchtigkeit mit, die ein üppiges Wachstum der Vegetation erlaubt.

Eintauchen in die Wolken. War es über den Wolken noch sonnig, so war es darunter grau. Aber genau hierin liegt der Grund, warum es auf Teneriffas Norden grün und nicht so wüstenhaft wie im Süden ist: Auf der Nordseite stauen sich am Teide spätnachmittags häufig auf einer Höhe von etwa 800 – 1400 m die Wolken und bringen Feuchtigkeit mit, die ein üppiges Wachstum der Vegetation erlaubt.

Der erste Teil unseres Aufenthaltes auf Teneriffa ging mit diesem Tag schon zu Ende – am nächsten Tag stand ein entspannter Tag zum Relaxen an, bevor es im Anschluss zum Wandern nach La Gomera ging. Davon dann mehr im zweiten Teil.

Allen die ebenfalls gerne auf die Insel möchten, seien hier ein paar kurze Infos mitgegeben.

    • Teneriffa ist unfassbar abwechslungsreich und wenn man möchte kann man den Tourismusströmen gut aus dem Weg gehen.
    • Ein Mietwagen ist absolut empfehlenswert, da man sich sonst auf der Insel nur sehr eingeschränkt bewegen kann. Aufgrund der zwar perfekt asphaltierten aber teilweise extrem engen Straßen empfiehlt es sich ein möglichst kleines Auto zu mieten. Wer meint er müsse in einem überdimensionierten SUV über Straßen fahren, die allesamt in besserem Zustand als in Deutschland sind, wird dies schnell bereuen.
    • Der Norden ist grün, der Süden ist Wüste.
    • Das Hotel El Patio in El Guincho bietet für wenig Geld eine wunderbar ruhige Unterkunft, fernab von Touristenströmen. Nur zu empfehlen!
    • Wer frische Meeresfrüchte und frischen Meeresfisch mag, der ist auf den Kanaren gut aufgehoben. Die Casa Gaspar in Garachico ist kein Geheimtipp mehr (sehr zu empfehlen sind die kleinen gefüllten und ausgebackenen Tintenfische), im Gegensatz zu Manolo II im Süden bei Tajao, wo man sicherlich keinen Touristen treffen wird. Bestellt wird übrigens meist nicht auf der Karte, sondern man schaut in die Auslage an frisch gefangenem Fisch und sucht sich das aus, was einem gefällt, um es frisch zubereiten zulassen.
    • Um auf den Teide zu gelangen benötigt man eine Genehmigung, die es hier gibt. Über das genauere Procedere informiert man sich am besten unter diesem Link. Viele nützliche Infos finden sich auch hier bei klimbingkorns.de. Die dortige Tour (zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel) ist sicherlich sehr reizvoll, einzig wenn die Landschaft vom Schnee bedeckt  und der Weg nicht mehr zu erkennen ist, wird es spannend: Um den Teide sieht dann ohnehin alles gleich aus, so dass das in der Dunkelheit der richtige Weg sicherlich schwerer zu finden ist – und zumindest der Kompass meiner Suunto war durch den Vulkan sehr irritiert.
    • Welche Karte man zum Erwandern des Teide am besten mitnimmt kann ich nicht sagen – unsere  Wanderkarte für Teneriffa von Kompass im Maßstab 1:50 000 ist meines Erachtens nach jedoch keine gute Karte, denn es gibt einfach zu wenig Details. Die Karte eignet sich höchstens für das Navigieren im Auto.

In diesem Sinne

Martin

Ein Kommentar

  1. Hallo Martin,
    die Teide tagsüber zu besteigen hat definitiv seiner fotografische Vorteile und so darf ich deiner Schneebilder hier bewundern :-). Vielen Dank für die Erwähnung!

    LG aus den Süden,
    Chris

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.