Bei manchen Bergen reicht ein einziges Foto und schon möchte man am liebsten sofort alles packen und mit dem Zustieg beginnen. So in etwa erging es mir, als ich ein paar Bilder vom Zervreilahorn auf der Facebookseite von ulligunde sah (später gab es dann hier einen Bericht). Als ich die Bilder an meinen Tourenpartner weiterleitete war der Drang den Berg anzugehen groß und zufälligerweise spielten auch noch Terminplan und Wetter mit, so dass wir eine Woche nachdem wir durch die Bilder auf den Berg aufmerksam wurden schon auf dem Weg nach Graubünden waren. Aus der Kurpfalz kommend war die Anfahrt mit vielen Staus und Baustellen etwas zäh, doch als ganz zum Ende der Anreise kurz vor dem Zervreilastausee zum ersten Mal das Zervreilahorn am Horizont zu erkennen war wussten wir, dass es sich lohnen würde. Allerdings war auch klar, dass es wohk anstregend werden würde, denn der Berg flößte uns doch ordentlich Respekt ein.

Das Zervrailahorn vopm Parkplatz bei P.1984, etwas oberhalb des Zervrailastausees.
Das Zervreilahorn vom Parkplatz bei P.1984, etwas oberhalb des Zervreilastausees aus gesehen.

Für unsere Tour hatten wir beste Voraussetzungen, das Wetter war als stabil angekündigt und es war weder zu heiß, noch zu kalt. Am frühen Morgen kam die Sonne langsam über den östlich des Stausees gelegenen Bergrücken und auch als wir uns dem Berg näherten verlor das Zervreilahorn nichts an seiner Faszination.

Das Zervrailahorn von Norden aus betrachtet zu später Stunde.
Das Zervreilahorn von Norden aus betrachtet zu später Stunde.
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Blick vom Butzeggen unterhalb des Zervreilahorns nach Norden. Im Osten kommt langsam die Sonne über den Bergrücken.
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Das Zervreilahorn im Morgengrauen. Geschulte Augen können unterhalb der Ostwand (links) im Gras einen hellen Fleck entdecken. Dort übernachtete ein Schweizer Päarchen, welches später in der letzten Seillänge zu uns aufschloss.
asd
Weil es so schön ist, noch ein Bild vom Zervreilahorn. Im schwarzen, länglichen Bereich unterhalb des Gipfels liegen die letzten Seillängen des Nordostgrats, auf den man hier direkt blickt.

Das Zervreilahorn hat einen kleinen Vorbau mit mehreren Routen, doch wir entschieden uns für die abgekürzte Variante und stiegen erst in der dritten Seillänge ein, die wir über ein kleines felsiges Grasband erreichten. Später würden wir zwei Seilschaften treffen und beide würden nur über den Direkteinstieg fluchen, so dass wir im Nachhinein mit unserer Entscheidung sehr zufrieden waren. Der Fels am Zervreilahorn war von Beginn an hervorragend – feinster Gneis vom Einstieg bis zum Gipfel. Gneis hat eine tolle Stuktur, denn er bietet quasi immer Reibung und ist dennoch fest und kompakt ohne zu bröseln. Einfach herrlich!

Ohne große Eile stiegen wir durch die ersten zwei Seillängen, wobei ich den Stand am Ende der zweiten Seillänge versehentlich überkletterte (mein schlechter Orientierungssinn kam einmal mehr zu tragen…) und mir selbst einen Stand bauen musste. Wer die Stände sieht – und nicht wie ich blind an ihnen vorbeiklettert – der findet am Ende jeder Seillänge zwei solide und nagelneue Fixpunkte. Ansonsten ist die Tour gut abgesichert und  je schwerer es wird, desto mehr Haken findet man vor. Die Tour hat zwei schwere Seillängen, beide mit 5c+ bewertet, wobei es hier unterschiedliche Angaben in unterschiedlichen Führer gibt. Die erste Schlüsselseillänge findet sich in etwa zur Hälfte der Route und nach einer sehr fotogenen Seillänge im Grad 3a.

Zervrailahorn
Vor der ersten Schlüsselseillänge hat man einen beeindruckenden Blick zurück auf den Stausee.

Die erste Schlüssellänge fordet an einer recht glatten Verschneidung entweder eine gute Spreiztechnik, oder aber man piazt ein paar Meter entlang eines Handrisses, wenn man wie ich die Möglichkeit zu spreizen ignoriert und es sich unnötig schwer macht. Die Crux der Seillänge ist ganz gut mit zwei soliden Bohrhaken gesichert.

Vor dem Gipfel muss man in der letzten Seillänge erneut noch einmal zupacken, auch hier bewegt man sich im Grad 5c+, wobei eine Unmenge an Haken gebohrt und geschlagen wurde. Auch wenn ich es nicht ausprobiert habe glaube ich, dass man 30 m unterhalb des Gipfels nicht umkehren muss, sondern im Zweifel durch technisches Klettern nach oben gelangen könnte, sollte man an der Kletterei durch die Mischung aus Kamin und Rinne zu scheitern drohen. Oben angekommen wird man mit einem herrlichen Ausblick belohnt.

Am Gipfel angekommen, das Steinmannl markiert das Ende des Nordostgrats.
Am Gipfel angekommen, das Steinmannl markiert das Ende des Nordostgrats. Hier der Blick nach Norden über den Stausee hinweg.

Bevor wir die letzte Seillänge angegangen waren, ließen wir ein schweizer Päarchen überholen. Am Gipfel angekommen bekamen wir dafür etwas Ovomaltine-Schokolade und bei bestem Ausblick konnten wir einen Gipfel genießen, den wir während unserer Pause mit nur zwei Seilschaften teilen mussten.

Zurück auf den Boden der Tatsachen gelangten wir duch Abseilen entlang einer Abseilpiste in der Ostwand. Der erste Blick nach unten war angsteinflößend, denn die Wand fällt zunächst aalglatt nach unten ab und es gab einige Hängestände, in die wir uns abseilen mussten.

Abseilpiste
Im rechten Bildteil ist eine Hakenreihe zu erkennen, an welcher entlang eine Abseilpiste in 22 m Abschnitten nach unten ins Tal führt. Die Haken selbst sind alle rostrot, doch die Stände sind doppelt eingebohrt und recht neu.
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Aus Versehen nahm ich beim ersten Abseiler den Stand zu weit links, nicht direkt über der an die Kompressorroute erinnernde Hakenreihe. Entsprechend musste ich mich dann nach rechts arbeiten, in den ersten Hängestand.

Wir seilten vorsichtig ab und immer wieder gab es unbequeme Hängestände, bei denen ich mir gar nicht vorstellen will, wie man sich hier in einer Dreierseilschaft fühlen würde. Bei der drittletzten Abfahrt kam es dann natürlich auch so, wie es kommen musste und ein Seilende verhakte sich in einer Spalte. Keine Chance das Seil abzuziehen, doch wir hatten Glück und konnten das Problem recht einfach in den Griff bekommen.

asd
Steil geht es bergab, hier in der glatten Wand unterhalb des Gipfels.

Unten angekommen waren wir froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Insgsamt hatten wir für die Tour im Aufstieg etwas mehr als 6 Stunden gebraucht, dazu kamen noch eine großzügige Pause auf dem Gipfel und wir seilten sechsmal ab, bevor wir uns an den Abstieg machten.

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Die Sonne geht unter und bestrahlt das Zervreilahorn von Westen. Nur noch die Westseite des Gipfels liegt in der Sonne und in etwa in Linie der Schattengrenze verlaufen die letzten Seillängen des Nordostgrats.

Ein paar Infos zur Tour

  • Zur An- und Abreise: Zwischen Vals und dem Zervreilastausee befindet sich ein einspurig befahrbarer Tunnel, an dem es zu Wartezeiten von bis zu 20 Minuten kommen kann. Bei P.1984 findet sich ein Parkplatz oberhalb des Stausees. Bis zum Stausee kann auch das PostAuto genutzt werden. Die Linie 431 fährt ab Ilanz viermal täglich und braucht etwa eine Stunde bis zum Stausee.
  • Das Zelten, Biwakieren oder Campieren im Freien wird explizit durch mehrere Schilder verboten, wobei man dennoch nicht alleine ist, wenn man sein Zelt unterhalb des Zervreilahorns aufschlägt. Bis man eine ideale Möglichkeit (mit aufgehäuften Steinen als Tisch und Stühle) findet läuft man etwa eine Stunde, von dort aus ist es dann auch etwa eine Stunde bis zum Einstieg. Wer legal nächtigen möchte, sollte bei der Läntatahütte vorbeischauen.
  • Was ich leider erst in der Nachbetrachtung feststellte: Es gibt von Panico einen Kletterführer für das Valsertal! Den Führer gibt es laut Hüttenwebsite auch auf der Läntahütte.
  • Bei ulligunde gibt es an dieser Stelle viele schöne Bilder vom Traumberg.

In diesem Sinne

Martin

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