Klettern in Hessigheim steht für mich weniger für Sportklettern am persönlichen Limit, als mehr für ein Gesamterlebnis mit Freunden rund ums Klettern. Das liegt an mehreren Faktoren. Zum einen gibt es in Hessigheim kaum schwere Routen, der Großteil bewegt sich bis zum oberen sechsten Grad, vielleicht hier und da mal noch ein wenig darüber, aber richtig schweres Klettern ist in Hessigheim nicht angesagt. Dazu kommt, dass der Hessigheimer Felsengarten eine der wenigen Möglichkeiten zum Felsklettern in unmittelbarer Umgebung von Stuttgart ist. Das hat zur Folge, dass der Muschelkalk in Hessigheim teilweise so abgespeckt ist, dass man das Gefühl hat, an Porzellan zu klettern. Entsprechend kann es vorkommen, dass an sich recht einfache Züge schwerfallen – nicht wegen des eigentlichen Bewegung, sondern wegen der Rundungen an Tritten und Griffen. Sogar am Wandfuß sind die Felsen teilweise rund geschliffen. Auch die Höhe der Felsen, irgendwo zwischen acht und zwölf Metern, sorgt für eher gemütliche und überschaubare Kletterei.

Im Hessigheimer Felsengarten: Wie in einer Wanne eingebettet auf dem Weinberg wird auf der Innenseite geklettert - und als Belohnung bekommt man auf der zum Weinberg gewandten Seite einen herrlichen Blick über das Neckartal.
Im Hessigheimer Felsengarten: Wie in einer Wanne eingebettet auf dem Weinberg wird auf der Innenseite geklettert – und als Belohnung bekommt man auf der zum Weinberg gewandten Seite einen herrlichen Blick über das Neckartal.
Eher kurz: Der Fels in Hessigheim ist nicht sonderlich hoch und dominiert durch Leistenkletterei. Das liegt am horizontal geschichteten Muschelkalk, wie auf dem Bild rechts leicht zu erkennen.
Eher kurz: Der Fels in Hessigheim ist nicht sonderlich hoch und dominiert durch Leistenkletterei. Das liegt am horizontal geschichteten Muschelkalk, wie auf dem Bild rechts leicht zu erkennen.

Auf der anderen Seite punktet Hessigheim mit einer herrlichen Lage, denn die Felsen sind in einem Trog auf einem Weinberg über dem Neckar eingebettet. Das ist etwas schwer zu beschreiben, aber im Grunde befindet sich auf dem Weinberg eine langgezogene Wanne aus freigelegtem Fels, auf deren Innenseite man klettern darf. Dadurch sind die Felsen etwas geschützt und man hat am Rand zum Weinberg hin einen herrlichen Ausblick über das Neckartal.

Hessigheim
Von unterhalb des Weinbergs sieht man hinauf zu den Kletterfelsen. Die zum Weinberg hin zeigenden Felsanteile sind für Kletterer tabu – geklettert wird auf der Rückseite.
Die Routen sind kurz,
Die Routen sind kurz, aber der Ausblick immer lohnen. Hier Richtung Osten, weg vom Weinberg im Rücken.
Einfache Routen, aber tolle Kulisse.
Einfache Routen, aber tolle Kulisse. Foto von Fabian (beyond-borders.jimdo.com).
Blick über den Neckar. Die zum Nekcar zeigenden Felswände sind nicht zum Klettern freigegeben, nur die Routen auf der Innenseite des Felstrogs.
Blick über den Neckar. Die zum Nekcar zeigenden Felswände sind nicht zum Klettern freigegeben, nur die Routen auf der Innenseite des Felstrogs.

Man kann in Hessigheim beim Klettern aber nicht nur den Ausblick auf die Landschaft genießen, sondern vor allen Dingen nach dem Klettern das offensichtlichste Produkt dieser Kulturlandschaft: Wein! Schon beim Zustieg kommt man an der Felsengartenkellerei Besigheim vorbei und dort hat es auch eine Besenwirtschaft, die zu Speiß und Trank nach dem Klettern einlädt.

Kräftigung nach dem Klettern - in der Besenwirtschaft der Felsengartenkellerei, unmittelbar am Parkplatz gelegen, kann man sich nach einem Klettertag stärken.
Kräftigung nach dem Klettern – in der Besenwirtschaft der Felsengartenkellerei, unmittelbar am Parkplatz gelegen, kann man sich nach einem Klettertag stärken.
Nicht nur Kletterer am Felsen...
Nicht nur Kletterer am Felsen…

Klettern kann ab und zu mehr sein, als das Testen des eigenen Limits. Und wer mit Freunden einen entspannten Klettertag verbringen möchte, der soll sich nicht an den abgespeckten stören, sondern sich auf die Aussicht auf Landschaft und Verpflegung danach freuen und durchaus mal überlegen, nach Hessigheim zu fahren. Nachstehend noch einige kurze Informationen zum Klettergebiet:

  • Geklettert wird an abgespecktem Muschelkalk. Die Absicherung ist üppig, Friends und co. können zu Hause bleiben. Teilweise sind die Umlenker auf den Köpfen der Routen etwas versteckt (auf der Seite zum Weinberg hin), lange Schlingen sind hier ganz praktisch, wenn ein Toprope eingerichtet werden sollte. Es überwiegen Routen bis zum sechsten Grad und insgesamt gibt es eine ganze Menge Routen (Felsinfo)
  • Der Panico Verlag hat mit Stuttgart rockt! einen Topoführer im Angebot, in dem die Felsen Hessigheims aufgeführt sind.
  • Man kann vor Ort auch Bouldern! Es gibt einige Möglichkeiten und diese sind ebenso im Panico Führer verzeichnet.
  • Der Hessigheimer Felsengarten ist, wie sollte es auch anders sein, Naturschutzgebiet. Der DAV hat einige Informationen in einem Flyer zusammengestellt. Bitte beachten: Die Route Traumkante (6-) in der eine Frau auf dem Cover des Flyers klettert, ist eigentlich aus Naturschutzgründen gesperrt und darf nicht begangen wären. Dabei wäre sie sicherlich wegen der Aussicht ein absolutes Highlight.
  • Eine kleine Übesicht über die ortsansässigen Besenwirtschaften und Winzer in Hessigheim gibt es hier. Die Felsengartenkellerei Besigheim eG findet sich unmittelbar am Parkplatz zum Zustieg.

In diesem Sinne

Martin

 

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