Sonntagkarspitze

Berge , , , , ,

Nach der recht langen Überschreitung von Großem und Kleinem Solstein, Hoher Warte und Hinterer sowie Vordere Brandjochspitze am Vortag wachte ich auf der Pfeishütte auf und nach einem stärkenden Frühstück brach ich zur Sonntagkarspitze auf. Mittlerweile führ der einfachste Anstieg über den Südgrat und von der Pfeishütte ist die Wegfindung absolut kein Problem und man muss bis zum Gipfel eigentlich nicht in die Karte schauen. Unmittelbar in der Nähe der Pfeishütte findet man den ersten Wegweiser. Man geht kurz Richtung Samertal und biegt dann, erneut weißt ein kleines Schild den Weg, nach Norden ins Sonntagkar ab. Irgendwann verliert sich der Weg und man orientiert sich auf dem Pfad mit Hilfe der zahlreichen roten Markierungen. Anfangs bewegt man sich in Latschen, dann in grasigem Gelände und wie üblich geht es danach in den Fels, der bis zum Gipfel, von wenigen Einzelstellen ausgenommen, unheimlich griffig und fest ist. Am Anfang des Südgrats hatte ich dann einen guten Blick ins Sonntagkar, sowie auf die Hintere Bachofenspitze, auf der ich vor einer Woche stand.

asd
Vom unteren Bereich am Südgrat der Sonntagkarspitze zur Hinteren Bachofenspitze (Bildmitte) blickend. Am rechten Bildrand erkennt man noch den Rosskopf. Vom Rosskopf kommend war ich eine Woche zuvor zur Hinteren Bachofenspitze gegangen und dann durch das Kar darunter zur Pfeishütte abgestiegen.
asd
Im Karwendel begegnet man häufig Gemsen und durchaus auch größeren Gruppen. Hier die Gemsen im Sonntagkar, unweit der Pfeishütte.

Etwas weiter oben auf dem Südgrat der Sonntagkarspitze konnte ich dann den ganzen Rücken erkennen, den ich eine Woche zuvor überschritten hatte, von den Stempeljochspitzen bis zur Hinteren Bachofenspitze.

asd
Ganz rechts im Bild erkennt man die Rumer Spitze, auf der Senke links daneben ist die Pfeishütte gebaut. Von dort aus hatte ich eine Woche zuvor den ganzen hier sichtbaren Grat überschritten, sprich (von rechts nach links) die Kleine und Große Stempeljochspitze (im Bergrücken rechts), den Rosskopf (etwa in der Bildmitte) und die Hintere Bachofenspitze (links). Der Weg zur Sonntagkarspitze führt von der Pfeishütte in der erwähnten Senke links der Rumer Spitze über den grasigen Bereich im mittleren Bildteil zum Südgrat.

Auch nach Westen hin hatte ich vom Südgrat ein gutes Panorama, denn dort gibt es noch einige interessante Gipfel und Gratübergänge. Während dem Aufstieg liebäugelte ich noch ein wenig mit der Überschreitung der Sonntarkarspitze, hin zur Kaskarspitze, die man auf nachstehendem Bild als höchsten Punkt im benachbarten Gratrücken erkennt.

asd
Der Südgrat der Kaskarspitze (höchste Erhebung in der Bildmitte). Im Hintergrund die Praxmarerkarspitzen und am rechten Bildrand der Gipfel der Sonntagkarspitze (der Zacken, nicht der runde Turm).

Auf dem Weg zur Sonntagkarspitze muss man ganz leicht kraxeln (I. UIAA), aber aufgrund des bis auf wenigen Einzelstellen sehr guten Gesteins macht der Weg unheimlich viel Spaß. Allerdings ist er doch etwas länger als man zunächst denken könnte, denn auf dem Grat findet sich noch ein großer Felsturm (siehe obiges Bild), der umgangen werden will. Kurz davor entdeckte ich übrigens zum ersten mal in meinem Leben ein Wiesel.

Nach etwa 1,5 Stunden erreichte ich den Gipfel der Sonntagkarspitze (2575 m) und stärkte mich erstmal, bevor ich einige Aufnahmen des Umgebung machte. Besonders schön war im Süden der westliche Teil der Inntalkette, den ich am Tag zuvor ja überschritten hatte.

asd
Blick von der Sonntagkarspitze auf die Inntalkette. Am rechten Bildrand sieht man die Ausläufer der Erlspitzgruppe und links daneben befindet sich der Erlsattel mit dem Solsteinhaus. Direkt daneben geht es hoch zu den westlichen Gipfel der Inntalkette, sprich Großem Solstein (Gratschulter zum Erlsattel hin) und Kleinem Solstein (höchster und auffälligster Punkt der Kette), sowie Hoher Warte und Hinterer sowie Vorderer Brandjochspitze (von rechts nach links). Es folgt der Hittsattel und dann nach links der Innsbrucker Klettersteig bis hin zur Hafelekarspitze (etwa in der Bildmitte). Auf der nicht einsehbaren Südseite verläuft dann der Goetheweg und ganz links findet sich die Arzeler Scharte.
asd
Ganz links die Hintere Bachofenspitze, neben ihr der Rosskopf und dann die Stempeljochspitzen, bevor dir Rumer Spitze in der Bildmitte von Kreuzjöchl (links) und Arzeler Scharte (rechts) abgegrenzt wird. Weiter rechts dann die Inntalkette und im Vordergrund am rechten Bildrand der Grat zur Kaskarspitze, mit den höherenb Praxmarerkarspitzen dahinter.

Da ich mir die Überschreitung zur Kaskarspitze hin vorstellen konnte, stieg ich in den Westgrat der Sonntagkarspitze ein, aber schon recht kurz unterhalb des Gipfels stellte ich fest, dass mein Kopf an diesem Tag nicht zum ungesicherten Klettern im III. Grad aufgelegt war. Ohne ein gutes Gefühl zu haben wollte ich den ausgesetzten Weg nicht gehen und entschloss mich dazu, die Überschreitung zu einem anderen Zeitpunkt anzugehen – auch der brüchige Fels im Karwendel wird noch eine Weile stehen und ich würde zurückkehren können.

Über den gleichen Weg den ich gekommen war ging ich zurück bis fast zur Pfeishütte (ewta 1,5 Stunden), wo ich mich entscheiden musste, ob ich über das Samer- und Gleirschtal nach Scharnitz, oder über Goetheweg und Seegrube nach Innsbruck absteigen wollte. Beide Wege kannte ich eigentlich, denn über den Goetheweg war ich am Tag zuvor gekommen und eine Woche zuvor abgesteigen, über das Samertal war ich eine Woche zuvor aufgestiegen. Letztlich entschied ich mich für den Weg durch das Samertal und wusste, dass vor mir ein langer Weg von etwas mehr als 20 km liegen würde…

asd
Das Samertal, an dessen Ende es über das Gleirschtal (in der Bildmitte, am Talende, nach rechts) nach Scharnitz geht. Vom Sonntagkar kommend mehr als 20 km Marsch auf einem geschotterten Fahrweg.

Während ich zur Möslalm (etwa nach einem Drittel des Weges) abstieg war ich am Überlegen, ob ich Am Ende des Gleirschtals wie beim letzten Mal im Aufstieg über Gleirschklamm, Nederweg und Isarsteig, oder doch über den nördlich der Isar gelegenen Fahrweg absteigen sollte. Doch letzten Endes beantwortete sich diese Frage ganz von allein auf der Möslalm: Nach eineinhalb Stunden (vom Sonntagkar) erreichte ich nämlich diese Alm und bestellte literweise kalte Getränke, denn es war erneut extrem heiß und vor mir lagen laut Beschilderung noch drei Stunden Abstieg, größtenteils in voller Sonne und nur mit teilweise Schatten. Während ich mich mit einem Kaspressknödel stärkte stellte ich zu meiner Entzückung fest, dass man sich auf der Möslalm Fahrräder ausleihen kann! Kurz überlegte ich, ob dies ein eher unsportliches Abkürzen wäre, ähnlich der Benutzung einer Seilbahn, kam dann aber zu dem Schluss, dass das Mountainbike ja im Gegensatz zu einer Seilbahn auch nur durch mich bewegt werden würde. Da die Räder keine E-Bikes waren, entschloss ich mich dazu, mit dem Rad nach Scharnitz weiterzufahren und für gerade einmal 8 EUR kürzte ich die auf den Schildern angegebene Gehzeit von drei Stunden auf eine 30 minütige Fahrt ab. Dabei hätte ich mir ja eigentlich denken können, dass man nicht nur Räder von Scharnitz zur Möslalm, sondern auch von der Möslalm nach Scharnitz ausleihen kann – immerhin hatte ich ja schon eine Woche zuvor diesen Blogeintrag bei tirolischtoll.wordpress.com gelesen, wo diese Möglichkeit erwähnt wird…

asd
Aus eigener Kraft schnell und bequem ins Tal: Eines der Leihräder der Möslalm, hier bei der Rückgabe am Parkplatz Karwendeltäler in Scharnitz.

Bis auf einen einzigen Gegensanstieg von etwa 50 – 60 Höhenmetern verlief die Fahrt ausschließlich bergab und entsprechend rasant. Da ich ja mit dieser Erleichterung im Vorfeld nicht gerechnet hatt, war meine Freude natürlich groß, als ich ohne große Mühen in Scharnitz ankam und das Rad abgeben konnte.

  • Scharnitz kann gut mit der Bahn erreicht werden, aber auch mit dem Fernbus ab München (mehrmals täglich).
  • Für 8 EUR geht es ab der Möslalm mit dem MTB in 30 Minuten ins Tal nach Scharnitz. Wenn das Wetter es zulässt, am besten noch vorher Graukäse und Butter von der Alm kaufen und mitnehmen. 50 – 60 Höhenmeter Gegenanstieg (eine Stelle), ansonsten einfach nur bergab auf einem geschotterten, breiten Fahrweg. UPDATE 14.09.2016: Es gibt diese Option wohl nicht mehr…
  • Von der Pfeishütte aus ist die Sonntagkarspitze sicherlich der lohnendste Gipfel, weil der Weg über den Südgrat wirklich schön zu gehen/kraxeln ist. Es gibt keinerlei Haken oder ähnliches, das Gelände ist frei zu begehen, aber der Fels ist bis auf wenige Ausnahmen sehr fest. Extrem ausgesetzt wird es nicht, aber man sollte schon frei von Schwindel sein und moderat ausgesetzte Passagen gibt es mehr als genug. Das Panorama ist toll und der Weg führt nicht durch brüchige Bereiche im Kar, wie zum Beispiel bei Hinteren Bachofenspitze. Der Weg zur Hinteren Bachofenspitze ist wie ich finde weniger schön, aber auch weniger ausgesetzt.
  • Auch diese Tour findet sich in Walter Kliers Karwendel Alpin aus dem Bergverlag Rother, sowie auch die Erweiterungsmöglichkeiten der Tour, zum Beispiel um die Überschreitung der Kaskarspitze, Praxmarerkarspitzen und Jägerkarspitzen im Westen.
  • Die AV Karten 5/1 Karwendelgebirge West und 5/2 Karwendelgebirge Mitte decken alles ab, wobei man die Karte 5/1 nur für den Zustieg/Abstieg zur Hütte benötigt.
  • Die Gehzeiten und Schwierigkeiten aus meiner Erfahrung und in Klammern laut Karwendelführer, soweit darin beschrieben:
    • Pfeishütte – Sonntagkarspitze: 1,5 Stunden, I (2,5 Stunden, I )
    • Sonntagkarspitze – Pfeishütte: 1,5 Stunden, I
    • Pfeishütte – Möslalm: 1,5 Stunden
    • Möslalm – Scharnitz mit dem Mountainbike: 0,5 Stunden

In diesem Sinne

Martin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.