Letztlich war glaube ich mehr das Gestein als die Kletterei der Grund, weshalb ich unbedingt zum Klettern an den Hohenstein bei Reichenbach im Odenwald wollte. Sandstein, Kalk, Dolomit, Gneis und Granit kennt jeder, doch was ich mir unter „Quarzitgestein“ vorstellen sollte wusste ich nicht so recht. Laut Odenwälder Kletterführer von Panico würde mich aber genau das am Hohenstein im Lautertal erwarten, denn dieser stellt mit dem unweit ebenso bei Reichenbach gelegenen Borstein einen Teil eines silifizierten Reichenbach-Baryt-Ganges dar (siehe auch hier).

Der Zustieg war schnell erledigt, ab Ortsrand dauert es unter zwanzig Minuten bis an den Fels, der schräg geschichtet recht schattig im Wald liegt. Lediglich die oberen Meter des bis zu 15 m hohen Felsrückens werden von der Sonne bestrahlt.

Der Hohenstein bei Reichenbach. Interessante Kletterei an Quarzitgestein in den unteren Schwierigkeitsgraden.
Der Hohenstein bei Reichenbach. Interessante Kletterei an Quarzitgestein in den unteren Schwierigkeitsgraden.

Die Kletterei zeichnet sich durch äußerst griffigen und festen Stein aus, der tatsächlich durchgängig im Detail betrachtet Quarze zeigt. Es gibt zahlreiche Risse und eine wie im Führer treffend beschrieben „verschwenderische“ Menge an Griffen. Entsprechend findet man am Hohenstein auch viel einfache Kletterei: 48 Routen haben maximal eine 5 (UIAA) in der Schwierigkeitswertung, einige Routen sind im Bereich zwischen 6 und 7. Das obere Ende der Skala markiert eine 7+. Man könnte nun annehmen, dass der Fels von Anfängern überrannt wird, doch das war nicht der Fall. Zwar gibt es in den Routen eine Unmenge an Griffen, aber Haken sind Mangelware und entsprechend sind alle Routen mit mobilen Sicherungen abzusichern, sofern man sie nicht komplett frei geht. Nur ein paar der schwersten Routen haben ein oder zwei Haken.

Quarzitgestein des Hohensteins im Detail. Griffig, fest und auch schön anzusehen.
Quarzit-/Barytgestein des Hohensteins im Detail. Griffig, fest und auch schön anzusehen.

Alles in allem konnten wir dort ein paar ganz schöne Routen klettern, wobei ich mich fast noch ein bisschen mehr darüber gefreut habe, meine Stein- und Mineraliensammlung um ein paar interessante Exemplare ergänzen zu können.

Einige kurze Informationen zum Gebiet:

  • Der Fels mit all seinen Routen ist bestens im Odenwaldführer von Panico beschrieben.
  • Es gibt kaum Haken – fast alle Routen sind selbst abzusichern. Ein Standardset an Klemmgeräten (DMM Dragon Cam Größen 1-3), ein Satz Keile und ein paar Schlingen reichen für alle Situationen aus.
  • An diesem Fels kann man den Umgang mit mobilen Sicherungsmittel wunderbar lernen, denn es gibt tausende gute Möglichkeiten Keile und Klemmgeräte zu platzieren. Wenn alle Stricke reißen: Die Überschreitung ist im 2. Grad und so kann man im Notfall immer noch auf den Fels steigen, um von oben abzuseilen und Material aus der Wand zu fischen.
  • Der Wandfuß ist eben, der Zustieg bei Anreise mit dem Auto kurz und daher kann man gut mit Kindern an den Fels.
  • Man erreicht den Fels von Bensheim kommend auch stündlich mit dem ÖPNV, er liegt im Tarifgebiet des RNV.

In diesem Sinne

Martin

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.