Mitte Oktober musste ich dienstlich zu einer Tagung am Comer See und nachdem ich dort, von einer Laufeinheit abgesehen, viel Zeit mit Essen und Sitzen verbracht hatte, freute es mich umso mehr, dass ich meinen Aufenthalt in der Region noch mit Freunden etwas verlängern konnte. Von der Untekunft aus hatte ich einen herrlichen Blick über die Norditalien und konnte am Horizont in 90 km Luftlinie auf das Monte Rosa Massiv erkennen.

Sagno
Die Sonne geht auf. Blick über die Lombardei bis hin zum Monte Rosa Massiv bei aufgehender Sonne. Davor noch die im Tessin hängenden Wolken
Sagno
Bei Sonnenaufgang knapp über dem Hochnebel.
Sagno
Sonnenuntergang am Horizont, ganz rechts Signalkuppe und Dufourspitze. Im Übrigen ist der winzige Zacken am ganz rechten Bildrand, unmittelbar neben dem Monte Rosa Massiv, das Matterhorn. Kann man auf dem Bild nicht erkennen, aber mit dem Feldstecher konnte man das ganz gut ausmachen.
Sagno
Alpenglühen über dem Monte Rosa Massiv.

Es muss nicht immer höher, schneller oder weiter gehen und da ich der einzige unserer Gruppe mit alpiner Erfahrung war, fielen die Touren sehr entspannt aber deshalb nicht weniger lohnend aus. Unser Ausflug führte uns bei einer leichten Wanderung auf den Monte Tamaro (1962 m). Dieser Gipfel befindet sich unmittelbar südlich des Lago Maggiore und man kann ihn von der Alpe Di Neggia (1395 m) aus rasch in etwa 1,5 – 2 h erreichen.

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Auf dem Weg zum Monte Tamaro. Von der Alpe Di Neggia aus wandert man in leichtem Terrain und ein wenig auf der Nordseite, wo wir tatsächlich ein wenig Schnee bei den ansonsten sonnigen Temperaturen von knapp unter 20 °C vorfanden.

Als wir den Gipfel erwanderten waren wir auf dem Weg alleine, jedoch herrschte am Gipfel durchaus Gedränge, da zahlreihe Wanderer von Osten kommend auf den Berg gestiegen waren. Bei dem sich uns eröffnenden Panorama kein Wunder, dass wir nicht alleine auf dem Gipfel waren.

Monte Tamaro
Blick vom Monte Tamaro auf den Lago Maggiore und Locarno. Rechts das Valle Verzasca (mit dem aus James Bond bekannten Staudamm gleich zu Beginn, der helle Fleck im Bild) und rechts geht es ins Valle Di Maggaia.
Monte Tamaro
Vom Monte Tamaro aus nach Osten blickend.
Monte Tamaro
Panorama von Norden (rechts) mit Locarno nach Süden (links). Durchgehend, aber nicht durchgehend zu erkennen, in der Bildmitte, der Lago Maggiore.
Monte Tamaro
Ausblick vom Monte Tamaro auf den italienischen Teil des Lago Maggiore im Süden.

Beim Abstieg wählten wir einen Weg über die Alpe Di Montoia im Süden, der uns nach Monti Idacca und dannzurück zur Alpe Di Neggia führte. Hatten wir im Aufstieg noch reichlich Schnee unter den Füßen, war es nun auf der Südseite des Monte Tamaro Laub.

Monte Tamaro
Typisch Herbstwanderung: Eine Menge Laub raschelt beim Abstieg vom Monte Tamaro.

Typisch für den Herbst im Tessin sind übrigens Maronen, die man in Hülle und Fülle dort finden kann. Das Tessin war lange Zeit eine sehr Arme Gegend und Maronen waren damals ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Bei mehr als 140 kg lag der Prokopfverbrauch der durch die Römer eingeführten Maronen im Tessin zeitweise.

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Herbst im Tessin ohne Maronen geht eigentlich gar nicht…

Im Tessin kann man auch sehr gut klettern. Am bekanntesten dürfte sicherlich Ponte Brolla sein, wer hart bouldern kann findet im Valle Verzasca oder Valle Di Maggia viele Granitblöcke. Ein kleiner Geheimtipp hingegen sind die Zähne der Alten – Denti Della Vecchia. Dort war ich nun zum wiederholten Male und man findet dort viel Kletterei an feinstem Dolomit. Es gibt einige Mehrseillängen Routen, aber der Großteil ist Sportkletterei und da man auf rund 1300 – 1490 m über Meereshöhe klettert, fühlt es sich dank der grandiosen Kulisse richtig alpin an. Der Ansturm an Kletterern hält sich sehr in Grenzen, was sicherlich auch daran liegt, dass man erst einmal etwa 1,5 Stunden bis zu den Felsen wandern muss. Aber wer die schöne Wanderung auf sich nimmt, der wird belohnt.

Denti Della Vecchia
Von den Denti Della Vecchia kann man unter anderem bis zum Finsteraarhorn blicken, wo ich mich vor einem Jahr beinahe in einer Spalte versenkt hätte.
Denti Della Vecchia
Leichte Kletterei in griffigem Fels: Da meine Begleitung kaum Klettererfahrung hatte, übte ich mich als Führer und wir gingen gemeinsam mehrere Seillänge in leichtem Gelände – dank des grandiosen Ausblicks für alle ein Erlebnis!
Denti Della Vecchia
Blick von den Denti Della Vecchia über den östlichen Teil des Luganer Sees.
Denti Della Vecchia
Der Luganer See, von den Denti Della Vecchia aus gesehen. Bei solch einem Ausblick braucht man keine schweren Routen, um einen schönen Tag zu verleben.

Für alle, die mal in den Denti Della Vecchia Klettern wollen ein paar Informationen:

  • Man findet hauptsächlich Sportkletterei, allerdings auch einige Mehrseillängen. Die Schwierigkeiten liegen zwischen 5a und etwa 8a, am meisten findet man in etwa im Bereich 6 – 7 (frazösische Skala).
  • Geklettert wird an griffigem Dolomit, der von Nord nach Süd an einer Kette angeordnet ist. Je nach Fels findet man so am Vormittag oder auch am Nachmittag Sonne. Theoretisch kann man das ganze Jahr über dort klettern, aber im Sommer dürfte es doch schon ziemlich heiß werden, so dass ich Frühjahr und Herbst empfehlen würde.
  • Zur Anreise bis Cimadera fahren, dann im Ort der Beschilderung folgen und nach etwa 1,5 h netter Wanderung findet man sich am Fels wieder.
  • Der SAC Kletterführer Ticino e Moesano deckt das Gebiet ab, natürlich auch noch mehr im Tessin. Früher gab es einzelnen Kapitel noch als PDF zu erstehen, doch mittlerweile muss man wohl den ganzen Führer für knapp über 50 EUR kaufen.

In diesem Sinne

Martin

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