Flucht vor dem Winter – Teil 2 – La Gomera

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Nach den ersten vier Tagen auf Teneriffa ging es mit der Fähre weiter auf La Gomera, der zweitkleinsten der sieben kanarischen Hauptinseln. Die Überfahrt erledigten wir mit der Expressfähre von Los Christianos aus und weil wir zu früh am Hafen waren, hatten wir das zweifelhafte Vergnügen unsere Zeit am dortigen Strand totzuschlagen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten – wir vom Flughafen abgesehen – auf der Insel keinerlei Kontakt zum Massentourismus, aber dort kann man den Wahnsinn in all seinen Ausprägungen sehen.

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Der Engländer-Grill: Der Hafen in Los Christianos – das beste was man dort machen kann, ist die Flucht nach La Gomera mit der Expressfähre antreten…

Nach nur 50 Minuten Überfahrt hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen und fanden uns in San Sebastián de la Gomera wieder, von wo aus wir uns zu unserer Unterkunft aufmachten. Zuvor hatten wir auf der Fähre immer wieder tolle Blicke zurück auf Teneriffa und den Teide.

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Blick vom offenen Meer auf Teneriffa und den Teide.
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Links der Hafen von San Sebastián der la Gomera, rechts im Hintergrund der Teide auf Teneriffa.

Unsere Unterkunft in den Casas del Chorro, unweit des Besucherzentrums des Nationalparks Garajonay, war ideal, weil günstig, sauber und gepflegt und dazu auch noch mit Versorgung durch den Gastgeber Lothar, der auch noch zahlreiche gute Tipps für Wanderungen, sowie einen Wanderführer hatte.

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Die Casas del Chorro als idealer Ausgangspunkt für einen Aufenthalt auf La Gomera.

Wir entschlossen uns noch direkt nach unserer Ankunft für eine kleine Wanderung/einen kleinen Spaziergang, denn direkt vor unserer Haustür begann das üppige Grün der Insel.

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Direkt vor der Haustür der Casas del Chorro kann man loswandern und die Insel erkunden.

Auf den ersten Blick ähneln sich La Gomera und Teneriffa, doch es gibt einige durchaus Unterschiede. Der wesentliche Unterschied ist die geringere Höhe der Insel, deren höchster Punkt, der Garajonay, sich lediglich 1487 m über das Meer hebt. Das hat zur Folge, dass es inmitten der Insel einen großen Nebelwald gibt, denn beinahe täglich stauen sich ab der Mittagszeit die Wolken auf der Hochfläche auf und bringen Feuchtigkeit mit. Dass es auch anders sein kann würden wir allerdings am dritten Tag auf La Gomera entdecken, denn dort wanderten wir durch ein ehemaliges Waldbrandgebiet.

Unsere erste Wanderung war die Ojila-Runde, die von La Zarcita nach La Laja und über El Bailadero wieder zurück führte. Rund 700 Höhenmeter überwindeten wir auf der rund 9 km langen Runde, die abwechslungsreicher nicht hätte sein können.

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Die Roques des Garajonay Nationalpark. Mehrere große Basalthügel strecken sich im Landesinneren über die Täler hinaus.
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Die großen Basaltformationen sind vulkanischen Ursprungs: Ursprünglich waren dies Schlote, in deren Zentrum es ins Erdinnere ging und aus denen heißes und verflüssigtes Gestein an die Oberfläche drang. Dieses erkaltet und war deutlich fester als das umliegende Gestein, das mit der Zeit erodierte. Einzig die harten Basaltschlote blieben erhalten.
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Eine faszienierende Landschaft und die Ojila-Runde bietet immer wieder tolle Ausblicke bei ständig wechselnder Flora und Geologie.
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Rechts im Bild zwei Felszacken aus Basalt. Früher verlief hier ein Riss, aus dem heißes Gestein an die Erdoberfläche drang. Nach dem Erkalten war dieses Gestein fester als das den Riss umgebende Gestein und mit der Zeit erodierte dieses – die harten Basaltzacken blieben aber erhalten.
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Imme wieder begegnet man Mauern aus Basalt. Hier drang früher durch einen Riss heißes Gestein an die Erdoberfläche. Der so ausgefüllte Riss war fester als die Umgebung, die mit den Jahren erodierte und eine freistehende Mauer zurücklies.

Am nächsten Tag folgte eine Rundwanderung vom Garajonay nach Chipude und zurück. Beide Wanderungen sind übrigens im Rother Wanderführer (siehe Infos am Ende der Seite) sehr gut beschrieben. Eigentlich wollten wir etwas durch den Nebelwald wandern, doch dann hatten wir uns in der Tour vertan und am Ende wanderten wir über weite Teile durch den ehemaligen Nebelwald: Nur vier Jahre zuvor sorgte ein großer Waldbrand für immensen Schaden und noch immer sind die verbrannten Bäume Zeuge dieser Katastrophe.

La Gomera
Panorama vom höchsten Punkt La Gomeras, dem Garajonay mit 1487 m.
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Unterhalb des Garajonay Richtung Chipude wanderten wir durch weite Gebiete, in denen der große Brand von 2012 wütete.
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Stille Zeugen der Waldbrandkatastrophe von 2012.
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Die Natur erobert sich die verbrannten Flächen langsam wieder zurück.
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Berührt man die Baumstümpfe, so hat man noch immer Kohlenstaub an den Fingern.
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Den Brand überlebt: Zedern am Wegesrand.
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Blick durch die verbrannten Bäume hinweg hinüber zum Teide auf Teneriffa.
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Der zentrale Kirchplatz von Chipude, eigentlich Ausgangspunkt der Wanderung, die wir am Höhepunkt, dem Garajonay, starteten.
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Afrikanischer Saharawind bläst zwischen den Inseln viel Sand durch die Luft und sorgt für schlechte Sicht.
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Die Landschaft ist karg und dennoch reizvoll – La Gomera bietet zwischen Nebelwald und abgebrannten Waldlächen eine Menge toller Landschaft!

Zum Abschluss unserer Wanderungen tranken wir übrigens stets einen Barraquito auf dem Mirador de Abrante. Sehr zu empfehlen und idealer Auklang eines Wandertages bei bestem Ausblick.

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Blick auf das Tal, an dessen Kopfende sich die Casas del Chorro befinden. Zum späten Nachmittag ziehen Wolken in das Tal und bringen mit ihrer Feuchtigkeit auch eine angenehme Kühle.
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Blick vom Mirador de Abrante in Richtung Teneriffa – aufgrund der Wolken allerdings nicht zu sehen.

Am vierten Tag ging es zurück nach Teneriffa. La Gomera war auf jeden Fall eine Reise wert und wer richtig gerne Wandern geht, dem sei die Insel wärmstens ans Herz gelegt: Ein dichtes Netz an gut beschilderten Wanderwegen überzieht die abwechslungsreiche Insel. Immer wieder hat man tolle Ausblicke – Geologie und Flora verändern sich hinter jeder Kurve.

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Frisch gepresster Orangensaft. Einfach mal die Beine baumeln lassen…
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Mit der Expressfähre ging es in nur 50 Minuten auch wiede zurück nach Teneriffa.

An dieser Stelle einige wenige Informationen zu La Gomera

  • Von Teneriffa aus fährt die norwegische Reederei Fred Olson mit einer Expressfähre ab Los Christianos nach San Sebastián de la Gomera. Wer rechtzeitig im Internet bucht, zahlt für Fahrt nach La Gomera und zurück inklusive Auto 150 EUR für zwei Personen. Die Überfahrt dauert 50 Minuten.
  • Idealer Rückzugs- und Ausgangsort sind die Casas del Chorro. Gepflegte und günstige Ferienwohnungen, auf Wunsch auch mit Frühstück und Abendessen, weit ab vom Trubel und mitten in der Natur. Wer mag kann direkt vor der Haustür mit Wandertouren beginnen.
  • Kompass bietet eine Wanderkarte im Maßstab 1:30 000 an – doch leider ist darin nur ein winziger Bruchteil des dichten Netzes an Wanderwegen auf La Gomera abgebildet und ich kann zwar keine Karte empfehlen, aber immerhin von dieser Karte abraten.
  • Als Wanderführer kann ich das empfehlen, was der Rother Bergverlag im Angebot hat. Zahlreiche (62) gute Touren sind dort beschrieben. Auch die oben erwähnten Touren sind dort beschrieben.
  • Es gibt mehrere Varianten, die in wenigen Tagen die komplette Insel überqueren. Für Wanderer ist die Insel ein Muss, wegen der guten Wege und vor allen Dingen der großen Abwechslung.
  • Wer nicht gerade die Insel zu Fuß durchqueren möchte, dem sei auch hier ein (möglichst kleines) Mietauto empfohlen. Auch wenn die Distanzen kurz und die Straßen in gutem Zustand sind: Es geht immer in Serpentinen bergauf oder bergab – hier sollte man sich nicht verschätzen, denn die kurzen Strecken dauern ab und an länger, als gedacht.

In diesem Sinne

Martin

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