Am zweiten Samstag im Juli dieses Jahres klingelte mein Wecker früh. Sehr früh – um 0:30 Uhr. Selbst für eine Hochtour auf einen 4000er in den Westalpen ist dies eine extrem frühe Uhrzeit, doch mich zog es weder auf einen 4000er, noch auf in die Westalpen. Stattdessen war die Überschreitung des Kleinen und Großen Waxensteins (2136 m/2277 m), sowie des Zwölferkopfs (2226 m) das Ziel. Am Ende würde es etwas anders kommen als geplant, aber dazu später mehr. Um 1:19 Uhr morgens stieg ich jedenfalls in den zu meiner Überraschung gut gefüllten ICE 619 und fuhr gen München, um in Pasing umzusteigen und um 8:15 Uhr in Garmisch-Partenkirchen die Zahnradbahn nach Hammersbach zu erwischen.

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Der Kleine Waxenstein (links), durch die Mittagscharte (Bildmitte) getrennt von Zwölfekopf und Großem Waxenstein (links und ganz links).

Um kurz nach halb neun startete ich vom Bahnhof in Hammersbach und im Vorfeld der Tour hatte ich schon gewusst, dass es nicht ganz einfach werden sollte, denn der Weg sei angeblich schlecht zu finden und gute Orientierung notwendig. Genau das ist aber mein Problem, denn Orientierung im Gelände klapp bei mir zuweilen nicht immer optimal. Da ich alleine unterwegs war, war die Tour aber eine gute Möglichkeit an meiner Schwäche zu arbeiten. Erstes Ziel war der Aufstieg durch den Stangenwald zur Mittagreißn, der Verlängerung der auf obigem Bild sichtbaren Mittagscharte. Dorthin führt eigentlich ein Weg, doch auf den Wegen unterhalb der nördlichen Wand des Kleinen Waxensteins gibt es einige Wege und alles ist beschildert, nur nicht der Weg zur Mittagreißn. Entsprechend musste ich mich auf die Angaben im Führer, die Karte, meinen Kompass und etwas auf meine Intuition verlassen und am Ende kam ich tatsächlich nach einer Stunde Aufstieg am Fuß der Mittagreißn an.

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Die Mittagreißn (im Vordergrund) ist eine lange Schuttrinne in der Verlängerung der Mittagscharte (Bildmitte). Im Bild erkennt man links den Kleinen Waxenstein, sowie rechts neben der MIttagscharte den Zwölferkopf und daneben, scheinbar kleiner, den Großen Waxenstein.

Dem Verlauf der Mittagscharte folgte ich zunächst am linken Rand, bevor ich diese in etwa in der Mitte querte, um dann am rechten Rand weiter aufzusteigen. Am Ende der Mittagreißn geht es nach links hinauf zu einem kleinen Grasrücken auf unterhalb des Mandl (1889 m). In diesem Abschnitt muss man dann auch erstmals etwas mit den Händen arbeiten, denn dort wartet einfache Kletterei.  Laut Führer stellenweise II (UIAA), doch das hängt durchaus davon ab, wo genau man sich durch die Wand bewegt, denn einen klaren Weg gibt es nicht. Hier und da findet man mal ein Steinmandl oder eine grüne Eisenstange, doch diese Markierungen habe ich immer erst entdeckt, wenn ich direkt daneben stand und daher dienen sie eher zur Bestätigung des eingeschlagenen Weges, als das man sie wirklich zur Orientierung nutzen könnte.

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In etwa in der Bildmitte kann man eine kleine grüne Eisenstange entdecken. Von diesen gibt es ein paar zur Markierung des Weges, doch aufgrund ihres unscheinbaren Grüns, kann man sich nicht wirklich auf diese Stangen zur Orientierung verlassen.

Um zum Mandl zu gelangen kann man sich auf seine Intuition verlassen und sich immer an den Latschen orientieren. Diese sollte man stets zu seiner linken haben, bis man sie am oberen Rand der durchquert. Man erkennt im oberen Teil auch eine kleine Wand auf der rechten Seite und dass der leichteste Weg nicht durch die Wand, sondern zwischen Latschen und Wand führt, ist eigentlich offensichtlich.

Blick von kurz unterhalb des Mandls nach Grainau. Im linken unteren Bereich des Bildes erkennt man die oberen Bereiche der Mittagreißn.
Blick von kurz unterhalb des Mandls nach Grainau. Im linken unteren Bereich des Bildes erkennt man die oberen Bereiche der Mittagreißn.
In leichter Kletterei geht es hinauf zum Mandl.
In leichter Kletterei geht es hinauf zum Mandl.

Das Mandl erreichte ich zwei Stunden nach Aufbruch und dort legte ich eine kurze Pause ein, denn in der kurzen Wand zum Nordgrat des Kleinen Waxenstein sorgte ein Besteiger vor mir für etwas Steinschlag. Daher nutzte ich die Gelegenheit, den Ausblick zu genießen.

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Blick nach Grainau, vom Grasbuckel unterhalb des Mandls.
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Blick über das Höllental zur Alpspitze.
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Die Wand über dem Mandl, hoch zum Norgrat des Kleinen Waxensteins. Wer den optimalen Weg sucht, kann hier schauen.

Nach der Stärkung stieg ich durch die kleine Wand zum Nordgrat des Kleinen Waxensteins auf. Den optimalen Weg hierzu hatte ich zuvor schon im Netz entdeckt. Es folgte leichte Kraxelei im maximal zweiten Grat, wobei viel Gehgelände schnelles Vorankommen ermöglichte. Man kann sehr leicht erkennen, wann man sich entland des Grates bewegen muss, oder wann es Sinn macht leicht neben dem Grat zu gehen. Insgesamt 2,5 Stunden nach Aufbruch zur Tour erreichte ich den Gipfel des Kleinen Waxensteins.

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Vom Gipfel des Kleinen Waxensteins nach Süden blickend erkennt man auf der rechten Bildseite die Gipfel von Zwölferkopf (ganz rechts) und Großem Waxenstein (daneben, mit Kreuz), sowie im Hintergrund die Zugspitze und links daneben den Jubiläumsgrat.
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Herrliches Panorama mit Alpspitze, Jubiläumsgrat, Zugspitze und Großem Waxenstein. Mehr Informationen zu den Gipfeln bei peakfinder.org.

Bis hierhin war es eigentlich einfach gewesen, denn ich hatte eine gute Beschreibung aus dem Führer (siehe Informationen am Ende der Seite) und schöne Bilder zum Weg dem Netz, doch nun wurden meine Informationen mit jedem Meter den ich weiter Richtung Großer Waxenstein ging weniger. Zunächst seilte ich mich am südlichen Ende des Gipfels am Kleinen Waxenstein zweimal zur Mittagscharte ab. Bei hikr.org hatte ich hierzu Abenteuerliches gelesen, aber vor Ort musste ich feststellen, dass es absolut kein Problem ist und man ganz eindeutig sieht, was zu tun ist.

Mein nächstes Ziel war der Zwölferkopf und nach dem Abseilen stellte ich fest, dass ich eigentlich gar keine Informationen dazu hatte, wie dieser zu erreichen sein sollte. Dass es durch die Ostwand geht war so ziemlich das einzige, was ich wusste, auch dass der Weg angeblich leicht markiert sein sollte. Da der Weg dorthin nicht sehr schwer sein soll, beschloss ich also dem einfachsten und offensichtlichsten Weg zu folgen. Als ich dann unter der Ostwand stand, erblickte ich eine Rinne und war mir sicher, dass diese mich zum Ziel bringen sollte.

Eine Rinne in der Ostwand des Zwölferkopfs als offensichtlich einfachster Weg sich in der Ostwand fortzubewegen. Leider nicht in die richtige Richtung.
Eine Rinne in der Ostwand des Zwölferkopfs als offensichtlich einfachster Weg sich in der Ostwand fortzubewegen. Leider nicht in die richtige Richtung.

Der Rinne folgte ich, nach ihrem Ende verlängerte ich noch etwas und plötzlich stand ich wieder auf einem Grat – leider südlich des Zwölferkopfes, auf dem Grat zum Großen Waxenstein. Den richtigen Weg hatte ich verpasst, es wäre zuvor in der Ostwand zum Gipfel gegangen.

Am Ziel vorbei: Blick vom Grat zwischen Großem Waxenstein und Zwölfekopf zum Zwölferkopf.
Am Ziel vorbei: Blick vom Grat zwischen Großem Waxenstein und Zwölfekopf zum Zwölferkopf. Aus der Verlängerung der Rinne, hier nach rechts untern führend, war ich am Gipfel vorbei geklettert.

Da ich mir nicht sicher war, wo der eigentliche Weg gewesen wäre, beschloss ich weiter zu klettern und ging aug dem Grat weiter in Richtung Großer Waxenstein. Nun wurde die Kletterei an einer Stelle auch deutlich schwerer und als ich in dieser ausgesetzten Stelle (die ich mit III bewerten würde) neben mir einen nagelneuen Bohrhaken entdeckte, war ich mir wieder sicher, auf dem richtigen Weg zu sein. Kurz vor dem Gipfel des Großen Waxensteins tat sich jedoch noch eine Scharte von etwa 20 m Tiefe auf, die von oben betrachtet ziemlich ungemütlich aussah, was die Möglichkeit sie abzuklettern anging. Es besteht dort die Möglichkeit sich von oben an einem mäßigen und leider recht flachen Köpfel abzuseilen, oder weiter unten, nach etwa drei Metern einen rostigen Normalhaken zu nutzen. Beides nicht optimal, aber als ich am Ende der Abseilpartie nach oben schaute war ich mir zumindest sicher, dass abklettern in der leicht überhängenden Verschneidung ein äußerst spannendes Unterfangen hätte werden können.

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Von unten betrachtete Abseilstelle zur Scharte vor dem Gipfel des Großen Waxensteins.

Vom Gipfel trennte mich nun noch eine kurze ausgesetzte Stelle im Bereich III und dann konnte ich insgesamt 4 Stunden nach Aufbruch in Hammersbach auf dem Gipfel des Großen Waxensteins stehen – auch wenn ich zuvor einen Gipfel übersehen hatte ein gutes Gefühl. Der Ausblick war allerdings naturgemäß nicht viel anders, als zuvor auf dem Kleinen Waxenstein.

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In der Bildmitte der Grat vom Großen Waxenstein in Richtung Zwölferkopf, schleht zu erkennen die kleine aber etwa 20 m tiefe Einschartung vor dem Gipfel.

Der Abstieg ins Höllental erfolgte auf dem Normalweg und diesen empfand ich als grauenvoll. Zunächst ging es steil in einer geschätzt 200 m langen Schuttrinne langsam in Richtung Tal. Hier gilt absolute Helmpflicht und wenn möglich sollte man hier nur auf- oder absteigen, wenn keine anderen Bergsteiger in der Rinne sind, denn es ist wirklich alles richtig brüchig und man hat keine Chance, Steinschlag zu entkommen.

Brüchige Schuttrinne im oberen Bereich des Normalwegs zum Großen Waxsenstein (vom Höllental kommend)
Brüchige Schuttrinne im oberen Bereich des Normalwegs zum Großen Waxsenstein (vom Höllental kommend)

Im Ansch macht der nur äußerst schlecht markierte Weg einen Boden nach Westen, dann geht es erneut nach Süden bergab und am Ende wieder nach Osten. Alles in allem nicht einfach zu finden, da es nur wenig und dann nur schwache Markierungen gibt. Dazu noch steil und brüchig, da gibt es wirklich schönere Abstiege. Doch am Ende erblickte ich die Baustelle der neuen Höllentalangerhütte…

Kurz vor dem Ende des Abstiegs zum Höllental - Blick auf die Baustelle der Höllentalangerhütte.
Kurz vor dem Ende des Abstiegs zum Höllental – Blick auf die Baustelle der Höllentalangerhütte.

… und dann wusste ich, dass es nicht mehr weit sein würde. Nach einer gefühlten Ewigkeit im Abstieg, in der Tat waren es 1,5 Stunden, erreichte ich das Höllental bei der Höllentalangerhütte, doch da der Neubau noch nicht abgeschlossen war, gab es weder Kaffee noch Kuchen.

Die noch unfertige Baustelle der neuen Höllentalangerhütte.
Die noch unfertige Baustelle der neuen Höllentalangerhütte.

Von hier an zog es mich rasch ins Tal, immerhin wollte ich noch einen Zug erwischen. Doch in der Höllentalklamm herrschte reger Betrieb und so musste ich etwas langsam machen. Zugegeben, bei den heißen Temperaturen war die Höllentalklamm eine willkommene Erfrischung und es viel mir nicht schwer, etwas langsamer zu machen.

Stau am Ende der Höllentalklamm.
Stau am Ende der Höllentalklamm.

Am Ende erreichte ich 6,5 Stunden nach Aufbruch erneut Hammersbach und setzte mich in die Zanradbahn zurück nach Garmisch-Partenkirchen. Hinter mir lag eine absolut tolle Tour, bei bestem Wetter, mit tollem Ausblick und guter Kraxelei in bestem Wettersteinkalk (also teilweise recht brüchiges Gestein).

Die wesentlichen Informationen zur Tour:

    • Der erste Teil, der Aufstieg zum Kleinen Waxenstein, ist im Buch Münchner Bergtouren von Thomas Otto beschrieben.
    • Gehzeiten (bei insgesamt recht flottem Tempo):Hammersbach – Einstieg Mittagreißn: 1 Stunde; Einstieg Mittagreißn – Mandl: 1 Stunde; Mandl – Kleiner Waxenstein: 30 Minuten; Kleiner Waxenstein – Großer Waxenstein (ohne Zwölferkopf…): 1,5 Stunden; Großer Waxenstein – Hölltental: 1,5 Stunden; Höllental – Hammersbach: 1 Stunde
    • sirdar.de – hier finden sich ein paar hilfreiche Bilder, aus denen sich die Wegfindung ergibt. Außerdem Informationen zur Überschreitung des kompletten Waxensteinkamms.
    • Hilfreich, vor allen Dingen für den Aufstieg von Hammersbach zur Mittagreißn: Kompass und AV-Karte Nr. 4/2 „Wetterstein, Mittleres Blatt“, 1:25000
    • An Ausrüstung empfiehlt sich ein 50 m Einfachseil zum Abseilen nach dem Kleinem Waxenstein (2x abseilen) und vor dem Großen Waxenstein (1x abseilen), sowie entsprechend Gurt und Abseilmaterial. Für die Abseilstelle vor dem Großen Waxenstein ist Reepschnur zum Opfern hilfreich.
    • Für DAV Mitglieder kostet die Höllentalklamm 1 EUR, ansonsten 4 EUR. Alternativ kann man über den Stangensteig umsonst ins Tal gelangen, kostet aber etwa 30 Minuten mehr Zeit und erfrischt natürlich nicht so gut, wie der Weg durch die Klamm.

In diesem Sinne

Martin

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