Überschreitung Stempeljochspitzen – Rosskopf – Hintere Bachofenspitze

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Zugegeben, meine Beine hatten sich schon einmal frischer angefühlt: Als ich am ersten Montag des Augusts in Scharnitz aus dem Zug, oder genau genommen aus dem den Zug ersetzenden Bus des Schienenersatzverkehrs, ausstieg, merkte ich noch immer den Heidelbergman Triathlon, bei dem ich einen Tag zuvor in der Firmenstaffel als Läufer teilgenommen hatte. 160 Höhenmeter auf- und ebenso 160 Höhenmeter abwärts, verteilt auf zehn Kilometer Asphalt und Schotter bei brütender Hitze sorgten doch für wieder Erwarten schwere Beine. Dennoch machte ich mich auf den Weg zur Pfeishütte (1950 m) im Karwendel, wo ich zwei Tage zum Bergsteigen nutzen wollte. Doch zunächst warteten etwas mehr als 21 km Zustieg bei 30 °C auf mich…

Für den Zustieg von Scharnitz aus, derzeit mit Schienenersatzverkehr auf der Karwendelbahn zwischen Uffing am Staffelsee und Innsbruck, wählte ich nicht die gewöhnlich genutzte Schotterpiste des Fahrwegs ab Scharnitz, sondern den Isarsteig, der anschließend über den Nederweg in die Gleirschklamm führt. Erst am Ende der Gleirschklamm traf ich auf den geschotterten Fahrweg, der über die Möslalm ins Samertal und damit zur Pfeishütte führt. Diese Variante hat mehrere Vorteile, denn zum einen verläuft der Isarsteig über weite Teile im Schatten, zum anderen ist er deutlich reizvoller als die Schotterpiste und außerdem läuft man nicht Gefahr die landschaftlich wunderschöne Gleirschklamm zu verpassen. Der Steig ist übrigens kein echter Steig im Fels, sondern es handelt sich eher um einen abwechslungsreichen Wurzelpfad, teilweise gut 50 – 60 Höhenmeter über der noch recht schmalen Isar und mit schönem Blick auf den Fluss.

Auf den alternativen Zustieg durch die Gleirschklamm wurde ich nicht nur durch den Karwendelführer Walter Kliers, sondern auch durch einen Tweet  von @Tirolischtoll aufmerksam. Eine Klamm wie aus dem Albtraum-Buch heißt es im zugehörigen Blogeintrag, da die kleinen Holzbrücken über die Klamm nicht über Geländer oder ähnliche Gehhilfen verfügen. Wer damit kein Problem hat, der findet in der Gleirschklamm einen wirklich schönen Flecken Natur – und aufgrund des vorbeirauschenden Wassers vor allen Dingen ein wenig Erfrischung!

Im Gegensatz zu manch anderer Klamm ist die Gleirschklamm deutlich weniger ausgebaut und naturbelassener. Der Schönheit tut dies keinen Abbruch.
Im Gegensatz zu manch anderer Klamm ist die Gleirschklamm deutlich weniger ausgebaut und naturbelassener. Der Schönheit tut dies keinen Abbruch, ganz im Gegenteil.

Mit dem Ende der Gleirschklamm musste ich auf den geschotterten Fahrweg wechseln, der vorbei an der Möslalm ins Samertal führt. Dieser Weg wird nicht nur zur Versorgung der Hütten und Almen genutzt, sondern vor allen Dingen von Ausflüglern auf E-Bikes. Eines nach dem anderen rauschte an mir vorbei, wie auf einer Autobahn. Das liegt daran, dass der Weg von Scharnitz ins Gleirschtal vorbei an der Möslalm weiter ins Samertal von wenigen Ausnahmen abgesehen nur  ganz sanft ansteigt und seit wenigen Jahren E-Bikes in Scharnitz ausgeliehen werden können. Die meisten E-Bikes brettern aber nur bis zur Möslalm und nicht weiter bis zur Pfeishütte. Das liegt entweder daran, dass das letzte Stück zur Pfeishütte richtig steil ist, oder aber daran, dass der Akku nicht länger hält…

Kurz oberhalb der Möslalm (ganz links im Bild) mit Blick nach Norden. Rechts geht weiter ins Samertal Richtung Pfeishütte.
Kurz oberhalb der Möslalm (ganz links im Bild) mit Blick nach Norden. Rechts geht es weiter ins Samertal Richtung Pfeishütte.
Im Samertal.
Auf dem geschotterten Fahrweg im Samertal Richtung Pfeishütte. Direkt am Abschluss des Tals erkennt man die Stempeljochspitzen, sowie den Grat zum Rosskopf. Links daneben der Südgrat der Sonntagkarspitze, sowie ganz links im Bild der südliche Arm der Kaskarspitze.

Am Ende des Samertals mussten noch 300 Höhenmeter auf einer steileren Rampe begangen werden und nach vier Stunden reiner Gehzeit war ich auf der Pfeishütte (1950 m). Diese ist landschaftlich toll gelegen, bietet hervorragende Küche, leckeren Strudel und ein wirklich freundliches und sympathisches Hüttenteam kümmert sich um die Gäste. Dabei gibt es einige Annehmlichkeiten auf der Hütte, wie zum Beispiel die Möglichkeit mit EC-Karte zu bezahlen, eine Dusche (wenn es nicht gerade super trocken ist und seit Wochen nicht mehr geregnet hat), sowie einen einfach zugänglichen PC, an dem der neuste Wetterbericht eingesehen werden kann. Außerdem gibt es kostenloses Trinkwasser für unterwegs, sowie die Möglichkeit diverse elektronische Gerätschaften aufladen zu können.

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Blick von der Pfeishütte zu den Stempeljochspitzen (rechts im Bild) und auf das Sonntagkar mit Sonntagkarspitze (Bildmitte). Weniger gut zu erkennen ist die Hintere Bachofenspitze, die im hinteren rechten Eck des Sonntagkars liegt, quasi auf dem Gratrücken zwischen Stemepljochspitzen und Sonntagkarspitze. Man erkennt am ganz linken Bildrand noch die Praxmarerkarspitzen, sowie den Südgrat zur Kaskarspitze.

Alles in allem fühlte ich mich auf der Hütte pudelwohl, vor allen Dingen die Liegestühle auf der Terrasse luden zum Verweilen ein. Allerdings merkt man durchaus, dass auf der Hütte deutlich mehr Wanderer als Bergsteiger unterkommen: Hüttenruhe gibt es erst um 22:30 Uhr, das Frühstück im Regelfall erst ab 7:00 Uhr (ab und zu macht der Wirt eine Ausnahme und es gibt schon um 6:30 Uhr Frühstück) und im Lager herrschte ein deutlich größeres Gepolter und mehr Lärm, als ich das zum Beispiel von den Westalpenhütten kenne.

Den nächsten Morgen startete ich gemütlich mit einem ausgiebigen Frühstück um 6:30 Uhr und pünktlich um 7:00 Uhr brach ich als erster von der Hütte auf. Mein Ziel war das Stempeljoch, um von dort aus die Stempeljochspitzen (2529 m + 2543 m) und den Rosskopf (2670 m) zu überschreiten. Im Anschluss wollte ich noch weiter zur Hinteren Bachofenspitze (2668 m) gehen und von dort durch das Sonntagkar zurück zur Pfeishütte absteigen. Vor der Anreise hatte ich mir eigentlich vorgenommen, auch noch zur Sonntagkarspitze und zur Kaskarspitze zu traversieren, aber der Wetterbericht verspracht nur bis zum frühen Nachmittag stabiles Wetter und danach steigende Gewitterwahrscheinlichkeit, so dass ich mich schon auf der Hütte gegen diese Verlängerung entschlossen hatte – und mir fest vorgenommen hatte, mich an diese konservative Tourenplanung zu halten, auch wenn das Wetter stabil aussehen würde. Lieber auf der Hüttenterrasse die Sonne genießen, als den Abstieg im Gewitter zu erzwingen.

Nach etwa einer halben Stunde erreichte ich das Stempeljoch (2215 m), von wo aus es auf einem einfachen Steig mit einigen Markierungen über die Südflanke zum Gipfel der Kleinen Stempeljochspitze (2529 m) ging. Der Weg geht zunächst durch die grasige Flanke und erst im späteren Verlauf geht man ausschließlich auf Fels. Auf dem Weg zum Vorgipfel erblickte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Steinbock.

Ein Steinbock auf dem Weg zur Kleinen Stempeljochspitze. Wer genau hinschaut erkennt am linken Bildrand auch noch eine Gams!
Ein Steinbock auf dem Weg zur Kleinen Stempeljochspitze. Wer genau hinschaut erkennt am linken Bildrand auch noch eine Gams!
Blick von der südlichen Flanke der Kleinen Stempeljochspitze durch die
Blick von der südlichen Flanke der Kleinen Stempeljochspitze über das Kreuzjöchl hinweg und zwischen Thaurer Jochspitze (links) und Rumer Spitze (rechts) hindurch auf das Inntal, im Hintergrund als höchste Erhebung die Nordseite des Habichts.
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Noch einmal Steinbock und Habicht, mit etwas mehr Panorama.
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Vor dem Erreichen des Gipfels der Kleinen Stempeljochspitze. Im schattigen Tal die Pfeishütte, dahinter am linken Bildrand die Arzler Scharte, ganz links der Westgrat der Rumer Spitze. Rechts neben der Arzler Scharte die Nordkette des Karwendels, mit deren höchster Erhebung, dem Kleinen Solstein.
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Windschutz aus Stein zum Biwakieren auf der der Kleinen Stempeljochspitze vorgelagerten Schulter. Eigentlich im Naturpark Karwendel nicht erlaubt.

Den Gipfel der Kleinen Stempeljochspitze konnte ich in rund einer halben Stunde vom Stempeljoch aus erreichen und mich dort am Gipfelkreuz in das Gipfelbuch eintragen. Nach kurzer Stärkung ging es aber direkt weiter Richtung Große Stempeljochspitze (2543 m). Es geht den offensichtlichen Grat nach Norden entlang, wobei man in leichtem Gelände kraxelt (I UIAA) und man nach einer kleinen Senke am Grat die Große Stempeljochspitze in etwa zehn Minuten vom Gipfel der Kleinen Stempeljochspitze aus erreicht. Der Gipfel hat kein Kreuz und ist entsprechend unscheinbar.

Vom Gipfel der Großen Stempeljochspitze aus startete ich am Grat entlang nach Norden, um zum Rosskopf (2670 m) zu gelangen. Dies war der schwerste Abschnitt der Tour, denn es wurde schon gemäßigte und teils ausgetzte Kletterei im III. Grad UIAA gefordert – vor allen Dingen im Abstieg, denn es musste zunächst in eine kleine Scharte abgestiegen werden, bevor es einen kleinen Felsturm erneut nach oben und im Anschluss erneut abwärts ging. Erst im Anschluss an den Felsturm zog der Grat kontinuierlich zum Rosskopf hinauf.

Blick vom Felsturm zwischen Großer Stempeljochspitze und Rosskopf Richtung Rosskopf auf den Südgrat des Rosskopfs.
Blick vom Felsturm zwischen Großer Stempeljochspitze und Rosskopf Richtung Rosskopf auf den Südgrat des Rosskopfs. An allen Zacken gilt: Im Zweifel an der Ostseite vorbei.

Hilfreich ist hier vor allen Dingen der Hinweis aus Walter Kliers Karwendelführer, dass man im Zweifel die Zacken auf der Ostseite umgehen kann. Dennoch sollte man sich hier sicher im III. Grad bewegen können, vor allen Dingen mit Bergschuhen und Rucksack rückwärts im Abstieg. Wer das kann, den erwartet herrliche Kletterei in für das Karwendel recht fester und wenig brüchiger Qualität (das würde ich erst eine Woche später so zu schätzen wissen, denn dann war ich erneut zu einer Tour im Karwendel).

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Am Turm zwischen Großer Stempeljochspitze und Rosskopf (hier im Blick zurück nach dem Abstieg) sollte man sich die Abwärtspassagen gut anschauen und erst dann entscheiden, wo genau man abklettern will. Ansonsten wird es rasch deutlich schwieriger. Im Zweifel orientiert man sich an der Ostseite.

Von der Großen Stempeljochspitze aus brauchte ich eine Stunde bis auf den Gipfel des Rosskopfs und trug mich dort erst einmal nach einer kurzen Stärkung ins Gipfelbuch ein.

Vom Gipfel des Rosskopfs aus auf den Grat in Richtung Stempeljochspitzen blickend.
Vom Gipfel des Rosskopfs aus auf den Grat in Richtung Stempeljochspitzen blickend: In der Bíldmitte zwei kleine und links daneben ein großer Turm im Grat, dahinter als höchster sichtbarer Punkt im Grat die Große Stempeljochspitze und noch weiter hinten die Kleine Stempeljochspitze.
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Blick vom Rosskopf Richtung Nordkette mit Großem und Kleinem Solstein (Bildmitte). Links der Grat zu Großer und Kleiner Stempeljochspitze), rechts geht es weiter zur Hinteren Bachofenspitze.

Nun stand der Übergang zur Hinteren Bachofenspitze (2668 m) an. Der Karwendelführer von Walter Klier war hier allerdings nicht ganz so eindeutig und es war etwas Intuition gefragt. Der Führer rät bei  Tour 1105, Übergang Rosskopf zur Hinteren Bachofenspitze, dazu, den Grat kurz westseitig zu verlassen, da die direkte Überschreitung des Grates „schwierig“ sei – ohne hier ins Detail zu gehen, was schwierig bedeuten soll. Vom Gipfel aus ergab sich für mich folgendes folgendes Bild: Nach Norden hin zog der Grat zur Hinteren Bachofenspitze, wobei es unmittelbar nach dem Gipfel eine Scharte gab, die einen Felsturm abtrennte. Hinter dem Felsturm gab es erneut eine Scharte und im Anschluss zog der Grat ohne große Unterbrechungen weiter. Gemäß der Beschreibung im Führer stieg ich etwa 40 Höhenmeter in die Westflanke ab und befand mich dann unterhalb der ersten Scharte. Dort fand ich einige Trittspuren, sowie ein paar Steinmänner und später auch eine grüne Markierung. Ich querte unterhalb des Felsturms zur zweiten Scharte und stieg in dieser dann wieder, den Spuren folgend, zurück zum Grat. Das alles klappte zwar ganz gut, aber ich muss sagen, dass das Gelände hier unheimlich brüchig und steil war. In losem Geröll zu queren war nicht meine Sache und hier hätte ich lieber etwas Kletterei gehabt. Später würde ich im Führer die Beschreibung von Tour 1101, Normalweg Rosskopf, so verstehen, dass der direkte Weg über den Grat im III. Grad UIAA gewesen wäre. Wenn das stimmt wäre mir der etwas schwierigere Weg im III. Grad UIAA deutlich lieber gewesen, als der Weg durch das Geröll in der Westflanke.

Nach dem erneuten Erreichen des Grates ging es diesen in einfachem Gehgelände entlang, nur stellenweise musste leicht gekraxelt werden, bevor zur tiefsten Scharte im Grat vor der Hinteren Bachofenspitze abgeklettert werden musste. Laut Führer ist der Übergang Rosskopf zu Hinterer Bachofenspitze im II. Grad UIAA (wenn man am Rosskopf eben nicht direkt am Grat klettert), jedoch fand ich mich plötzlich in Stellen wieder, die mir zwar machbar, aber deutlich schwerer erscheinen. Der Abstieg klappte auch ganz gut, aber es war wirklich Konzentration und auch deutlich der III. Grad gefragt – vielleicht gibt es östlich eine leichtere Variante, aber diese hat sich mir nicht gerade aufgezwungen.

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Die letzten Meter des Nordgrates am Rosskopf, bevor man die Einschartung zur Hinteren Bachofenspitze erreicht. Wo es hier wie im Führer versprochen im II. Grad durchgeht weiß ich nicht (vermutlich östlich, links im Bild), denn ich fand mich wider Erwarten im III. Grad wieder.
Blick vom Südgrat der Hinteren Bachofenspitze nach Westen in das Sonntagkar.
Blick vom Südgrat der Hinteren Bachofenspitze nach Westen in das Sonntagkar. Der Grat im rechten Bildteil führt von der Hinteren Bachofenspitze zur Sonntagkarspitze, dem großen Zacken im Grat. Links dahinter sind die Praxmarerkarspitzen zu erkennen.
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Blick vom Südgrat der Hinteren Bachofenspitze Richtung Rosskopf (linker Bildteil). In der Bildmitte erkennt man eine Gehpassage, davor Richtung Rosskopfgipfel einen Felsturm, der durch eine Scharte zum Rosskopfgipfel hin abgetrennt ist (nach links). Diese Einschartung hatte ich tief auf der Westseite gequert. Der Abstieg von der Bildmitte zur Scharte darunter muss irgendwie leichter gehen, als in der von mir gewählten Variante im Bereich III – vermutlich auf der Ostseite. Im Hintergrund Kleine und Große Stempeljochspitze, am rechten Bildrand die Rumer Spitze.

Der Südgrat der Hinteren Bachofenspitze stellte mich vor keine größeren Herausforderungen, hier bewegt man sich maximal im I. Grad UIAA. Auf dem Weg zum Gipfel traf ich dann einen 67jährigen Innsbrucker, der auf dem Normalweg über das Sonntagkar gekommen war und mit dem ich gemeinsam den restlichen Weg zum Gipfel ging. Trotz Herzinfarkt in jungen Jahren, sowie drei Stents in den Beingefäßen war dies sein tausendster Gipfel. Auf seiner vor siebeneinhalb Jahren gekauften Berguhr von Suunto hatte er über 970 000 Höhenmeter gesammelt und das fand ich schon beeindruckend. Bevor er in Richtung Halltal abstier erklärter er mir noch mit seinem Feldstecher das Panorama.

Hintere Bachofenspitze - Richtung Kleiner Solstein
Von der Hinteren Bachofenspitze hat man nach Süden einen tollen Blick zur Inntalkette (Bildmitte). Nach rechts zieht die Gleirsch-Halltal-Kette weg, dabei gut zu erkennen: Sonntagkarspitze, Kaskarspitze und Praxmarerkarspitzen.
Hintere Bachofenspitze - Richtung Nordosten
Blick von der Hintere Bachofenspitze in Richtung Nordosten, mit östlichen Teil der Gleirsch-Halltaler-Kette (Bildvordergrund nach rechts wegziehend). Markant hier vor allen Dingen Großer und Kleiner Bettelwurf.

Vom Gipfel des Rosskopfs aus dauerte der Weg zur Hinteren Bachofenspitze nur etwa 45 Minuten. Abgesehen von der erwähnen tiefen Querung im Schotter und dem Abstieg zum Südgrat der Hinteren Bachofenspitze ist das Gelände leicht zu gehen.

Auf dem Gipfel der Hinteren Bachofenspitze sitzend musste ich mich nun entscheiden, ob ich nun doch weitergehen wollte oder nicht. Am Ende entschied mich dann aber für den Abstieg und gegen die Traverse zur Sonntagkar- und Kaskarspitze. Zwar war ich mir fast sicher, dass das Wetter halten würde, aber ich hatte ja Urlaub und irgendwie war ein gutes Stück Strudel auf der Terrasse der Pfeishütte ja auch eine große Verlockung. Entsprechend stieg ich über den Normalweg des Sonntagkars zur Pfeishütte ab. Dabei ist der Weg sehr gut markiert (an dieser Stelle sei dieser Link zu muenchner-hausberge.de empfohlen, wo am Seitenende ein Teil der zahlreichen Markierungen dokumentiert wurde) und führt zunächst durch Schrofen und Schotter, später im unteren Kar über Gras und kurz vor der Pfeishütte auch noch durch Latschengelände.

Die Crux auf dem Normalweg zur Hinteren Bachofenspitze vom Sonntagkar aus.
Die Crux auf dem Normalweg zur Hinteren Bachofenspitze vom Sonntagkar aus.

Nach etwa eineinhalb Stunden an der Pfeishütte angekommen stellte ich dann erwartungsgemäß fest, dass das Gewitter zwar kam, aber erst spät abends und ich entsprechend den ganzen Nachmittag Zeit für die Vervolständigung der Traverse gehabt hätte. Aber der Birnen-Mohn-Strudel tröstete mich darüber hinweg und irgendwann werde ich mich nur noch an die tolle Tour und meinen ersten Steinbock erinnern. Hier noch ein Blick auf den kompletten Grat, vom Sonntagkar aus gesehen und eine Woche später entstanden:

Die komplette Tour, von rechts nach links die Erhebungen: Kleine und Große Stempeljochspitze (ganz rechts mit zusätzlichem Felsblock wie ein Dreigestirn aussehend), in der Bildmitte der Rosskopf und im linken Bildteil die Hintere Bachofenspitze.
Die komplette Tour, von rechts nach links die Erhebungen: Kleine und Große Stempeljochspitze (ganz rechts mit zusätzlichem Felsblock wie ein Dreigestirn aussehend), in der Bildmitte der Rosskopf und im linken Bildteil die Hintere Bachofenspitze.

Ein paar Informationen zur Tour:

  • Scharnitz kann gut mit der Bahn erreicht werden, aber auch mit dem Fernbus ab München (mehrmals täglich).
  • Die Pfeishütte ist ein idealer Ausgangsort für die Runde zur Hinteren Bachofenspitze. Wer ein Mountainbike hat kann die Hütte auch mit diesem Erreichen (und wer halbwegs was auf sich hält macht das ohne Motor), ansonsten zu Fuß von Scharnitz aus seien für den Weg bis zur Möslalm der Isarsteig, der Nederweg, sowie die Gleirschklamm empfohlen! Deutlich abwechslungsreicher als der Schotter der Fahrstraße. Wer möchte kann in Scharnitz allerdings für 8 EUR beim Café Länd (Parkplatz Karwendeltäler) und damit bis zur Möslalm fahren.
  • Walter Kliers Karwendel Alpin aus dem Bergverlag Rother beschreibt alle relevanten Tourenmöglichkeiten im Gebiet, sowie auch die Erweiterungsmöglichkeiten der Tour, zum Beispiel um die Überschreitung der Rumer Spitze im Süden oder hin zu den Praxmarerkarspitzen im Westen.
  • Die AV Karten 5/1 Karwendelgebirge West und 5/2 Karwendelgebirge Mitte decken alles ab, wobei man die Karte 5/1 nur für den Zustieg zur Hütte benötigt.
  • Die Gehzeiten und Schwierigkeiten laut Walter Kliers Führer (Anmerkungen hierzu in obigem Text):
    • Scharnitz – Pfeishütte: 5 Stunden
    • Pfeishhütte – Kleine Stempeljochspitze: 2 Stunden (1 Stunde ab Stempeljoch), unschwierig auf Steig/Pfad
    • Kleine Stenpeljochspitze – Große Stempeljochspitze: 10 Minuten, I
    • Große Stempeljochspitze – Rosskopf: 1 Stunde, III
    • Rosskopf – Hintere Bachofenspitze: 1,5 Stunden, II
    • Hintere Bachofenspitze – Pfeishütte: Im Aufstieg 3 Stunden, I
  • Es gibt keinerlei Haken oder ähnliches, das Gelände ist frei zu begehen. Eventuell kann man mit mobilen Sicherungen und an Köpfel etwas erreichen, aber das Gestein ist oft brüchig und absichern eher eine stellenweise Notlösung: Man muss bei der Tour sicher in ausgesetztem, absturzgefährdetem, brüchigen Gelände mit losem Fels gehen und im III. Grad klettern können. Wichtiger als gute Leistungen im Sportklettern sind vor allen Dingen die Fähigkeiten, sich selbst und die Qualität des Gesteins gut einschätzen zu können, sowie den mutmaßlich einfachsten Weg durch das Gelände zu finden.
  • B5 für Bergsteiger hat im Podcast vom 19. Juli eine kleine Wanderung durch die Gleirschklamm gemacht und darüber berichtet.

In diesem Sinne

Martin

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