Übermut am Battert

Klettern , ,

Nachdem es am Vortag einmal mehr in den Schriesheimer Steinbruch ging, war am Sonntag direkt danach der Battert dran. Dort war ich erst zum dritten mal und vor etwas weniger als einem Jahr hatte ich von der Kletterei dort ein wenig berichtet. Das Klettern dort unterscheidet sich, wie damals schon erwähnt, sehr deutlich von der üblichen Kletterei in Sportklettergebieten. Zum einen ist der Fels dort sehr speziell, zum anderen die Absicherung eher spärlich. Was das Gestein angeht, so handelt es sich um ein Konglomeratgestein des Oberrotliegen. Das ursprüngliche Gestein ist rund 300 – 250 Mio. Jahren alt, doch vor rund 35 Mio. Jahren kam es zu einem Ereignis, bei dem aufsteigende Gase das Gestein der Battertfelsen verkieselten. In den darauf folgenden Jahren erodierte das die Battertfelsen umgebende Gestein und hinterlies die durch die Verkieselung deutlich härteren Kletterfelsen. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich kein Geologe bin, aber das ist das, was beim Workshop Eine kleine Einführung in die Geologie durch den DAV Heidelberg vor ein paar Wochen hängen geblieben ist. Die Konsequenz dieses vorgeschichtlichen Ereignisses ist ein absolut fester Fels, der allerdings eine sehr interessante Struktur aufweißt. Es gibt eine Vielzahl von Rissen und Kaminen, der Fels ist insgesamt quer gestreift, sehr griffig, zeigt keinerlei Spuren von abgeschmierten Tritten oder Griffen und wirkt stellenweise kompakt, aber immer wieder aus einzelnen Blöcken zusammengesetzt. Alles super spannend und wenn man wie ich zuvor quasi immer nur an Kalkstein unterwegs war (ok, seit dem ich hier blogge dann doch hauptsächlich Porphyr in Schriesheim), wirkt das alles ziemlich fremd und man  muss sich etwas an das Gestein gewöhnen.

Ein weiterer Punkt der am Battert anders als in anderen Klettergebieten ist, ist die Absicherung. Bei Sven von aufundab.eu habe ich ein herrliches Zitat von palatinum.de gesehen, dass die Situation am Battert trefflich beschreibt:

Der Battert ist ein wahres Paradies für den moralisch gefestigten Genusskletterer.

Spaß hat man am Battert nicht, wenn man in knallharte Routen sucht, sondern vor allen Dingen, wenn es einem nichts ausmacht, dass zwischen den Haken mal zehn bis zwanzig Meter Luftlinie sind und man die Distanzen, je nach Bedarf, selbst absichern kann. Wen dies nicht abschreckt, der findet am Battert herrlich lange Routen an bis zu 60 m langen Felsen, von denen zahlreiche kleine und größere Massive über Baden-Baden aus dem Wald ragen.

Die schönsten Momente am Battert hat man sicherlich dann, wenn man nach getaner Arbeit auf einem der Türmchen sitzt und über Baden-Baden schauen kann.
Die schönsten Momente am Battert hat man sicherlich dann, wenn man nach getaner Arbeit auf einem der Türmchen sitzt und über Baden-Baden schauen kann.
Eines der zahlreichen Felsmassive am Battert, hoch über Baden-Baden.
Eines der zahlreichen Felsmassive am Battert, hoch über Baden-Baden.

Es gibt einige Bereiche, in denen am Fels ziemlicher Andrang herrscht. Das ist meist bei den vergleichsweise gut abgesicherten einfachen Routen der Fall. Außerdem stehen die Felsmassive eng beieinander, so dass es allein deshalb schon teilweise am Wandfuß eng zugeht.

Blick nach Süden über Baden-Baden.
Blick nach Süden über Baden-Baden.
Der Battert liegt hoch über Baden-Baden und zusätzlich erheben sich die Felsen auch noch recht weit über die Bäume. Der Ausblick ist einfach phänomenal.
Der Battert liegt hoch über Baden-Baden und zusätzlich erheben sich die Felsen auch noch recht weit über die Bäume. Der Ausblick ist einfach phänomenal.
Auf jedem Türmchen sitzt oder steht ein Kletterer, der den nächsten nachsichert oder gerade mit Abseilen beschäftigt ist.
Auf jedem Türmchen sitzt oder steht ein Kletterer, der den nächsten nachsichert oder gerade mit Abseilen beschäftigt ist.

Bei unserem Besuch am Battert war an den meisten Massiven ziemlich viel los, so dass wir uns glücklich schätzten, als wir zufällig noch den Turm des Übermuts entdeckten. Allein wegen des Namens musste ich ja an diesen kleinen Turm und im Gegensatz zu den meisten anderen Felsen an denen wir zuvor waren, herrschte dort keinerlei Andrang und wir hatten den Felsen komplett für uns alleine.

Südostseite des Turm des Übermuts.
Südostseite des Turm des Übermuts.
Südwestseite des Turm des Übermuts.
Südwestseite des Turm des Übermuts.

Wobei… so ganz für uns allein hatten wir den Turm dann doch nicht, denn der Turm steht direkt am Rand des Battert-Rundwanderwegs und wir mussten mehrfach den schaulustigen Wanderern Rede und Antwort stehen.

Den Erstbegehern der klassischen Routen am Battert zolle ich übrigens größten Respekt: Die Alte Frühstückswand (4+) wurde 1913 laut Panico Führer rückwärts im Abstieg erstbegangen – eine Leistung die ich deutlich höher schätze, als zum Beispiel die Begehung einer mit dutzenden Bohrhaken abgesicherten Routen im zehnten Grad. Damals waren die Kletterer wirklich verrückt und halsbrecherisch unterwegs!

In diesem Sinne

Martin

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