Klettern in Heubach im Odenwald

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Im Odenwald gibt es nur wenige natürliche offene Felsformationen, die sich zum Klettern eignen. Daher ist es ein großes Glück, dass früher Gestein abgetragen wurde und große Steinbrüche hinterlassen wurden, die von mittlerweile zahlreichen Kletterern genutzt werden können. Im Süden des Odenwalds ist vor allen Dingen Schriesheim hervorzuheben, wo es mehr als 240 Routen gibt und früher Porphyr abgebaut wurde, im Norden hingegen wurde Sandstein abgebaut, zum Beispiel in Heubach. Dort hat sich die DAV Sektion Darmstadt-Starkenburg ab 2001 dafür eingesetzt den alten Heubacher Sandsteinbruch für Kletterer zugänglich zu machen und seit Frühjahr 2006 kann dort auf dem Vereinsgelände offiziell geklettert werden.

Das Vereinsgelände der DAV Sektion Darmstadt-Starkenburg mit dem in den Bäumen zu erkennenden Sandstein zum Klettern. Nicht im Bild sind die Feuerstelle für Lagerfeuer und das Heubachhaus.
Das Vereinsgelände der DAV Sektion Darmstadt-Starkenburg mit dem in den Bäumen zu erkennenden Sandstein zum Klettern. Nicht im Bild sind die Feuerstelle für Lagerfeuer und das Heubachhaus.

Auf dem Gelände des Vereins steht nicht nur Fels, sondern unter anderem noch das Heubachhaus, an welchem zumindest teilweise noch gebaut/renoviert wird. Hier kann man übernachten und auch die Räumlichkeiten für Tagungen, Seminare oder ähnliches anmieten. Dadurch, dass der Fels vor Ort Teil des Vereinsgeländes ist, ergeben sich ein paar Besonderheiten, die das Klettern in Heubach etwas von der üblichen Kletterei an Felsen unterscheiden. Am auffälligsten ist sicherlich der Wandfuss, denn dort geht es mindestens so geordnet zu, wie in einem normalen deutschen Vorgarten. Liebevoll hat die Sektion hier zahlreiche Wege angelegt, Sitzmöglichkeiten geschaffen, eine Toilette installiert und man erkennt auf den ersten Blick, dass hier Ordnung gehalten wird.

Ordnung am Wandfuss: Hier hält die Sektion alles in Schuss, hat Wege angelegt und zahlreiche Sitzmöglichkeiten geschaffen.
Ordnung am Wandfuss: Hier hält die Sektion alles in Schuss, hat Wege angelegt und zahlreiche Sitzmöglichkeiten geschaffen.

Ordnung ist auch das Stichwort für die zweite Besonderheit, denn für das Gelände und damit auch für den Fels, gilt eine Benutzungsordnung. Diese regelt zum Beispiel, dass man Mitglied im DAV (oder in einem Verein mit Gegenrecht) sein muss, um überhaupt zum Zugang berechtigt zu sein.

Zugangsberechtigt zum Freizeit-u. Klettergelände Heubach der Sektion Darmstadt-Starkenburg des DAV sind alle Mitglieder des Deutschen Alpenvereins und von Vereinen mit Gegenrecht.

Weiterhin gilt für die Kletterei an den Felsen:
Die Nutzung der Felswände (Kletterrouten und Klettersteig) ist für Mitglieder der Sektionen Darmstadt-Starkenburg frei. Mitglieder von anderen Alpenvereinssektionen, die klettern oder den Klettersteig begehen wollen, erwerben eine Tages-/Saisonkarte, die auf Verlangen zusammen mit dem Mitgliedsausweis vorzulegen ist. Als Tageskarte dient ein Umschlag mit dem Namen und Beitrag des Kletterers. Der Umschlag ist im Briefkasten (Kletterbereich) zu deponieren. Die einzelnen Tarife sind der beigefügten Tabelle zu entnehmen. Saisonkarten sind gültig vom 01. Januar bis zum 31. Dezember eines Jahres und erhältlich bei: siehe Tariftabelle. Kletterer, die keinem Alpenverein angehören, können in Begleitung von Alpenvereinsmitgliedern das Gelände betreten und einmal gegen Tageskarte für Nichtmitglieder die Klettermöglichkeiten nutzen. Ab dem zweiten Mal ist die Mitgliedschaft in einer DAV-Sektion (plus Tages-/Saisonkarte) oder eine Saisonkarte für Nichtmitglieder erforderlich.

Hieraus ergibt sich, dass man ohne Mitgliedschaft im DAV aber in Begleitung eines DAV Mitglieds zumindest einmal dort klettern kann. In der Praxis sieht es so aus, dass sich im zentralen Kletterbereich eine Art Briefkasten befindet, in den die sich neben dem Kasten befindliche Briefumschläge ausgefüllt eingeworfen werden können.

Die in der Nutzungsordnung vorgesehene Möglichkeit zur Bezahlung - inklusive Erste Hilfe Koffer.
Die in der Nutzungsordnung vorgesehene Möglichkeit zur Bezahlung – inklusive Erste Hilfe Koffer.
Die Eintrittskarte zur Nutzung der Kletterfelsen im Heubacher Steinbruch.
Die Eintrittskarte zur Nutzung der Kletterfelsen im Heubacher Steinbruch. Zumindest nach dem Ausfüllen und Einwerfen…

Zugegeben, auf den ersten Blick bekommt man durchaus den Eindruck, man wäre in einer Kletterhalle – und nicht am Fels: Alles ordentlich und gepflegt, dazu eine Nutzungsordnung und auch noch Eintritt. Dazu kommt, dass es sich in Heubach ja streng genommen nicht um eine natürliche Felsformation handelt, sondern der Fels hier im Zuge der Steinbrucharbeiten seine Form bekam. Jedem Kritiker sei aber an dieser Stelle gesagt, dass das Felsklettern in Deutschland leider keine Selbstverständlichkeit ist: Behördliche Auflagen und angebliche Naturschützer erforden leider eine Unmenge an (ehrenamtlicher!) Arbeit, ohne die heutzutage kein Fels in Deutschland mehr zum Klettern genutzt werden dürfte. Im entsprechenden Kontext muss man auch die Arbeit der DAV Sektion Darmstadt-Starkenburg sehen, denn ohne den ehrenamtlichen Einsatz der Sektionsmitglieder wäre auch in Heubach keine naturverträgliche Möglichkeit zum Klettern entstanden. Folglich ist es nur richtig, dass nun auch die DAV Sektion Darmstadt-Starkenburg die Nutzung auf ihrem Grundstück regelt – und wer das nicht akzeptieren möchte kann natürlich auch woanders klettern.

Wer sich gegen Heubach entscheidet, dem entgeht allerdings eine ganze Menge richtig guter Sandsteinkletterei. Zugegeben, noch bin ich kein Freund des Sandsteins, denn ich war erst wenige Male am Sandstein und tue mich mit seinen Eigenheiten ab und an noch etwas schwer. Aber als ich in Heubach unter einer der zahlreichen, teils mehr als 30 m langen Risse und Linien stand, konnte ich es kaum erwarten die Schuhe anzuziehen und loszulegen.

Lange Risse, glatter Sandstein und teilweise über 35 m lange Routen. Heubach bietet bombenfesten Sandstein.
Lange Risse, glatter Sandstein und teilweise über 35 m lange Routen. Heubach bietet bombenfesten Sandstein.

Insgesamt verzeichnet der Odenwaldführer von Panico mittlerweile mehr als 100 Routen (101, um genau zu sein), wobei es einen Bereich mit zahlreichen kurzen und einfachen Routen gibt, sowie Bereiche mit langen und teils auch knallharten Routen. Wer im Odenwald eine 11- sucht, der wird hier fündig und kann sich durch überhängen Sandstein quälen.

Linke Seite des ersten Hofes in Heubach. Steile Kletterei an Sandstein mit tollen Löchern und immer wieder mit Reibungstritten, denen man vertrauen muss.
Linke Seite des ersten Hofes in Heubach. Steile Kletterei an Sandstein mit tollen Löchern und immer wieder mit Reibungstritten, denen man vertrauen muss.

Der Großteil der Routen befindet sich im sechsten und siebten Grat, wobei es auch einige Routen darüber gibt. Verglichen mit anderen Gebieten wurde in Heubach recht hart bewertet, wobei mein subjektiver Eindruck hier durch den für mich noch ungewohnten Sandstein etwas beeinflusst sein mag. Auf jeden Fall gibt es einige richtig lange Risse, in die man Hände, Finger und andere Körperteile schieben kann, um sich nach oben zu quälen.

Einer der augefälligsten Risse: Der Seitenwechsel (6+).
Einer der augefälligsten Risse: Der Seitenwechsel (6+).
In der Route Seitenwechsel (6+). Hier muss man teilweise wirklich wie in einem Kamin mit Rücken und Füßen klettern und sich teils mit dem Körper in und aus dem Riss wenden. Belohnt wird man durch eine Holzbank am Ende der Route, die man dann auch direkt zum Verschnaufen nutzen kann.
In der Route Seitenwechsel (6+). In der unteren Hälfte dominieren Hand- und Faustriss, im oberen Bereich muss man den ganzen Körper in und aus dem Riss/Kaminriss wenden. Belohnt wird man durch eine Holzbank am Ende der Route, die man dann auch direkt zum Verschnaufen nutzen kann.

Alles in allem hatte ich zwar nicht meinen besten Tag am Fels erwischt, jedoch hat mir das Klettern dort doch Spaß gemacht und ich war sicherlich nicht zum letzten Mal vor Ort. Zu offensichtlich sind die schönen Linien der Risse, zu fest das Gestein, als dass ich nicht noch einmal kommen würde. Ein paar kurze Informationen noch zum Fels:

  • Topos findet man im Odenwaldführer von Panico.
  • Informationen zu allen Reglementierungen im Steinbruch findet man auf der Seite der DAV Sektion Darmstadt-Starkenburg.
  • Es gibt einige kurze Routen, jedoch auch viele Linien, in denen ein 60 m Seil nicht mehr reicht. Auch hier hat die DAV Sektion Darmstadt-Starkenburg Hinweise auf ihrer Website.
  • Man kann bis nach Heubach mit dem ÖPNV – allerdings ist dies ein ziemliches Gegurke mit dem Bus. Der Zustieg dauert 30 Minuten ab der Haltestelle August-Bebel-Platz in Heubach, zurück geht es ein klein wenig schneller.
  • Durch den gepflegten Wandfuss eignet sich das Klettern auch für Familien. Kinder bis zehn Jahre betreten das Grundstück umsonst. Für Kinder und Jugendliche gilt beim Klettern und Sichern Helmpflicht!

In diesem Sinne

Martin

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