Am Pfingtsmontag ging es in die Pfalz – und zwar zum Klettern am Haardtrand, in den Steinbruch nach Gimmeldingen in der Pfalz. Der Kontrast zum Battert am Vortrag hätte größer nicht sein können: Der Fels ist mit weniger als 20 m Höhe in Gimmeldingen deutlich kürzer als am Battert, es wird erst seit 2007 geklettert (und nicht seit Ende des 19. Jahrhunderts) und die Absicherung ist mehr als üppig. In der ersten Route zum Aufwärmen fand ich auf zehn Metern acht Haken – zwei mehr als am Battert am ganzen Tag zuvor in allen Routen und Seillängen. Doch auch wenn der Kontrast groß war, das Klettern machte auch in Gimmeldingen ziemlich viel Spaß.

Da der Steinbruch nicht ganz so bekannt ist, vielleicht eine kleine Beschreibung an dieser Stelle: Geklettert wird an Sandstein und der Fels steht im Wald, mit einer Ausrichtung nach Norden. Daher ist er eine gute Wahl für heiße Sommertage. Bei Feuchtigkeit kann man hier allerdings das Klettern vergessen, denn dann wird alles schmierig. Der Wandfuß ist eben und damit für Familein mit Kindern geeignet. Ganze 78 Routen finden sich im Steinbruch, zahlreiche Routen bis zum fünften Grad, der Großteil zwischen sechstem und achten Grad und ein paar wenige Routen zum Austoben gibt es auch in höheren Graden.

Sandstein soweit das Auge reicht: In Gimmeldingen gibt es mehrere markante Verschneidungen...
Sandstein soweit das Auge reicht: In Gimmeldingen gibt es mehrere markante Verschneidungen…
... sowie diverse plattige Bereiche.
… sowie diverse plattige Bereiche.
Der Großteil der Routen im Gimmeldinger Steinbruch liegt im sechsten bis achten Schwierifgkeitsgrad.
Der Großteil der Routen im Gimmeldinger Steinbruch liegt im sechsten bis achten Schwierifgkeitsgrad, wobei es afgrund des Sandsteins viele Platten und Risse gibt.

Geklettert wird an Sandstein und es dominieren Platten, beziehungsweise Risse. Der wohl bekannteste Riss ist die Fissura Calzonata (6+), von der ich Vorfeld schon gehört hatte. Im Steinbruch stehend musste ich nicht lange suchen, die Route ist sicherlich die auffälligste im Steinbruch und übte aufgrund der quasi perfekten Linie (und allem was ich über sie gehört hatte) eine magische Anziehung auf mich aus.

In diesem Riss wird zwischen Faustriss und Körperriss alles abverlangt: Die Fissura Calzonata (6+) im Gimmeldinger Steinbruch.
In diesem Riss, lin der Bildmitte gut erkennbar, wird zwischen Faustriss und Körperriss alles abverlangt: Die Fissura Calzonata (6+) im Gimmeldinger Steinbruch.

Vor ein paar Wochen hatte ich bereits auf die Wild Country Crack School hingewiesen und die Fissura ist der perfekte Riss, um einen Großteil davon anzuwenden. Nach dem Warmklettern war ich dann auch richtig heiß und konnte mir eine kleine Freude machen, in dem ich den Riss on sight ohne größere Probleme steigen konnte. Vor einem Jahr wäre das noch undenkbar gewesen. Weniger wegen der nominallen Schwierigkeit, sondern weil ich vor meinem Umzug in die Kurpfalz nur an Kalk und quasi nie in Rissen unterwegs gewesen war. Erst in den letzten zwölf Monaten war ich immer wieder mal in Rissen geklettert und nun konnte ich alles Gelernte schön umsetzen.

In der Crux der Fissura Calzonata.
In der Crux der Fissura Calzonata.
Die ersten und letzten Meter klettert man im perfekten Handriss nach oben, mit guter Technik für die Füße steht man absolut perfekt im Spalt.
Die ersten und letzten Meter klettert man im perfekten Handriss nach oben, mit guter Technik für die Füße steht man absolut perfekt im Spalt. Und teilweise auch auf den Tritten daneben.

Pünktlich nachdem der letzte unserer kleinen Klettertruppe die Fissura geklettert war, fing es zu regnen an. Wir machten uns auf den Rückweg und schauten noch beim Weingut Ferckel im Rahmen des Loblocher Weinzehnt im Weindorf Gimmeldingen vorbei. Dort gab es in den Scheunen der Winzer guten Kuchen, pfälzer Spezialitäten und natürlich auch Pfälzer Wein. So kann man den Klettertag ausklingen lassen… es wird nicht mein letzter Besuch in Gimmeldingen gewesen sein!

Für alle Interessierten hier noch ein paar Informationen zum Klettern in Gimmeldingen am Haardtrand:

  • Klettern am Haardtrand ist der Topoführer für das Gebiet um Neustadt. Im Grunde steht zum Steinbruch in Gimmeldingen nicht mehr im Führer, als in der frei verfügbaren Variante bei den Pfälzer Kletterern (auch die Zeichnungen sind gleich). Allerdings gibt es im Büchlein noch Topos zu den Felsen (Steinbrüchen) bei Edenkoben, St. Martin, Lindenberg, Gerbersberg, Lambrecht und Annaberg. Und man unterstützt etwas die Erschließer, beziehungsweise hat eben auch ein kleines Buch im Regal – und keine Looseblattsammlung. Kostenpunkt rund 13 EUR und problemlos beim Bücherriesen im Netz zu bekommen.
  • Digital (mit deutlich besseren Zeichnungen!) findet man auch hier noch einen Topoführer. Für läppische 2,49 EUR.
  • Mit der Bahn und dem Rad kann man den Steinbruch auch gut erreichen. Von Heidelberg/Mannheim mit der S-Bahn kommend in Neustadt an der Weinstraße – Bahnhof Böbig umsteigen Richtung Mußbach und dann mit dem Rad in weniger als einer halben Stunde (bergauf) in den Steinbruch. Die letzten Meter muss man dann vielleicht schieben, aber der Steinbruch entschädigt und spätestens der Rückweg wird zum Vergnügen, denn dann geht es immer nur bergab.

In diesem Sinne

Martin

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