Überschreitung Großer und Kleiner Solstein – Hohe Warte – Hintere und Vordere Brandjochspitze

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Meine ersten drei Tage im Karwendel lagen noch keine Woche zurück (siehe hier und da), da saß ich erneut im Zug und war auf dem Weg nach Süden. Noch immer war Schienenersatzverkehr zwischen Uffing am Staffelsee und Innsbruck (wenn ich das richtig sehe den ganzen August 2015), so dass ich in Zirl aus dem Bus stieg, um von dort aus zu meinem Ausgangspunkt, dem Abzweig Hochzirl, zu gelangen. Zwei Kleinbusse mit jeweils insgesamt neun Sitzen transportierten eine Reisegruppe mit 18 Teilnehmern und mich nach Hochzirl, da dies mit dem normalen Bus des Schienenersatzverkehrs auf den engen Straßen wohl nicht ohne Weiteres zu möglich wäre (richtig, wer das mit den Passagierzahlen nachrechnet wird feststellen, dass das im Schienenersatzverkehr der ÖBB alles nicht so eng gesehen wird). Von Hochzirl brach ich zum Solsteinhaus (1805 m) auf, dass nach etwas unter zwei Stunden Wanderung auf weitgehend geschottertem Weg schnell erreicht war. Erst das letzte Fünftel geht man auf einem schmalen Steig, wobei es sich hier auch nicht um wildes Gelände, sondern um einen schönen wurzeligen Weg handelt.

Das Solsteinhaus ist sehr modern eingerichtet und auch wenn ich noch Verständnis für Annehmlichkeiten wie eine Dusche und Stockbetten statt klassischer Lager habe, manche Dinge gehen mir dann doch zu weit. Unmittelbar in der Nähe zur Hütte wurde ein Klettergarten eingerichtet (was ja noch in Ordnung ist), aber in einigen Routen wurden tatsächlich künstliche Griffe verbaut, um den Schwierigkeitsgrat abzumildern. Außerdem wurde eine Seilrutsche bei der Hütte installiert und insgesamt musste ich doch schon ein wenig an das Schlagwort „Funpark Alpen“ denken. Anscheinend reichen das phänomenale Panorama von der Hütte und die alpine Natur nicht mehr aus, um genügend Gäste auf die Hütte zu bekommen?! Positiv aufgefallen ist mir allerdings, dass der Hüttenwirt großen Wert darauf legt, dass sich jeder ordentlich ins Hüttenbuch einträgt. Für alle die es nicht wissen: Bei Such- und Rettungsaktionen kann dies eine richtig große Hilfe sein und daher immer (!) korrekt eintragen, denn man könnte davon profitieren. Das gilt im Übrigen auch für Gipfelbücher: Wenn dort vermerkt wird, wer wann woher kam und wohin weitergeht, kann die Bergwacht bei Suchaktionen unter Umständen wertvolle Zeit gewinnen.

Das Frühstück auf der Hütte gab es um 6:30 Uhr und pünktlich um 7 Uhr startete ich zum ersten Ziel meiner etwas größeren Tour: Der Überschreitung der westlichsten fünf Gipfel der Inntalkette. Diese Kette wird übrigens auch (besonders von den Innsbruckern) Nordkette genannt, wobei sie die südlichste der Karwendelkette ist und nicht mit der Nördlichen Kette verwechselt werden sollte. Erstes Gipfelziel war der Große Solstein (2541 m). Unmittelbar bei der Hütte beginnt der Aufstieg über einen sehr gut markierten Pfad. Zunächst durch Latschen, später dann nach der Vegetationsgrenze in reinem Fels. Von Beginn an geht es nur bergauf und wenn man sich umdreht erkennt man das Solsteinhaus vor dem Panorama der Erlspitzgruppe.

Blick vom
Das Solsteinhaus vor der Erlspitzgruppe. Von links nach rechts erkennt man im Massiv Reither Spitze, Freiungenspitzen, Kuhljochspitze und im Vordergrund die Erlspitze.

Auf dem Weg zum Großen Solstein, der übrigens knappe 100 Höhenmeter niedriger als der Kleine Solstein (2637 m) ist, entdeckte ich erneut einige Gemsen und zu meiner großen Freude auch wieder Steinböcke.

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Morgenstund hat Gold im Mund – zwei Steinböcke am Morgen beim Aufstieg zum Großen Solstein.
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Erneut hatte ich Glück und konnte Steinböcke beobachten, dieses Mal auf etwa 2400 m Höhe nur unweit des Pfades, auf dem es hoch zum Gipfel des Großen Solstein ging.

Der Gipfel des Großen Solstein war schnell nach etwas mehr als einer Stunde erreicht und schon jetzt war mir klar, dass der Rest der Tour auf dem Grat ohne Schatten und in gnadenlos sengender Sonne, dafür aber bei absolut stabilen Verhältnissen verlaufen würde. Da ich schon durchgeschwitzt war wechselte ich das Shirt und schaute mir den weiteren Weg an.

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Am rechten Bildrand der kleine Solstein, in der Mitte der Blick vom Großen Solstein Richtung Nordosten. Das Wetter war ziemlich diesig, so dass die Fernsicht deutlich schlechter als eine Woche zuvor war, aber das ist eben der Preis, den man für die lange Hochsommerphase im August zahlt.

Während der Weg zum Großen Solstein rot ist, handelt es sich beim Übergang zum Kleinen Solstein schon um einen schwarzen Weg und dieser ist entsprechend deutlich ausgesetzter, aber an einigen Stellen mit einem Drahtseil gesichert und vor allen Dingen deutlich reizvoller als der erste Abschnitt. Nach 45 Minuten erreichte ich auf dem gut markierten Weg den Gipfel des Kleinen Solstein und damit war auch das zweite Shirt durchgeschwitzt.

Kleiner Solstein
Durchnässt: Zwei Gipfel, zwei durchnässte Shirts.

Die Shirts trocknete ich etwas an der Luft und in der Sonne, um mich noch einmal in Walter Kliers Alpenvereinsführer Karwendel alpin kurz mit dem nächsten Abschnitt vertraut zu machen. Der Übergang zum nächsten Gipfel, der Hohen Warte (2597 m) führt zunächst den Ostgrat des Kleinen Solsteins hinab, über einen Reitergrat und im Anschluss geht es ab der tiefsten Senke zwischen den beiden Gipfel auf dem Westgrat der Hohen Warte bergauf. Für den Abschnitt bis zur Scharte zwischen den Gipfe ln wird der untere dritte Grat, III- UIAA, verlangt.

Kleiner Solstein
Der Verlauf des Grats zwischen Kleinem Solstein und Hoher Warte (Gipfel im Bild rechts). Dahinter links schon der Gipfel der Hinteren Brandjochspitze.

Zunächst stieg ich leicht südlich einen steilen Abbruch umgehend zum Grat hinab. Im Führer wird für die von mir gegangene Tour nur die Gegenrichtung wirklich beschrieben und für den für mich ersten Abschnitt war die Ansage klar: Den steilen Abbruch des Kleinen Solsteins südlich umgehen. Als ich dies getan hatte und auf dem Ostgrat des Kleinen Solsteins angekommen war, konnte ich auch ganz gut erkennen, warum.

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Der Ostgrat des Kleinen Solsteins endet an dessen steilem Abbruch nach Nordosten und wird dann südlich (im Bild links) in gut erkletterbarem Gelände fortgesetzt.

Der nächste Abschnitt der vor mit lag, vom Ostgrat des Kleinen Solsteins zur Scharte und weiter über den Westgrat der Hohen Warte, versprach spaßig zu werden, denn ein Reitergrat mit einem ordentlichen Maß an Ausgesetzteit war im Führer angekündigt.

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Gut zu erkennen: Der Grat zwischen Kleinem Solstein und Hoher Warte – ziemlich in der Bildmitte der Reitergrat.

Das Schöne an solchen Gratwanderungen ist, dass man sich nur schwer verirren kann. Zwar handelt es sich um wegloses Gelände und man muss unter Umständen schauen, wo man die beste Linie für das Weiterkommen findet (dazu später mehr), aber im Großen und Ganzen ist die Richtung klar vorgegeben. Es gibt kein links und kein rechts, sondern nur vorwärts und rückwärts. Am besten erkennt man das natürlich bei einem Reitergrat, denn dort sind rechts und links wirklich auf ein Minimum begrenzt…

Der Reitergrat des Kleinen Solstein Ostgrats. Zwar ausgesetzt, aber dafür ist definitiv klar, in welche Richtung man zu gehen hat.
Der Reitergrat des Kleinen Solstein Ostgrats. Zwar ausgesetzt, aber dafür ist definitiv klar, in welche Richtung man zu gehen hat. Während es nach Norden (links im Bild) sehr weit abfällt, erkennt man rechts in etwa 10 m Tiefe den ins Tal abfallenden Schotter.
Auf dem Reitergrat
Selfie auf dem Reitergrat des Kleinen Solstein Ostgrats. Bei den schwarzen Flecken auf dem Fels vor mir handelt es sich um Beweise dafür, dass auch Gemsen diesen Grat begehen…

Einen stilistisch interessanten Ansatz zum Überqueren des Grates, bei dem ich schon ein wenig schmunzeln musste, und viele tolle Bilder gibt es übgiens bei spitzentreffen.at zu sehen. Nach Verlassen des Reitergrats ging es noch einige Meter entland des Ostgrats des Kleinen Solsteins, bevor ich in der Senke zur Hohen Warte (2597 m) auf den Normalweg zu diesem Gipfel stieß, den Westgrat zur Hohen Warte. Nun ging es auf einem markierten Steig rasch in leicht kraxeligem Gelände nach oben und in  unter einer Stunde vom Kleinen Solstein aus erreichte ich das Gipfelkreuz.

Blick von der Hohen Warte nach Westen, auf den kleinen Solstein.
Blick von der Hohen Warte nach Westen, auf den kleinen Solstein.

Der weitere Weg zur Hinteren Brandjochspitze erforderte wieder den unteren III. Grad und war zunächst kein Problem, allerdings nahm die Festigkeit des Gesteins mit jedem Meter ab und alles wurde zunehmen brüchiger – oder karwendeliger, wie man auch sagen könnte. Etwa in der Mitte zwischen den beiden Gipfel steht ein sehr markanter Felsturm, der eine steil abstürzende Nordwand besitzt und den ich entsprechend südlich umging, ganz wie im Alpenvereinsführer empfohlen. Nach der Umrundung dieses Turms schließt sich direkt der nächste Aufschwung an, den ich zunächst auch etwas südlich querte, bevor ich mich dann im weiterhin zunehmend brüchigen Terrain dazu entschloss, dass es wohl auf Grathöhe am besten weiterzuklettern sein muss. Wer von der Hohe Warte kommt sollte hier einfach nach Umgehung des ersten äußerst markanten Zackens wieder zum Grat zurückkehren, eine weiter südliche Umgehung macht nur wenig Sinn – ganz im Gegensatz zu der letzten Passage, nur wenige dutzend Meter unterhalb des Gipfels. Bei spitzentreffen.at gibt es ein schönes Bild von dieser Stelle, in der auch noch in grün der (im Abstieg allerdings) gewählte Weg eingezeichnet wurde. Zu dieser Stelle steht im Karwendelführer, dass der Abbruch nordseitig umgangen werden kann, auf einem sehr ausgesetzten Band. Dieses konnte ich allerdings nicht ausmachen. Was auf dem erwähnten Bild bei spitzentreffen.at nicht so ganz deutlich wird: Auch für den Einstieg in den Riss braucht man etwas Mut, denn hier hat man richtig viel Luft unter dem Hintern. Mir persönlich schien es etwa drei Meter weiter südseitig (also im Bild bei spitzentreffen.at rechts) besser und nach einem ersten Versuch entdeckte ich dann einen weiteren Meter südlich (ganz am Bildrand) eine Variante, die griffig und gut zu klettern, allerdings auch noch im III. Grat anzusiedeln war. Diese Variante war zwar kein Problem, aber vom Gipfel kommend weiß ich nicht, ob ich sie entdeckt und was ich getan hätte… Nach dieser Stelle, meines Erachtens nach die Schlüsselstelle zwischen Hoher Warte und Hinterer Brandjochspitze, erreichte ich nach wenigen Schritten den Gipfel der Hinteren Brandjochspitze (2599 m).

Von der Hinteren Brandjochspitze schaute ich nach Osten und nur eine Scharte trennte mich vom letzten Gipfel des Tages, der Vorderen Brandjochspitze.
Von der Hinteren Brandjochspitze schaute ich nach Osten und nur eine Scharte trennte mich vom letzten Gipfel des Tages, der Vorderen Brandjochspitze.

Auf obigem Bild kann man schon erkennen, dass es von der Hinteren zur Vorderen Brandjochspitze nicht weit ist und auch im Führer wird für den Übergang mit lediglich einer halben Stunde kalkuliert. Leicht südlich verläuft eine unangenehm mit brüchigem Kies gefüllte Schrofenrinne, die ich zur Scharte hinab ging, bevor ich im I. Grat kurz durch etwas besseres Gelände zum Gipfel der Vorderen Brandjochspitze (2559 m) gelangte. Auf dem obigen Bild von der Hinteren auf die Vordere Brandjochspitze blickend erkennt man im unteren Bereich des Bilds ganz gut, was für eine Unmenge an Bruch auf einen wartet…

Am Gipfel der Vorderen Brandjochspitze legte ich eine Pause ein und eine Bergdohle konnte ich dazu bringen, mir aus der Hand zu essen. Bilder vom Panorama über Innsbruck machte ich kaum, denn es war ziemlich diesig – hier gibt es aber einige Blicke in diese Richtung aus der Woche zuvor. Da es mein Plan war zur Pfeishütte zu gehen, um dort zu übernachten, stieg ich rasch den klettersteigmäßig versichterten Steig zum Hittsattel ab, wo ich eines der Wahrzeichen der Nord- oder Inntalkette erblickte. Frau Hitt.

Blick vom Ostgrat der Vorderen Brandjochspitze auf den Hittsattel mit Frau Hitt (am linken Rand zu sehen).
Blick vom Ostgrat der Vorderen Brandjochspitze auf den Hittsattel mit Frau Hitt (der Zapfen am linken Rand).

Von Frau Hitt hatte ich nicht nur im Karwendelführer gelesen, sondern auch kurz zuvor beim Podcast B5 für Bergsteiger vom 26. Juli 2015 gehört. Da der Weg über die Westseite nicht schwerer als III ist, hatte ich mir vorgenommen auch noch Frau Hitt zu besteigen (dieses Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen), aber irgendwie sah der Zapfen zwischen den ihn umgebenden echten Gipfeln doch etwas mickrig aus und ich hatte auch großen Durst, so dass ich mich direkt an den Abstieg zur Seegrube machte. Diese erreichte ich nach etwa 1,5 Stunden, vom Gipfel der Hinteren Brandjochspitze aus.

Nachdem ich auf dem Weg vom Solsteinhaus bis zur Seegrube insgesamt schon drei Liter Flüssigkeit getrunken hatte (auf einem Grat hat es eben keinen Schatten), trank ich weitere 1,5 l und machte mich weiter auf den Weg zur Pfeishütte. Hierzu ging ich teilweise den Weg, den ich eine Woche zuvor schon zum Abstieg genutzt hatte: Zunächst bergauf zum Gleirschjöchl, dann quasi eben und ohne Verlust oder Gewinn von Höhenmetern auf dem Goetheweg weiter zur Mandlscharte. Von dort aus wollte ich einfach zur Pfeishütte absteigen, doch dann sah ich eine vierköpfige Familie am Rand des steinigen Pfads hinab zur Hütte sitzen. So richtig glücklich sahen sie nicht aus und daher hakte ich nach, ob alles in Ordnung sei. Der Vater, mit einem etwas mehr als zwei Jahre altem Kind in einer Kraxe auf dem Rücken, hatte sich das Knie verdreht. Hilfe wollten sie allerdings nicht so richtig. Entsprechend ging ich weiter, sprach kurz mit einer zweiten Familie, die mit der ersten befreundet war und ging dann noch einmal zurück, um mein Hilfsangebot doch noch etwas besser an den Mann bringen zu können. Unser gemeinsames Ziel war die Pfeishütte und ich bot an, etwas nach unten zu tragen, um sie zu entlasten. Eigentlich dachte ich ja an den Rucksack der Mutter, damit diese das Kind in der Kraxe übernehmen könne, doch zwei Minuten später hatte ich dann die Kraxe inklusive Kind auf dem Rücken. Meinen eigenen Rucksack trug ich selbstverständlich auch, vorne auf der Brust, und auf diese Weise doppelt beladen machte ich mich an den Abstieg zur Pfeishütte: Der Vater humpelte mir hinterher, während die Mutter sich mit dem zweiten Kind langsam ebenso an den Abstieg machte. Anfangs war mir zugegebenermaßen etwas mulmig, denn schließlich trug ich nun (wortwörtlich!) nicht nur Verantwortung für mein eigenes Leben, sondern hatte noch ein fremdes Kind huckepack. Es handelte sich zwar nur um einen roten Wanderweg, aber ein eventuelles Ausrutschen hätte ernsthafte Konsequenzen für meine wertvolle Fracht haben können. Am Ende ging jedoch alles gut, ich brachte das Kind sicher ins Tal, der Vater humpelte frei von Gepäck aber nicht frei von Schmerzen hinterher und eine ganze Weile später fand auch die Mutter mit dem zweiten Kind noch zur Pfeishütte, wo für mich ein durchaus anstrengender Tag bei bester Verpflegung durch das Hüttenteam zu Ende ging.

An dieser Stelle noch ein kurzer Kommentar zur Familie, der ich begegnet bin: Das zweite Kind, fünf Jahre alt, trug einen Brustgurt, an den ein Seil befestigt war und mit dem die Eltern das Kind im vielleicht nicht extrem ausgesetzten, aber durchaus abschüssigen Gelände des Goethewegs zu sichern versuchten. Allen die das ebenso handhaben wollen sei gesagt, dass es unmöglich (!) ist, ein ins Abrutschen geratenes Kind von rund 19 kg (50 % aller Fünfjährigen wiegen knapp unter 19 kg) halten zu können. Ein Seil gibt nur dann Sicherheit, wenn man es richtig einsetzt und bringt per se keinen Schutz! Entsprechend sollte man hier Sicherheit durch eine vernünftige Tourenplanung erreichen und mit Kindern, die man am liebsten anleinen würde, eben keine absturzgefährdeten Passagen gehen!

asd
Auf Höhe der Bildmitte ist der Goetheweg zu erkennen, der zwar nicht ausgesetzt, aber dennoch nach links abschüssig ist. Wer hier versucht ein mit einem Brustgurt „gesichertes“ Kind zu halten, wird gnadenlos mitgezogen.

Hier noch ein paar Informationen zur Tour

  • Die AV Karten 5/1 Karwendelgebirge West und 5/2 Karwendelgebirge Mitte decken alles ab. Für den Weg vom Solsteinhaus bis zur Seegrube reicht Karte 5/1, der Weg weiter zur Pfeishütte findet sich auf Karte 5/2, ist aber auch ausgeschildert.
  • Walter Kliers Karwendel Alpin aus dem Bergverlag Rother ist ein Muss und beschreibt die Gipfel. Einzig am Abbruch vor der Hohen Warte (zum Westgrat hin) würde ich persönlich nicht nordseitig queren wie dort beschrieben, sondern im Süden eine einfachere Rinne  (III) suchen (siehe Text).
  • Nachstehend die Gehzeiten die ich benötigt habe und die Schwierigkeiten, wie ich sie einschätzen würde. Da solche EInschätzungen natürlich sehr subjektiv sind, finden sich in Klammern, wenn verfügbar, auch die Angaben aus Führer. Bitte beachten, dass es sich um eine wirklich lange und zwischen Kleinem Solstein und Seegrube dauerhaft ausgesetzte Tour handelt – bitte konservativ planen und nicht unterschätzen (siehe Kommentare).
    • Hochzirl – Solsteinhaus: 110′ (150′, einfacher Weg)
    • Solsteinhaus – Großer Solstein: 75′ (120′ , roter Bergweg)
    • Großer Solsein – Kleiner Solstein: 45′ (60′, schwarzer Bergweg)
    • Kleiner Solstein – Hohe Warte: 45′, III (90′, III-)
    • Hohe Warte – Hintere Brandjochspitze: 45′, III (90′, III-)
    • Hintere Brandjochspitze – Vordere Brandjochspitze: 30′, I (30′, I)
    • Vordere Brandjochspitze – Seegrube: 60′, Klettersteig A (I, 90′ im Aufstieg)
    • Seegrube – Mannlscharte – Pfeishütte: 90′
  • Wer bei der Überschreitung von der Hinteren Brandjochspitze hin zur Hohen Warte ein Seil dabei hat, kann die Schlüsselstelle durch Abseilen entschärfen. Eine Abseilstelle ist an einem der Köpfel allerdings selbst einzurichten. Wie lang das Seil sein sollte weiß ich nicht, aber ich vermute (!) ein 50 m Halbseil würde reichen. Ansonsten ist das Gelände insbesondere zwischen Vorderer und Hintere Brandjochspitze, sowie im Westgrat der Hinteren Brandjochspitze richtig brüchig und man muss das Gelände frei gehen können, da eine Absicherung in der Praxis nicht möglich ist. Auch aufgrund der Länge der Tour muss man das Gelände seilfrei beherrschen.
  • Die Tour ist nicht nur lang und ausgesetzt: Es gibt weder Schatten, noch eine Möglichkeit, Wasser zu erhalten. Bei sommerlichen Touren ist also entsprechend viel Wasser einzuplanen!
  • Eine alternative Variante ist der Aufstieg zur Hinteren Brandjochspitze über deren Südgrat (zum Beispiel bei spitzentreffen.at beschrieben), jedoch wird auch hier der III. Grat verlangt. Ebenso kann vom Westgrat der Hohen Warte aus ein- oder ausgestiegen werden.

In diesem Sinne

Martin

3 thoughts on “Überschreitung Großer und Kleiner Solstein – Hohe Warte – Hintere und Vordere Brandjochspitze

  1. Hey Martin,

    danke für deine super Tourenbeschreibung. Wir sind die Tour gestern gegangen. Allerdings haben wir auf dem Gr. Solstein genächigt um die Tour für den nächsten Tag etwas zu kürzen.
    Deine Zeiten sind echt ziemlich beeindruckend die du da zurück gelegt hast. Vor allem in anbetracht der durchgänigen ausgesetzheit ab dem kl. Solstein. In deiner beschreibung hört sich das alles recht easy an. In anbetracht der Tour würde ich vielleicht an dieser und jener Stelle mal erwähnen wie lang und ausgesetz dei Tour ist, da ich denke das sich Leute dort leicht unterschätzen könnten.

    Wir sind um 9:00 vom Großen Solstein gestartet und um 16:30 an der Seegrube angekommen, hatten nur einige Fotopausen und sind sonst aufgrund von akutem wassermangel ohne längere Gipfel Pausen durch.

    Und falls es dich noch interessiert das beschriebene nördliche Felsband kurz vor dem Gipfel der hinteren Brandjochspitze is die auf Spitzentreffen.at grüne route, diese sind wir hoch gekletter, was relativ einfach ging.

    Aber aufjedenfall danke für die Inspiration und ausführliche Schilderung der Tour

    Lg Chris

  2. Hallo Chris,

    vielen Dank für deinen Kommentar! Gehzeiten sind natürlich immer sehr subjektiv und hängen natürlich von zahlreichen Faktoren ab, so dass ich extra deshalb die Angaben aus dem Führer dazu gepackt habe. Damit kann sich dann jeder ein Bild darüber machen, was die Literatur sagt und sich selbst vielleicht besser einschätzen. Mir persönlich lag das Gelände sehr und ich hatte einen sehr guten Tag, so dass ich entsprechend flott gehen konnte. Am Ende hatte ich mich allerdings ein wenig geärgert, denn ich hatte nur recht wenige Bilder gemacht und von der erwähnten Stelle kurz vor dem Gipfel der Hinteren Brandjochspitze gar keins. Im Übrigen: Dass die Route der Wahl bei Spitzentreffen.at grün markiert ist habe ich sehr wohl erkannt, allerdings fand ich diesen Einstieg von unten sehr unangenehm und hatte mich für die Variante deutlich weiter rechts entschieden.
    Den Beitrag habe ich am Ende in der kurzen Zusammenfassung noch einmal aktualisiert und noch einmal betont, dass es eine ausgesetzte und lange Tour ist. Das kommt nun hoffentlich etwas besser heraus.

    Grüße
    Martin

    P.S: Eine kleine Anmerkung, um die ich leider nicht herum komme: Natürlich ist es eine tolle Idee auf dem Großen Solstein zu übernachten, allerdings handelt es sich beim Karwendel um einen ausgewiesenen Naturpark, bei dem entsprechende naturschutzrechtliche Vorgaben zu beachten sind. Man kann die Tour auch „halbieren“ und von Frau Hitt zum Beispiel zur Achselbodenhütte absteigen. Oder aber nach der Hohen Warte zu dieser Hütte und am nächsten Tag über das Brandjochkreuz zur Vorderen Brandjochspitze.

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