Nach der Überschreitung von Stempeljochspitzen, Rosskopf und Hinterer Bachofenspitze am Vortag sah mein Plan vor, von der Pfeishütte (1922 m) aus die Rumer Spitze (2454 m) von Ost nach West zu überschreiten und anschließend über die Arzler Scharte nach Innsbruck zur Heimreise abzusteigen. Am Ende würde es etwas anders kommen, aber der Reihe nach.

Wie schon am Tag zuvor verlies ich die Pfeishütte pünktlich um 7 Uhr, nachdem ich mich zuvor ordentlich mit von den Hüttenwirten hausgemachtem Haselnuss-Schokoladen-Brotaufstrich gestärkt hatte. Wegen dieses köstlichen Aufstrichs lohnt sich das späte Frühstück. Der Weg von der Pfeis zum Ostgrat der Rumer Spitze ist ausgeschildert und einfach zu finden. Schon nach wenigen Metern bekommt man unterhalb des Kreuzjöchls (2121 m) schon einen ganz guten Einblick, was einen erwartet.

Die Rumer Spitze von Norden aus betrachtet. Auf dem Weg von der Pfeishütte zum Kreuzjöchle kann man sich schon einmal von Norden aus die zu überschreitende Kontur anschauen.
Die Rumer Spitze von Norden aus betrachtet. Auf dem Weg von der Pfeishütte zum Kreuzjöchle kann man sich schon einmal von Norden aus die zu überschreitende Kontur anschauen.

Der Ostgrat selbst ist durch Markierungen und Steigspuren nicht zu verfehlen. Laut Walter Kliers Karwendel alpin Führer sind die Schwierigkeiten im Aufstieg im I. Grad UIAA, beim Abstieg im II. Grad. Mein persönlicher Eindruck war, dass sich Auf- und Abstieg eigentlich nicht viel unterscheiden dürften und zumindest den I. Grad für den Aufstieg finde ich eine zutreffende Angabe. Stellenweise ist es etwas brüchig, aber dann nicht ausgesetzt, sondern in einer Rinne. Eine halbe Stunde nach dem Einstieg erreichte ich den Gipfel der Rumer Spitze und legte ersteinmal eine großzügige Pause ein, die ich zum Fotografieren nutzte.

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Eine kleine Bank am Gipfel der Rumer Spitze lädt zum Verweilen ein. Im Hintergrund der am Vortag überschrittene Grat zwischen, von rechts nach links, Stempeljochspitzen, Rosskopf (hohe Erhebung genau über mir) und Hinterer Bachofenspitze (Erhebung am hinteren Ende des Grats).
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Blick vom Bänkchen am Gipfel der Rumer Spitze auf das Inntal. Innsbruck befindet sich nicht erkennbar rechts im Tal.
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Blick nach Norden auf den westlichen Teil der Gleirsch-Halltaler-Kette mit (von rechts nach links) Stempeljochspitzen, Rosskopf, Hinterer Bachofenspitze, Sonntagkarspitze, Kaskarspitze, den Praxmarerkarspitzen und Jägerkarspitze (siehe peakfinder.org).
Vom Gipfel der Rumer Spitze aus nach Westen blickend erkennt man die Markierungen des Westgrats, sowie im asd
Vom Gipfel der Rumer Spitze aus nach Westen blickend erkennt man die Markierungen des Westgrats, sowie dahinter den westlichen Teil der Inntalkette, mit der höchsten Erhebung, dem Kleinen Solstein.
Rumer Spitzer
Gut markiert, der Westgrat der Rumer Spitze.

Meistens wird die Rumer Spitze von West nach Ost überschritten, doch für meinen Weg nach Innsbruck erschien es mir umgekehrt passender und so machte ich mich nun an den Abstieg über den Westgrat. Die Kletterei, das gilt im Übrigen auch für den Ostgrat, findet in griffigem Fels statt und meist ist der Fels für Karwendelverhältnisse unheimlich fest und nur wenig brüchig. Das mag sicherlich auch daran liegen, dass die Rumer Spitze viele Begehungen erfährt. Für den Westgrat sollte man im II. Grad  klettern können, die Kletterei ist anregend und macht wirklich Spaß.

Die Schlüsselstelle im Westgrat der Rumer Spitze.
Die Schlüsselstelle im Westgrat der Rumer Spitze, hier in Richtung Aufstieg blickend. Das Foto ist nicht verkippt, sondern der Weg drängt etwas ab und ist ein wenig ausgesetzt, da es bei einem Fehltritt weit nach unten (nicht auf dem Foto sichtbar) bis ins Tal geht. Aber der Fels ist nur wenig brüchig und die Passage macht Spaß.

Nach etwa 45 Minuten war ich auf der Arzeler Scharte angekommen und eigentlich wollte ich mich von hier aus an den Abstieg nach Innsbruck machen, doch als ich mir den Weg so anschaute verspürte ich nur wenig Lust auf einen Abstieg durch Schutt und Geröll.

Blick von der Arzeler Scharte Richrt
Blick von der Arzeler Scharte Richtund Innsbruck (unter den Wolken). Am Bildrand erkennt man den Abstieg durch typischen Karwendelschotter.

Also wählte ich eine Alternative und stieg zur Mandlscharte auf, um von dort aus auf dem Goetheweg in Richtung Bodensteinalm und dann über den Adlerweg zur Hungerburg nach Innsbruck zu gelangen. Das Schöne am Goetheweg ist, dass man fast ohne Gewinn oder Verlust von Höhenmetern schnell vorankommt und gleichzeitig tolle Tiefblicke hat. Zum Beispiel zum Wettersteinmassiv oder auf Innsbruck.

Goetheweg
Der Goetheweg verläuft fast eben und man erkennt die Spur im oberen Bereich an der Kante zwischen Schutt und festem Gestein. Nicht zu verwechseln mit dem weiter untern befindlichen Hermann Buhl Weg.
Goetheweg
Blick vom Goetheweg aus auf das Wettersteinmassiv, mit Zugspitzeck und Hochwanner (siehe peakfinder.org).
Goetheweg
Deutlich zu erkennen, der fast ebene Goetheweg, hier auf der Nordseite unterhalb der Mandlspitze.
Goetheweg
Der Goetheweg führt fast eben von der Pfeis zum Fuß der Hafelekarspitze. Hier der Blick nach Süden über Innsbruck hinweg auf die Tuxer Alpen mit dem Patscherkofel in der Bildmitte.

Als ich über den Goetheweg das Gleirschjöchl erreichte, entschloss ich mich kurzfristig noch dazu, auch die Gleirschspitze (2317 m) vom Jöchle aus zu besuchen. Nach zehn Minuten, beziehungsweise einer Stunde von der Arzler Scharte aus, stand ich auf dem Gipfel der unschwer zunächst über Gras, dann über einen Steig von Westen aus zu erreichenden Gleirschspitze.

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Blick von der Gleirschspitze nach Süden. Links am Bildrand die Tuxer Alpen, in der Bildmitte die Stubaier Alpen und am rechten Bildrand der westliche Teil der Inntalkette mit der höchsten Erhebung, dem Kleinen Solstein.

Von der Gleirschspitze aus stieg ich über das Gleirschjöchle zunächst in Richtung Seegrube ab und lies diese dann westlich liegen, um direkt zur Bodensteinalm (1661 m) zu gelangen. Dabei durchstieß ich dann die Wolkendecke, die ich die ganze Zeit von oben aus gesehen hatte.

Bodensteinalm
Kurz vor der Bodensteinalm und noch knapp über den Wolken.
Bodensteinalm
Auf Höhe der Bodensteinalm durchbrach ich dann die Wolkendecke. Durch die Sonne waren die quellenden Wolken am Hang mit aufsteigen beschäftigt, während ich weiter nach unten in Richtung Hungerburg abstieg.

Unterhalb der Wolken hatte ich dann erneut freie Sicht und weiter ging es entlang des Adlerwegs ins Tal. Stellenweise querte ich dabei den Nordkette-Singletrail, konnte aber leider keine spektakulären Aufnahmen von Mountainbikern machen.

Innsbruck
Blick von unterhalb der Bodensteinalm auf Innsbruck. Im Hintergrund die Stubaier Alpen, in der Bildmitte die aus der Vierschanzentournee bekannte Bergisel Skisprungschanze. Rechts ebenso zu erkennen: Die Seilbahn von der Hungerburg zur Seegrube.
Nordkette-Singletrail
Immer wieder querte man den Nordkette-Singletrail, allerdings waren zumindest während meines Abstiegs kaum Biker unterwegs. Eine ernsthafte Gefahr mit einem Rad zu kollidieren scheint mir nicht wirklich gegeben.

Nach rund zwei Stunden von der Gleirschspitze aus  erreichte ich die Hungerburg und damit das Ende meiner Tour, denn ich war wieder vollkommen zurück in der Zivilisation. Die letzten Kilometer waren ein Abstieg in die zunehmende Hitze und schweißgebadet genoss ich noch einmal das Panorama.

Moderne, futuristische Architektur: Die Stationen 2007 neu eröffneten Hungerburgbahn.
Moderne, futuristische Architektur: Die Stationen der 2007 neu eröffneten Hungerburgbahn sind alle einheitlich gestaltet, wie hier die Haltestelle Hungerburg am Hermann-Buhl-Platz. Von hier aus strömen im Viertelstundentakt die Touristen aus Innsbruck zur Hungerburg und steigen dort in die Seilbahn zur Seegrube ein, um dann eventuell mit der nächsten Seilbahn weiter zum Hefelekar zu gelangen.
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Im Blick zurück: Die Inntalkette, nach Osten (rechts im Bild) unterbrochen durch die Arzeler Scharte und rechts daneben, abgesetzt von der restlichen Kette, die Rumer Spitze, die ich am Vormittag überschritten hatte (siehe peakfinder.org).
Hungerburg
Südlich vonn Innsbruck erkennt man erneut im linken (östlichen) Teil die Tuxer, im rechten (westlichen) Teil die Stubaier Alpen.

Mit der Hungerburgbahn gelangte auf die gegenüberliegende Seite des Inn. Zwei moderne Standseilbahnwagen verbinden Hungerburg mit dem Congress Zentrum Innsbruck. Interessant ist dabei, dass in jedem der Wägen die einzelnen Fahrgastkabinen an einem Rahmen aufgehängt sind, um trotz unterschiedlicher Neigungen der Strecke die Passagiere stets in der Horizontalen zu halten.

Moderne Wagen mit toller Technik halten die Passagiere immer in der Horizontalen - trotz unterschiedlicher Steigungen!
Moderne Wagen mit toller Technik halten die Passagiere immer in der Horizontalen – trotz unterschiedlicher Steigungen!

Mit dem Bus gelangte rasch zum Bahnhof und während der alpine Teil meiner Reise schon an der Hungerburg definitiv zu Ende gewesen war, lag der politische Teil noch vor mir. Mit EuroCity 80 fuhr ich zurück nach Deutschland und wem die momentan viel diskutierte Flüchtlingssituation in Europa zu abstrakt und zu weit entfern ist, der sollte auch einmal mit diesem Zug nach Deutschland fahren, um sich ein eigenes Bild zu machen. Die Verbindung des EuroCity 80, von Verona über Bozen und den Brenner nach Innsbruck und weiter über Rosenheim nach München, ist nämlich vor allem dafür bekannt (zum Beispiel von spiegel.de, sueddeutsche.de, ard.de und br.de), dass über sie zahlreiche illegale Einwanderer den Weg nach Deutschland finden. Entsprechend war es wenig verwunderlich, als in Rosenheim die Polizei zustieg und nach einer Viertelstunde der Zug deutlich leerer war. Allein in dem Großraumabteil in dem ich saß zogen die Beamten ein Dutzend Flüchtlinge aus dem Verkehr.

Doch zurück zur Tour: Die Überschreitung der Rumer Spitze war wirklich lohnend, die Kletterei macht Spaß und der Fels ist für Karwendelverhältnisse geradezu bombastisch fest. Der Goetheweg erlaubt ein schnelles Queren zum Adlerweg, über den man schnell zur Hungerburg absteigen kann. Alles in allem eine gelungene und abwechslungsreiche Möglichkeit, von der Pfeishütte aus abzusteigen.

  • Über die Pfeishütte hatte ich schon im vorherigen Beitrag ein paar Worte verloren. Eine wirklich schöne Hütte mit sympathsichem Team und gutem Essen.
  • Von der Hungerburg geht es mit der Hungerburgbahn im 15-Minuten-Takt für 4,60 EUR zur Station Congress in Innsbruck. Von dort aus kann man für 2,30 EUR mit der Linie H in rund einer Viertelstunde mit dem Bus zum Bahnhof gelangen.
  • Walter Kliers Karwendel Alpin aus dem Bergverlag Rother beschreibt auch den Weg zur Rumer Spitze, beziehungsweise zur Gleirschspitze. Allerdings sind beide Gipfel nicht zu verfehlen, denn es gibt zahlreiche Markierungen und auch Schilder, die von der Pfeis aus über die Rumer Spitze auf den Goetheweg und auch zur Gleirschspitze führen.
  • Die AV Karte 5/2 Karwendelgebirge Mitte deckt alles in diesem Beitrag Beschriebene ab. Alle Wege sind gut markiert.
  • Für die von mir gewählte Kombination gibt es im Alpenvereinsführer von Walter Klier in der Form teilweise keine Angaben, da ich Auf- und Abstieg umgedreht habe und nicht üAbschnitte mit Gehzeitangaben komplett gegangen bin. Nachstehend daher, soweit vorhanden, die Angaben zu Gehzeiten und Schwierigkeiten von Führer oder Wegweisern, sowie in Klammern meine Gehzeiten, beziehungsweise Einschätzung der Schwierigkeit
    • Pfeishütte – Rumer Spitze (über Ostgrat): 2 h, I (1h, I)
    • Rumer Spitze – Arzeler Scharte: II, für den Aufstieg laut Führer 1 h (45 min, II)
    • Arzeler Scharte – Goetheweg – Gleirschjöchle: unschwieriger Weg (50 min)
    • Gleirschjöchle – Gleirschspitze: unschwieriger Weg (10 min)
    • Gleirschspitze – Hungerberg: unschwieriger Weg (2 h)
  • Für die Rumer Spitze gilt, dass das Gelände frei zu gehen ist – es gibt keinerlei Sicherungen. Entsprechend sollte man darin geübt sein, den II. Grad frei begehen zu können. Absichern stellt hier allerhöchstens eine Notlösung dar. Das Gestein ist meist (für das Karwendel: oft) fest, jedoch sollte man auch hier stets die Qualität der Griffe und Tritte prüfen. Wichtiger als gute Leistungen im Sportklettern sind vor allen Dingen die Fähigkeiten, sich selbst und die Qualität des Gesteins gut einschätzen zu können.

In diesem Sinne

Martin

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