Nach den drei Tagen im Karwendel (siehe hier und da) war ich im südlichen Frankenjura zu Gast, um dort mit meinem alten Kletterpartner ein wenig Sportklettern zu gehen. Das Wetter war denkbar ungeeignet, denn die Sonne brannte gnadenlos auf uns nieder. Doch wir entschieden uns dennoch dazu, nach Konstein zu fahren und stiegen noch recht früh am Morgen in eine der markantesten Linien am dortigen Dohlenfels ein, dem Südgrat. Der Dohlenfels ragt gut zu erkennen aus den Flanken des Urdonautals hervor und der Südgrat ist die offensichtlichste Linie am Fels, denn sie führt direkt über dessen Rücken.

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Der Dohlenfels bei Konstein von Süden betrachtet. Wie ein Schiffsbug steht er aus der Flanke des Urdonautals hervor und hat dabei eine Höhe von deutlich mehr als 40 m.

Der Südgrat ist einfach zu klettern (5 UIAA) und entsprechend häufig begangen, sprich abgespeckt, aber wenn man den kompletten Grat auf dem Fels weiter geht, kann man, je nach Aufteilung, etwa vier bis fünf Seillängen klettern. Die Kletterei macht Spaß und die Route ist einfach ein Klassiker von Konstein. Außerdem hat man vom „Gipfel“ aus einen tollen Blick auf das Urdonautal, wo man gleichzeitig etwas darüber lernen kann, wie die Region und auch der Dohlenfels geformt wurde.

Blick vom Dohlenfels nach Süden über das Urdonautal.
Blick vom Dohlenfels nach Süden über das Urdonautal.

Wenn man sich das obige Foto vom höchsten Punkt des Dohlenfelsens anschaut, dann sieht im linken Bildteil eine bewaldete Erhebung inmitten der Felder. Dies ist ein Umlaufberg und dieser ist wie folgt entstanden: Urspünglich floß die Urdonau vom Tal in der Bildmitte kommend einmal um den Umlaufberg und dann nach rechts  ab, zu sehen in nachstehendem Bild.

Ursprüngliche Flussrichtung der Urdonau um den späteren Umlaufberg, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgerenzt war: Die Urdonau floß in einer Schleife.
Ursprüngliche Flussrichtung der Urdonau um den späteren Umlaufberg, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgerenzt war: Die Urdonau floß in einer Schleife.

Die Urdonau floß in einer Schleife und damals gab es zwischen dem späteren Umlaufberg und dem im rechten Bildteil gelegenen bewaldeten Rücken noch keinen Durchbruch für die Urdonau. Doch das sollte sich mit der Zeit ändern, denn die Urdonau strömte permanent gegen diese Barriere und trug sie nach und nach ab. Entsprechend konnte sie sich irgendwann einen direkten Weg Bahnen, zu sehen auf dem nächsten Bild.

Nach dem Durchbruch konnte die Urdonau direkter fließen.
Nach dem Durchbruch konnte die Urdonau direkter fließen.

Das ganze trug auch zur Entstehung des Dohlenfelsens bei. Zuvor sprach ich an, dass dieser wie der Bug eines Schiffs aus der Flanke des Tals hervor steht. Auf den obigen Bildern sieht man einen kleinen Teil des Dohlenfelsens  am unteren Rand der Bildmitte – der Felsen zeigt genau zur Bildmitte. Vor dem Durchbruch der Urdonau wurde er größtenteils von Osten (im Bild links) angeströmt und entsprechend wurde die linke Seite durch das Wasser erodiert. Nach dem Durchbruch der Urdonau änderte sich aber die Anströmung: In der entstandenen Schleife wurde nur noch wenig erodiert, da hier weniger Wasser floß und der Großteil nun direkt fließen konnte. Allerdings strömte dadurch die Urdonau genau auf den Dohlenfelsen zu und im Ergebnis erodierte sie dessen westliche Seite (im Bild rechts).

Zwei weitere Phänomene kann man übrigens sehr gut auf den Bildern erkennen: Den Gleithang, sowie den Prallhang. Durch unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten in Kurven und durch die unterschiedliche Anströmung wird in Kurven unterscheidlich stark Gestein erodiert oder gar abgelagert. Im Bereich der Urdonauschleife um den Umlaufberg kann man an dessen Außenseite entsprechend einen Gleithang erkennen, wohingegen der Dohlenfels an einem Prallhang steht, da hier die Urdonau nach dem Durchbruch direkt den Fels anströmte. Im Übrigen: Der Durchbruch selbst entstand natürlich auch dadurch, dass ein Prallhang durchbrochen wurde…

Doch zurück zur Kletterei. Nach dem Südgrat zogen wir weiter nach Aicha, in den Felsengarten (Alter Burgfelsen). Dieser war schattig und dort konnten wir dann tatsächlich ein paar Routen klettern, bevor uns dir Hitze dann doch in den Klettergarten Moll zwang, um uns dort mit kühlem Radler zu versorgen…

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Wer den ersten Pfeiler im Felsengarten bei Aicha auf gleichnamiger Route begeht, darf sich eine 7- ins Routenbuch eintragen. Die Kletterei im Felsengarten ist meist kurz, aber da ich in letzter Zeit wenig klettern war, kam mir das entgegen.

Der Felsengarten verfügt übrigens über einen kurzen Zustieg und ist für Familien ideal, da es einige einfache Routen und einen kindgerecht ebenen Wandfuß gibt. Nur warum an einem Teil des Felsens (mit sehr einfachen Routen) sämtliche Haken entfernt wurden, muss ich mal noch recherchieren…

Ein paar Informationen zur Geschichte der Kletterei bei Konstein und Aicha hatte ich an dieser Stelle schon einmal zusammengefasst. Zur Geologie finden sich in diesem Beitrag ein paar Informationen und für alle die einfach nur zum Klettern vorbeischauen wollen, hier noch einmal das Wichtigste:

Bitte die Sperrungen wegen Vogelbrut beachten – der Dohlenfels heißt nicht umsonst Dohlenfels! Hierzu gibt es im Felsinfosystem des DAV und vor Ort Informationen.

In diesem Sinne

Martin

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