Wissen – Von schmierigen Griffen in Kletterhallen

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Jeder kennt schmierige Griffe in Kletterhallen, doch ein vor etwas mehr als einem Jahr von Bräuer et al. unter der Überschrift Microbial Sequencing Analyses Suggest the Presence of a Fecal Veneer on Indoor Climbing Wall Holds in der Zeitschrift Current Microbiology veröffentlichter Artikel lässt den Ausdruck „schmieriger Griff“ unter einem ganz neuen Gesichtspunkt erscheinen. Der Titel legt es schon nahe, eine Gruppe von Wissenschaftlern hat Klettergriffe in Kletterhallen bezüglich ihrer mikrobiellen Flora untersucht und dabei unter anderem festgestellt, dass sich unter den Keimen auf der Oberfläche von Klettergriffen auch eine ganze Menge Keime befinden, die man gewöhnlich in Fäkalien findet.

Was sich so alles auf Klettergriffen tummelt…

In vier Kletterhallen wurden zwischen März und Juni 2011 jeweils drei Griffe eingesammelt und daraufhin untersucht, welche Bakterien man auf ihnen finden kann. Zugegeben, eine Stichprobe von 12 Griffen ist zwar eher klein, aber da es ansonsten keinerlei Daten zur Keimen auf den Griffen künstlicher Kletteranlagen gibt immerhin besser als nichts. Bei der Auswahl der Griffe wurde darauf geachtet, dass die Griffe am Beginn der Routen waren und dass die Griffe im Monat vor der Probennahme nicht durch Mitarbeiter der Kletterhalle geputzt wurden. Über den Schwierigkeitsgrat der Routen wurde kein Wort verloren…

Im Ergebnis wurden, leicht vereinfacht ausgedrückt, 546 verschiedene Keime gefunden. Wie mittlerweile jeder aus der Schule wissen sollte gibt es aber nicht nur schlechte, sondern auch gute Keime und natürlich auch zahlreiche Keime, die einem gesunden (= immunkompetenten) Menschen reichlich egal sind. Interessant ist daher die Frage, wo die auf den Klettergriffen gefundenen Keime sonst anzutreffen sind. Die größte Gruppe an Keimen stammt nicht wie bei einem häufig mit den Händen berührten Griff zu erwarten von der mikrobakteriellen Flora des Menschen, sondern aus der Erde. Dies, so vermuten die Autoren, ist der Tatsache geschuldet, dass über die Schuhe die Keime an die Griffe gelangen können. Erst an zweite Stelle folgt die Gruppe der hautassoziierten Keime. Interessant ist allerdings vor allem die Tatsache, dass an jedem der zwölf untersuchten Griffen auch Keime zu finden waren, die man gängigerweise als Fäkalkeime bezeichnen könnte. 9 % aller gefundenen Keime gehören zum Genus Escherichia und wem das noch nicht eklig genug ist, der sei darauf hingewiesen, dass gleichzeitig 5 % der identifizierten Keime normalerweise oralen Ursprungs sind. Zur Frage wie diese Gruppen von Keimen an die Griffe kommen äußern sich die Autoren übrigens nicht…

… und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

Nicht jeder Keim verursacht Krankheiten und trotz der Tatsache, dass zum Beispiel auch Shigella gefunden wurden, die durchaus Krankheiten verursachen könnten, fassen Bräuer et al. am Ende ihres Artikels folgerichtig zusammen:

While this does not necessarily represent a significant risk, climbers should take precautions, for example, by washing their hands both before and after climbing.

Ab und zu die Finger waschen schadet also auch beim Hallenklettern nicht – wer hätte das gedacht?!

In diesem Sinne

Martin

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